Jaguar 1

Der Jaguar 1 ist ein Raketenjagdpanzer aus deutscher Produktion, der während des Kalten Krieges als Panzerabwehrfahrzeug der Bundeswehr diente. Das Fahrzeug ging aus dem Vorgängermodell Raketenjagdpanzer 2 hervor, das ursprünglich mit dem älteren Lenkflugkörper SS-11 bewaffnet war. Kennzeichnend für den Jaguar 1 ist die Kombination aus einem leichten, beweglichen Kettenfahrgestell und dem Panzerabwehrlenkflugkörper HOT als Hauptbewaffnung, dessen Bezeichnung hier ausschließlich als technische Typangabe dient. Der Achtzylinder-Dieselmotor leistet 500 PS und bringt das rund 22,5 Tonnen schwere Fahrzeug auf bis zu 70 km/h. Vom parallel eingeführten Jaguar 2 unterscheidet sich der Jaguar 1 sowohl in der Bewaffnung als auch in der Panzerung, beide Fahrzeuge werden hier deshalb getrennt betrachtet.

Technische Daten

Merkmal Wert
Typ Raketenjagdpanzer
Herkunftsland Deutschland
Hersteller keine Angabe (einfach belegt, siehe Text)
Bauzeit keine Angabe (siehe Text)
Stückzahl keine Angabe (siehe Text)
Gefechtsgewicht 22,5 t
Länge 6,61 m
Breite 3,12 m
Höhe 2,55 m
Motor MTU-Dieselmotor MB 837 Aa500 (V8-Diesel)
Leistung 500 PS
Höchstgeschwindigkeit 70 km/h
Reichweite keine Angabe (Fahrreichweite umstritten, siehe Text)
Besatzung 4
Hauptbewaffnung Panzerabwehrlenkflugkörper HOT (Typangabe)
Panzerung keine Angabe (einfach belegt, siehe Text)
Watfähigkeit keine Angabe

Zur Reichweite: Die verfügbaren Angaben beziehen sich ausschließlich auf die Fahrreichweite, also die Strecke, die der Jaguar 1 mit einer Tankfüllung zurücklegen kann. Mit der Reichweite der HOT-Rakete hat dieser Wert nichts zu tun, sie ist nicht Gegenstand dieser Seite. Allerdings schwankt schon die Fahrreichweite je nach Quelle zwischen 335 und 380 Kilometern, weshalb die Tabelle hier bewusst auf eine einzelne Zahl verzichtet.

Auch bei Bauzeit und Stückzahl weichen die Quellen voneinander ab. Zur Bauzeit nennt eine Quelle den Zeitraum 1978 bis 1983, eine zweite 1978 bis 1982, eine dritte 1978 bis 1981; diese dritte Quelle führt kein erkennbares Fachredaktions-Impressum und ist deshalb mit Vorsicht zu lesen. Bei der Stückzahl stimmen zwei Quellen mit 316 umgerüsteten Fahrzeugen überein. Eine dritte Quelle nennt 156, ein Wert, der vermutlich auf einer Verwechslung mit der Umbauzahl des Schwestermodells Jaguar 2 beruht, die andernorts bei rund 162 bis 165 liegt. Als gesichert gilt deshalb allenfalls die Größenordnung von rund 316 Fahrzeugen, nicht die exakte Zahl. Hersteller und Panzerung sind nur einfach belegt: Eine Quelle nennt Henschel und Hanomag als Hersteller, dieselbe Quelle beschreibt die Panzerung als geschweißten Panzerstahl in Schottbauweise.

Entwicklungsgeschichte

Der Jaguar 1 geht auf das Grundmodell des Kanonenjagdpanzers zurück, das die Bundeswehr ab Mitte der 1960er-Jahre als leichten, kettengetriebenen Jagdpanzer beschaffte. Neben der Kanonenversion entstand parallel eine mit dem Lenkflugkörper SS-11 bewaffnete Ausführung, der Raketenjagdpanzer 2. Als in den 1970er-Jahren die neue Panzerabwehrwaffe HOT einsatzreif wurde, entschied sich die Bundeswehr nicht für eine komplette Neubeschaffung, sondern für die Umrüstung des vorhandenen Bestands. Bestehende Raketenjagdpanzer 2 erhielten die neue Waffenanlage und wurden dabei zum Jaguar 1.

