
Der Eagle IV ist ein geschütztes Führungs- und Funktionsfahrzeug (GFF) der Klasse 2 aus Schweizer Entwicklung, im Einsatz bei der Bundeswehr seit den späten 2000er Jahren. Anders als die früheren Baumuster Eagle I bis III, die auf dem amerikanischen HMMWV aufbauten, nutzt der Eagle IV das Fahrgestell des Lkw Duro und ist damit ein technisch eigenständiges Fahrzeug. Er dient als geschützter Träger für Führungs-, Aufklärungs- und Unterstützungsaufgaben im Auslandseinsatz, nicht als Kampffahrzeug im engeren Sinn. In Deutschland steht der Eagle IV derzeit nicht für Selbstfahrangebote zur Verfügung, einen Überblick über fahrbare Modelle bietet die Fahrzeugübersicht.
Technische Daten
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Typ | Geschütztes Führungs- und Funktionsfahrzeug (GFF) Klasse 2 |
| Herkunftsland | Schweiz |
| Hersteller | General Dynamics European Land Systems (GDELS), Fertigung durch GDELS-Mowag (Kreuzlingen) und GDELS-Germany (Kaiserslautern) |
| Bauzeit | keine Angabe |
| Stückzahl | 495 (nur Eagle IV, ohne Eagle V) |
| Gefechtsgewicht | keine Angabe |
| Länge | 5,4 m |
| Breite | 2,3 m |
| Höhe | keine Angabe |
| Motor | Cummins ISBe, Sechszylinder-Turbodiesel, 5,9 Liter, Euro III |
| Leistung | 250 PS (184 kW) |
| Höchstgeschwindigkeit | 100 km/h |
| Reichweite | 700 km |
| Besatzung | keine Angabe |
| Hauptbewaffnung | keine Angabe |
| Panzerung | keine Angabe |
| Watfähigkeit | 1,0 m |
Beim Gefechtsgewicht schwanken die Angaben je nach Quelle deutlich. Bundeswehr.de nennt 8,8 bis 9,5 Tonnen Gefechtsgewicht je nach Ausführung, eine andere Quelle nennt dagegen 6,7 Tonnen Leergewicht und 8,8 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht. Die Differenz erklärt sich vermutlich dadurch, dass die erste Angabe das beladene, gefechtsbereite Fahrzeug meint und die zweite zwischen leerem und maximal zulässigem Zustand unterscheidet. Auch bei der Höhe weichen die Werte voneinander ab: Mit montierter Waffenstation FLW 100 werden 2,9 Meter genannt, eine andere Quelle nennt 2,30 Meter, allerdings ohne Angabe zur Aufbaukonfiguration. Auch hier liegt die wahrscheinlichste Erklärung in der aufgesetzten Waffenstation, die die Gesamthöhe spürbar erhöht. Beide Werte werden deshalb bewusst nicht als feste Zahl im Datenblatt geführt.
Entwicklungsgeschichte
Der Eagle IV entstand als Antwort auf den Bedarf der Bundeswehr an einem geschützten Fahrzeug für Führungs- und Unterstützungsaufgaben im Auslandseinsatz. Die Fahrzeugklasse trägt die Bezeichnung Geschütztes Führungs- und Funktionsfahrzeug, kurz GFF, Klasse 2. Basis ist das Radfahrgestell des Schweizer Lkw Duro, weiterentwickelt vom Hersteller Mowag in Kreuzlingen, der zum US-Konzern General Dynamics gehört und seither als GDELS-Mowag firmiert. Die Fertigung für die Bundeswehr-Fahrzeuge übernahm zusätzlich GDELS-Germany am Standort Kaiserslautern.
Eine Quelle nennt den 7. November 2008 als Datum der Vertragsunterzeichnung, demnach bestellte die Bundeswehr zunächst 198 Fahrzeuge. Ein gesichertes Datum, wann die Fertigung der reinen Eagle-IV-Variante endete, nennt keine der geprüften Quellen. Insgesamt beschaffte die Bundeswehr 495 Fahrzeuge dieses Baumusters, die Hauptbeschaffung war nach den vorliegenden Angaben um das Jahr 2012 weitgehend abgeschlossen.
