
Der Puma ist der aktuelle Schützenpanzer des deutschen Heeres und löst seit den 2010er Jahren schrittweise den Marder ab. Entwickelt wurde er von der PSM Projekt System & Management GmbH, einem Gemeinschaftsunternehmen von Rheinmetall und KNDS Deutschland. Sein technisches Kennzeichen ist die modulare Panzerung: Je nach angebautem Zusatzschutz verändern sich Gewicht und Maße des Fahrzeugs erheblich, was bei kaum einem anderen deutschen Kettenfahrzeug so ausgeprägt ist. Ein festes Fahrangebot für den Puma gibt es in Deutschland aktuell nicht.
Technische Daten
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Typ | Schützenpanzer |
| Herkunftsland | Deutschland |
| Hersteller | PSM Projekt System & Management GmbH (Rheinmetall und KNDS Deutschland) |
| Bauzeit | seit 2010 |
| Stückzahl | 350 (1. Los), 2. Los mit weiteren Fahrzeugen in Beschaffung |
| Gefechtsgewicht | 31,45 t (Schutzstufe A) |
| Länge | 7,6 m |
| Breite | 3,9 m (Schutzstufe C) |
| Höhe | 3,6 m |
| Motor | V10-Dieselmotor MTU 10V 890 |
| Leistung | 1088 PS |
| Höchstgeschwindigkeit | 70 km/h |
| Reichweite | keine Angabe |
| Besatzung | 9 |
| Hauptbewaffnung | 30-mm-Maschinenkanone MK 30-2/ABM |
| Panzerung | modulare Verbundpanzerung |
| Watfähigkeit | keine Angabe |
Die Tabelle zeigt den Puma in Schutzstufe A, der luftverladefähigen Grundkonfiguration. Das ist beim Puma keine Nebensache: Das Fahrzeug trägt seinen Zusatzschutz nicht fest verbaut, sondern in Form von an und abbaubaren Panzerungsmodulen. Ohne Angabe der Schutzstufe wäre ein Gewicht für den Puma wenig aussagekräftig, weil dieselbe Wanne je nach Zuladung an Schutzmodulen mehrere Tonnen mehr oder weniger auf die Waage bringt.
Für die höher geschützten Ausführungen schwanken die Angaben je nach Quelle deutlich. Für Schutzstufe C nennt eine Quelle 41 Tonnen, eine andere spricht von 43 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht ohne genaue Nennung der Schutzstufe, eine dritte Quelle nennt bis zu 45 Tonnen je nach Ausführung. Die Abweichungen lassen sich vermutlich auf unterschiedliche Bezugspunkte zurückführen, etwa reine Schutzstufe gegen zulässiges Gesamtgewicht mit zusätzlicher Zuladung, sicher klären lässt sich das aus den vorliegenden Quellen aber nicht.
Auch die Breite folgt diesem Muster. Die in der Tabelle genannten 3,9 Meter gelten laut einer Quelle ausdrücklich für die breitere Schutzstufe C. Für die schlanke Schutzstufe A nennt eine andere Quelle 3,70 Meter, was zum geringeren Gefechtsgewicht der Grundkonfiguration passt. Eine dritte Angabe von 4 Metern wirkt gerundet und wurde deshalb zugunsten der beiden genaueren Werte verworfen.
Bei der Länge stimmen Hersteller und Bundeswehr mit 7,6 Metern überein. Eine einzelne Quelle nennt abweichend 7,40 Meter, ohne ein Bezugsmaß zu benennen, diese Abweichung bleibt ungeklärt. Zur Reichweite liegt keine ausreichend belegte Zahl vor: Eine Quelle nennt 550 Kilometer, eine andere 600 Kilometer auf der Straße, ohne dass sich beide Werte demselben Prüfverfahren zuordnen lassen. Eine Quelle nennt außerdem eine Watfähigkeit von 1,2 Metern, mangels zweiter unabhängiger Quelle steht dieser Wert nicht im Datenblatt.
Beim Motor wird hier der Bezeichnung des Triebwerkherstellers gefolgt, MTU 10V 890. Wikipedia führt für denselben Antrieb abweichend die Typbezeichnung MT 892 Ka-501 aus der Baureihe 892. Beide Angaben dürften denselben V10-Diesel meinen, die Zuordnung der Bezeichnungen ist redaktionell aber nicht abschließend geklärt.
