Piranha

Der Piranha ist eine Familie von Radschützenpanzern, die der Schweizer Hersteller Mowag seit den 1970er Jahren in fünf Generationen und drei Achskonfigurationen baut, von 6×6 über 8×8 bis 10×10. Beschrieben wird hier ausschließlich die Piranha III in der Konfiguration 8×8, Grundausführung als Truppentransporter, mit einer Vorserie ab 1996 und heutigem Hersteller GDELS-Mowag. Das Fahrzeug bewegt sich auf acht Rädern statt auf Ketten und bringt eine Infanteriegruppe geschützt durch das Gefechtsfeld. Innerhalb der Familie entstanden zahlreiche nationale Bauvarianten, weshalb sich manche Kennwerte je nach Ausführung deutlich unterscheiden, dazu mehr im Abschnitt zu den technischen Daten. Ein Fahrzeug dieser Bauart steht in Deutschland aktuell nicht zum Selbstfahren zur Verfügung, ein Hinweis dazu samt Alternative folgt weiter unten.

Technische Daten

Merkmal Wert
Typ Radschützenpanzer / gepanzertes Mannschaftstransportfahrzeug (Radfahrzeug, 8×8)
Herkunftsland Schweiz
Hersteller Mowag (seit 2004 Teil von General Dynamics European Land Systems, GDELS-Mowag)
Bauzeit 1996 bis heute (Piranha III 8×8, Vorserie ab 1996)
Motor MTU 6V183 TE22, Dieselmotor
Leistung 400 PS
Höchstgeschwindigkeit 100 km/h

Stückzahl, Gefechtsgewicht, Länge, Breite, Höhe, Reichweite, Besatzung, Hauptbewaffnung, Panzerung und Watfähigkeit stehen deshalb nicht in der Tabelle: Die Quellen widersprechen sich, oder es liegt nur eine einzelne Angabe vor. Beim Gefechtsgewicht schwanken die Angaben zwischen 16,5 und 22 Tonnen. Der Hersteller GDELS selbst nennt für die Piranha III 8×8 eine Spanne von 18,5 bis 22 Tonnen, abhängig von der gewählten Panzerungsstufe, während eine ältere Übersicht der amerikanischen Federation of American Scientists 16,5 Tonnen für ein Fahrzeug mit geringerer Zusatzpanzerung angibt. Bei der Länge liegen die Werte zwischen 6,5 und 7,58 Metern, bei der Breite meist bei 2,66 Metern, eine Quelle zur irischen Landesvariante Piranha IIIH nennt jedoch 2,85 Meter, vermutlich wegen zusätzlicher Panzerungsmodule an dieser nationalen Bauvariante. Die Höhe wird je nach Messpunkt mit 2,0 Metern bis zum Fahrzeugdach oder mit 2,17 Metern bis zur Wannenoberkante angegeben. Bei der Reichweite reicht die Spanne von 500 bis 780 Kilometern, ohne dass die Quellen erkennen lassen, ob unterschiedliche Fahrbedingungen oder Tankgrößen zugrunde liegen.

Auch zu Besatzung und Panzerung liegt jeweils nur eine einzelne Quelle vor. Eine Quelle nennt für die Grundausführung eine Stammbesatzung aus Fahrer, Richtschütze und Kommandant, dazu je nach Variante bis zu acht oder neun Soldaten im Mannschaftsraum. Zur Panzerung beschreibt der Hersteller einen geschweißten Stahlrumpf mit integriertem Minenschutz sowie ein nachrüstbares Zusatzpanzerungspaket gegen Beschuss, auch das stammt aus nur einer Quelle und ist deshalb keine gesicherte Angabe. Die Hauptbewaffnung fehlt aus einem anderen Grund: Sie ist in dieser Fahrzeugfamilie stark rollenabhängig. Ausführungen reichen von einer reinen Maschinengewehr-Waffenstation über einen 25-mm-Turm bis zu Versionen mit einer 90-mm-Kanone. Ohne eine eindeutig belegte Grundausführung lässt sich daraus keine einzelne Angabe ableiten. Zur Watfähigkeit liegt keine Angabe vor.