Bereits ab 2013 bestellte die Bundeswehr mit dem Eagle V das nächste Baumuster derselben Fahrzeugfamilie. Nach Herstellerangaben übernimmt der Eagle V rund 85 Prozent der Bauteile vom Eagle IV, bringt aber ein höheres zulässiges Gesamtgewicht sowie einen verbesserten ballistischen Schutz und Minenschutz mit.
Der Beschaffungshintergrund ist typisch für die GFF-Fahrzeugfamilie. Der Bedarf an geschützter Mobilität für Stäbe, Sanitätspersonal und Spezialtrupps wuchs mit den Auslandseinsätzen der Bundeswehr seit den 2000er Jahren spürbar. Ein ungepanzertes Fahrzeug reichte für diese Aufgaben nicht mehr aus, ein voll gepanzertes Kettenfahrzeug wäre für reine Führungs- und Funktionsaufgaben dagegen überdimensioniert gewesen. Der Eagle IV füllte diese Lücke mit einem radbasierten Kompromiss aus Schutz, Mobilität und Nutzlast.
Technik im Detail
Angetrieben wird der Eagle IV von einem Cummins ISBe, einem Sechszylinder-Turbodiesel mit 5,9 Litern Hubraum nach der Abgasnorm Euro III. Der Motor leistet 250 PS beziehungsweise 184 Kilowatt und ermöglicht eine Höchstgeschwindigkeit von 100 Kilometern pro Stunde bei einer Reichweite von 700 Kilometern. Die Watfähigkeit liegt bei einem Meter ohne zusätzliche Vorbereitung.
Anders als Kampf- oder Schützenpanzer läuft der Eagle IV nicht auf einem Kettenlaufwerk, sondern auf vier Rädern. Grundlage ist das Fahrgestell des Lkw Duro, kein eigens für gepanzerte Fahrzeuge entwickeltes Chassis. Dieser Ansatz senkt Gewicht, Anschaffungskosten und Unterhalt gegenüber einem Kettenfahrzeug, kostet im Gegenzug aber Geländegängigkeit auf weichem oder stark zerklüftetem Untergrund.
Der Motor ist ein gewöhnlicher Dieselmotor, kein Vielstoffmotor, wie ihn manche militärischen Nutzfahrzeuge einsetzen, um im Feldbetrieb auch andere Kraftstoffsorten zu verbrennen. Für den Eagle IV ist Dieselkraftstoff in Standardqualität vorgesehen.
Zur Panzerung selbst macht der Hersteller keine belastbaren öffentlichen Angaben zu Werkstoff oder Aufbau. Offen bleibt damit, ob eine Verbundpanzerung, wie sie bei modernen Kampf- und Schützenpanzern verbreitet ist, verbaut ist oder eine andere Bauart. Als Fahrzeug der Kategorie GFF Klasse 2 ist der Eagle IV in erster Linie gegen Sprengfallen, Minen und Beschuss aus Handwaffen ausgelegt, nicht gegen Kampfpanzermunition.
Eine Quelle beschreibt für einzelne Varianten eine fernbedienbare Leichte Waffenstation FLW 100 als Aufbau, mit Kaliber 5,56 oder 7,62 Millimeter, etwa MG3 oder MG5. Sie wird von innen bedient, sodass die Besatzung beim Führen der Waffe nicht ungeschützt aus einer Luke muss. Eine gesicherte Angabe, bei wie vielen der 495 beschafften Fahrzeuge diese Station tatsächlich verbaut ist, liegt nicht vor.