Entwicklungsgeschichte
Die Wurzeln des Puma reichen bis in die zweite Hälfte der 1990er Jahre zurück, als das Heer nach einem Nachfolger für den in die Jahre gekommenen Marder suchte. Ab 2002 lief die konkrete Planung für ein neues Schützenpanzerprogramm, das gepanzerten Schutz, Beweglichkeit und Lufttransportfähigkeit in einem Fahrzeug vereinen sollte, eine Kombination, die beim deutlich schwereren Marder nicht vorgesehen war.
PSM erhielt einen Vertrag über mehrere Vorserienfahrzeuge, die planmäßig ausgeliefert wurden und an Wehrtechnischen Dienststellen erprobt wurden. Im weiteren Verlauf der Erprobung meldeten die zuständigen Stellen Probleme unter anderem am Antriebsstrang und am Laufwerk. Mehrere unabhängige Fachmedien berichteten in den folgenden Jahren wiederholt über technische Schwierigkeiten, etwa bei Elektronik, Sichtsystemen für die Besatzung und Software, die die Einsatzbereitschaft einzelner Fahrzeuge zeitweise einschränkten.
Der Hauptvertrag über die Serienfertigung wurde 2009 geschlossen. Ursprünglich waren mehr Fahrzeuge vorgesehen, ein Änderungsvertrag im Jahr 2012 reduzierte die Stückzahl auf die inzwischen bekannten 350 Exemplare des ersten Loses. Die Übergabe der ersten Serienfahrzeuge an die Bundeswehr erfolgte im Dezember 2010, der breitere Truppeneinsatz begann einige Jahre später. Seit 2019 verhandelt das Beschaffungsamt über ein zweites Baulos, von dem 2023 zunächst 50 weitere Fahrzeuge fest beauftragt wurden, mit einer Option auf zusätzliche Stückzahlen. Damit ist die Beschaffung des Puma bis heute nicht abgeschlossen.
Technik im Detail
Der Antrieb des Puma stammt von einem V10-Dieselmotor der Bezeichnung MTU 10V 890 mit 1088 PS. Das Fahrzeug erreicht damit laut Datenblatt 70 km/h auf der Straße, ein für ein Kettenfahrzeug dieser Gewichtsklasse hohes Leistungsgewicht, das vor allem dem Mithalten im Verband mit anderen gepanzerten Fahrzeugen dient.
Wie beim Vorgänger läuft der Puma auf einem Kettenlaufwerk mit Drehstabfederung. Mehrere Laufrollen je Seite führen die Gleiskette, angetrieben wird sie über das Treibrad. Dieses Grundprinzip ist bei deutschen Kettenfahrzeugen seit Jahrzehnten etabliert, weil es hohe Geländegängigkeit mit vertretbarem Wartungsaufwand verbindet.
Die eigentliche Besonderheit des Puma liegt im Schutzkonzept. Die Wanne ist als Verbundpanzerung ausgeführt und bildet die Basisstufe A, in der das Fahrzeug per Transportflugzeug verlegt werden kann. Für Einsätze mit höherem Bedrohungsniveau lassen sich zusätzliche Panzerungsmodule anbauen, bis hin zu einer Ausführung mit Reaktivschutz und einer Käfigpanzerung gegen Hohlladungswaffen. Dieser modulare Aufbau erklärt, warum Gewicht und Breite des Puma in Quellen so unterschiedlich angegeben werden: Es handelt sich nicht um ein Fahrzeug mit einem festen Gewicht, sondern um eine Grundwanne, die je nach Auftrag unterschiedlich stark zusatzgepanzert wird. Angaben zur Wirkung der Panzerung gegen bestimmte Bedrohungen sind nicht Gegenstand dieser Seite.
Varianten
In der Fahrzeugdatenbank wird zwischen zwei Ausführungen unterschieden. Die Grundversion S0 entspricht dem Auslieferungsstand des ersten Loses, wie er ab 2010 an die Truppe ging. Der aktuelle Nachrüststand S1 fasst die seither eingeführten Kampfwertsteigerungen zusammen, mit denen ein Großteil der Fahrzeuge des ersten Loses im Lauf der 2020er Jahre modernisiert werden soll.
Eine dritte Entwicklungslinie ist das zweite Baulos, das ab 2023 fest beauftragt wurde. Diese Fahrzeuge sollen von Beginn an in einer moderneren Konfiguration ausgeliefert werden, anstatt wie das erste Los nachträglich umgerüstet zu werden. Zu Exportversionen des Puma liegen in den vorliegenden Daten keine belastbaren Angaben vor.
Einsatz und Verbreitung
Der Puma steht ausschließlich bei der Bundeswehr im Dienst, ein Export an andere Streitkräfte hat bislang nicht stattgefunden. Er löst seit der Einführung schrittweise den Marder als Schützenpanzer der Panzergrenadiertruppe ab, wobei sich beide Fahrzeugtypen über Jahre hinweg parallel im Bestand befinden, weil die Umrüstung von Verbänden auf den Puma stufenweise erfolgt.
