M1 Abrams

M1 Abrams Gesamtansicht seitlich, ohne Wappen oder Truppenkennzeichen im Bild
Foto: Chairman of the Joint Chiefs of Staff, Lizenz CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Der M1 Abrams ist die Urversion der amerikanischen Abrams-Baureihe, ein Kampfpanzer aus US-Produktion. Chrysler Defense baute das Fahrzeug ab 1980, ab 1982 übernahm General Dynamics Land Systems die Fertigung. Angetrieben wird der M1 von der Vielstoff-Gasturbine AGT-1500 mit 1500 PS, bewaffnet ist er mit der 105-mm-Zugrohrkanone M68A1, geschützt durch eine Verbundpanzerung vom Chobham-Typ. Er löste in der US-Armee den M60 Patton ab und wurde selbst wenige Jahre später vom M1A1 mit 120-mm-Kanone abgelöst. Beschrieben wird hier ausschließlich die Grundversion mit 105-mm-Kanone von 1980, nicht die spätere M1A2 Abrams-Ausführung mit 120-mm-Glattrohrkanone, höherem Gewicht und anderer Elektronik.

Technische Daten

Merkmal Wert
Typ Kampfpanzer
Herkunftsland USA
Hersteller Chrysler Defense, ab 1982 General Dynamics Land Systems
Bauzeit 1979 bis 1985
Stückzahl keine Angabe
Gefechtsgewicht 54,4 t
Länge 9,77 m
Breite 3,66 m
Höhe keine Angabe
Motor Vielstoff-Gasturbine AGT-1500 (Lycoming Textron)
Leistung 1500 PS
Höchstgeschwindigkeit 72 km/h
Reichweite keine Angabe
Besatzung 4
Hauptbewaffnung 105-mm-Zugrohrkanone M68A1
Panzerung Verbundpanzerung vom Chobham-Typ
Watfähigkeit keine Angabe

Entwicklungsgeschichte

Die Entwicklung des M1 Abrams begann, nachdem das gemeinsame deutsch-amerikanische Panzerprojekt MBT-70 und dessen Nachfolgeansatz XM803 Ende 1971 an den Kosten scheiterten. Die US-Armee suchte danach einen eigenständigen, günstigeren Nachfolger für den M60 Patton. Eine Arbeitsgruppe in Fort Knox formulierte die Anforderungen, 1973 erhielten Chrysler und General Motors parallele Entwicklungsaufträge für das Programm XM1. Beide Hersteller lieferten 1975 Prototypen ab, die Erprobung entschied 1976 zugunsten von Chrysler, vor allem wegen der niedrigeren Kosten und der riskanteren, aber letztlich erfolgreichen Entscheidung für eine Gasturbine statt eines Dieselmotors.

1978 liefen elf Vorserienfahrzeuge vom Band, die Serienfertigung des M1 mit der 105-mm-Kanone begann 1980. Benannt wurde das Fahrzeug nach General Creighton W. Abrams, einem Panzerkommandeur des Zweiten Weltkriegs und späteren Generalstabschef der US-Armee. Bei der Bewaffnung entschied sich das Programm zunächst bewusst für die bewährte 105-mm-Kanone M68A1, dieselbe Kanonenfamilie, die zuvor bereits im M60 und im M48 verbaut war. Das hielt die Fertigung einfacher und sicherte die Versorgung mit vorhandener Munition, bevor mit dem Nachfolger M1A1 die 120-mm-Kanone eingeführt wurde.

Zum genauen Bauzeitraum gibt es unterschiedliche Angaben. Eine Quelle datiert die Fertigung der Grundversion von 1979 bis 1985 und rechnet die genehmigte Vorserie mit ein, eine andere setzt den Beginn erst mit der Auslieferung des ersten Serienfahrzeugs am 28. Februar 1980 an, eine dritte grenzt den Zeitraum auf die volle Serienfertigung von Februar 1981 bis Februar 1985 ein. Das Datenblatt folgt der früheren Datierung 1979 bis 1985, weil sie die genehmigte Vorserienfertigung einschließt.