Varianten
Zu den Varianten des Eagle IV liegt nur eine einzelne, nicht gegenprüfbare Quelle mit einer detaillierten Aufstellung vor. Sie nennt elf Einsatzvarianten der Bundeswehr: Patrouillensicherung, ein Aufbau für Führungspersonal, den Beweglichen Arzttrupp (BAT), einen Einsatz-Kamera-Trupp, eine Instandsetzungsversion für das Artillerie-Führungs- und Waffeneinsatzsystem, eine Ausführung mit Videoaufnahmeausstattung, einen Windmesstrupp, einen Spürhundetrupp für die Kampfmittelabwehr, eine Version zur Aufklärung zellularer Netze, einen Geländekameratrupp sowie eine Ausführung für Gesprächsaufklärung (COMINT).
Gesichert ist dagegen der Nachfolger: Ab 2013 bestellte die Bundeswehr den Eagle V. Er teilt sich nach Herstellerangaben etwa 85 Prozent der Bauteile mit dem Eagle IV, bringt aber ein höheres zulässiges Gesamtgewicht sowie einen verbesserten ballistischen Schutz und Minenschutz mit. Aus Beschaffungssicht handelt es sich damit eher um eine Kampfwertsteigerung innerhalb derselben Fahrzeugfamilie als um eine vollständige Neuentwicklung. Nach Berichten der Fachpresse plant die Bundeswehr für die Eagle-V-Generation mittelfristig deutlich größere Stückzahlen als beim Eagle IV, mit Radformeln 4×4 und 6×6 für unterschiedliche Aufgaben bis hin zu geschützten Sanitätsfahrzeugen.
Einsatz und Verbreitung
Deutschland ist der wichtigste Nutzer des Eagle IV. Die Bundeswehr beschaffte 495 Fahrzeuge dieses Baumusters und setzt sie fahrzeugübergreifend ein, im Heer, in der Luftwaffe, in der Marine sowie im Cyber- und Informationsraum, dazu im Unterstützungsbereich und dessen Sanitätsdienst. Als Einsatzbeispiel nennt die Bundeswehr auf ihrer Website die UN-Stabilisierungsmission MINUSMA in Mali.
Der Eagle IV ist eine Weiterentwicklung der Mowag-Eagle-Familie, deren frühere Generationen Eagle I bis III auf dem Fahrgestell des amerikanischen HMMWV aufbauten. Der Eagle IV verlässt diese Basis und nutzt stattdessen das Fahrgestell des Lkw Duro. Quellen vermischen beide Baureihen gelegentlich, technisch handelt es sich aber um unterschiedliche Fahrzeuge mit unterschiedlichem Fahrgestell.
Als Hersteller tritt General Dynamics European Land Systems auf, gefertigt wird das Fahrzeug bei GDELS-Mowag im schweizerischen Kreuzlingen sowie bei GDELS-Germany in Kaiserslautern. Über den deutschen Einsatz hinaus liefert Mowag beziehungsweise GDELS Fahrzeuge der Eagle-Familie auch an weitere Streitkräfte. Belastbare Stückzahlen für Exportkunden der reinen Eagle-IV-Variante nennt keine der geprüften Quellen.
Verbleib heute
Der Eagle IV steht weiterhin im aktiven Bestand der Bundeswehr und wird planmäßig eingesetzt, nicht als Museumsstück. Mit der laufenden Beschaffung des Nachfolgers Eagle V verschiebt sich die Flotte schrittweise zur neueren Generation, ein festes Ausmusterungsdatum für den Eagle IV nennt keine der geprüften Quellen. Museale Einzelexemplare oder ein regulärer Verkauf ausgemusterter Fahrzeuge an private Sammler sind aus den vorliegenden Quellen nicht belegt.
Wer die Fahrzeugtechnik des Eagle IV im direkten Vergleich mit anderen Modellen betrachten möchte, findet in der Fahrzeugübersicht von panzerfahren.de weitere gepanzerte Rad- und Kettenfahrzeuge im laufenden Ausbau der Datenbank.
Kann man einen Eagle IV selbst fahren?
Nein, dieses Modell steht in Deutschland nicht zum Selbstfahren zur Verfügung. Der Eagle IV ist ein aktives Dienstfahrzeug der Bundeswehr, kein Fahrzeug im Bestand kommerzieller Fahranbieter.