Die Einführung verlief nicht reibungslos. Mehrere unabhängige Medien berichteten wiederholt über technische Mängel bei elektronischen Systemen und über eingeschränkte Einsatzbereitschaft einzelner Fahrzeuge bei Übungen, auch Jahre nach Vertragsabschluss. Das Verteidigungsministerium reagierte darauf mit fortlaufenden Nachbesserungen im Rahmen des Konfigurationsstands S1. Eine wertende Einordnung dieser Vorgänge ist nicht Gegenstand dieser Seite, die Beschaffungsgeschichte wird hier rein sachlich beschrieben.
Verbleib heute
Der Puma ist ein aktives Fahrzeug im laufenden Truppendienst und deshalb kein Museumsstück im klassischen Sinn. Bei öffentlichen Veranstaltungen wie dem Tag der Bundeswehr wird er gelegentlich gezeigt, eine feste Ausstellung in einem Museum lässt sich daraus aber nicht ableiten. Die Bundeswehr führt den Puma weiterhin als aktuelles Ausrüstungssystem des Heeres.
Da die Beschaffung des zweiten Loses noch läuft, wird die Zahl der im Dienst befindlichen Fahrzeuge in den kommenden Jahren weiter steigen, während gleichzeitig ältere Marder-Fahrzeuge sukzessive außer Dienst gestellt werden.
Kann man einen Puma selbst fahren?
Nein, der Puma steht in Deutschland aktuell nicht zum Selbstfahren zur Verfügung. Als aktives Wehrmaterial im laufenden Dienst der Bundeswehr wird er nicht an zivile Fahrangebote weitergegeben. Wer ein Fahrerlebnis mit einem Fahrzeug derselben Fahrzeugfamilie sucht, findet auf der Modellseite zum Marder, dem Vorgänger des Puma, weiterführende Informationen zu dieser Fahrzeugklasse.
Verwandte Fahrzeuge
Vorgänger des Puma ist der Schützenpanzer Marder, den er in der Bundeswehr schrittweise ablöst. Innerhalb der Marder-Familie ist die Kampfwertsteigerung Marder 1A5 die technisch am weitesten entwickelte Ausführung. Einen Überblick über weitere Fahrzeuge dieser Kategorie bietet die Übersichtsseite Panzer.
Häufige Fragen
Wie schwer ist ein Puma?
In der luftverladefähigen Grundkonfiguration, Schutzstufe A, wiegt der Puma 31,45 Tonnen. Mit zusätzlichen Panzerungsmodulen bis Schutzstufe C steigt das Gewicht deutlich, die Angaben dazu schwanken je nach Quelle zwischen 41 und bis zu 45 Tonnen.
Wie schnell fährt ein Puma?
Laut Datenblatt erreicht der Puma auf der Straße eine Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h. Zur Geländegeschwindigkeit und zur Reichweite liegen keine ausreichend belegten Werte vor, die Angaben zur Reichweite schwanken je nach Quelle zwischen 550 und 600 Kilometern.
Wie viele Puma wurden gebaut?
Das erste Los umfasst 350 Fahrzeuge. Ein zweites Los befindet sich in Beschaffung, zunächst wurden 2023 weitere 50 Fahrzeuge fest beauftragt, mit einer Option auf zusätzliche Stückzahlen.
Welche Besatzung hat ein Puma?
Der Puma wird mit einer Besatzung von 9 Personen angegeben, das schließt Fahrzeugführung und die mitgeführten Panzergrenadiere ein.
Kann man einen Puma selbst fahren?
Nein, ein ziviles Fahrangebot für den Puma existiert in Deutschland derzeit nicht. Er ist aktives Ausrüstungsmaterial der Bundeswehr und steht deshalb nicht für Selbstfahrer zur Verfügung.
Was unterscheidet den Puma vom Marder?
Der Puma ist der direkte Nachfolger des Marder und löst ihn seit den 2010er Jahren schrittweise ab. Er ist deutlich leichter lufttransportfähig konzipiert, sein Gewicht hängt aber, anders als beim Marder, stark von der jeweils angebauten Schutzstufe ab.
Welchen Motor hat der Puma?
Der Hersteller nennt den Antrieb MTU 10V 890, einen V10-Dieselmotor mit 1088 PS. Wikipedia führt für denselben Motor abweichend die Bezeichnung MT 892 Ka-501, hier gilt die Angabe des Triebwerkherstellers.