Der ATF Dingo ist ein geschütztes Radfahrzeug der Bundeswehr. Die Abkürzung steht für Allschutz-Transportfahrzeug, gebaut auf dem Fahrgestell eines Unimog. Die erste Generation, der Dingo 1, ging im Jahr 2000 in Dienst und beruht auf dem Unimog U 1550 L. Ab 2004/2005 folgte der weiterentwickelte Dingo 2 auf Basis des stärkeren Unimog U 5000, der bis heute beschafft wird. Hersteller ist Krauss-Maffei Wegmann (KMW), inzwischen Teil von KNDS Deutschland. Der Dingo zählt zu den am längsten im Bundeswehr-Bestand befindlichen geschützten Fahrzeugen und wurde seit der Einführung mehrfach überarbeitet, zuletzt im Baulos A4.1. In Deutschland steht aktuell kein Dingo für Selbstfahrer zur Verfügung, mehr dazu weiter unten.
Technische Daten
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Typ | Allschutz-Transportfahrzeug (ATF), geschütztes Radfahrzeug |
| Herkunftsland | Deutschland |
| Hersteller | Krauss-Maffei Wegmann (KMW), heute KNDS Deutschland |
| Bauzeit | seit 2000 (Dingo 1: 2000 bis 2003; Dingo 2: seit 2004/2005; laufende Nachbeschaffung mindestens bis 2027) |
| Stückzahl | 147 (Dingo 1, 2000 bis 2003 an das Heer ausgeliefert) |
| Gefechtsgewicht | keine Angabe |
| Länge | keine Angabe |
| Breite | keine Angabe |
| Höhe | keine Angabe |
| Motor | Mercedes-Benz OM 924 LA (Dingo 2, Basismotorisierung) |
| Leistung | 222 PS / 163 kW (Dingo 2, Basismotorisierung) |
| Höchstgeschwindigkeit | keine Angabe |
| Reichweite | keine Angabe |
| Besatzung | keine Angabe |
| Hauptbewaffnung | fernbedienbare Waffenstation, wechselbar für Maschinengewehr oder Granatmaschinenwaffe |
| Panzerung | Verbundpanzerung auf Stahlwanne |
| Watfähigkeit | keine Angabe |
Mehrere Felder sind bewusst mit „keine Angabe“ ausgewiesen, weil die verfügbaren Quellen deutlich voneinander abweichen. Die Details dazu stehen in den folgenden Abschnitten.
Wichtig für die Einordnung der Tabelle: Motor und Leistung gelten hier nur für die Basismotorisierung des Dingo 2, nicht für die gesamte Fahrzeugfamilie. Der Dingo 1 nutzte ein anderes Aggregat, und auch innerhalb des Dingo 2 unterscheiden sich die Baulose A1 bis A4.1 technisch. Ebenso bezieht sich die angegebene Stückzahl von 147 ausschließlich auf den Dingo 1. Zur Gesamtstückzahl des Dingo 2 gibt es keine einheitliche Zahl, siehe Abschnitt Einsatz und Verbreitung.
Entwicklungsgeschichte
Krauss-Maffei Wegmann entwickelte den Dingo Mitte der 1990er-Jahre als Antwort auf neue internationale Aufgaben der Bundeswehr. Frühe Prototypen auf schwächer motorisierten Unimog-Fahrgestellen erwiesen sich im Praxistest als unzureichend. Nach Angaben des österreichischen Fachportals doppeladler.com gingen die ersten beiden Serienfahrzeuge bereits im Jahr 2000 direkt an das deutsche KFOR-Kontingent im Kosovo, wo sie im Rahmen von Truppenversuchen eingesetzt wurden. Dieser Balkan-Einsatz deckte laut derselben Quelle Schwächen der ursprünglichen Plattform auf, unter anderem eine Neigung zum Kippen, und floss in die Weiterentwicklung ein.
Aus diesen Erfahrungen entstand der Dingo 2 auf dem stärkeren Fahrgestell des Unimog U 5000. Er bot mehr Nutzlast und größere Schutzstrukturen als der Dingo 1. Nach Angaben im Datenblatt steht der Dingo 2 seit 2004/2005 im Dienst der Bundeswehr.
Der Dingo 1 wurde in einer Stückzahl von 147 Fahrzeugen zwischen 2000 und 2003 an das deutsche Heer ausgeliefert. Anders als viele Radfahrzeuge dieser Zeit wurde er nicht als Neukonstruktion entwickelt, sondern auf Basis eines zivilen Lkw-Fahrgestells: ein pragmatischer Ansatz, der kurze Entwicklungszeiten und eine breite Ersatzteil- und Werkstattbasis ermöglichte, weil der Unimog auch außerhalb des Militärs im Einsatz ist.
Nach Angaben von bundeswehr.de hat sich der Dingo besonders im Afghanistan-Einsatz bewährt, wo er auf Konvoi- und Patrouillenfahrten gegen die dortige Sprengfallen- und Minenbedrohung eingesetzt wurde. Die Beschaffung des Dingo 2 läuft in mehreren Baulosen weiter; laut Datenblatt ist mit Nachbeschaffungen mindestens bis 2027 zu rechnen.
