
Der VBCI ist ein französischer Schützenpanzer auf Radfahrgestell, gebaut als 8×8-Fahrzeug. Nexter Systems entwickelte ihn als Nachfolger des kettengetriebenen AMX-10 P, das Fahrgestell stammt von Renault Trucks Defense, heute Teil von Arquus. Die französische Armee setzt den VBCI seit 2008 ein, insgesamt wurden 630 Exemplare beschafft. Kennzeichnend ist die Kombination aus leichter Aluminiumwanne und aufgesetzter Stahlzusatzpanzerung. Mit 550 PS erreicht der VBCI bis zu 100 km/h und kommt auf eine Reichweite von 750 Kilometern. In Deutschland steht der VBCI derzeit nicht zum Selbstfahren zur Verfügung, dazu mehr weiter unten.
Technische Daten
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Typ | Schützenpanzer (Radschützenpanzer, 8×8) |
| Herkunftsland | Frankreich |
| Hersteller | Nexter Systems (vormals GIAT Industries); Fahrgestell von Renault Trucks Defense (heute Arquus) |
| Bauzeit | keine Angabe |
| Stückzahl | 630 |
| Gefechtsgewicht | keine Angabe |
| Länge | keine Angabe |
| Breite | keine Angabe |
| Höhe | keine Angabe |
| Motor | keine Angabe |
| Leistung | 550 PS |
| Höchstgeschwindigkeit | 100 km/h |
| Reichweite | 750 km |
| Besatzung | 11 |
| Hauptbewaffnung | 25-mm-Maschinenkanone GIAT M811 |
| Panzerung | Aluminiumwanne, zusätzlich mit aufgeschraubten Panzerstahlplatten in Verbundbauweise verstärkt |
| Watfähigkeit | 1,20 m |
Zu mehreren Feldern weichen die Quellen so stark voneinander ab, dass keine belastbare Einzelzahl möglich ist. Bei der Länge reicht die Spanne von 7,6 bis 7,89 Metern, bei der Breite von 2,98 bis 3,7 Metern und bei der Höhe von 2,26 bis 3,5 Metern, je nachdem welche Quelle herangezogen wird. Beim Gefechtsgewicht liegen die Angaben zwischen 28 und 32 Tonnen, wobei der Hersteller ein Leergewicht von rund 19 Tonnen plus bis zu 13 Tonnen Nutzlast nennt, ohne selbst eine feste Gefechtsgewichtszahl auszuweisen. Die Werte in dieser Tabelle beziehen sich, soweit die Quellen das erkennen lassen, auf die Grundausführung VCI mit Kanonenturm. Die Führungsvariante VPC fährt ohne Turm und mit kleinerer Besatzung; für sie liegen keine zwei übereinstimmenden unabhängigen Zahlen vor. Auffällig ist, dass die englischsprachige Wikipedia für VCI und VPC dasselbe Gewicht nennt, was eher gegen eine variantenspezifische Angabe als dafür spricht.
Entwicklungsgeschichte
Anfang der 1990er Jahre suchte Frankreich einen Ersatz für den kettengetriebenen Schützenpanzer AMX-10 P. Zunächst versuchten Frankreich, Deutschland und Großbritannien ein gemeinsames Radschützenpanzer-Programm, bei dem Renault 1996 einen Prototyp vorstellte. Die internationale Zusammenarbeit scheiterte bis 1999, Frankreich setzte das Vorhaben danach allein fort.
Im November 2000 beauftragte das französische Verteidigungsministerium GIAT Industries, den heutigen Nexter-Konzern, gemeinsam mit Renault VI mit der Entwicklung. Bis 2004 entstanden die ersten Prototypen, insgesamt wurden fünf Testfahrzeuge gebaut. Bei den anschließenden Erprobungen zu Mobilität, Panzerung und Elektronik zeigten sich zunächst gute Ergebnisse, die Feldtests des Turms führten jedoch zu einer grundlegenden Überarbeitung und damit zu Verzögerungen. Die offizielle Serienfreigabe erfolgte im März 2008, im selben Jahr liefen die ersten Serienfahrzeuge vom Band.
Zur Bauzeit selbst schwanken die Angaben: Eine Antwort des französischen Verteidigungsministeriums an die Nationalversammlung nennt März 2015 als Liefertermin des letzten von 630 Fahrzeugen, die Infobox der englischsprachigen Wikipedia gibt dagegen einen Produktionszeitraum bis 2018 an. Woher die Differenz stammt, etwa spätere Nachbestellungen oder ein anderer Zählbeginn, lässt sich aus den Quellen nicht sicher klären.
