Sowjetische Garnisonen in Ostdeutschland

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Verlassenes Kasernengebäude im Wald, verwittert, ohne Wappen oder Truppenkennzeichen im Bild
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Von 1945 bis 1994 unterhielten sowjetische, später russische Streitkräfte auf dem Gebiet der DDR ein dichtes Netz aus Kasernen, Flugplätzen und Truppenübungsplätzen. Der Verband trug zunächst keinen einheitlichen Namen, wurde in den folgenden Jahrzehnten zur Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD) und ab 1988 zur Westgruppe der Truppen (WGT). Am 31. August 1994 verließ die letzte Einheit deutschen Boden, offiziell verabschiedet von Bundeskanzler Helmut Kohl und Präsident Boris Jelzin in Berlin. Von den einstigen Standorten ist heute vieles verschwunden, manches zu Naturschutzgebiet geworden, einiges zivil weitergenutzt.

Vom Besatzungsverband zur Westgruppe der Truppen

Die Rote Armee besetzte 1945 mit dem Vorrücken auf Berlin große Teile Mitteldeutschlands und blieb nach Kriegsende dauerhaft stationiert. Anders als die westlichen Besatzungsmächte, die ihre Truppenpräsenz nach 1949 schrittweise auf ein Bündnis- und Verteidigungsverhältnis mit der Bundesrepublik umstellten, blieben die sowjetischen Streitkräfte auf dem Gebiet der DDR bis zum Ende des Ostblocks in einer eigenen, von der zivilen Verwaltung weitgehend getrennten Struktur organisiert. Aus den Besatzungstruppen der sowjetischen Zone ging später die Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland hervor, ab 1988 dann als Westgruppe der Truppen bezeichnet. Unter diesem Namen bestand der Verband bis zum vollständigen Abzug 1994 fort, auch über das Ende der Sowjetunion 1991 hinaus.

Zur Truppenstärke gibt es je nach Quelle und Zeitpunkt unterschiedliche Zahlen. Zu Beginn des Abzugs im Herbst 1991 wird die Gesamtzahl mit rund 545.000 Personen angegeben, darunter etwa 340.000 Soldaten sowie Zivilbeschäftigte und Familienangehörige. Die Bundeszentrale für politische Bildung wiederum beziffert die zum Abschluss des Rückzugs 1994 aus dem Gebiet der ehemaligen DDR und aus Ost-Berlin abgezogene Truppenstärke auf rund 380.000 Soldaten sowie 210.000 Zivilpersonen. Die Angaben schwanken also erheblich, sowohl weil sich die Truppenstärke über die Jahre verringerte als auch weil unterschiedliche Quellen Soldaten, Zivilangestellte und Familienangehörige unterschiedlich zusammenzählen. Eine einzelne, unstrittige Gesamtzahl lässt sich daraus nicht ableiten.

Wünsdorf: das Hauptquartier „Klein-Moskau“

Den zentralen Standort bildete Wünsdorf südlich von Berlin. Bereits 1945 richtete sich dort das sowjetische Oberkommando ein, 1946 verlegte die Sowjetische Militäradministration ihren Sitz nach Wünsdorf. In den 1950er Jahren lebten in dem streng abgeriegelten Gelände zeitweise bis zu 75.000 Menschen, Militärangehörige und Zivilisten aus der Sowjetunion. Die Anlage galt als „Verbotene Stadt“: Deutsche Zivilisten hatten keinen Zutritt, ein täglicher Zug verband den abgelegenen Ort mit Moskau. Aus dieser Isolation stammt der bis heute gebräuchliche Beiname Klein-Moskau. Bis zum 31. August 1994 blieb Wünsdorf Sitz der Streitkräfte, dann verließ die letzte Einheit das Gelände.

Kasernen und Übungsplätze im ganzen Land

Wünsdorf war der bekannteste, aber bei weitem nicht der einzige Standort. Über das gesamte Gebiet der DDR verteilt unterhielten die sowjetischen Streitkräfte Kasernen, Flugplätze und Truppenübungsplätze, von Mecklenburg-Vorpommern bis Thüringen. In Gotha etwa nutzte die GSSD eine eigene Kaserne. Fotografien aus den frühen 1990er Jahren, die im DDR-Bildarchiv dokumentiert sind, zeigen die verlassenen Gebäude kurz nach dem Abzug. Wie an vielen anderen Standorten auch, verfiel die Anlage zunächst, bevor Teile des Geländes einer neuen Nutzung zugeführt wurden.

Zu den Standorten zählten neben klassischen Kasernen auch Flugplätze, Munitionsdepots, Werkstattbereiche und eben die großflächigen Truppenübungsplätze, auf denen Fahrzeuge und Verbände außerhalb der Wohngebiete bewegt wurden. Viele dieser Flächen lagen bewusst abseits größerer Städte, in Wäldern und dünn besiedelten Landstrichen Brandenburgs, Sachsen-Anhalts, Thüringens, Sachsens und Mecklenburg-Vorpommerns. Der Zugang war für die deutsche Bevölkerung in aller Regel versperrt, Zäune und Wachposten markierten die Grenze zu diesen „weißen Flecken“ auf inoffiziellen Karten.

Diese Verteilung über das ganze Land bedeutete zugleich: Der Alltag mit einer fremden, meist abgeschotteten Truppe gehörte für Millionen Menschen in der DDR über Jahrzehnte zur Umgebung, ohne dass die meisten von ihnen jemals hinter die Zäune blicken konnten.