Technik im Detail
Der technische Kern des Dingo ist das Unimog-Fahrgestell. Der Unimog ist ursprünglich ein ziviles Universalfahrzeug für Landwirtschaft und Kommunaltechnik, das sich durch Portalachsen, große Bodenfreiheit und robusten Allradantrieb auszeichnet. Diese Eigenschaften machen ihn auch als Basis für ein geschütztes Militärfahrzeug brauchbar: hohe Geländegängigkeit, bewährte Antriebstechnik und Wartung, die auf zivile Unimog-Werkstätten zurückgreifen kann, statt auf eine rein militärische Spezialkonstruktion angewiesen zu sein.
Auf dieses Fahrgestell setzt eine gepanzerte Stahlwanne auf, die außen mit zusätzlichen Panzerungsmodulen ausgestattet ist. Dieses Konzept wird als Verbundpanzerung bezeichnet, weil mehrere Materialschichten kombiniert werden. Beim Dingo 2 kommt dabei unter anderem ein Panzerungssystem des Herstellers IBD zum Einsatz. Nach Angaben der Fachliteratur folgen Dingo 1 und Dingo 2 grundsätzlich demselben Schutzkonzept, auch wenn sich die verbauten Module zwischen den Baulosen unterscheiden. Angaben zu konkreten Schutzklassen oder zur Wirkung gegen bestimmte Bedrohungen sind nicht Teil dieser Seite.
Die Bewaffnung sitzt in einer fernbedienbaren Waffenstation auf dem Dach, die die Besatzung von innen aus bedient, ohne sich der Wanne zu öffnen. Je nach Baulos und Ausstattung ist diese Station mit einem Maschinengewehr, einem 12,7-mm-Maschinengewehr oder einer 40-mm-Granatmaschinenwaffe bestückbar. Die konkrete Wahl der Waffe hängt von Rolle und Auftrag des Fahrzeugs ab.
Für die technischen Fachbegriffe rund um Fahrwerk und Panzerung von Kettenfahrzeugen führt panzerfahren.de ein eigenes Lexikon, das für andere Fahrzeugtypen der Datenbank Begriffe wie Verbundpanzerung erklärt.
Varianten
Der Dingo 2 wird bei der Bundeswehr in mehreren Baulosen beschafft, die mit A1 bis A4.1 bezeichnet werden und sich in Details unterscheiden. Das aktuellste Baulos A4.1 nutzt laut Datenblatt ein moderneres Unimog-Fahrgestell und eine stärkere Motorisierung mit 240 kW statt der Basisleistung von 163 kW. Diese Kampfwertsteigerung betrifft ausschließlich neu beschaffte Fahrzeuge dieses Bauloses, nicht die gesamte Flotte.
Neben der reinen Fahrzeuggeneration unterscheiden sich die Varianten vor allem nach Aufgabe:
- Patrouillen- und Sicherungsfahrzeug (PatSi/PatSec)
- Führungsfahrzeug
- Aufklärungsfahrzeug (NC Reconnaissance)
- Sanitätsfahrzeug (Ambulance)
- Bergefahrzeug (Recovery)
- Pick-up-Ausführung als Transportvariante
Diese Rollen teilen sich das gleiche Grundfahrzeug, unterscheiden sich aber im Aufbau und in der Innenausstattung. Der Dingo 1 wurde dagegen im Wesentlichen in einer Grundversion beschafft, ohne die breite Rollenvielfalt des Dingo 2.
Einsatz und Verbreitung
Der Dingo 1 ging mit 147 Fahrzeugen zwischen 2000 und 2003 an das deutsche Heer. Zur Gesamtstückzahl des Dingo 2 gibt es keine einheitliche Angabe. Bundeswehr.de und das Portal bundeswehr-lexikon.de nennen übereinstimmend mehr als 500 Fahrzeuge, allerdings in nahezu identischer Formulierung, was auf eine gemeinsame Quelle statt auf zwei unabhängige Zählungen hindeuten kann. Eine weitere Quelle nennt für Ende 2023 fast 700 Fahrzeuge, eine andere spricht von rund 1000 Fahrzeugen seit 2012. Wegen dieser Streuung führt das Datenblatt für den Dingo 2 keine Gesamtstückzahl.
Der Dingo steht seit seiner Einführung im aktiven Dienst der Bundeswehr, vor allem im Heer und im Unterstützungsbereich. Nach Angaben von bundeswehr.de bewährte er sich besonders im Afghanistan-Einsatz auf Konvoi- und Patrouillenfahrten. Nach Angaben von doppeladler.com setzt auch das österreichische Bundesheer Dingo-Fahrzeuge in mehreren Varianten ein, was den Dingo neben der Bundeswehr auch zu einem Exportprodukt macht.