Technik im Detail

Kern des Antriebs ist die AGT-1500, eine Vielstoffmotor-Gasturbine von Lycoming Textron mit 1500 PS. US-Quellen führen die Leistung als 1500 shp, die metrisch korrekte Umrechnung läge bei rund 1520 PS. Das Datenblatt folgt der gebräuchlichen Angabe von 1500 PS. Gasturbinen liefern ein hohes Leistungsgewicht und ein ruckfreies Anfahren, verbrauchen dafür auch im Leerlauf mehr Kraftstoff als ein vergleichbarer Dieselmotor. Als Vielstoffmotor verarbeitet die AGT-1500 neben Diesel auch andere Kraftstoffarten, das vereinfacht die Versorgung im Feld.

Bei Gefechtsgewicht und Höchstgeschwindigkeit lohnt ein Blick auf die Einheiten. Amerikanische Quellen rechnen in Kurztonnen und Meilen pro Stunde, nicht in metrischen Tonnen und km/h. Ein Datenblatt der Federation of American Scientists nennt für den M1/IPM1 60 short tons und 45 mph, umgerechnet 54,4 Tonnen und 72 km/h, die auf dieser Seite verwendeten Werte. Eine Museumsangabe von 55 tons ohne Einheitenkennzeichnung wurde nicht übernommen, sie ließe sich je nach Lesart auch als rund 49,9 Tonnen verstehen. Ein weiterer Wert von 62 Tonnen bezieht sich erkennbar auf heutige, deutlich schwerere Abrams-Ausführungen, nicht auf die Urversion von 1980. Bei der Geschwindigkeit stammt ein abweichender Wert von 42 mph (67 km/h) erkennbar vom schwereren M1A1, für den dieselbe Quelle rund 41,5 mph nennt, und passt deshalb nicht zur hier beschriebenen Urversion.

Das Laufwerk läuft auf einem Kettenlaufwerk mit Drehstabfederung: Drehstäbe im Wanneninneren federn die außen liegenden Laufrollen, das federt Stöße besser ab als eine Blattfeder und ermüdet dabei langsamer. Die Gleiskette wird über ein Treibrad am Wannenheck angetrieben.

Hauptbewaffnung ist die 105-mm-Zugrohrkanone M68A1, eine reine Typangabe der Bewaffnung. Anders als die spätere Glattrohrkanone M256 im M1A1 besitzt sie ein gezogenes Rohr. Geschützt ist das Fahrzeug durch eine Verbundpanzerung vom Chobham-Typ, einen mehrschichtigen Aufbau aus Stahl und weiteren Werkstoffen anstelle von homogenem Walzstahl. Zur genauen Fahrzeughöhe schwanken die Angaben zwischen 2,37 m und 2,44 m, ein weiterer Wert von 2,89 m dürfte sich auf die Höhe über der Kommandantenoptik beziehen. Das Datenblatt bleibt bei diesem Feld deshalb offen. Eine Quelle nennt zudem eine Watfähigkeit von 1,2 Metern ohne Vorbereitung, eine zweite unabhängige Bestätigung dazu liegt nicht vor.

Varianten

Aus der hier beschriebenen Grundversion entwickelte sich die gesamte Abrams-Baureihe:

  • IPM1 (Improved Performance M1): ab 1984 mit verstärkter Turmpanzerung und verbesserter Elektronik bei äußerlich nahezu unverändertem Erscheinungsbild, 894 gebaute Fahrzeuge zwischen 1984 und 1986, gedacht als Übergangslösung bis zur Einführung des M1A1
  • M1A1: ab 1985 direkter Nachfolger mit 120-mm-Glattrohrkanone M256 anstelle der 105-mm-Zugrohrkanone, das prägendste Merkmal einer Kampfwertsteigerung innerhalb der Baureihe
  • M1A2 Abrams: ab 1993 mit unabhängigem Wärmebildkanal für den Kommandanten und digitaler Datenverbindung, eine eigene Fahrzeugseite beschreibt diese Ausführung im Detail

