Kettenwechsel bezeichnet den Austausch der Gleiskette eines Kettenfahrzeugs, wenn einzelne Kettenglieder durch Verschleiß, Korrosion oder Beschädigung ihre Belastbarkeit verloren haben. Dabei wird die geschlossene Kette an einer Verbindungsstelle geöffnet, die betroffenen Glieder werden entnommen und durch neue ersetzt, anschließend wird die Kette wieder gespannt. Je nach Zustand reicht der Umfang vom Tausch einzelner Glieder bis zum kompletten Neuaufzug beider Ketten.
Kettenwechsel im Detail
Eine Gleiskette besteht aus einer Reihe einzelner Kettenglieder, die gelenkig miteinander verbunden sind. Bei schnellen Kettenfahrzeugen wie Kampfpanzern kommt meist die sogenannte lebende Kette zum Einsatz: Gummi-Metall-Elemente zwischen den Gliedern federn vor und sorgen auch bei hohem Tempo für einen ruhigen Lauf. Leichtere oder langsamere Fahrzeuge nutzen häufiger Gummiketten. Sie sind wartungsärmer, verschleißen dafür schneller.
Im Betrieb längt sich jede Kette. Zug, Reibung am Untergrund und die Belastung an Treibrad und Leiträdern nutzen Bolzen und Buchsen ab, der Kettenverband wird länger und lockerer. Bis zu einem gewissen Grad gleicht der Kettenspanner das durch Nachspannen aus. Ist der Verstellweg erschöpft oder sind einzelne Glieder gerissen, korrodiert oder gebrochen, hilft nur der Austausch.
Beim eigentlichen Kettenwechsel wird das Fahrzeug aufgebockt oder auf ebenem Untergrund entlastet, die Kette entspannt und an einer Verbindungsstelle geöffnet. Verschlissene Glieder werden entnommen, neue eingesetzt, die Kette wieder geschlossen und über den Kettenspanner neu vorgespannt. Bei schweren Kampfpanzern wiegt ein einzelnes Kettenglied mehrere Kilogramm, der Wechsel erfolgt deshalb nicht von Hand, sondern mit Hebezeug und speziellem Kettenwerkzeug. Bei historischen Fahrzeugen kommt hinzu, dass Ersatzteile häufig nachgefertigt werden müssen, weil es keine Originalproduktion mehr gibt. In der Bundeswehr übernehmen darauf spezialisierte Instandsetzungswerkstätten diese Arbeit, bei kleineren Fahrveranstaltern erledigen sie meist die eigenen Mechaniker.
Bedeutung beim Panzerfahren
Für Gäste, die selbst einen Panzer fahren, ist der Kettenwechsel normalerweise nicht sichtbar. Er passiert vor oder nach dem Fahrbetrieb in der Werkstatt, nicht während der Fahrt auf der Strecke. Spürbar wird der Zustand der Kette trotzdem: Eine zu locker gespannte oder ungleichmäßig verschlissene Kette macht sich durch stärkere Vibrationen, ein raueres Fahrgeräusch und ein weniger präzises Lenkverhalten bemerkbar, weil ein Kettenfahrzeug über den unterschiedlichen Vortrieb beider Ketten gelenkt wird. Betreiber prüfen Kettenspannung und Zustand deshalb vor jedem Fahrtag.
Wer ein älteres oder historisches Fahrzeug fährt, bekommt am ehesten mit, wie wartungsintensiv ein gut erhaltenes Kettenlaufwerk ist. Die begrenzte Standzeit einzelner Kettenglieder ist einer der Gründe, warum der Betrieb historischer Kettenfahrzeuge aufwendig bleibt. Für Betreiber ist ein anstehender Kettenwechsel deshalb auch ein Terminplanungsthema: Solange die Werkstatt am Fahrwerk arbeitet, steht das Fahrzeug für Fahrtage nicht zur Verfügung.