Diese Umrüstung erstreckte sich über mehrere Jahre. Zwei Quellen datieren sie auf 1978 bis 1983 beziehungsweise 1978 bis 1982, eine dritte, weniger belastbare Quelle nennt 1978 bis 1981. Die genaue zeitliche Einordnung lässt sich aus den verfügbaren Quellen nicht abschließend klären, im Kern fällt die Umrüstung aber in die zweite Hälfte der 1970er- und den Beginn der 1980er-Jahre.

Hersteller der Grundfahrzeuge war nach einer Quelle das Unternehmen Henschel gemeinsam mit Hanomag. Beide Firmen zählten zu den etablierten Herstellern gepanzerter Kettenfahrzeuge in der Bundesrepublik. Da diese Angabe nur einfach belegt ist, wird sie hier mit dieser Einschränkung wiedergegeben.

Ziel der Umrüstung war es, die Panzerjägertruppe technisch auf den Stand der 1970er-Jahre zu bringen, ohne die vorhandenen, noch fahrtauglichen Wannen zu verschrotten. Dieses Vorgehen, ein bewährtes Fahrgestell zu erhalten und nur Waffenanlage sowie zugehörige Elektronik zu erneuern, war bei der Bundeswehr auch bei anderen Fahrzeugtypen üblich und deutlich kostengünstiger als eine vollständige Neuentwicklung.

Technik im Detail

Der Jaguar 1 nutzt das Fahrgestell eines leichten, gepanzerten Kettenfahrzeugs. Das Kettenlaufwerk überträgt die Kraft des Motors über das Treibrad auf die Gleiskette, die auch im Gelände für Vortrieb sorgt. Die Laufrollen führen die Kette und verteilen das Gewicht des Fahrzeugs auf die Aufstandsfläche.

Gefedert ist das Laufwerk über eine Drehstabfederung, ein bei Kettenfahrzeugen verbreitetes Prinzip, das viel Federweg auf wenig Bauraum unterbringt. In Kombination mit dem Achtzylinder-Dieselmotor MTU MB 837 Aa500 und dessen 500 PS ergibt sich bei einem Gefechtsgewicht von 22,5 Tonnen ein günstiges Verhältnis von Leistung zu Gewicht, das die Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h ermöglicht.

Die Wanne ist nach einer Quelle aus geschweißtem Panzerstahl gefertigt, in sogenannter Schottbauweise: Die Innenraumstruktur ist durch mehrere Trennwände unterteilt, was die Wanne insgesamt versteift und einzelne Bereiche voneinander abschottet. Da diese Angabe nur einfach belegt ist, gilt sie nicht als gesichert.

Die Hauptbewaffnung besteht aus dem Panzerabwehrlenkflugkörper HOT. Diese Bezeichnung ist hier eine reine Typangabe, Reichweite, Zielverfahren oder Wirkung der Rakete sind nicht Gegenstand dieser Seite, die sich auf das Trägerfahrzeug konzentriert. Ergänzt wurde die Bewaffnung um zwei Maschinengewehre, wie die Bundeswehr in einer kurzen Fahrzeugvorstellung bestätigt.

Die Besatzung des Jaguar 1 umfasst vier Personen. Das flache, niedrige Fahrzeugprofil folgte dem Grundgedanken des Kanonenjagdpanzers, durch eine geringe Silhouette schwerer erkennbar zu sein als ein hoch aufgebauter Kampfpanzer.

Varianten

Aus den verfügbaren Quellen lässt sich für den Jaguar 1 vor allem eine spätere Kampfwertsteigerung belegen: die Version Jaguar 1A3. Sie brachte eine verbesserte optische Ausstattung und Wärmebildtechnik und erweiterte damit die Nutzbarkeit bei Dunkelheit. Eine Quelle datiert die Einführung dieser Version auf 1993, eine zweite bestätigt die grundsätzliche Verbesserung der Nachtkampffähigkeit ohne eigene Jahresangabe.