Entwicklungsgeschichte

Mowag entwickelte die Piranha-Familie als privatwirtschaftliches Vorhaben, das Anfang der 1970er Jahre begann. Ziel war ein Radfahrzeug, das sich modular für viele Aufgaben nutzen lässt, statt für jede Rolle ein eigenes Fahrzeugmuster zu bauen. Diese Grundidee trug den Piranha über Jahrzehnte durch fünf Generationen und drei Achskonfigurationen, weil sich Wanne und Antrieb bei Bedarf an neue Anforderungen anpassen ließen, ohne das Grundkonzept aufzugeben.

Die dritte Generation, die Piranha III, entstand in den 1990er Jahren mit einer leichteren, weiterentwickelten Wanne gegenüber den Vorgängern. Die 8×8-Konfiguration ging als Truppentransporter ab 1996 in eine Vorserie und fand danach in mehreren Ländern Käufer, die das Grundfahrzeug jeweils an eigene Vorschriften anpassten. Aus diesen Anpassungen gingen nationale Bauvarianten wie die Piranha IIIC und die Piranha IIIH hervor, die sich in Details wie Panzerungsstärke oder Ausstattung unterscheiden, was auch die widersprüchlichen Maß- und Gewichtsangaben im Datenblatt erklärt.

Zwei Abgrenzungen sind für das Verständnis der Familie wichtig. Die Schweizer Armee selbst führt unter der Bezeichnung Radschützenpanzer 93 nicht die Piranha III, sondern die vorherige Generation, die Piranha II. Wer Werte zum Radschützenpanzer 93 findet, bezieht sich damit auf ein anderes Fahrzeug als das auf dieser Seite beschriebene. Zum anderen beruhen sowohl die kanadische LAV III als auch der amerikanische Stryker technisch auf der Piranha III, sind aber eigenständig gefertigte Fahrzeuge mit eigener Bezeichnung und teils abweichenden Werten. Beide werden auf eigenen Seiten dieser Datenbank behandelt, ihre Angaben wurden hier bewusst nicht übernommen, um die Generationen und Bauvarianten nicht zu vermischen (GDELS zur Firmengeschichte).

Technik im Detail

Der Piranha III 8×8 rollt auf acht Rädern statt auf Ketten. Wie bei den meisten Radschützenpanzern dieser Klasse werden alle acht Räder angetrieben, was dem Fahrzeug abseits befestigter Straßen mehr Bodenhaftung gibt als eine Fahrzeugauslegung mit nur teilweisem Antrieb. Anders als ein Kettenlaufwerk mit Laufrollen, Treibrad und Gleiskette kommt das Fahrgestell ohne die für Kettenfahrzeuge typischen Verschleißteile am Boden aus, dafür bleibt es stärker auf befestigte oder zumindest tragfähige Untergründe angewiesen.

Angetrieben wird das Fahrzeug von einem MTU-Dieselmotor des Typs 6V183 TE22 mit 400 PS, der über ein automatisches Getriebe die Räder antreibt und dem Fahrzeug seine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h auf der Straße ermöglicht. Der Motor sitzt vorn im Fahrzeug, sodass der übrige Innenraum für Besatzung und Mannschaft zur Verfügung steht.

Beim Schutz der Wanne setzt die Piranha III auf das übliche Baukonzept moderner Radschützenpanzer: eine geschweißte Grundstruktur aus Stahl, die sich bei Bedarf um zusätzliche Panzerungsmodule ergänzen lässt, ein Prinzip, das in der Fachliteratur unter dem Begriff Verbundpanzerung zusammengefasst wird. Wie stark ein einzelnes Fahrzeug tatsächlich gepanzert ist, hängt stark von der gewählten Ausrüstungsstufe und der nationalen Bauvariante ab, weshalb die genauen Werte für die Grundausführung nicht gesichert vorliegen. Bewaffnet werden kann die Wanne mit sehr unterschiedlichen Aufbauten, von einer einfachen Waffenstation bis zu einem bemannten Turm, ohne dass sich daraus eine einzelne Angabe für die Grundversion ableiten lässt.