Ein Teil der frühen M1- und IPM1-Wannen wurde in späteren Umrüstprogrammen auf den Stand des M1A1 oder M1A2 gebracht, statt dass neue Wannen gefertigt wurden. Die hier beschriebene Urversion mit 105-mm-Kanone blieb dadurch nur für einen begrenzten Zeitraum als eigenständiges Fahrzeug im Bestand der US-Armee.

Einsatz und Verbreitung

Hauptnutzer des M1 Abrams war und ist die US-Armee. Ab 1980 ersetzte er dort schrittweise den älteren M60 Patton in den gepanzerten Verbänden. Die Einführung fiel in die letzte Phase des Kalten Krieges, ein Teil der neuen Fahrzeuge ging an in Westdeutschland stationierte US-Verbände, die dort im Rahmen der NATO-Verteidigung dem Warschauer Pakt gegenüberstanden.

Zur genauen Stückzahl der Urversion schwanken die Angaben: Eine Quelle nennt 3273 Fahrzeuge für den gesamten Bauzeitraum 1979 bis 1985, eine andere zählt getrennt über 2000 M1 zwischen 1980 und 1985 sowie zusätzlich 894 IPM1 zwischen 1984 und 1986. Ob die IPM1-Fahrzeuge in der erstgenannten Zahl bereits enthalten sind, lässt sich aus den vorliegenden Quellen nicht eindeutig klären. Auch bei der Reichweite gehen die Angaben auseinander: Ein Datenblatt nennt für den M1/IPM1 443 km, umgerechnet aus 275 Meilen, andere Quellen geben 498 km oder 426 km an.

Ein eigener Kampfeinsatz der Urversion mit 105-mm-Kanone ist aus den vorliegenden Quellen nicht belegt. Als die Abrams-Baureihe in den 1990er-Jahren in größeren Auslandseinsätzen zum Einsatz kam, war ein erheblicher Teil der ursprünglichen M1- und IPM1-Wannen bereits auf den Stand des M1A1 oder M1A2 umgerüstet. Außerhalb der USA wurde die Urversion nicht in nennenswertem Umfang exportiert, anders als spätere Abrams-Versionen, die unter anderem nach Ägypten, Saudi-Arabien und Kuwait gingen.

Verbleib heute

In der US-Armee ist die Urversion des M1 Abrams nicht mehr im aktiven Dienst. Ein erheblicher Teil der Fahrzeuge wurde im Lauf der 1980er- und 1990er-Jahre auf den Stand des M1A1 oder M1A2 umgerüstet statt ausgemustert, die modulare Panzerungsbauweise machte diesen Umbau möglich. Erhaltene Exemplare der Urversion mit 105-mm-Kanone sind heute seltener als spätere Abrams-Ausführungen, weil ein Großteil der Wannen in Umrüstprogrammen weiterverwendet wurde.

Zu besichtigen ist ein M1 Abrams unter anderem im First Division Museum in Wheaton, Illinois, sowie in der Ausstellung der Ronald Reagan Presidential Library in Kalifornien. Die Bundeswehr hat den Typ nie eingeführt, in Deutschland steht kein Exemplar der Urversion in einem Museum oder bei einem Traditionsverband.

Kann man einen M1 Abrams selbst fahren?

Nein, ein M1 Abrams steht in Deutschland aktuell bei keinem Anbieter zum Selbstfahren zur Verfügung. Als amerikanischer Kampfpanzer der aktiven Nachkriegsgeneration ist er ziviler Nutzung hierzulande nicht zugänglich.

