M60 Patton

M60 Patton Gesamtansicht seitlich, ohne Wappen oder Truppenkennzeichen im Bild
Foto: Articseahorse, Lizenz CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Der M60 Patton ist ein US-amerikanischer Kampfpanzer, den Chrysler zwischen 1960 und 1962 baute. Er folgte auf den M48 Patton und übernahm dessen Wanne, erhielt aber eine neue 105-mm-Kanone und einen Dieselmotor anstelle des bisherigen Ottomotors. Eine Quelle ordnet ihn der Epoche des Kalten Krieges zu. Die auf dieser Seite genannten Werte betreffen ausschließlich die hier beschriebene Grundversion M60, nicht die späteren Ausführungen M60A1, M60A2 und M60A3, die sich in Turm, Bewaffnung und Feuerleitung deutlich unterscheiden. Ein M60 Patton lässt sich in Deutschland derzeit bei keinem Anbieter selbst fahren, mehr dazu im entsprechenden Abschnitt weiter unten.

Technische Daten

Merkmal Wert
Typ Kampfpanzer
Herkunftsland USA
Hersteller Chrysler Corporation (Delaware Defense Plant, ab 1960 Detroit Arsenal Tank Plant)
Bauzeit 1960 bis 1962
Stückzahl 2.205
Gefechtsgewicht keine Angabe
Länge keine Angabe
Breite 3,632 m
Höhe 3,213 m
Motor Continental AVDS-1790-2 (V12, luftgekühlt, Turbodiesel)
Leistung 750 PS
Höchstgeschwindigkeit 48 km/h
Reichweite 500 km
Besatzung 4
Hauptbewaffnung 105-mm-Zugrohrkanone M68
Panzerung keine Angabe
Watfähigkeit 1,22 m

Bei mehreren Merkmalen weichen die Quellen zu stark voneinander ab, um eine einzelne Zahl ins Datenblatt zu setzen. Das Gefechtsgewicht wird zwischen 45,8 und 49,7 Tonnen angegeben, ohne dass sich der Grund für die Differenz aus den Quellen erschließt. Eine museale Quelle nennt zusätzlich „51 Tons“, ohne die Einheit als amerikanische Kurztonne oder metrische Tonne auszuweisen. Dieser Wert lässt sich keiner der beiden Maßeinheiten sicher zuordnen und taugt deshalb nicht als Beleg. Auch die Länge schwankt, zwischen 9,309 und 9,4 Metern, ein Unterschied, der sich ebenfalls nicht eindeutig erklären lässt. Zur Panzerung mehr im Abschnitt Technik im Detail.

Entwicklungsgeschichte

Die Entwicklung des M60 setzte direkt beim M48 Patton an, der seinerseits den M47 Patton als kurzlebige Übergangslösung abgelöst hatte. Die US-Armee wollte die bewährte, gegossene M48-Wanne weiterverwenden, gleichzeitig aber Bewaffnung und Antrieb auf den neuesten Stand bringen. Mit dem M68 erhielt das Fahrzeug eine neu gefertigte 105-mm-Kanone, die auf der britischen Kanone L7 basiert. Die US-Armee übernahm das Kaliber und passte den Verschluss an eigene Fertigungsstandards an. Der bisherige Ottomotor wich einem luftgekühlten Turbodieselmotor, der die Reichweite gegenüber dem M48 deutlich verbesserte.

Chrysler erhielt den Fertigungsauftrag und baute das zunächst als XM60 bezeichnete Fahrzeug ab 1959 in Prototypen. Die Serienfertigung begann 1960 in der Delaware Defense Plant, ab 1960 lief zusätzlich die Detroit Arsenal Tank Plant an. Die US-Armee nahm den M60 im selben Jahr in Dienst. Die hier beschriebene Grundversion blieb nur kurz in Produktion: Bereits 1962 löste sie der M60A1 mit neu gestaltetem Turm in der Serienfertigung ab. Wo in Museen oder in der Literatur allgemein von „M60″ die Rede ist, sind deshalb häufig spätere Versionen gemeint, obwohl sich Turm, Bewaffnung und Feuerleitung zwischen Grundversion und den Ausführungen M60A1, M60A2 und M60A3 erheblich unterscheiden.

Der M60 markiert damit einen Zwischenschritt zwischen dem M48 Patton, dessen Wanne er übernahm, und der langlebigen A1-Baureihe, die über zwei Jahrzehnte das Rückgrat der US-Panzertruppe bildete. Zusammen mit dem M47 Patton und dem M48 bildet er die dritte Generation der amerikanischen Nachkriegs-Kampfpanzer mit dem Namen Patton.