Technik im Detail
Der VBCI setzt auf ein 8×8-Radfahrgestell statt eines Kettenlaufwerks, das gegenüber Kettenfahrzeugen weniger Wartung und höhere Straßengeschwindigkeit erlaubt. Die Wanne besteht aus Aluminium und trägt aufgeschraubte Panzerstahlplatten. Diese Kombination aus zwei unterschiedlichen Werkstoffen wird als Verbundpanzerung bezeichnet und lässt sich modular an den jeweiligen Einsatzort anpassen, ohne die Grundstruktur zu verändern.
Beim Antrieb widersprechen sich die Quellen: Die englischsprachige Wikipedia nennt einen Dieselmotor von Renault, die französischsprachige Wikipedia dagegen einen Volvo D12, einen Sechszylinder-Reihen-Turbodiesel. Beide Angaben stimmen bei der Leistung überein, 550 PS. Welcher Hersteller den tatsächlich verbauten Motor liefert, bleibt in den verfügbaren Quellen ungeklärt.
Die Hauptbewaffnung ist eine 25-mm-Maschinenkanone vom Typ GIAT M811 in einem Einmannturm, ergänzt um ein koaxiales Maschinengewehr. Mit einer Wattiefe von 1,20 Metern kann der VBCI Gewässer ohne zusätzliche Vorbereitung durchqueren. Die Besatzung von elf Personen setzt sich aus der zweiköpfigen Fahrzeugbesatzung und einem neunköpfigen absitzenden Infanterietrupp zusammen, der über eine Heckrampe aus- und einsteigt.
Varianten
Der VBCI existiert in zwei Grundausführungen. Die VCI (Véhicule de Combat d’Infanterie) ist die Kampfversion mit Einmannturm und 25-mm-Kanone, sie transportiert einen abzusetzenden Infanterietrupp und unterstützt ihn mit Feuerkraft. Die VPC (Véhicule Poste de Commandement) verzichtet auf den Kampfturm und trägt stattdessen eine ferngesteuerte 12,7-mm-Waffenstation zur Selbstverteidigung sowie umfangreiche Funk- und Führungstechnik. Sie ist als rollende Kommandozentrale für Zugs- und Kompanieführer gedacht und kommt mit weniger Besatzung aus als die VCI.
Über die beiden Grundversionen hinaus entwickelte Nexter eine für den Export ausgelegte Weiterentwicklung mit stärkerem Motor und wahlweise einem größeren Turm für eine 40-mm-Kanone. Daneben existiert eine zusätzlich gegen Sprengfallen geschützte, schwerere Ausführung. Beide Weiterentwicklungen zählen zu den Kampfwertsteigerungen des ursprünglichen Fahrzeugs und richten sich vor allem an mögliche Exportkunden, konkrete Zahlenwerte dazu liegen nicht in zwei unabhängigen Quellen übereinstimmend vor.
Einsatz und Verbreitung
Der VBCI ist das Standard-Schützenpanzerfahrzeug der französischen Armee und ersetzte dort den AMX-10 P. Er war unter anderem im Krieg in Afghanistan sowie während der französischen Mali-Operation im Einsatz, das nennen sowohl die englischsprachige Wikipedia als auch eine Fachpublikation übereinstimmend. Eine Quelle nennt zusätzlich Einsätze im Rahmen von Friedensmissionen im Libanon und in der Zentralafrikanischen Republik.
Einen tatsächlichen Exporterfolg erzielte bislang Spanien: Dort gründeten die spanische GTD und Nexter Systems 2009 ein Gemeinschaftsunternehmen für ein eigenes Radschützenpanzer-Programm. Weitere Länder zeigten Interesse, ohne dass es laut den ausgewerteten Quellen zu abgeschlossenen Beschaffungen kam. Eine Quelle nennt eine Absichtserklärung Katars aus dem Jahr 2017 über bis zu 490 Fahrzeuge sowie Sondierungsgespräche mit Griechenland und Irland. Mehrere weitere Staaten prüften den VBCI in eigenen Beschaffungsvorhaben, entschieden sich am Ende jedoch für andere Fahrzeuge.
Verbleib heute
Der VBCI steht weiterhin im aktiven Dienst der französischen Armee und ist kein Museumsfahrzeug. Laut der offiziellen Seite des französischen Heeres ist er in das digitalisierte Gefechtsführungssystem des Scorpion-Programms eingebunden, über das Fahrzeuge und Führungsebenen Informationen in Echtzeit austauschen. Ob ein VBCI in einem deutschen Panzermuseum ausgestellt ist, lässt sich aus den geprüften Quellen nicht belegen. In Frankreich selbst bleibt er neben neueren Scorpion-Fahrzeugen wie dem Griffon vorerst das tragende Radfahrzeug der mechanisierten Infanterie.