Ein amerikanischer Kampfpanzer steht in Deutschland derzeit überhaupt nicht zum Selbstfahren bereit. Das gilt auch für den M60 Patton, den unmittelbaren Vorgänger des M1 Abrams in der US-Armee. Welche Modelle tatsächlich buchbar sind, zeigt die Fahrzeugübersicht des Portals.

Verwandte Fahrzeuge

Weitere Modelle finden Sie in der Panzer-Übersicht.

  • M1A2 Abrams: moderne Weiterentwicklung mit 120-mm-Glattrohrkanone und erweiterter Feuerleittechnik
  • M60 Patton: unmittelbarer Vorgänger in der US-Armee, gleiche Herkunft
  • M48 Patton: frühere amerikanische Kampfpanzergeneration, gleiche Herkunft
  • M47 Patton: frühe Nachkriegsversion der Patton-Baureihe, gleiche Herkunft

Häufige Fragen

Wie schwer ist ein M1 Abrams?

Das Gefechtsgewicht der Urversion liegt bei 54,4 Tonnen, umgerechnet aus der amerikanischen Angabe von 60 Kurztonnen (short tons). Amerikanische Quellen rechnen traditionell in dieser Einheit, nicht in metrischen Tonnen, was beim Vergleich verschiedener Datenblätter zu Verwirrung führen kann. Spätere, schwerere Abrams-Versionen wie der M1A2 liegen bei über 60 metrischen Tonnen.

Wie schnell fährt ein M1 Abrams?

Die Höchstgeschwindigkeit der Urversion beträgt 72 km/h, umgerechnet aus 45 Meilen pro Stunde. Ein in manchen Quellen genannter Wert von 42 mph (67 km/h) bezieht sich erkennbar auf den schwereren M1A1 und nicht auf die hier beschriebene Version mit 105-mm-Kanone.

Wie viele M1 Abrams wurden gebaut?

Zur Stückzahl liegen unterschiedliche Angaben vor. Eine Quelle nennt 3273 Fahrzeuge für den gesamten Bauzeitraum 1979 bis 1985, eine andere zählt getrennt über 2000 M1 sowie zusätzlich 894 IPM1. Eine gesicherte Einzelziffer für die reine Urversion lässt sich daraus nicht ableiten.

Welche Kanone hat der M1 Abrams?

Die Urversion trägt die 105-mm-Zugrohrkanone M68A1, dieselbe Kanonenfamilie, die zuvor bereits im M60 und im M48 Patton verbaut war. Erst der Nachfolger M1A1 erhielt ab 1985 die 120-mm-Glattrohrkanone M256. Angaben zu Munitionswirkung oder Zielverfahren sind nicht Gegenstand dieser Seite.

Kann man einen M1 Abrams in Deutschland selbst fahren?

Nein. Das Fahrzeug steht in Deutschland bei keinem Anbieter zum Selbstfahren zur Verfügung. Das gilt ebenso für den M60 Patton, den unmittelbaren Vorgänger des M1 Abrams in der US-Armee.

Was unterscheidet den M1 Abrams von der M1A2-Version?

Die Urversion trägt eine 105-mm-Zugrohrkanone, der M1A2 eine 120-mm-Glattrohrkanone mit erweiterter Feuerleittechnik. Auch das Gefechtsgewicht unterscheidet sich deutlich: 54,4 Tonnen bei der Urversion gegenüber über 60 Tonnen beim M1A2. Details zur moderneren Ausführung finden Sie auf der Seite zum M1A2 Abrams.

Wo steht heute ein M1 Abrams?

Zu besichtigen ist die Urversion unter anderem im First Division Museum in Illinois und in der Ausstellung der Ronald Reagan Presidential Library in Kalifornien. In Deutschland steht kein Exemplar in einem Museum, die Bundeswehr hat den Typ nie eingeführt und auch bei Traditionsverbänden ist er hierzulande nicht vertreten.