Der Marder ist ein deutscher Schützenpanzer, der ab 1971 in Serie ging und über Jahrzehnte das Rückgrat der mechanisierten Infanterie der Bundeswehr bildete. Er löste den amerikanischen Schützenpanzer HS 30 ab und war das erste in Deutschland vollständig neu entwickelte gepanzerte Kettenfahrzeug dieser Klasse nach dem Zweiten Weltkrieg. Insgesamt entstanden 2136 Fahrzeuge, die in mehreren Kampfwertsteigerungen bis in die 2020er Jahre im Dienst blieben. Im Mittelpunkt steht hier die Grundversion Marder 1.
Technische Daten
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Typ | Schützenpanzer |
| Herkunftsland | Deutschland |
| Hersteller | Rheinstahl AG (Sondertechnik), Maschinenbau Kiel (MaK) |
| Bauzeit | keine Angabe |
| Stückzahl | 2136 |
| Gefechtsgewicht | 27,5 t |
| Länge | keine Angabe |
| Breite | keine Angabe |
| Höhe | keine Angabe |
| Motor | MTU MB 833 Ea-500 |
| Leistung | 600 PS |
| Höchstgeschwindigkeit | 75 km/h |
| Reichweite | keine Angabe |
| Besatzung | 10 |
| Hauptbewaffnung | 20-mm-Maschinenkanone MK 20 Rh 202 |
| Panzerung | keine Angabe |
| Watfähigkeit | keine Angabe |
Die Werte in diesem Datenblatt gelten für die Grundversion Marder 1 in ihrer ursprünglichen Ausführung. Die Kampfwertsteigerungen 1A3 und vor allem 1A5 unterscheiden sich davon zum Teil deutlich, etwa beim Gewicht. Für den Marder 1A5 gibt es eine eigene Datenseite.
Beim Gefechtsgewicht lohnt zusätzliche Vorsicht. Die hier gezeigten 27,5 Tonnen stammen aus zwei unabhängigen Quellen, die beide ausdrücklich die Grundversion nennen. Eine weitere Fachquelle nennt für den Marder abweichend 28,2 Tonnen, allerdings ohne erkennbare Versionsangabe. Ob damit dieselbe Ausführung gemeint ist, lässt sich nicht sicher klären. Die Tabelle folgt deshalb der besser belegten Angabe, die Abweichung bleibt aber vermerkt.
Zu Bauzeit, Länge, Breite und Höhe liegt jeweils nur eine Quelle vor, deshalb stehen sie nicht im Datenblatt. Eine Quelle nennt die Bauzeit mit 1971 bis 1975, die Länge mit 6,79 Metern, die Breite mit 3,24 Metern und die Höhe mit 2,98 Metern.
Entwicklungsgeschichte
Der Marder entstand als Antwort auf ein Problem, das sich bereits kurz nach Einführung des Vorgängers HS 30 zeigte. Der amerikanisch-schweizerische Schützenpanzer galt als technisch anfällig und konnte mit der Geländebeweglichkeit des neuen Kampfpanzers Leopard 1 nicht mithalten. Die Panzergrenadiere brauchten ein Fahrzeug, das im Verband mit den Kampfpanzern mithält, seine Besatzung während der Fahrt schützt und ihr erlaubt, aus der Deckung heraus zu kämpfen.
Die Entwicklung zog sich über mehrere Fahrzeuggenerationen und konkurrierende Prototypen hin, bevor sich das spätere Serienmodell durchsetzte. Kennzeichnend war von Anfang an die Grundidee, die Panzergrenadiere geschützt bis nahe an den Gegner heranzubringen und ihnen dort das Aufsitzen und Absitzen zu ermöglichen, statt sie wie beim Vorgänger offen zu transportieren.
Die Serienfertigung lief nach Abschluss der Erprobung an, und die Bundeswehr übernahm die ersten Fahrzeuge zu Beginn der 1970er Jahre. Mit 2136 gebauten Exemplaren wurde der Marder zum meistgebauten Schützenpanzer der Bundeswehr und blieb über fünf Jahrzehnte im Bestand, zuletzt in mehrfach modernisierter Form. Ab 1977 begannen die ersten Kampfwertsteigerungen, mit denen die Bundeswehr auf neue Bedrohungslagen und technische Entwicklungen reagierte. Die Grundversion Marder 1, wie sie 1971 in Dienst gestellt wurde, ist heute nur noch in wenigen Exemplaren erhalten, da die meisten Fahrzeuge im Lauf ihrer Nutzung auf spätere Kampfwertsteigerungsstufen umgerüstet wurden.