Kann man einen VBCI selbst fahren?
Nein, dieses Modell steht in Deutschland derzeit nicht zum Selbstfahren zur Verfügung. Anders als bei den verbreiteten kettengetriebenen Kampf- und Schützenpanzern westlicher Bauart bieten deutsche Fahrerlebnis-Standorte bislang keine Radschützenpanzer französischer Herkunft an. Wer einen Eindruck von einem vergleichbar großen, mehrachsigen Kettenfahrzeug gewinnen möchte, findet über die Übersicht aller Fahrzeuge die aktuell tatsächlich fahrbaren Modelle samt Standorten.
Verwandte Fahrzeuge
Direkter Vorgänger des VBCI ist der kettengetriebene AMX-10 P, den er in der französischen Armee ablöste. Innerhalb der Fahrzeugfamilie moderner Radschützenpanzer mit 8×8-Konfiguration steht der VBCI neben vergleichbaren Konzepten anderer NATO-Staaten. Eine laufend aktualisierte Auswahl weiterer Fahrzeuge dieser und anderer Kategorien bietet die Fahrzeugübersicht von panzerfahren.de.
Häufige Fragen
Wie schwer ist ein VBCI?
Dazu gibt es keine einheitliche Zahl. Je nach Quelle liegt das Gefechtsgewicht zwischen 28 und 32 Tonnen, der Hersteller selbst nennt nur ein Leergewicht von rund 19 Tonnen plus bis zu 13 Tonnen Nutzlast. Eine feste Gefechtsgewichtsangabe im Datenblatt wäre daher irreführend genau.
Wie schnell fährt ein VBCI?
Der VBCI erreicht laut Datenblatt eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h auf befestigter Straße. Für ein Rad statt Ketten fahrendes Fahrzeug dieser Größe ist das ein hoher Wert, das 8×8-Fahrgestell spart gegenüber einem Kettenlaufwerk zudem Wartungsaufwand. Zu einer separaten Geländehöchstgeschwindigkeit liegen keine belastbaren Daten aus den geprüften Quellen vor.
Wie viele VBCI wurden gebaut?
Insgesamt wurden 630 Fahrzeuge für die französische Armee gefertigt, ausschließlich als Auftrag des französischen Staates. Zum genauen Bauzeitraum gibt es widersprüchliche Angaben: Eine Antwort des Verteidigungsministeriums an die Nationalversammlung nennt März 2015 als Datum der letzten Auslieferung, die Infobox der englischsprachigen Wikipedia dagegen einen Zeitraum bis 2018.
Welche Reichweite hat der VBCI?
Das Datenblatt nennt 750 Kilometer. Damit liegt der VBCI im Bereich anderer moderner Radschützenpanzer seiner Klasse. Wie sich dieser Wert zwischen Straßen- und Geländefahrt unterscheidet und ob er den Verbrauch des zusätzlichen Panzerstahls schon einrechnet, ist aus den vorliegenden Quellen nicht ersichtlich.
Kann man einen VBCI in Deutschland selbst fahren?
Nein. Der VBCI wird in Deutschland aktuell an keinem Standort zum Selbstfahren angeboten, anders als bei manchen kettengetriebenen Kampf- und Schützenpanzern westlicher Bauart, die an Fahrerlebnis-Standorten stehen. Eine Übersicht der tatsächlich fahrbaren Fahrzeuge samt Standorten findet sich auf der Fahrzeugseite von panzerfahren.de.
Was unterscheidet die VCI von der VPC?
Die VCI ist die Kampfversion mit 25-mm-Kanonenturm, sie transportiert einen absitzenden Infanterietrupp und unterstützt ihn mit Feuerkraft. Die VPC ist ein Führungsfahrzeug ohne Kampfturm, dafür mit umfangreicher Funk- und Führungstechnik und einer kleineren Besatzung, ausgestattet nur mit einer 12,7-mm-Waffenstation zur Selbstverteidigung. Die Datenblattwerte dieser Seite beziehen sich vorrangig auf die VCI.
Wer stellt den VBCI her?
Hersteller ist Nexter Systems, vormals GIAT Industries. Das Fahrgestell stammt von Renault Trucks Defense, heute Teil des Herstellers Arquus. Die beiden Unternehmen teilen sich damit Entwicklung und Fertigung: Nexter verantwortet Wanne, Turm und Bewaffnung, Renault das Fahrgestell mit Antrieb und Radaufhängung. Weitere Angaben zur Fahrzeugfamilie führt der Hersteller auf seiner Produktseite zum VBCI.