Varianten

Innerhalb der Piranha-III-Reihe entstanden über die Jahre mehrere Gruppen von Varianten:

  • Nationale Bauvarianten: allen voran die Piranha IIIC und die Piranha IIIH, mit denen einzelne Nutzerstaaten das Grundfahrzeug an eigene Vorschriften zu Schutz und Ausstattung anpassten.
  • Truppentransporter: die auf dieser Seite beschriebene Grundausführung zum geschützten Transport einer Infanteriegruppe.
  • Kommando- und Sanitätsfahrzeuge: Aufbauten für Führung im Feld beziehungsweise für den geschützten Verwundetentransport.
  • ABC-Aufklärung und Panzerabwehr: Sonderausführungen mit entsprechender Zusatzausstattung auf derselben Wanne.
  • Aufklärungs- und Brückenlegefahrzeuge sowie Turmversionen: weitere Rollen, bis hin zu Ausführungen mit einem bewaffneten Turm.

Gemeinsam ist allen Varianten die Basiswanne mit dem 8×8-Fahrgestell, auf die je nach Rolle unterschiedliche Aufbauten gesetzt werden. Das erleichtert Ausbildung und Ersatzteilhaltung, weil Fahrwerk und Antrieb über die Fahrzeugfamilie weitgehend gleich bleiben. Über mehrere Jahrzehnte liefen zudem laufende Programme zur Kampfwertsteigerung, mit denen ältere Fahrzeuge an neuere Elektronik-, Schutz- und Antriebsstandards angepasst wurden, bevor mit der Piranha IV eine eigenständige nächste Generation folgte.

Einsatz und Verbreitung

Die Piranha III 8×8 steht bei mehreren europäischen und außereuropäischen Streitkräften im Dienst, darunter Belgien, Dänemark, Irland, Spanien, Schweden, die Schweiz, Rumänien und Brasilien. Die einzelnen Länder führten dabei überwiegend eigene nationale Bauvarianten ein, was die im Datenblatt beschriebenen Unterschiede bei Gewicht und Abmessungen mit erklärt. Zu einer belastbaren Gesamtstückzahl über alle Nutzerstaaten hinweg liegen keine zwei unabhängigen Quellen mit übereinstimmenden Werten vor, weshalb das Datenblatt keine Zahl nennt.

Irland nutzt seine Piranha IIIH weiterhin als Bestandteil seiner Kavallerietruppen, hat aber eine Ablösung der Fahrzeuge durch ein neueres Modell angekündigt, ohne dass ein konkretes Datum feststeht. Belgien hält seine Piranha IIIC ebenfalls weiter im Bestand, ein Teil der Flotte war wegen technischer Mängel zeitweise nicht einsatzbereit, laut verfügbaren Berichten wurde die Instandsetzung inzwischen fortgeführt. Die Schweizer Armee selbst nutzt in großer Zahl die vorherige Generation, die Piranha II, unter der eigenen Bezeichnung Radschützenpanzer 93, nicht die auf dieser Seite beschriebene Piranha III.

Verbleib heute

Die Piranha III 8×8 ist kein historisches Fahrzeug, sondern steht weiterhin bei mehreren Streitkräften im aktiven Dienst. Erste Nutzerstaaten wie Dänemark und Irland führten das Fahrzeug bereits Ende der 1990er Jahre ein und setzen es teils bis heute ein, wenn auch mit ersten angekündigten Ablöseprogrammen. Museale Sammlungen mit einer Piranha III sind nicht bekannt, als aktives Wehrmaterial steht das Fahrzeug vor allem im Truppenalltag der Nutzerstaaten, nicht in Ausstellungen.

Für Besucher in Deutschland heißt das: Wer eine Piranha III sehen möchte, findet sie derzeit weder in einer deutschen Sammlung noch auf einem hiesigen Fahrgelände. Solange das Fahrzeug bei mehreren Armeen aktiv genutzt wird, ist mit einer Abgabe an private Sammler oder Museen in nennenswertem Umfang nicht zu rechnen.