Der Abzug 1991 bis 1994

Mit der deutschen Wiedervereinigung 1990 stand der Abzug der Streitkräfte politisch fest, der Zeitplan blieb zunächst offen. Ursprünglich war das Ende des Rückzugs für den 31. Dezember 1994 vorgesehen. In einer gemeinsamen Erklärung vom 16. Dezember 1992 einigten sich Bundeskanzler Kohl und Präsident Jelzin darauf, den Termin auf den 31. August 1994 vorzuziehen. Russland erhielt dafür nach Angaben der Bundeszentrale für politische Bildung 550 Millionen D-Mark Wiedereingliederungshilfe sowie eine weitere Milliarde D-Mark für humanitäre Zwecke.

Der eigentliche Abzug war vor allem eine logistische Aufgabe: Hunderttausende Menschen, dazu Fahrzeuge, Waffensysteme und Ausrüstung, mussten über weite Strecken und meist per Bahn zurück auf das Gebiet der ehemaligen Sowjetunion gebracht werden, während gleichzeitig in Russland selbst Wohnraum und Infrastruktur für die Rückkehrer fehlten. Am 31. August 1994 endete dieser Prozess mit einer öffentlichen Zeremonie in Berlin, bei der Kohl und Jelzin die letzten Einheiten offiziell verabschiedeten.

Was aus den Standorten wurde

Nach dem Abzug standen die ehemaligen Anlagen leer. Der weitere Weg unterschied sich von Standort zu Standort stark. Wohngebäude in Wünsdorf wurden teilweise saniert und zivil weitergenutzt, das Gelände firmiert heute unter dem Namen Waldstadt Wünsdorf. Andere Kasernen verfielen, wurden abgerissen oder stehen bis heute leer, manche davon inzwischen ein fester Anlaufpunkt für Fotografen und Erkundungstouren an sogenannten Lost Places. Wieder andere Grundstücke gingen an Kommunen oder private Investoren über und wurden zu Gewerbegebieten oder Wohnbauland umgewidmet, ein Prozess, der sich in vielen der betroffenen Gemeinden über Jahre hinzog.

Bei den großen Truppenübungsplätzen zeigt sich ein anderes Muster. Weil auf diesen Flächen jahrzehntelang kaum zivile Nutzung stattfand, blieben große, zusammenhängende Landschaften mit seltenen Biotopen erhalten. Der Truppenübungsplatz Jüterbog etwa, einer der wichtigsten Standorte der Westgruppe der Truppen, wurde nach dem Abzug der letzten Einheiten 1992 zu großen Teilen unter Schutz gestellt. Nach Angaben des Netzwerks FOKUS für Konversion im Land Brandenburg wies das Land 1999 rund 7.190 Hektar des Geländes als Naturschutzgebiet Forst Zinna-Jüterbog-Keilberg aus, heute Teil des Naturparks Nuthe-Nieplitz mit einem rund 30 Kilometer langen Wanderwegenetz. Aus einem militärisch gesperrten Gebiet wurde damit eines der größten zusammenhängenden Schutzgebiete Brandenburgs.

Ehemalige Standorte heute: Panzerfahren in den neuen Bundesländern

Mehrere heutige Panzerfahren-Standorte liegen in Regionen, die zu DDR-Zeiten militärisch geprägt waren. In Steinhöfel in Brandenburg, in Landsberg in Sachsen-Anhalt, in Benneckenstein am Harzrand sowie in Bad Langensalza und Gotha in Thüringen können Sie heute auf entsprechend ausgewiesenen Geländen selbst hinter das Steuer eines Kettenfahrzeugs. Wer nicht in den neuen Bundesländern wohnt, findet ein vergleichbares Angebot auch in Knüllwald in Hessen.

Diese Standorte sind zivile Freizeitangebote der Gegenwart, keine musealen Nachbildungen der Vergangenheit. Wer sich für die Geschichte der ehemaligen sowjetischen Standorte interessiert und selbst einmal einen Panzer fahren möchte, findet einen Überblick über Anlässe und Gutscheinmöglichkeiten auf der Seite Panzerfahren Gutschein. Weitere Hintergrundthemen zu Technik, Recht, Regionalgeschichte und Museen versammelt der Ratgeber-Bereich.

Häufige Fragen

Wie viele sowjetische Soldaten waren in der DDR stationiert?

Die Zahlen schwanken je nach Quelle und Zeitpunkt zwischen rund 340.000 und 380.000 Soldaten, hinzu kamen mehrere hunderttausend Zivilbeschäftigte und Familienangehörige.

Wann verließen die letzten sowjetischen Soldaten Deutschland?

Am 31. August 1994, mit einer offiziellen Zeremonie in Berlin, bei der Bundeskanzler Helmut Kohl und Präsident Boris Jelzin die letzten Einheiten verabschiedeten.

Was ist aus den ehemaligen Kasernen und Truppenübungsplätzen geworden?

Der weitere Weg unterschied sich stark: Manche Kasernen wurden zivil weitergenutzt, andere verfielen oder wurden abgerissen. Große Truppenübungsplätze wie Jüterbog wurden dagegen wegen ihrer unberührten Flächen zu Naturschutzgebieten.

Wo lag das Hauptquartier der sowjetischen Streitkräfte in der DDR?

In Wünsdorf südlich von Berlin, im Volksmund wegen der strengen Abschottung und der engen Verbindung nach Moskau auch „Klein-Moskau“ genannt.

Weiterführende Informationen zum Ablauf des Truppenabzugs stellt die Bundeswehr bereit, historische Einordnungen liefert die Bundeszentrale für politische Bildung.