
Der Patria AMV ist ein gepanzertes Radfahrzeug mit 8×8-Antrieb, das der finnische Hersteller Patria seit 2004 baut. Die Bezeichnung steht für Armoured Modular Vehicle, eine modulare Mehrzweckplattform, bei der sich Fahrgestell und Aufbau unabhängig voneinander an unterschiedliche Aufgaben anpassen lassen. Vorgänger war der Patria beziehungsweise Sisu Pasi mit 6×6-Antrieb. Seit rund 2013 ergänzt die Version AMV XP mit höherem Schutzniveau und größerer Nutzlast die Basisversion. In dieser Konfiguration, als Patria AMV XP mit maximaler Gesamtmasse ausgestattet, erreicht das Fahrzeug ein Gefechtsgewicht von bis zu 32,0 Tonnen.
Technische Daten
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Typ | Gepanzertes Radfahrzeug, 8×8, modulare Mehrzweckplattform (Radschützenpanzer) |
| Herkunftsland | Finnland |
| Hersteller | Patria |
| Bauzeit | seit 2004 |
| Stückzahl | keine Angabe |
| Gefechtsgewicht | 32,0 t (Patria AMV XP, maximale Gesamtmasse) |
| Länge | keine Angabe |
| Breite | 2,8 m |
| Höhe | keine Angabe |
| Motor | Scania DI 12 (Diesel, Basisversion) |
| Leistung | 480 PS (Basisversion, Scania DI 12, 360 kW) |
| Höchstgeschwindigkeit | 100 km/h |
| Reichweite | keine Angabe |
| Besatzung | 3 |
| Hauptbewaffnung | keine Angabe |
| Panzerung | Skalierbarer ballistischer Schutz bis STANAG 4569 Level 5+, Minenschutz oberhalb Level 4a/4b (Patria AMV XP) |
| Watfähigkeit | keine Angabe |
Entwicklungsgeschichte
Die Entwicklung des Patria AMV begann Ende der 1990er Jahre. Finnland suchte einen Nachfolger für den älteren Sisu Pasi mit 6×6-Antrieb, gleichzeitig verschoben sich in vielen NATO- und Partnerstaaten die Anforderungen an gepanzerte Radfahrzeuge. Gefragt waren Plattformen, die sich mit einem einzigen Fahrgestell für mehrere Rollen nutzen ließen, vom Mannschaftstransport über Führungsfahrzeuge bis zu Trägern für Waffenstationen. Ein achträdriges Fahrgestell mit hoher Beweglichkeit auf Straße und im Gelände sollte diese Bandbreite abdecken, ohne für jede Rolle ein eigenes Fahrzeugmuster zu benötigen.
Patria legte die AMV deshalb von Beginn an als offenes Baukastensystem aus. Wanne und Aufbau ließen sich getrennt beschaffen und der Käufer konnte Turm, Bewaffnung und Ausstattung nach eigenem Bedarf auswählen. Dieser Ansatz erleichterte es interessierten Streitkräften, das Fahrzeug in bestehende Logistik- und Ausbildungsstrukturen einzupassen, statt ein komplett neues System aufzubauen.
Den Zuschlag für die erste größere Beschaffung erhielt Patria 2003 durch Polen, wo das Fahrzeug in Lizenz gefertigt und unter der Bezeichnung Rosomak eingeführt wurde. Weitere Beschaffungsentscheidungen folgten in den Jahren danach in mehreren europäischen Ländern. Erfahrungen aus Einsätzen auf unwegsamem Gelände und mit erhöhter Minenbedrohung flossen in die Weiterentwicklung ein und führten rund zehn Jahre nach der Grundversion zur Version AMV XP mit angehobenem Schutzniveau und größerer zulässiger Zuladung.