Technik im Detail
Der Marder läuft auf einem Kettenlaufwerk mit Drehstabfederung, die pro Seite mehrere Laufrollen trägt. Das Antriebsrad, das Treibrad, sitzt vorn und zieht die Gleiskette über die gesamte Laufwerkslänge. Diese Anordnung war zum Einführungszeitpunkt Standard für westliche Kettenfahrzeuge dieser Gewichtsklasse und erlaubt hohe Geländegängigkeit bei vertretbarem Wartungsaufwand.
Der Antrieb erfolgt über den Motor MTU MB 833 Ea-500 mit 600 PS, der laut Datenblatt eine Höchstgeschwindigkeit von 75 km/h auf der Straße ermöglicht. Das Getriebe und der Motor sind als Block ausgelegt, der sich für Wartungsarbeiten als Ganzes aus dem Fahrzeug heben lässt, ein damals verbreitetes Konstruktionsprinzip bei Bundeswehr-Kettenfahrzeugen.
Der Aufbau aus Aluminium- und Stahllegierungen bietet der Besatzung Schutz vor Beschuss aus leichten Waffen und vor Splittern, ohne das Fahrzeug so schwer zu machen, dass es seine Geländebeweglichkeit verliert. Zur genauen Zusammensetzung der Panzerung liegt in den vorliegenden Daten keine belastbare Angabe vor.
Die Hauptbewaffnung besteht aus einer 20-mm-Maschinenkanone vom Typ MK 20 Rh 202. Diese Angabe bezeichnet ausschließlich den Waffentyp; Munitionswirkung, Zielverfahren und taktische Einsatzweise sind nicht Gegenstand dieser Seite. Im Zuge späterer Kampfwertsteigerungen kamen zusätzliche Waffensysteme hinzu, die in der Grundversion 1 noch nicht vorhanden waren.
Varianten
Die Grundversion Marder 1 wurde über Jahrzehnte in mehreren Stufen weiterentwickelt. Eine Quelle nennt dafür die Bezeichnungen 1A1, 1A2, 1A3, 1A4, 1A5 und 1A5A1 als Kampfwertsteigerungen der Grundversion, zeitlich von 1977 bis 2011 gestaffelt. Diese Zuordnung stammt aus nur einer Quelle und wird deshalb hier ohne Anspruch auf letzte Detailgenauigkeit wiedergegeben.
Grob lässt sich die Entwicklung so beschreiben:
- Marder 1 war die 1971 eingeführte Grundversion mit der in diesem Datenblatt beschriebenen Ausstattung.
- Marder 1A1 bis 1A4 brachten schrittweise verbesserte Optik, zusätzliche Bewaffnung und geänderte Innenausstattung.
- Marder 1A5 erhielt eine deutlich verstärkte Panzerung gegen Minen und damit ein spürbar höheres Gefechtsgewicht als die Grundversion. Details dazu stehen auf der Marder-1A5-Seite.
- Marder 1A5A1 war eine für Auslandseinsätze ausgelegte Weiterentwicklung des 1A5.
Wer sich für eine bestimmte Ausbaustufe interessiert, findet die technischen Werte nur auf der jeweils eigenen Modellseite, da sich Gewicht, Bewaffnung und Ausstattung zwischen den Stufen teils erheblich unterscheiden.
Einsatz und Verbreitung
Der Marder war ausschließlich bei der Bundeswehr im Einsatz und prägte über Jahrzehnte das Bild der deutschen Panzergrenadiertruppe. Er stand während des Kalten Krieges an der innerdeutschen Grenze bereit und blieb nach 1990 fester Bestandteil der mechanisierten Verbände, auch wenn die Gesamtzahl der aktiven Fahrzeuge seit den 1990er Jahren schrittweise sank.