Die laufende Nachbeschaffung des Baulos A4.1 zeigt, dass der Dingo 2 auch mehr als zwei Jahrzehnte nach Einführung des Dingo 1 weiterhin Teil der aktuellen Fahrzeugplanung der Bundeswehr ist, mit Auslieferungen bis mindestens 2027.
Verbleib heute
Der Dingo 2 bleibt aktiver Bestandteil der Bundeswehr-Fahrzeugflotte, ergänzt um das modernisierte Baulos A4.1. Der ältere Dingo 1 wurde in deutlich kleinerer Stückzahl beschafft und über die Jahre teilweise durch den Dingo 2 in seinen Aufgaben abgelöst. Belastbare Angaben dazu, ob und in welchen Museen ausgemusterte Dingo-1-Fahrzeuge heute öffentlich gezeigt werden, liegen nicht vor. Wer aktuelle Bestände einsehen möchte, findet Hinweise auf den offiziellen Seiten der Bundeswehr und des Herstellers KNDS.
Kann man einen ATF Dingo selbst fahren?
Nein, dieses Modell steht in Deutschland nicht zum Selbstfahren zur Verfügung. Der Dingo ist ein aktives Bundeswehr-Fahrzeug und wird nicht über zivile Fahrangebote vermittelt. Ein technisch direkt vergleichbares Radfahrzeug führt die aktuelle Fahrzeugübersicht von panzerfahren.de derzeit nicht gesondert auf. Dort finden Interessierte die Modelle, die aktuell für Selbstfahrer oder Mitfahrer angeboten werden.
Verwandte Fahrzeuge
Der Dingo 1 und der Dingo 2 bilden zusammen die Dingo-Familie und sind die beiden Vorgänger- und Nachfolgegenerationen desselben Grundkonzepts. Einen eigenen Vergleich zu anderen geschützten Radfahrzeugen der Bundeswehr sowie weitere Modelle finden Sie in der Fahrzeugübersicht von panzerfahren.de.
Häufige Fragen
Wie schwer ist ein ATF Dingo?
Zum Gefechtsgewicht gibt es keine einheitliche Angabe. Für den Dingo 2 schwanken die Werte je nach Quelle und Ausführung zwischen etwa 12,5 und 17,5 Tonnen, je nach Zusatzpanzerung und Beladung. Eine Quelle nennt für den Dingo 1 ein Gefechtsgewicht von 9,5 Tonnen. Wegen der Streuung führt das Datenblatt keinen festen Wert.
Wie schnell fährt ein Dingo?
Auch hier weichen die Angaben ab. Zwei Quellen nennen für den Dingo 2 übereinstimmend 89 km/h, allerdings in identischer Formulierung. Eine weitere Quelle spricht von mehr als 90 km/h bei einem Gewicht von 12,5 Tonnen. Eine gesicherte Zahl für das Datenblatt ergibt sich daraus nicht.
Wie viele Dingo wurden gebaut?
Vom Dingo 1 wurden 147 Fahrzeuge gebaut und zwischen 2000 und 2003 an das deutsche Heer ausgeliefert. Für den Dingo 2 gibt es keine einheitliche Gesamtstückzahl: Angaben reichen von mehr als 500 über fast 700 bis zu rund 1000 Fahrzeugen, je nach Quelle und Stand.
Wie viele Soldaten passen in einen Dingo?
Die Besatzungsangaben schwanken zwischen 6 und bis zu 10 Personen für den Dingo 2, je nachdem, ob nur die Standardbesatzung oder die maximale Personenzahl in bestimmten Rollen gezählt wird. Eine Quelle nennt für den Dingo 1 eine Standardbesatzung von 5 Personen: Kommandant, Fahrer, Richtschütze und zwei Nahsicherer.
Was ist der Unterschied zwischen Dingo 1 und Dingo 2?
Der Dingo 1 basiert auf dem Unimog U 1550 L, der Dingo 2 auf dem stärkeren Unimog U 5000. Der Dingo 2 verfügt über mehr Nutzlast, größere Schutzstrukturen und eine deutlich breitere Rollenvielfalt vom Patrouillenfahrzeug bis zum Bergefahrzeug. Der Dingo 1 wurde 147-mal gebaut, der Dingo 2 wird bis heute in mehreren Baulosen beschafft.
Kann man einen ATF Dingo selbst fahren?
Nein. Der Dingo ist ein aktives Fahrzeug der Bundeswehr und wird in Deutschland nicht für Selbstfahrer oder Mitfahrer angeboten. Die aktuell verfügbaren Modelle stehen in der Fahrzeugübersicht von panzerfahren.de.
Welche Rollen gibt es beim Dingo 2?
Der Dingo 2 wird unter anderem als Patrouillen- und Sicherungsfahrzeug, Führungsfahrzeug, Aufklärungsfahrzeug, Sanitätsfahrzeug, Bergefahrzeug und in einer Pick-up-Ausführung eingesetzt. Alle Rollen teilen sich das gleiche Grundfahrzeug auf Unimog-Basis, unterscheiden sich aber im Aufbau.