Technik im Detail
Das Fahrgestell des Patria AMV trägt acht angetriebene und lenkbare Räder in 8×8-Konfiguration. Diese Bauweise verteilt das Gewicht gleichmäßig auf alle Achsen und hält das Fahrzeug auch bei Ausfall einzelner Reifen fahrbereit. Eine Reifendruckregelanlage passt den Luftdruck während der Fahrt an den Untergrund an, wodurch sich die Auflagefläche auf weichem Boden vergrößert und die Geländegängigkeit steigt.
Die Wanne besteht aus einem geschweißten Stahlkörper, auf den zusätzliche Panzerungsmodule aus Verbundpanzerung aufgesetzt werden können. Dieser modulare Aufbau erlaubt es, das Schutzniveau je nach Einsatzprofil zu skalieren, von einem Grundschutz gegen Beschuss aus Handfeuerwaffen bis zu den höheren Stufen nach STANAG 4569, wie sie die Version AMV XP erreicht. Der zusätzliche Minenschutz der XP-Version setzt auf eine verstärkte Wannenunterseite, die die Energie einer Explosion vom Innenraum weglenkt.
Angetrieben wird die Basisversion von einem Scania-Dieselmotor des Typs DI 12 mit 480 PS, der über ein automatisches Getriebe die acht Räder antreibt. Der Antriebsstrang sitzt vorn im Fahrzeug, sodass der übrige Innenraum für Besatzung und Nutzlast zur Verfügung steht. Je nach Kundenanforderung nimmt der Aufbau unterschiedliche Waffenstationen auf, von ferngesteuerten Systemen mit Maschinenwaffen bis zu bemannten oder unbemannten Türmen mit einer Glattrohrkanone. Angaben zur konkreten Wirkung dieser Bewaffnung sind nicht Gegenstand dieser Seite, sie hängt vom jeweils gewählten Turmsystem ab.
Varianten
Patria unterscheidet im Kern zwei Baustufen. Die Basisversion AMV wird seit 2004 gebaut und bildet die Grundlage für die meisten bislang gelieferten Fahrzeuge. Seit rund 2013 ergänzt die Version AMV XP das Programm. Sie ist eine Kampfwertsteigerung der Basisversion mit höherem ballistischem Schutz, verstärktem Minenschutz und größerer zulässiger Nutzlast, wodurch sich mehr Zusatzausrüstung und schwerere Turmsysteme verbauen lassen, ohne die Grundmobilität des Fahrgestells zu verlieren.
Da das Fahrgestell als offene Plattform ausgelegt ist, entstanden in mehreren Beschaffungsländern eigene, lokal gefertigte oder angepasste Baureihen mit eigenem Namen. Zu diesen Landesvarianten liegen keine belastbaren technischen Einzelwerte vor, deshalb stehen sie hier nicht mit eigenen Kennzahlen.
Einsatz und Verbreitung
Der Patria AMV steht seit seiner Einführung 2004 bei mehreren europäischen Streitkräften im Dienst, ergänzt durch Nutzer außerhalb Europas. Finnland setzte das Fahrzeug als erster Anwender ein. Polen führte es nach einer Lizenzvereinbarung unter eigenem Namen ein. In den Folgejahren entschieden sich weitere Länder in Nord- und Südosteuropa für das Fahrgestell, ebenso ein Nutzer im südlichen Afrika, der eine eigene Landesvariante beschaffte.
Auch in jüngerer Zeit kamen Beschaffungen hinzu. Aktuellere Meldungen aus dem Rüstungssektor berichten von Lieferungen der Version AMV XP an weitere Streitkräfte in Mittelosteuropa sowie von Beschaffungsentscheidungen in Südosteuropa. Zu genauen Liefermengen und Stückzahlen je Land liegen keine zwei unabhängig übereinstimmenden Quellen vor, deshalb werden hier keine konkreten Zahlen genannt. Der Patria AMV ist damit kein historisches Einzelmuster, sondern eine seit rund zwei Jahrzehnten laufend weiterentwickelte und weiterhin aktiv beschaffte Fahrzeugfamilie.
