
Der Fennek ist ein leichter gepanzerter Spähwagen mit Allradantrieb (4×4). Die Bundeswehr setzt ihn als Hauptfahrzeug ihrer Panzeraufklärer ein, daneben nutzen ihn Pioniertruppe und Joint Fire Support Teams. Entwickelt haben ihn Krauss-Maffei Wegmann, heute Teil von KNDS Deutschland, und ein niederländischer Partner. Das Fahrzeug löste den Spähpanzer Luchs ab und wird seinerseits durch den Luchs 2 ersetzt. Besonderheit des Fennek ist die gemeinsame Beschaffung durch zwei Streitkräfte, die zu unterschiedlichen deutschen und niederländischen Ausführungen führte.
Technische Daten
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Typ | Leichter gepanzerter Spähwagen (4×4) |
| Herkunftsland | Deutschland und Niederlande |
| Hersteller | Krauss-Maffei Wegmann (heute KNDS Deutschland) und niederländischer Partner (Dutch Defence Vehicle Systems, vormals SP Aerospace and Vehicle Systems) |
| Bauzeit | keine Angabe |
| Stückzahl | 222 (Bundeswehr, deutsche Ausführung); rund 410 weitere Fahrzeuge bei den niederländischen Streitkräften |
| Gefechtsgewicht | keine Angabe |
| Länge | 5,58 m |
| Breite | 2,55 m |
| Höhe | 1,79 m |
| Motor | Deutz BF6M2013C, 6-Zylinder-Viertakt-Diesel, flüssigkeitsgekühlt |
| Leistung | 240 PS |
| Höchstgeschwindigkeit | keine Angabe |
| Reichweite | 1.000 km |
| Besatzung | 3 |
| Hauptbewaffnung | 40-mm-Granatmaschinenwaffe (Heckler & Koch GMW) |
| Panzerung | keine Angabe |
| Watfähigkeit | 1 m |
Die Angaben zum Gewicht schwanken deutlich, weil die Quellen unterschiedliche Kenngrößen messen. Mehrere Quellen, darunter eine Meldung der Bundeswehr, nennen 10,3 Tonnen, ohne klarzustellen, ob es sich um ein Leer- oder ein Gefechtsgewicht handelt. Die technische Übersichtsseite der Bundeswehr nennt dagegen 11,8 Tonnen als zulässiges Gesamtgewicht, eine andere Kenngröße als das Gefechtsgewicht. Wikipedia unterscheidet ausdrücklich zwischen einem Gesamtgewicht von 10,3 Tonnen und einem Gefechtsgewicht von 10,7 Tonnen. Eine weitere Quelle mit unklarer redaktioneller Qualität nennt 11,0 Tonnen als Gefechtsgewicht. Wegen dieser uneinheitlichen Begriffsverwendung führt das Datenblatt keinen einzelnen Wert.
Ähnlich uneinheitlich sind die Angaben zur Höchstgeschwindigkeit. Wikipedia nennt für denselben Fennek zwei Werte: 92 km/h als elektronisch abgeregelte Geschwindigkeit und 120 km/h als bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit ohne diese Begrenzung. Andere Quellen nennen 112 beziehungsweise 115 km/h, ohne zwischen abgeregelter und bauartbedingter Geschwindigkeit zu unterscheiden. Auch hier verzichtet das Datenblatt deshalb auf eine einzelne Zahl.
Entwicklungsgeschichte
Die Bundeswehr suchte in den 1990er-Jahren einen Nachfolger für den Spähpanzer Luchs, ein schweres Kettenfahrzeug, das für die veränderten Anforderungen der Panzeraufklärung als zu unbeweglich und zu auffällig galt. Gefragt war ein leichtes, luftverladbares Radfahrzeug, das sich schnell verlegen lässt und dabei genug Schutz für die Besatzung bietet. Die Niederlande standen vor derselben Aufgabe, und beide Länder entschieden sich für eine gemeinsame Entwicklung und Beschaffung, um Kosten zu teilen und eine gemeinsame Logistik zu ermöglichen.
Krauss-Maffei Wegmann und der niederländische Partner entwickelten den Fennek als Radfahrzeug mit vier Rädern, das ohne Turm auskommt und die Besatzung von drei Personen tief im Fahrzeug unterbringt. Die Bundeswehr nutzt den Fennek nach eigenen Angaben seit 2003. Beschafft wurden 222 Fahrzeuge für die deutschen Streitkräfte, eingesetzt bei Panzeraufklärern, Pioniertruppe und Joint Fire Support Teams. Die niederländischen Streitkräfte bestellten mit rund 410 Fahrzeugen deutlich mehr, verteilt auf mehrere Varianten für unterschiedliche Truppenteile.