Vom Jaguar 1 zu unterscheiden ist der Jaguar 2. Beide Fahrzeuge gehen auf dieselbe Fahrgestellfamilie des Kanonenjagdpanzers zurück, unterscheiden sich aber deutlich in Bewaffnung und Panzerung. Der Jaguar 2 trägt anstelle der HOT-Anlage das Lenkflugkörpersystem TOW auf einer ausfahrbaren Lafette. Nach einer Quelle war beim Jaguar 2 zudem kein vollständiger ABC-Schutz möglich, anders als beim Jaguar 1. Diese Angabe stammt nur aus einer Quelle und wird deshalb mit dieser Einschränkung genannt. Der Jaguar 2 ist auf dieser Seite nicht weiter Gegenstand, er wird gesondert behandelt.

Weitere Zwischenstufen oder Exportversionen des Jaguar 1 sind in den verfügbaren Quellen nicht belegt. Anders als bei manchen zeitgleichen Kampfpanzern gibt es keine Hinweise auf eine nennenswerte Ausfuhr des Jaguar 1 an andere Streitkräfte, das Fahrzeug blieb den verfügbaren Quellen zufolge auf die Bundeswehr beschränkt.

Einsatz und Verbreitung

Genutzt wurde der Jaguar 1 ausschließlich von der Bundeswehr, dort in der sogenannten Panzerjägertruppe. Diese Truppengattung war für die Panzerabwehr mit eigenständigen, kettengetriebenen Waffenträgern zuständig, getrennt von den Kampfpanzern und der Panzergrenadiertruppe.

Die Panzerjägertruppe wurde 1996 aufgelöst. Die verbliebenen Jaguar 1 wurden danach überwiegend Panzergrenadierbataillonen zugeteilt, teilweise auch Panzerbataillonen. Diese Umgliederung ist durch mehrere unabhängige Quellen belegt, unter anderem durch die Chronik einer ehemaligen Panzerjägerkompanie.

Bis Ende 2005 wurden alle Jagdpanzer Jaguar 1 der Bundeswehr außer Dienst gestellt. Ein Gefechtseinsatz des Fahrzeugs ist aus den verfügbaren Quellen nicht bekannt: Der Jaguar 1 stand während seiner gesamten Nutzungszeit im Rahmen der NATO-Verteidigungsplanung des Kalten Krieges bereit, ohne dass es zu dem befürchteten Krieg in Mitteleuropa kam.

Zu einer nennenswerten Nutzung durch andere Streitkräfte liegen für den Jaguar 1 keine ausreichend belegten Angaben vor. Anders als etwa beim Kampfpanzer Leopard 1, der von zahlreichen NATO-Partnern übernommen wurde, blieb der Jaguar 1 den verfügbaren Quellen zufolge ein Fahrzeug allein der Bundeswehr.

Verbleib heute

Erhaltene Exemplare des Jaguar 1 sind unter anderem im Deutschen Panzermuseum in Munster dokumentiert, wo auch die spätere Version 1A3 zu sehen ist. Das Museum zeigt neben aktuellen Fahrzeugen der Bundeswehr auch historische Modelle aus mehreren Jahrzehnten deutscher Panzerentwicklung.

Im aktiven Dienst steht der Jaguar 1 nirgends mehr. Die Bundeswehr musterte das letzte Fahrzeug bis Ende 2005 aus, ein eigenständiges Nachfolgesystem in derselben Rolle als Raketenjagdpanzer wurde danach nicht mehr beschafft. Panzerabwehraufgaben sind seither auf andere Fahrzeugtypen und Waffensysteme verteilt.

Wer sich für das Baumuster des Jaguar 1 abseits von Museum und Fachliteratur interessiert, findet in der Übersicht aller Panzerfahrzeuge weitere Kettenfahrzeuge derselben Epoche.

Kann man einen Jaguar 1 selbst fahren?