Technik im Detail

Angetrieben wird der M60 von einem Continental AVDS-1790-2, einem luftgekühlten Zwölfzylinder-Turbodieselmotor mit 750 PS. Die Luftkühlung senkt den Wartungsaufwand in staubiger oder kalter Umgebung gegenüber einer wassergekühlten Konstruktion, weil kein Kühlmittelkreislauf gegen Frost oder Leckagen geschützt werden muss. Mit diesem Motor erreicht das Fahrzeug eine Höchstgeschwindigkeit von 48 km/h und eine Reichweite von 500 km, deutlich mehr als der benzinbetriebene M48 in seiner ursprünglichen Ausführung.

Das Laufwerk nutzt eine Drehstabfederung, bei der Torsionsstäbe im Wanneninneren die Stöße der Laufrollen abfangen. Die Gleiskette läuft über die Laufrollen und wird vom Treibrad angetrieben, das bei amerikanischen Kampfpanzern dieser Generation üblicherweise am Wannenheck sitzt. Dieses Kettenlaufwerk entspricht in seiner Grundanlage dem des Vorgängers M48, wurde für den M60 aber an das höhere Gefechtsgewicht angepasst.

Bei der Panzerung liefern die Quellen zwei unterschiedliche Beschreibungen, die sich vor allem bei der Wanne unterscheiden. Beide stimmen darin überein, dass der Turm vollständig aus Gussstahl gefertigt ist. Bei der Wanne beschreibt eine Quelle eine Konstruktion aus zusammengeschweißten Panzerstahlplatten, eine andere Quelle dagegen eine von der gegossenen M48A2-Wanne abgeleitete Bauweise mit einer neu hinzugefügten, gewalzten Bugplatte anstelle der gerundeten Gussbugplatte des M48. Beide Beschreibungen betreffen ausschließlich die Bauart, keine Schutzwerte oder Materialstärken, die aus den vorliegenden Quellen ohnehin nicht hervorgehen.

Hauptbewaffnung ist die 105-mm-Zugrohrkanone M68, eine reine Typangabe der Bewaffnung ohne Bezug auf ihre Wirkung. Die Watfähigkeit von 1,22 m erlaubt das Durchqueren flacher Gewässer ohne vorbereitende Abdichtung.

Varianten

Die Grundversion M60 blieb nur zwei Jahre in Produktion, bevor drei Kampfwertsteigerungen folgten, die sich von ihr in Turm, Bewaffnung und Feuerleitung deutlich unterscheiden:

  • M60A1: ab 1962 mit neu gestaltetem, niedrigerem Turm und verbesserter Panzerung
  • M60A2: Sonderversion mit einer kombinierten Kanonen- und Lenkwaffenanlage im Kaliber 152 mm, nur in geringer Stückzahl gefertigt
  • M60A3: ab Ende der 1970er Jahre mit modernisierter Feuerleitanlage, Wärmebildgerät und Laserentfernungsmesser

Direkter Nachfolger der hier beschriebenen Grundversion ist laut Datenblatt der M60A1, der die Serienfertigung ab 1962 übernahm und über viele Jahre das am weitesten verbreitete Modell der M60-Familie blieb. Wegen dieser Kampfwertsteigerungen ist bei Museumsexemplaren und in der Literatur häufig unklar, ob mit „M60″ die hier beschriebene Grundversion oder eine der späteren Ausführungen gemeint ist. Bezug genommen wird hier ausschließlich auf die Grundversion M60, wie sie zwischen 1960 und 1962 gebaut wurde.

Einsatz und Verbreitung

Die US-Armee nahm den M60 1960 in Dienst und ersetzte damit schrittweise den M48 in der Erstausstattung. Über die gesamte M60-Familie hinweg, also einschließlich der späteren Versionen M60A1 bis M60A3, entstanden nach übereinstimmenden Angaben mehr als 15.000 Fahrzeuge. Diese Zahl bezieht sich nicht auf die hier beschriebene Grundversion: Von ihr wurden laut Datenblatt 2.205 Exemplare gebaut, bevor die Fertigung 1962 auf den M60A1 überging.

Israel setzte Fahrzeuge der M60-Familie im Oktober 1973 im Jom-Kippur-Krieg im Sinai und auf den Golanhöhen ein, wie zwei unabhängige Quellen übereinstimmend berichten. Nach diesem Krieg stieg die Nachfrage nach Ersatzfahrzeugen deutlich, was die Produktion der gesamten M60-Familie ankurbelte.

