Rosomak

Der Rosomak ist ein achträdriger Radschützenpanzer des Typs Kołowy Transporter Opancerzony (KTO), den Polen seit 2004 in Lizenz des finnischen Patria AMV baut. Hersteller ist die Rosomak S.A. im oberschlesischen Siemianowice Śląskie, in technischer Anbindung an den finnischen Konzern Patria. Das Fahrzeug ersetzte in der polnischen Armee ältere Schützenpanzer sowjetischer Bauart auf Kettenlaufwerk und steht bis heute in Produktion. Mit einem Gefechtsgewicht von 22 Tonnen in der Kampfversion mit Hitfist-30P-Turm zählt der Rosomak zu den schwereren Radschützenpanzern seiner Klasse. In Deutschland steht der Rosomak derzeit nicht zum Selbstfahren zur Verfügung, einen Hinweis dazu samt Alternative gibt der Abschnitt weiter unten.

Technische Daten

Merkmal Wert
Typ Kołowy Transporter Opancerzony (KTO), Radschützenpanzer im 8×8-Format
Herkunftsland Polen (Lizenzbau auf Basis des finnischen Patria AMV)
Hersteller Rosomak S.A. (vormals Wojskowe Zakłady Mechaniczne S.A.), Siemianowice Śląskie, Polen, in Lizenz von Patria (Finnland)
Bauzeit 2004 bis heute
Stückzahl keine Angabe
Gefechtsgewicht 22 t (Kampfversion mit Hitfist-30P-Turm)
Länge 7,77 m
Breite 2,83 m
Höhe 2,3 m
Motor Scania DI 12 56A03PE, Sechszylinder-Turbodiesel
Leistung 490 PS
Höchstgeschwindigkeit 100 km/h
Reichweite 800 km
Besatzung 11 (3 Stammbesatzung: Kommandant, Fahrer, Schütze, dazu 8 Infanteristen im Missionsraum)
Hauptbewaffnung Turm Hitfist-30P mit 30-mm-Maschinenkanone ATK Mk44 Bushmaster II und koaxialem 7,62-mm-MG UKM-2000C (Kampfversion, Basisversion ohne Turm)
Panzerung keine Angabe
Watfähigkeit keine Angabe

Entwicklungsgeschichte

Polen suchte in den 1990er Jahren nach einem Nachfolger für die gepanzerten Radfahrzeuge sowjetischer Herkunft, die damals in der Armee im Dienst standen. Gefragt war ein modernes Fahrzeug auf Rädern statt auf Ketten, das sich leichter verlegen lässt und im Unterhalt günstiger ist als ein Kettenfahrzeug vergleichbarer Klasse. Ein Radfahrzeug ist auf befestigten Straßen schneller unterwegs, benötigt weniger Wartungsaufwand am Fahrwerk und lässt sich einfacher auf dem Straßennetz zwischen Standorten verlegen, ohne die Straßendecke zu beschädigen. Für ein Land mit ausgedehntem Straßennetz und begrenztem Verteidigungshaushalt sprachen diese Punkte klar für ein Rad- statt ein Kettenkonzept.

Mehrere westliche und nordische Rüstungsunternehmen boten damals eigene 8×8-Konzepte an. Die Wahl fiel auf den finnischen Patria AMV, der die polnischen taktischen Vorgaben am ehesten erfüllte und zugleich die Möglichkeit einer Fertigung im eigenen Land bot, ein Punkt, der bei der Vergabe erheblich ins Gewicht fiel.

Statt fertige Fahrzeuge zu importieren, vereinbarte die polnische Regierung mit dem Hersteller Patria eine Lizenzfertigung im eigenen Land (Patria). Die komplette Fertigungstechnologie ging an die neu aufgebaute Rosomak S.A. in Siemianowice Śląskie über. Das Unternehmen, zuvor unter dem Namen Wojskowe Zakłady Mechaniczne bekannt, hatte bis dahin keine Erfahrung mit dem Bau moderner Radpanzer im großen Maßstab und musste die gesamte Produktionslinie neu aufbauen.

Der Name Rosomak ist polnisch für Vielfraß und bezeichnet die gesamte Fahrzeugfamilie, die neben der bewaffneten Kampfversion auch reine Transport- und Spezialversionen umfasst. Die enge technische Bindung an Patria blieb über die gesamte Bauzeit bestehen, spätere Kampfwertsteigerungen liefen in enger Abstimmung zwischen beiden Unternehmen. Nach den vorliegenden Daten läuft die Fertigung des Rosomak bis heute weiter, das Fahrzeug ist damit kein historisches Modell, sondern ein aktuell produzierter Radschützenpanzer im aktiven Dienst.

Technik im Detail

Der Rosomak fährt auf acht Rädern statt auf Ketten. Alle vier Achsen sind angetrieben, die vorderen beiden zusätzlich lenkbar, was dem Fahrzeug trotz seiner Länge einen vergleichsweise engen Wendekreis gibt. Anders als ein Kettenfahrzeug kommt der Rosomak ohne Kettenlaufwerk mit Laufrollen und Gleisketten aus, sondern rollt auf großvolumigen Reifen mit Notlaufeigenschaften, die auch bei Beschädigung noch eine begrenzte Weiterfahrt erlauben.