Verbleib heute
Der Patria AMV befindet sich weiterhin in Serienproduktion und aktivem Dienst, er ist kein Museumsfahrzeug. Patria beschreibt die Plattform selbst als fortlaufend weiterentwickeltes System, dessen Konstruktion seit der Einführung mehrfach an neue Schutz- und Nutzlastanforderungen angepasst wurde. Einzelne ausgemusterte oder als Vorführmodell genutzte Fahrzeuge werden gelegentlich bei Rüstungsmessen gezeigt, eine dauerhafte Museumsausstellung mit gesichertem Exemplar ist für dieses Modell nicht bekannt. Hintergründe zum Hersteller selbst finden sich in der Unternehmensdarstellung von Patria.
Kann man einen Patria AMV selbst fahren?
Nein, der Patria AMV steht in Deutschland nicht zum Selbstfahren zur Verfügung. Als aktives, im Export gehandeltes Militärfahrzeug eines NATO-Partnerlandes ist er nicht Teil der zivilen Fahrangebote hierzulande. Vergleichbar in Größe und Konzept sind andere schwere Radschützenpanzer mit 8×8-Antrieb, wie sie auch bei deutschen Streitkräften im Einsatz stehen. Eine Übersicht der in Deutschland tatsächlich fahrbaren Modelle finden Sie im Fahrzeugkatalog.
Verwandte Fahrzeuge
Als Vorgänger des Patria AMV gilt der Patria beziehungsweise Sisu Pasi mit 6×6-Antrieb, aus dessen Konzept die achträdrige Weiterentwicklung hervorging. Weitere Radschützenpanzer und deren technische Merkmale finden Sie im Fahrzeugkatalog, Hintergründe zu den hier verwendeten Fachbegriffen im Lexikon zu Verbundpanzerung, Kampfwertsteigerung und Glattrohrkanone.
Häufige Fragen
Wie schwer ist ein Patria AMV?
Das Gefechtsgewicht hängt von der Ausstattung ab. In der Version AMV XP mit maximaler Gesamtmasse erreicht das Fahrzeug bis zu 32,0 Tonnen. Für die Basisversion mit geringerer Panzerung liegt der Wert niedriger, dazu gibt es keine gesonderte Angabe.
Wie schnell fährt ein Patria AMV?
Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 100 km/h. Der Wert gilt für die Fahrt auf befestigter Straße, im Gelände liegt das erreichbare Tempo naturgemäß deutlich darunter.
Wie viele Patria AMV wurden gebaut?
Eine gesicherte Gesamtstückzahl über alle Nutzerländer und Landesvarianten hinweg liegt nicht vor. Das Fahrzeug wird seit 2004 durchgehend gebaut und ist bei mehreren Streitkräften im Dienst.
Kann man einen Patria AMV selbst fahren?
Nein, in Deutschland gibt es kein Angebot, den Patria AMV selbst zu fahren. Er ist ein aktuell im Export gehandeltes Militärfahrzeug und kein für zivile Fahrangebote freigegebenes Modell.
Wer stellt den Patria AMV her?
Hersteller ist das finnische Unternehmen Patria. Es baut das Fahrzeug seit 2004 und hat mit der Version AMV XP seither eine Kampfwertsteigerung mit höherem Schutzniveau nachgelegt.
Was unterscheidet die Version AMV XP von der Basisversion?
Die AMV XP ist eine Kampfwertsteigerung der Basisversion aus dem Jahr 2004. Sie bietet höheren ballistischen Schutz bis STANAG 4569 Level 5+, verstärkten Minenschutz oberhalb Level 4a/4b und eine größere zulässige Nutzlast bei einer maximalen Gesamtmasse von 32,0 Tonnen.
Wie breit ist ein Patria AMV?
Die Breite liegt bei 2,8 Metern. Zusammen mit der 8×8-Radkonfiguration und der Reifendruckregelanlage ergibt das ein Fahrzeug, das sowohl auf der Straße als auch im Gelände beweglich bleibt.