M48 Patton

M48 Patton Gesamtansicht seitlich, ohne Wappen oder Truppenkennzeichen im Bild
Foto: Adam Bartlett, Lizenz CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Der M48 Patton ist ein US-amerikanischer Kampfpanzer der 1950er Jahre. Chrysler entwickelte ihn als Ablösung für den M47 Patton, dessen Konstruktion von Anfang an nur als Übergangslösung gedacht war. Die Serienfertigung begann 1952 und lief bis 1959, gebaut wurde der M48 bei Chrysler, Ford, General Motors und der American Locomotive Company. Gegenüber dem Vorgänger erhielt er einen komplett neu konstruierten, gegossenen Rumpf und Turm sowie eine 90-mm-Kanone. Mit vier Mann Besatzung und 810 PS Motorleistung wurde er zum Standardpanzer der US Army der späten 1950er und 1960er Jahre und ging in den Bestand zahlreicher NATO-Staaten über, darunter die Bundeswehr. Der M48 bildete die technische Grundlage für spätere Kampfwertsteigerungen bis hin zum M60, seinem direkten Nachfolger.

Technische Daten

Merkmal Wert
Typ Kampfpanzer
Herkunftsland USA
Hersteller Chrysler Corporation, Ford Motor Company, General Motors (Fisher Body), American Locomotive Company (Alco)
Bauzeit 1952 bis 1959
Stückzahl keine Angabe
Gefechtsgewicht keine Angabe
Länge 9,3 m
Breite 3,63 m
Höhe keine Angabe
Motor Continental AV-1790-5B (V12, luftgekühlt, Ottomotor)
Leistung 810 PS
Höchstgeschwindigkeit keine Angabe
Reichweite keine Angabe
Besatzung 4
Hauptbewaffnung 90-mm-Zugrohrkanone M41
Panzerung keine Angabe
Watfähigkeit 1,2 m

Bei mehreren Merkmalen weichen die Quellen zu stark voneinander ab, um eine einzelne Zahl ins Datenblatt zu setzen. Das Gefechtsgewicht wird zwischen 44,9 und knapp 49 Tonnen angegeben, die Höchstgeschwindigkeit zwischen rund 42 und 48 km/h, die Höhe zwischen 3,07 und 3,25 Metern. Auch die Stückzahl schwankt: Die meisten Quellen nennen Werte zwischen rund 11.700 und knapp 13.000 Fahrzeugen, eine einzelne Quelle nennt dagegen nur 3.200. Zu Panzerung und Reichweite mehr im Abschnitt Technik im Detail, denn dort liegen die Gründe für die Abweichungen offener zutage.

Entwicklungsgeschichte

1947 forderte die US-Armee einen Kampfpanzer der 30-Tonnen-Klasse, der eine 90-mm-Kanone tragen sollte. Die vorhandenen Modelle M26 Pershing und M46 galten als veraltet, und auch der M47 Patton war von Beginn an nur als Zwischenlösung gedacht, weil seine Entwicklung unter Zeitdruck entstanden war. Ab 1950 begann das Arsenal in Detroit eine Konstruktionsstudie zur grundlegenden Überarbeitung des M47. Chrysler erhielt im Dezember 1951 den Auftrag, sechs Prototypen unter der Bezeichnung T48 zu bauen. Der erste Prototyp entstand noch im selben Monat, die Auslieferung an die Truppe begann Mitte 1952, und im Mai 1953 nahm die US-Armee das Fahrzeug offiziell ab.

Anders als der M47 erhielt der M48 einen vollständig neu konstruierten Rumpf und Turm. Beide waren dickwandiger gegossen, was den Panzerschutz gegenüber dem Vorgänger verbesserte und gleichzeitig die Fertigung vereinfachte. Ein früher Schwachpunkt blieb die Reichweite: Der Benzinmotor der ersten Serienfahrzeuge begrenzte den Aktionsradius stark, ein Problem, das erst spätere Modernisierungen löste. Auch Feuerleitanlage und Zielausrüstung wurden über die gesamte Bauzeit hinweg mehrfach überarbeitet.

Der M48 kam für den Koreakrieg zu spät, prägte aber die US-Panzertruppe der Folgejahre. Bis zum Produktionsende 1959 liefen bei mehreren Herstellern parallel Fahrzeuge vom Band, bevor der M60 die Fertigung ablöste. Für die Bundeswehr war der M48 einer der ersten Kampfpanzer überhaupt: Die Beschaffung begann bereits Mitte der 1950er Jahre, mehrere Jahre bevor die Bundeswehr auf im Inland entwickelte Kampfpanzer umstellte.