Eine Quelle beziffert die Bauzeit auf die Jahre 2003 bis 2011. Da diese Angabe nur einmal belegt ist, wird sie hier als Hinweis und nicht als gesicherter Wert genannt. Nach der Einführung blieb der Fennek über zwei Jahrzehnte im Dienst, ohne dass die Grundkonstruktion grundlegend verändert wurde. Die Bundeswehr plant inzwischen die Ablösung: Das Beschaffungsamt vergab den Auftrag für den Nachfolger Luchs 2 an General Dynamics European Land Systems, ein Fahrzeug auf Basis des Radpanzers Piranha 5 in der 6×6-Version.
Technik im Detail
Der Fennek ist als vierrädriges Fahrzeug ohne klassischen Turm aufgebaut. Die Besatzung von drei Personen sitzt tief in der Wanne, was die Silhouette niedrig hält und die Erkennbarkeit im Gelände reduziert. Angetrieben wird das Fahrzeug von einem Deutz-Sechszylinder-Dieselmotor mit 240 PS, der über Allradantrieb alle vier Räder antreibt. Diese Bauweise unterscheidet den Fennek von vielen anderen Spähfahrzeugen der Bundeswehr, die auf Kettenlaufwerken beruhen: Der Fennek ist bewusst als Radfahrzeug konzipiert, leiser im Betrieb und einfacher zu warten als ein Kettenfahrzeug.
Die Reichweite von rund 1.000 Kilometern erlaubt lange Verlegefahrten ohne Nachtanken, ein wichtiger Faktor für ein Aufklärungsfahrzeug, das oft weit vom eigenen Versorgungsraum operiert. Die Watfähigkeit von einem Meter erlaubt das Durchqueren flacher Gewässer ohne Vorbereitung.
Eine Quelle nennt für den Fennek eine Verbundpanzerung nach STANAG 4569 Level 3, aufgebaut aus Keramik und dem Fasermaterial Dyneema. Da auch diese Angabe nur einfach belegt ist, führt sie das Datenblatt oben nicht als gesicherten Wert. Die Hauptbewaffnung besteht aus einer 40-mm-Granatmaschinenwaffe von Heckler & Koch, in manchen Ausführungen wird stattdessen ein Maschinengewehr verbaut. Zur Aufklärungsausstattung gehören bei der niederländischen Flotte Beobachtungs- und Führungssysteme, die im Rahmen eines späteren Modernisierungsprogramms eingebaut wurden, ihre Bauartbezeichnung lautet BAA II NDL.
Varianten
Deutschland und die Niederlande beschafften unterschiedliche Ausführungen des Fennek, ein direktes Ergebnis der gemeinsamen, aber getrennt verwalteten Beschaffung. Für die Bundeswehr sind drei Hauptvarianten dokumentiert:
- LVB, ein leichtes Verwundetenbergungs- und Aufklärungsfahrzeug in der Spähvariante
- Führungs- und Erkundungsfahrzeug Pioniere, mit zusätzlicher Ausstattung für Gewässererkundung und Minenaufklärung
- Joint Fire Support Team, zur Leitung streitkräfteübergreifender Feuerunterstützung, teils mit verbesserter Navigationsanlage
Die niederländischen Streitkräfte nutzen eine eigene Variantenpalette, die neben dem Standardspähwagen auch Fahrzeuge mit anderer Bewaffnung umfasst. Nach Angaben von KNDS ließ das Unternehmen ab 2021 rund 322 niederländische Fennek im Rahmen eines mehrjährigen Modernisierungsprogramms, einer Kampfwertsteigerung, überarbeiten. Das Programm mit einem Auftragswert von über 300 Millionen Euro sollte bis 2027 abgeschlossen sein und umfasste unter anderem neue Beobachtungs- und Aufklärungssysteme sowie ein neues Führungs- und Informationssystem. Die Arbeiten liefen sowohl bei KMW in Deutschland als auch bei den niederländischen Partnern Van Halteren Defence und Nedinsco.
Einsatz und Verbreitung
Der Fennek ist das Hauptwaffensystem der Panzeraufklärungstruppe des deutschen Heeres. Die Besatzung sammelt bei Tag, Nacht und schlechter Sicht Informationen über das Gelände und mögliche Gegner, ohne selbst aufzufallen. Daneben nutzt ihn die Pioniertruppe für Führungsaufgaben und Gewässererkundung, und Joint Fire Support Teams setzen ihn zur Koordination von Feuerunterstützung über mehrere Teilstreitkräfte hinweg ein.