Nein, der Jaguar 1 steht in Deutschland nicht zum Selbstfahren zur Verfügung. Er ist seit Ende 2005 vollständig außer Dienst, erhaltene Fahrzeuge stehen in Museen und werden nicht für Vorführfahrten eingesetzt.

Wer das Fahrgefühl eines leichten, wendigen Kettenfahrzeugs mit vergleichbarem Fahrwerk erleben möchte, findet in der Übersicht aller Panzerfahrzeuge die Modelle, die sich in Deutschland tatsächlich selbst fahren lassen, samt Standort und Anbieter.

Verwandte Fahrzeuge

Der Jaguar 1 geht auf den Raketenjagdpanzer 2 zurück, dessen SS-11-Bewaffnung durch das HOT-System ersetzt wurde. Als Schwestermodell auf derselben Fahrgestellbasis gilt der Jaguar 2, der statt der HOT-Anlage das TOW-System trägt und sich zusätzlich in der Panzerung unterscheidet.

Einen Überblick über weitere gepanzerte Fahrzeuge im Bestand der Bundeswehr bietet die Übersicht aller Panzerfahrzeuge.

Häufige Fragen

Wie schwer ist ein Jaguar 1?

Das Gefechtsgewicht des Jaguar 1 liegt bei 22,5 Tonnen. Damit zählt er zu den leichteren gepanzerten Kettenfahrzeugen der Bundeswehr, deutlich unter dem Gewicht vieler zeitgenössischer Kampfpanzer. Das geringe Gewicht ergibt sich aus dem kompakten Fahrgestell und dem Verzicht auf eine schwere Kanone.

Wie schnell fährt ein Jaguar 1?

Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 70 km/h. Erreicht wird dieser Wert durch den Achtzylinder-Dieselmotor MTU MB 837 Aa500 mit 500 PS in Kombination mit dem vergleichsweise geringen Gefechtsgewicht von 22,5 Tonnen. Über die Geländegeschwindigkeit liegen keine einheitlichen Angaben vor.

Wie viele Jaguar 1 wurden gebaut?

Eine einheitliche Zahl gibt es nicht. Zwei Quellen nennen übereinstimmend 316 aus Raketenjagdpanzern 2 umgerüstete Fahrzeuge, eine dritte Quelle spricht von 156. Dieser niedrigere Wert dürfte auf einer Verwechslung mit der Umbauzahl des Schwestermodells Jaguar 2 beruhen, die andernorts bei rund 162 bis 165 liegt.

Wann wurde der Jaguar 1 gebaut?

Auch hier weichen die Quellen voneinander ab. Zwei nennen eine Umrüstungszeit von 1978 bis 1983 beziehungsweise 1978 bis 1982, eine dritte, weniger belastbare Quelle 1978 bis 1981. Als gesichert gilt die zweite Hälfte der 1970er- bis Anfang der 1980er-Jahre als grober Zeitraum.

Kann man einen Jaguar 1 selbst fahren?

Nein. Der Jaguar 1 ist seit Ende 2005 vollständig außer Dienst und steht in Deutschland nicht zum Selbstfahren zur Verfügung. In der Übersicht aller Panzerfahrzeuge finden Interessierte vergleichbare, tatsächlich fahrbare Kettenfahrzeuge samt Standort und Anbieter.

Womit war der Jaguar 1 bewaffnet?

Hauptbewaffnung war der Panzerabwehrlenkflugkörper HOT, ergänzt um zwei Maschinengewehre. Die Bezeichnung HOT dient hier ausschließlich als technische Typangabe. Reichweite, Zielverfahren oder Wirkung der Rakete sind nicht Gegenstand dieser Seite, die sich auf das Trägerfahrzeug konzentriert.

Wo steht ein Jaguar 1 heute?

Erhaltene Fahrzeuge sind unter anderem im Deutschen Panzermuseum in Munster dokumentiert. Im aktiven Dienst steht der Jaguar 1 nirgends mehr, die Bundeswehr musterte das letzte Fahrzeug bis Ende 2005 aus, ein direkter Nachfolger in derselben Rolle wurde nicht beschafft.