Technik im Detail

Der M48 wird von einem Continental AV-1790-5B angetrieben, einem luftgekühlten V12-Ottomotor mit 810 PS. Die Luftkühlung machte den Motor unempfindlicher gegenüber Frost und Sand als eine wassergekühlte Konstruktion, kostete aber Bauraum. Das Laufwerk nutzt eine Drehstabfederung mit sechs gummierten Laufrollen je Seite, vorn eine Spannrolle und hinten das Treibrad. Über Laufrollen und Treibrad läuft die Gleiskette, die den Bodendruck verteilt und die Geländegängigkeit sicherstellt.

Der größte technische Schwachpunkt der frühen Baureihe war die Reichweite. Mit Ottomotor und den ursprünglichen Kraftstofftanks kam der M48 auf rund 113 bis 120 Kilometer, bevor nachgetankt werden musste. Das lag am hohen Verbrauch des Benzinmotors, nicht an widersprüchlichen Quellenangaben. Erst der M48A3 mit Dieselmotor löste das Problem: Ein Dieselmotor verbraucht je gefahrenem Kilometer deutlich weniger als ein vergleichbarer Ottomotor, und die Reichweite stieg auf rund 499 Kilometer. Wer beim M48 auf zwei Reichweitenwerte stößt, die sich um mehr als das Vierfache unterscheiden, sieht hier also keinen Streit zwischen Quellen, sondern den Unterschied zwischen zwei Antriebsvarianten desselben Fahrzeugtyps.

Auch bei der Panzerung liefern die Quellen kein einheitliches Bild, und der Widerspruch betrifft nicht nur die Dicke. Eine Quelle nennt bis zu 180 mm an der Turmfront und 110 mm an der Wanne, eine andere umgekehrt bis zu 120 mm an der Wanne und 110 mm am Turm, eine dritte einen pauschalen Frontwert von 120 mm ohne Unterscheidung zwischen Turm und Wanne. Welche Angabe zutrifft, lässt sich aus den verfügbaren Quellen nicht auflösen.

Rumpf und Turm sind gegossen, nicht wie bei älteren Konstruktionen aus geschweißten Walzstahlplatten zusammengesetzt. Das erlaubte gerundete, ballistisch günstigere Formen bei geringerem Fertigungsaufwand.

Varianten

Über die Bauzeit entstand eine Reihe von Modernisierungsstufen. Eine Quelle nennt als wichtigste die M48A1 mit überarbeiteten Luken, die M48A2 mit verbessertem Kraftstoffsystem, die M48A3 mit dem oben beschriebenen Dieselmotor und die M48A5 mit 105-mm-Kanone und modernerer Feuerleitanlage. Dieselbe Quelle nennt zusätzlich die deutsche Kampfwertsteigerung M48A2GA2, bei der aus M48A2C-Fahrzeugen Panzer mit 105-mm-Kanone entstanden.

Zu dieser deutschen Umrüstung liegen unabhängig davon genauere Angaben vor: Die Firma Wegmann in Kassel baute 650 Fahrzeuge zur M48A2GA2 um, ausgeliefert zwischen Juni 1978 und November 1980. Anstelle der ursprünglichen 90-mm-Kanone erhielten sie die 105-mm-Kanone L7A3, dieselbe Kanonenfamilie wie beim Leopard 1, dazu eine neue Kommandantenkuppel, passive Nachtsichtgeräte für Fahrer, Kommandant und Richtschütze sowie eine überarbeitete Feuerleitanlage.

Spezialisierte Ausführungen auf M48-Basis umfassten außerdem einen Flammwerferpanzer und einen Brückenlegepanzer. Diese dienten technischen Sonderaufgaben und nicht dem regulären Gefechtsdienst als Kampfpanzer.

Einsatz und Verbreitung

Die US Army und das US Marine Corps setzten den M48 als Standardpanzer der 1950er und 1960er Jahre ein. Im Vietnamkrieg standen nach übereinstimmenden Angaben mehr als 600 M48 auf amerikanischer Seite im Einsatz, dazu erhielt die südvietnamesische Armee mehr als 340 weitere Fahrzeuge. Ab 1965 sicherten US-Panzerverbände mit dem M48 Nachschubwege und begleiteten Konvois, später auch mit dem dieselbetriebenen M48A3.

Über die USA hinaus gelangte der M48 an zahlreiche NATO- und verbündete Staaten, darunter die Bundeswehr, Griechenland, Spanien, die Türkei, Südkorea, Taiwan und Israel. Die Bundeswehr war eine der frühesten ausländischen Nutzerinnen: Die Beschaffung begann bereits Mitte der 1950er Jahre, zunächst mit der Ausführung M48A1, später mit dem M48A2C. Ein Teil dieser Fahrzeuge wurde ab Ende der 1970er Jahre zur M48A2GA2 umgerüstet und blieb bis in die 1980er Jahre im Dienst, zuletzt bei Reserve- und Heimatschutzverbänden.