Kann man einen Piranha selbst fahren?

Nein, die Piranha III 8×8 steht in Deutschland derzeit nicht zum Selbstfahren zur Verfügung. Für diesen Radschützenpanzer und seine Landesvarianten gibt es aktuell keinen deutschen Anbieter mit Selbstfahr- oder Mitfahrangebot. Eine Übersicht über die Modelle, die sich derzeit tatsächlich fahren lassen, bietet die Fahrzeugübersicht.

Verwandte Fahrzeuge

Innerhalb der eigenen Familie sind die vorherige Generation Piranha II, die in der Schweizer Armee als Radschützenpanzer 93 dient, und die nachfolgende Piranha IV die engsten Verwandten der hier beschriebenen Piranha III 8×8. Technisch verwandt, aber eigenständig gefertigt, sind zudem die kanadische LAV III und der darauf aufbauende amerikanische Stryker, beide mit eigenen Werten und eigenen Seiten in dieser Datenbank. Einen Überblick über weitere Rad- und Kettenfahrzeuge im Programm bietet die Fahrzeugübersicht.

Häufige Fragen

Wie schwer ist ein Piranha III 8×8?

Eine gesicherte Einzelzahl liegt nicht vor, weil sich die Quellen widersprechen. Je nach Quelle und Panzerungsstufe reichen die Angaben von 16,5 bis 22 Tonnen. Der Hersteller GDELS nennt für die 8×8-Version eine Spanne von 18,5 bis 22 Tonnen, abhängig von der gewählten Zusatzpanzerung.

Wie schnell fährt ein Piranha?

Auf befestigter Straße erreicht die Piranha III 8×8 eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h. Möglich macht das der MTU-Dieselmotor mit 400 PS in Verbindung mit dem Antrieb aller acht Räder. Im Gelände liegt das Tempo naturgemäß niedriger, dazu liegen im Datenblatt aber keine gesonderten Werte vor.

Welche Reichweite hat der Piranha?

Auch hier schwanken die Angaben: Eine Quelle nennt 780 Kilometer, eine andere 500 Kilometer. Woran der Unterschied genau liegt, etwa unterschiedliche Fahrbedingungen oder Tankgrößen, lässt sich aus den verfügbaren Quellen nicht sicher klären.

Wie viele Piranha III wurden gebaut?

Zu einer Gesamtstückzahl über alle Nutzerstaaten und nationalen Bauvarianten hinweg liegen keine zwei unabhängigen, übereinstimmenden Quellen vor. Das Fahrzeug wird seit 1996 bei mehreren Streitkräften eingeführt und teils bis heute genutzt.

Ist der Piranha ein Rad- oder ein Kettenfahrzeug?

Die Piranha III ist ein reines Radfahrzeug im 8×8-Format, alle acht Räder werden angetrieben. Sie hat kein Kettenlaufwerk und keine Laufrollen, sondern rollt auf Rädern mit Luftbereifung. Das unterscheidet sie von den meisten Kampfpanzern, die klassisch auf Ketten unterwegs sind.

Was unterscheidet die Piranha III vom Schweizer Radschützenpanzer 93?

Der Radschützenpanzer 93 der Schweizer Armee ist keine Piranha III, sondern die vorherige Generation, die Piranha II. Beide Fahrzeuge stammen von Mowag, unterscheiden sich aber in Generation und technischem Stand. Werte zum Radschützenpanzer 93 lassen sich deshalb nicht auf die hier beschriebene Piranha III 8×8 übertragen.

Kann man eine Piranha III in Deutschland selbst fahren?

Nein. Für die Piranha III gibt es in Deutschland derzeit kein Selbstfahr- oder Mitfahrangebot, weder in der Grundausführung noch in einer der nationalen Bauvarianten. Wer ein Fahrzeug sucht, das sich tatsächlich fahren lässt, findet eine Übersicht der verfügbaren Modelle in der Fahrzeugübersicht.