Zu konkreten Gefechtseinsätzen des Marder außerhalb von Übungen liegen in den vorliegenden Daten keine belastbaren Angaben vor. Der Marder wird schrittweise durch den Nachfolger Puma ersetzt, ein Prozess, der sich über mehrere Jahre erstreckt und noch nicht vollständig abgeschlossen ist. Die Bundeswehr führt den Schützenpanzer weiterhin in ihrer Ausrüstungsübersicht.
Als Wehrpflichtigen- und Berufssoldatenfahrzeug war der Marder Teil des Alltags von mehreren Generationen von Panzergrenadieren. Eine wertende Einordnung militärischer Leistungen ist nicht Gegenstand dieser Seite.
Verbleib heute
Der Marder ist noch bei der Bundeswehr im Bestand, wird aber sukzessive durch den Puma abgelöst. Ausgemusterte Fahrzeuge und frühe Baustufen finden sich vereinzelt in Museumssammlungen. Das Deutsche Panzermuseum Munster zeigt einen Marder in seiner Ausstellung moderner Panzerfahrzeuge, gemeinsam mit anderen gepanzerten Fahrzeugen aus der Nachkriegszeit.
Zu weiteren Nutzerstaaten oder Exportversionen liegen in den vorliegenden Daten keine belastbaren Angaben vor.
Kann man einen Marder selbst fahren?
Nein, die hier beschriebene Grundversion Marder 1 ist in der Fahrzeugdatenbank aktuell nicht als selbst fahrbares Erlebnis geführt. Wer sich für ein Fahrerlebnis mit einem Fahrzeug derselben Baureihe interessiert, findet weiterführende Informationen zur Ausbaustufe Marder 1A5, die auf einem technisch weiterentwickelten Stand derselben Fahrzeugfamilie basiert.
Verwandte Fahrzeuge
Der Marder löste den Schützenpanzer HS 30 ab und wurde später vom Puma abgelöst. Für beide Fahrzeuge gibt es in der Datenbank derzeit keinen eigenen Eintrag. Die technisch am engsten verwandte verlinkte Seite ist die Kampfwertsteigerung Marder 1A5. Einen Überblick über weitere Fahrzeuge dieser Kategorie bietet die Übersichtsseite Panzer.
Häufige Fragen
Wie schwer ist ein Marder?
Die Grundversion Marder 1 wird mit einem Gefechtsgewicht von 27,5 Tonnen angegeben. Eine einzelne Fachquelle nennt ohne erkennbare Versionsangabe abweichend 28,2 Tonnen. Die spätere Ausbaustufe Marder 1A5 wiegt wegen zusätzlicher Panzerung deutlich mehr als die Grundversion.
Wie schnell fährt ein Marder?
Laut Datenblatt erreicht der Marder auf der Straße eine Höchstgeschwindigkeit von 75 km/h. Werte zur Geländegeschwindigkeit oder zur Reichweite liegen nicht vor.
Wie viele Marder wurden gebaut?
Insgesamt entstanden 2136 Fahrzeuge der Marder-Familie. Das macht den Marder zum meistgebauten Schützenpanzer, den die Bundeswehr je eingeführt hat.
Welche Besatzung hat ein Marder?
Die Besatzung des Marder umfasst laut Datenblatt 10 Personen. Eine genauere Aufteilung nach Fahrzeugführung und mitgeführten Panzergrenadieren liegt für die Grundversion nicht vor.
Was unterscheidet den Marder 1 vom Marder 1A5?
Der Marder 1A5 ist eine spätere Kampfwertsteigerung mit deutlich verstärkter Panzerung und entsprechend höherem Gewicht. Die auf dieser Seite gezeigten Werte gelten ausschließlich für die ursprüngliche Grundversion, nicht für den 1A5. Details zum 1A5 stehen auf der eigenen Modellseite.
Kann man einen Marder selbst fahren?
Die hier beschriebene Grundversion ist derzeit nicht als Fahrerlebnis buchbar. Für Interessierte gibt es weiterführende Informationen zur Ausbaustufe Marder 1A5.
Was war der Vorgänger und was der Nachfolger des Marder?
Vorgänger des Marder war der Schützenpanzer HS 30, Nachfolger ist der Schützenpanzer Puma. Beide Fahrzeuge lösten jeweils die Vorgängergeneration bei der Bundeswehr ab.