Auch andere Streitkräfte setzten den M48 im Gefecht ein, darunter Israel im Sechstagekrieg von 1967 und Pakistan im indisch-pakistanischen Krieg von 1965. Diese Einsätze werden hier nur benannt: Panzerfahren.de beschreibt Technik und Beschaffungsgeschichte, keine Gefechtsverläufe oder Waffenwirkung.

Verbleib heute

Erhaltene M48 stehen heute vor allem in Museen. Das First Division Museum im Cantigny Park bei Wheaton, Illinois, zeigt ein Fahrzeug im Freigelände, frei zugänglich während der Öffnungszeiten des Parks. Im Tank Museum im britischen Bovington steht ein besonders frühes Exemplar: ein T48-Prototyp, der zu Testzwecken nach Großbritannien kam und heute Teil der Ausstellung „The Tank Story“ ist.

Nach Angaben einer Quelle stehen modernisierte M48-Varianten bis heute bei einzelnen Streitkräften im aktiven Dienst, etwa in Thailand und im Libanon. Genaue, mehrfach bestätigte aktuelle Stückzahlen dazu liegen nicht vor.

Kann man einen M48 Patton selbst fahren?

Nein, dieser Kampfpanzer steht in Deutschland aktuell nicht zum Selbstfahren zur Verfügung. Weder der M48 Patton noch seine nächsten Verwandten aus der Patton- und Abrams-Familie gehören zum Angebot deutscher Fahranbieter. Eine Übersicht, welche Kampfpanzer aktuell selbst gefahren werden können, liefert die Fahrzeugübersicht.

Verwandte Fahrzeuge

  • M47 Patton: der Vorgänger, aus dessen Schwächen der M48 entwickelt wurde.
  • M60 Patton: der direkte Nachfolger in der Patton-Baureihe.
  • M1 Abrams: US-amerikanischer Kampfpanzer der nächsten Generation.
  • M1A2 Abrams: die aktuelle, weiterentwickelte Abrams-Version.

Häufige Fragen

Wie schwer ist ein M48 Patton?

Dazu weichen die Quellen voneinander ab. Je nach Angabe liegt das Gefechtsgewicht zwischen 44,9 und knapp 49 Tonnen. Ein Teil der Differenz erklärt sich vermutlich aus unterschiedlichen Beladungszuständen, eindeutig belegt ist das aus den verfügbaren Quellen aber nicht.

Wie schnell fährt ein M48 Patton?

Auch hier schwanken die Angaben: zwischen rund 42 und 48 km/h Höchstgeschwindigkeit auf befestigter Straße. Die Unterschiede dürften teilweise auf verschiedene Motorzustände und Messmethoden der einzelnen Quellen zurückgehen, eine gesicherte Einzelzahl lässt sich daraus nicht ableiten.

Wie viele M48 Patton wurden gebaut?

Auch die Stückzahl ist umstritten. Die Angaben reichen von rund 3.200 bis knapp 13.000 Fahrzeugen, die meisten Quellen nennen Werte um 12.000. Eine belastbare Gesamtzahl über alle Varianten und Werke hinweg lässt sich daraus nicht ableiten.

Welche Reichweite hat ein M48 Patton?

Das hängt von der Antriebsvariante ab. Der ursprüngliche M48 mit Ottomotor kam auf rund 113 bis 120 Kilometer, der spätere M48A3 mit Dieselmotor auf rund 499 Kilometer. Der Unterschied liegt am Antrieb, nicht an widersprüchlichen Quellen.

Kann man einen M48 Patton in Deutschland selbst fahren?

Nein. Der M48 Patton gehört bei keinem deutschen Anbieter zum Fuhrpark. Eine Übersicht der aktuell fahrbaren Kampfpanzer liefert die Fahrzeugübersicht.

Wo steht heute ein M48 Patton?

Erhaltene Fahrzeuge stehen unter anderem im First Division Museum in Illinois und im Tank Museum im britischen Bovington. Modernisierte Varianten sind einer Quelle zufolge bis heute bei einzelnen Streitkräften im Dienst, etwa in Thailand und im Libanon.

Wurde der M48 Patton auch von der Bundeswehr genutzt?

Ja. Die Bundeswehr beschaffte den M48 bereits Mitte der 1950er Jahre und war damit eine der ersten Nutzerinnen außerhalb der USA. Ein Teil der Fahrzeuge wurde später zur M48A2GA2 mit 105-mm-Kanone umgerüstet und blieb bis in die 1980er Jahre im Dienst.