Eine Quelle nennt als weitere Nutzerstaaten unter anderem Österreich, Bahrain, Ägypten, Griechenland, die Türkei, Jordanien, Portugal, Saudi-Arabien und Spanien, jeweils mit an ihre Anforderungen angepassten Ausführungen. Auch beim US Marine Corps blieb die M60-Familie lange im Einsatz: Eine Quelle beziffert den Einsatz von 210 Fahrzeugen des Typs M60A1 während der Operation Desert Storm 1991 in Kuwait. Auf eine Bewertung dieser Einsätze wird hier verzichtet, beschrieben werden ausschließlich Technik und Beschaffungsgeschichte.

Verbleib heute

Erhaltene M60 stehen heute in mehreren Museen. Das First Division Museum im Cantigny Park bei Wheaton, Illinois, zeigt ein Fahrzeug im Freigelände. Im britischen Tank Museum in Bovington steht ein Exemplar der M60-Familie neben anderen Modellen der Patton-Reihe, gemeinsam zeigen sie dort die Entwicklung über mehrere Jahrzehnte.

Nach Angaben einer Quelle bleiben modernisierte Fahrzeuge der M60-Familie bis heute bei mehreren Streitkräften im aktiven Dienst, die meisten davon inzwischen auf den Stand M60A3 gebracht. Die hier beschriebene Grundversion M60 selbst dürfte nach über sechs Jahrzehnten kaum noch im Originalzustand im aktiven Dienst stehen, genaue Angaben dazu liegen nicht vor.

Kann man einen M60 Patton selbst fahren?

Nein, dieser Kampfpanzer steht in Deutschland aktuell nicht zum Selbstfahren zur Verfügung. Weder der M60 noch seine nächsten Verwandten aus der Patton-Baureihe, der M47 Patton und der M48 Patton, gehören zum Angebot deutscher Fahranbieter. Eine Übersicht, welche Kampfpanzer aktuell selbst gefahren werden können, liefert die Fahrzeugübersicht.

Verwandte Fahrzeuge

  • M48 Patton: der unmittelbare Vorgänger, dessen Wanne der M60 übernahm.
  • M47 Patton: frühe Nachkriegsversion der Patton-Baureihe, zwei Generationen vor dem M60.
  • M1 Abrams: löste den M60 ab den späten 1970er Jahren in der US-Armee ab.
  • M1A2 Abrams: aktuelle Weiterentwicklung der Abrams-Baureihe.

Häufige Fragen

Wie schwer ist ein M60 Patton?

Dazu weichen die Quellen voneinander ab. Je nach Angabe liegt das Gefechtsgewicht zwischen 45,8 und 49,7 Tonnen. Eine museale Quelle nennt zusätzlich „51 Tons“, ohne anzugeben, ob amerikanische Kurztonnen oder metrische Tonnen gemeint sind. Dieser Wert lässt sich keiner Einheit sicher zuordnen und taugt deshalb nicht als Beleg.

Wie schnell fährt ein M60 Patton?

Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 48 km/h. Erreicht wird dieser Wert durch den luftgekühlten Turbodieselmotor Continental AVDS-1790-2 mit 750 PS.

Wie viele M60 Patton wurden gebaut?

Von der hier beschriebenen Grundversion entstanden zwischen 1960 und 1962 laut Datenblatt 2.205 Fahrzeuge. Über die gesamte M60-Familie hinweg, einschließlich der späteren Versionen M60A1 bis M60A3, wurden nach übereinstimmenden Angaben mehr als 15.000 Fahrzeuge gebaut.

Welche Reichweite hat ein M60 Patton?

Die Reichweite liegt bei 500 km. Damit übertrifft der M60 den benzinbetriebenen M48 Patton in dessen ursprünglicher Ausführung deutlich, was vor allem am effizienteren Turbodieselmotor liegt.

Kann man einen M60 Patton in Deutschland selbst fahren?

Nein. Der M60 gehört bei keinem deutschen Anbieter zum Fuhrpark, ebenso wenig wie seine Verwandten M47 Patton und M48 Patton. Eine Übersicht der aktuell fahrbaren Kampfpanzer liefert die Fahrzeugübersicht.

Was unterscheidet den M60 von den Versionen M60A1, M60A2 und M60A3?

Die hier beschriebenen Werte gelten nur für die Grundversion M60, die zwischen 1960 und 1962 gebaut wurde. Die späteren Ausführungen M60A1, M60A2 und M60A3 unterscheiden sich davon erheblich in Turm, Bewaffnung und Feuerleitung und sind eigenständige Kampfwertsteigerungen.

Wo steht heute ein M60 Patton?

Erhaltene Fahrzeuge stehen unter anderem im First Division Museum in Illinois und im Tank Museum im britischen Bovington. Modernisierte Fahrzeuge der M60-Familie sind einer Quelle zufolge bis heute bei einzelnen Streitkräften im aktiven Dienst.