Nach Angaben der Bundeswehr war der Fennek unter anderem während des Einsatzes in Afghanistan und bei der Mali-Mission MINUSMA im Einsatz. Die niederländischen Streitkräfte setzen ihre deutlich größere Flotte von rund 410 Fahrzeugen in vergleichbaren Rollen ein, ergänzt um Varianten mit anderer Bewaffnung, die es bei der Bundeswehr nicht gibt.
Beide Länder haben inzwischen mit der Nachfolgeplanung begonnen. Die Bundeswehr vergab den Auftrag für den Luchs 2 an General Dynamics European Land Systems. Der Nachfolger basiert auf dem Radpanzer Piranha 5 in der 6×6-Version und soll den Fennek schrittweise ablösen. Ein genauer Zeitpunkt für das Ende der Fennek-Nutzung bei der Bundeswehr lässt sich aus den vorliegenden Quellen nicht einheitlich belegen.
Verbleib heute
Der Fennek steht weiterhin im aktiven Dienst der Bundeswehr und der niederländischen Streitkräfte. Ein fester Ausmusterungstermin ist öffentlich nicht eindeutig benannt, die Ablösung durch den Luchs 2 erfolgt voraussichtlich über mehrere Jahre. Museale Standorte oder öffentlich zugängliche ausgemusterte Exemplare sind aus den vorliegenden Quellen nicht belegt.
Kann man einen Fennek selbst fahren?
Nein, der Fennek steht in Deutschland derzeit nicht für Selbstfahrer zur Verfügung. Als aktives Aufklärungsfahrzeug der Bundeswehr wird er nicht an zivile Fahrveranstalter abgegeben. Eine Übersicht der aktuell fahrbaren Modelle findet sich auf der Fahrzeugübersicht von panzerfahren.de.
Verwandte Fahrzeuge
Vorgänger des Fennek war der Spähpanzer Luchs, ein schweres Kettenfahrzeug der Panzeraufklärer. Als Nachfolger ist der Luchs 2 auf Basis des Piranha 5 vorgesehen, ein Radfahrzeug in der 6×6-Version. Eine Übersicht weiterer Fahrzeuge, darunter andere Spähfahrzeuge und Radpanzer, findet sich auf der Fahrzeugübersicht von panzerfahren.de.
Häufige Fragen
Wie schwer ist ein Fennek?
Das lässt sich nicht mit einer einzelnen Zahl beantworten. Quellen nennen zwischen 10,3 und 11,8 Tonnen, je nachdem, ob Leergewicht, Gefechtsgewicht oder zulässiges Gesamtgewicht gemeint ist. Wikipedia unterscheidet ausdrücklich 10,3 Tonnen Gesamtgewicht von 10,7 Tonnen Gefechtsgewicht, die Bundeswehr nennt 11,8 Tonnen als zulässiges Gesamtgewicht.
Wie schnell fährt ein Fennek?
Auch hier schwanken die Angaben. Wikipedia nennt 92 km/h als elektronisch abgeregelte und 120 km/h als bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit desselben Fahrzeugs. Andere Quellen nennen 112 beziehungsweise 115 km/h, ohne diesen Unterschied zu benennen.
Wie viele Fennek wurden beschafft?
Die Bundeswehr beschaffte 222 Fahrzeuge der deutschen Ausführung. Die niederländischen Streitkräfte bestellten deutlich mehr, rund 410 eigene Fahrzeuge in mehreren Varianten.
Kann man einen Fennek selbst fahren?
Nein. Der Fennek ist ein aktives Fahrzeug der Bundeswehr und steht in Deutschland nicht für Selbstfahrer zur Verfügung.
Was unterscheidet die deutsche von der niederländischen Ausführung?
Beide Länder beschafften den Fennek gemeinsam, aber getrennt. Die Bundeswehr nutzt drei Hauptvarianten, darunter Spähwagen und Fahrzeuge für Pioniere und Joint Fire Support Teams. Die niederländischen Streitkräfte bestellten mit rund 410 Fahrzeugen mehr Exemplare und eigene Varianten mit anderer Bewaffnung.
Welches Fahrzeug ersetzt den Fennek?
Die Bundeswehr vergab den Auftrag für den Nachfolger Luchs 2 an General Dynamics European Land Systems. Er basiert auf dem Radpanzer Piranha 5 in der 6×6-Version und soll den Fennek schrittweise ablösen.