Das Fahrerlebnis-Angebot konzentriert sich hier überwiegend auf historische Kettenfahrzeuge, die technisch nicht mit einem radbasierten Führungs- und Funktionsfahrzeug wie dem Eagle IV vergleichbar sind. Ein direktes fahrbares Gegenstück mit ähnlichem Fahrgestell führt die Datenbank derzeit nicht. Einen Überblick über alle fahrbaren Modelle bietet die Fahrzeugübersicht.
Verwandte Fahrzeuge
Direkt verwandt mit dem Eagle IV sind die früheren Baumuster Eagle I bis III auf HMMWV-Basis sowie der Nachfolger Eagle V mit weitgehend gleichem Aufbau. Für keines dieser Modelle liegt aktuell eine eigene Seite in der Fahrzeugdatenbank von panzerfahren.de vor. Einen Überblick über bereits erfasste Fahrzeuge und laufende Ergänzungen bietet die Fahrzeugübersicht.
Häufige Fragen
Wie schwer ist ein Eagle IV?
Zum Gefechtsgewicht liegen unterschiedliche Angaben vor. Bundeswehr.de nennt 8,8 bis 9,5 Tonnen je nach Ausführung, eine andere Quelle nennt 6,7 Tonnen Leergewicht und 8,8 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht. Eine einheitliche, geprüfte Zahl gibt es damit nicht, vermutlich weil die Quellen unterschiedliche Beladungszustände meinen.
Wie schnell fährt ein Eagle IV?
Der Eagle IV erreicht laut Datenblatt eine Höchstgeschwindigkeit von 100 Kilometern pro Stunde. Angetrieben wird er von einem Cummins ISBe, einem Sechszylinder-Turbodiesel mit 250 PS beziehungsweise 184 Kilowatt. Die Reichweite liegt bei 700 Kilometern.
Wie viele Eagle IV wurden gebaut?
Die Bundeswehr beschaffte 495 Fahrzeuge der reinen Eagle-IV-Variante, ohne den Nachfolger Eagle V mitzuzählen. Eine Quelle nennt November 2008 als Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung über zunächst 198 Fahrzeuge, ein gesichertes Datum für das Ende der Fertigung nennt keine Quelle.
Kann man einen Eagle IV selbst fahren?
Nein. Der Eagle IV ist ein aktives Bundeswehr-Fahrzeug und steht in Deutschland nicht für kommerzielle Fahrangebote zur Verfügung. Das Angebot fahrbarer Fahrzeuge umfasst hier überwiegend historische Kettenfahrzeuge, ein technisch vergleichbares radbasiertes Modell führt die Datenbank derzeit nicht.
Welche Besatzung hat ein Eagle IV?
Zur Besatzungsstärke liegt keine gesicherte Angabe vor. Eine Quelle nennt vier Personen, eine andere spricht variantenabhängig von zwei bis sechs Insassen. Da sich beide Angaben nicht gegenprüfen lassen, führt das Datenblatt hier keinen festen Wert.
Ist der Eagle IV bewaffnet?
Bei einigen Varianten ergänzt laut einer Quelle die fernbedienbare Leichte Waffenstation FLW 100 den Aufbau, mit Kaliber 5,56 oder 7,62 Millimeter, etwa MG3 oder MG5. Eine gesicherte Angabe zur Verbreitung dieser Ausstattung innerhalb der 495 beschafften Fahrzeuge liegt nicht vor.
Was unterscheidet den Eagle IV vom Eagle I bis III?
Die früheren Baumuster Eagle I bis III basieren auf dem Fahrgestell des amerikanischen HMMWV. Der Eagle IV nutzt dagegen das Fahrgestell des Schweizer Lkw Duro, technisch ein anderes Fahrzeug. Quellen vermischen beide Baureihen gelegentlich, obwohl es sich um unterschiedliche Konstruktionen handelt.