Tiefwatanlage

Die Tiefwatanlage ist die Ausrüstung, mit der ein nicht amphibisches Kettenfahrzeug ein Gewässer durchqueren kann, das tiefer ist als seine normale Wattiefe. Dafür werden alle wasserführenden Öffnungen des Fahrzeugs abgedichtet, während ein aufgesetzter Schnorchel die Luftzufuhr für Besatzung und Motor sicherstellt. Ohne diese Vorbereitung läuft der Innenraum bei einer solchen Durchfahrt voll.

Tiefwatanlage im Detail

Kernstück ist das Schnorchelrohr. Bei modernen Kampfpanzern wie dem Leopard 2 wird es aus mehreren Ringsegmenten auf der Kommandantenluke aufgesteckt und ragt mehrere Meter über den Turm hinaus. Über dieses Rohr atmet die Besatzung, und der Motor zieht durch denselben Weg seine Verbrennungsluft. Der Motorluftansaug am Wannenheck wird für die Fahrt dagegen verschlossen, damit dort kein Wasser eindringt.

Für die eigentliche Abdichtung sorgt eine zentrale hydraulische Anlage; durch sie wird das Fahrzeug komplett wasserdicht. Zusätzlich zieht die Besatzung die Luken mit einem Drehmomentschlüssel fest, verschließt Entwässerungsschrauben und setzt Kappen auf kritische Öffnungen wie Kanonenmündung, MG-Durchbruch, Periskope und Lüfter. Jeder dieser Schritte ist Teil einer festen Prüfliste, die vor dem Wasserkontakt vollständig abgearbeitet wird, samt Funktionstest der Hydraulik. Nach Angaben der Bundeswehr nimmt diese Vorbereitung beim Leopard 2 A7V rund eine halbe Stunde in Anspruch, sofern die Ausrüstung schon an Bord ist. Erst eine zweiwöchige Ausbildung macht eine Besatzung mit jedem einzelnen Handgriff so vertraut, dass die Reihenfolge unter Zeitdruck sitzt.

Die Tiefwatausrüstung ist bei den meisten Fahrzeugen nicht dauerhaft verbaut. Sie wird von Unterstützungskräften für den Bedarfsfall mitgeführt und erst am Gewässer montiert, nicht im täglichen Fahrbetrieb.

Bedeutung beim Panzerfahren

Für den Alltag eines Kettenfahrzeugs ist die Tiefwatanlage die Ausnahme, nicht die Regel. Sie kommt nur zum Einsatz, wenn eine Wasserbarriere anders nicht zu überwinden ist und Zeit sowie Personal für die vollständige Vorbereitung, Prüfung und spätere Reinigung der Dichtungen zur Verfügung stehen. Jede undichte Stelle bedeutet im Ernstfall vollgelaufene Kampfräume, deshalb steht bei militärischen Übungen mit echter Unterwasserfahrt zusätzlich Rettungstauchpersonal bereit.

Auf Erlebnisgeländen für Panzerfahren spielt die Tiefwatanlage praktisch keine Rolle. Weder ist die Ausrüstung vor Ort, noch wäre eine hydraulische Volldichtung für einen Fahrtag mit wechselnden Gästen vertretbar. Wo Wasser Teil der Strecke ist, bleibt es bei flachen Wasserdurchfahrten innerhalb der normalen Wattiefe des jeweiligen Fahrzeugs: Pfützen, Furten und angelegte Wasserstellen, die Spritzwasser und Fahrgefühl liefern, ohne dass eine Abdichtung nötig wird. Wer auf einer Strecke durch Wasser fährt, erlebt damit die einfachste Form der Wattauglichkeit, nicht die aufwendige Tiefwatanlage.

Verwandte Begriffe

Alle Fachbegriffe im Überblick stehen im Lexikon. Details zur Vorbereitung eines Kampfpanzers für die Unterwasserfahrt beschreibt auch die Bundeswehr.