Das Treibrad ist das angetriebene Rad im Kettenlaufwerk eines Kettenfahrzeugs. Über Zahnkränze greift es in die Gleiskette und zieht sie in Fahrtrichtung nach oben ab, sodass sich das Fahrzeug auf den übrigen Laufrollen vorwärtsbewegt. Ob es vorne oder hinten im Laufwerk sitzt, richtet sich danach, wo Motor und Getriebe verbaut sind.
Treibrad im Detail
Das Treibrad überträgt die Motorkraft nicht durch Reibung, sondern formschlüssig. Am Radrand sitzen Zähne oder Zahnkränze, die in Aussparungen auf der Innenseite der Kettenglieder greifen. Dieser Eingriff verhindert ein Durchrutschen, wie es bei einem rein reibschlüssigen Antrieb auftreten könnte. Am gegenüberliegenden Ende des Laufwerks sitzt das Leitrad. Es wird nicht angetrieben, sondern hält über den Kettenspanner die nötige Kettenspannung und führt die Kette zurück in ihre Bahn. Dazwischen tragen die Laufrollen das Gewicht des Fahrzeugs und rollen auf der Kette ab, ohne selbst Kraft zu übertragen.
Die Position des Treibrads hängt vom Aufbau des Antriebsstrangs ab. Fahrzeuge mit vorne liegendem Getriebe, wie viele deutsche Kampfpanzer des Zweiten Weltkriegs, hatten das Treibrad vorne. Bei modernen Kampfpanzern sitzen Motor und Getriebe meist als gemeinsamer Antriebsblock im Heck, deshalb liegt dort auch das Treibrad. Diese Bauweise erlaubt eine niedrigere Frontpanzerung und schützt den Antriebsblock hinter der Kampfraumzelle.
Die Zähne des Treibrads sind hoher Belastung ausgesetzt, weil bei jeder Umdrehung neue Kettenglieder unter Zugkraft einrasten. Bei der technischen Durchsicht wird deshalb regelmäßig auf Verschleiß an den Zahnkränzen geprüft, wie die Bundeswehr in ihrer Beschreibung der Panzerinstandsetzung darstellt. Bleibt dieser Verschleiß unbemerkt, wirkt sich das direkt auf den Kettensitz und die Lebensdauer der Gleiskette aus.
Bedeutung beim Panzerfahren
Beim Panzerfahren ist das Treibrad direkt zu sehen und zu hören. Ein guter Teil des charakteristischen, rhythmischen Kettenlärms entsteht dort, wo die Zähne in die Kettenglieder greifen. In engen Kurven, wenn eine Kette steht und die andere läuft, liegt am Treibrad der Innenkette die volle Zugkraft an. Der Eingriff ist dann besonders deutlich zu spüren und zu hören.
Ein verschlissenes oder falsch eingestelltes Treibrad kann dazu führen, dass die Kette von der Laufbahn abspringt. Auf ausgewiesenen Fahrstrecken wird das Laufwerk deshalb vor jeder Fahrt kontrolliert. Guides erklären das Treibrad häufig zu Beginn der Einweisung, weil es gut sichtbar ist und sich sein Funktionsprinzip, Zähne greifen in die Kette und ziehen sie nach oben, in wenigen Sätzen zeigen lässt.
Verwandte Begriffe
Das Treibrad steht im Kettenlaufwerk in engem Zusammenhang mit anderen Bauteilen: Gleiskette, Laufrolle, Kettenspanner, Leiträder und Kettenwechsel. Einen Überblick über weitere Fachbegriffe bietet das Lexikon.