Der Scania-Turbodiesel mit 490 PS treibt über ein automatisches Getriebe alle acht Räder an. Die Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h auf befestigter Straße liegt deutlich über der eines vergleichbar schweren Kettenfahrzeugs, gleichzeitig fällt der Verschleiß am Straßenbelag geringer aus. Mit 800 Kilometern Reichweite kann der Rosomak weite Strecken zurücklegen, ohne nachzutanken, ein Vorteil bei Verlegungen über größere Distanzen.

Die Kampfversion trägt den Turm Hitfist-30P mit einer 30-mm-Maschinenkanone vom Typ ATK Mk44 Bushmaster II, hier rein als Typangabe der Bewaffnung. Anders als die Glattrohrkanonen klassischer Kampfpanzer handelt es sich um eine Maschinenkanone mit gezogenem Lauf, wie sie bei Schützenpanzern verbreitet ist. Der Schutz der Wanne folgt dem allgemeinen Baukonzept moderner Radschützenpanzer: eine mehrschichtige Grundstruktur, die sich bei Bedarf um zusätzliche Anbaupanzerung ergänzen lässt, ein Prinzip, das unter dem Begriff Verbundpanzerung zusammengefasst wird. Zu den genauen Werten der Panzerung liegen für den Rosomak keine gesicherten Angaben vor.

Der Aufbau bietet Platz für elf Personen: die Stammbesatzung aus Kommandant, Fahrer und Schütze sowie acht Infanteristen im rückwärtigen Missionsraum, die über eine Heckrampe ein- und aussteigen.

Varianten

Die Rosomak-Familie umfasst mehrere Baureihen und Sonderversionen:

  • Hitfist-30P: Kampfversion mit dem Turm Hitfist-30P und 30-mm-Maschinenkanone, die am weitesten verbreitete bewaffnete Ausführung.
  • ZSSW-30 / Rosomak-L: Version mit einer ferngesteuerten Waffenstation, zusätzlich ausgelegt für Lenkflugkörper vom Typ Spike.
  • Rosomak Rak: Trägerfahrzeug für ein 120-mm-Mörsersystem zur indirekten Feuerunterstützung der Radverbände.
  • Sonderversionen: eigene Ausführungen für Aufklärung, Pioniertechnik, Sanitätsdienst und Führung, jeweils auf derselben Basiswanne aufgebaut.

Gemeinsamer Nenner aller Varianten ist die Wanne mit dem 8×8-Fahrgestell, auf die je nach Rolle unterschiedliche Aufbauten und Turmsysteme gesetzt werden. Das erleichtert Ausbildung, Ersatzteilhaltung und Instandsetzung, weil Fahrwerk und Antrieb über die gesamte Fahrzeugfamilie weitgehend identisch bleiben. Im Rahmen laufender Kampfwertsteigerung werden ältere Fahrzeuge schrittweise an den aktuellen technischen Stand angepasst, etwa bei Elektronik, Schutzausstattung und Bewaffnung. Diese Programme betreffen vor allem die bereits im Truppendienst befindlichen Kampfversionen.

Einsatz und Verbreitung

Der Rosomak steht in erster Linie im Dienst der polnischen Landstreitkräfte, die ihn nach Fertigungsbeginn schrittweise in ihre Radverbände einführten. Er bildet dort das Rückgrat mehrerer mechanisierter Brigaden und ersetzte in diesen Verbänden ältere Kettenschützenpanzer sowjetischer Bauart. Fahrzeuge der Kampfversion wurden im Rahmen internationaler Einsätze der polnischen Streitkräfte auch außerhalb Polens verlegt, unter anderem im Zusammenhang mit der internationalen Mission in Afghanistan sowie einem Einsatz der Europäischen Union im Tschad und in der Zentralafrikanischen Republik. In diesen Einsätzen diente der Rosomak vor allem dem geschützten Transport von Infanterie und der Absicherung von Konvois.

Inzwischen steht der Rosomak auch im Dienst eines zweiten Staates: Polen hat Fahrzeuge dieses Typs an die Ukraine geliefert, die sie in ihre gepanzerten Verbände integriert hat. Der Rosomak zählt damit zu den polnischen Rüstungsgütern, die im Zusammenhang mit dem Krieg gegen Russland an die Ukraine weitergegeben wurden. Für die polnische Rüstungsindustrie ist das zugleich ein Beleg dafür, dass die Lizenzfertigung des Patria-AMV-Konzepts inzwischen so weit eigenständig geworden ist, dass sie auch für Exportlieferungen an dritte Staaten genutzt werden kann.

Die Fertigung läuft nach den vorliegenden Daten weiter. Über die insgesamt gebaute Stückzahl liegen keine gesicherten Angaben vor, weshalb das Datenblatt keine Zahl nennt. Das unterscheidet den Rosomak von vielen historischen Modellen in dieser Datenbank, deren Gesamtstückzahl mit dem Ende der Produktion feststeht.

Verbleib heute

Der Rosomak ist kein historisches Fahrzeug, sondern steht aktuell im aktiven Dienst und wird weiterhin gefertigt. Er bildet das Rückgrat der polnischen Radschützenpanzer-Verbände und ist inzwischen auch bei den ukrainischen Streitkräften im Einsatz. Museale Sammlungen mit dem Rosomak sind nicht bekannt, als aktives Wehrmaterial ist er vor allem im Truppenalltag beider Staaten zu finden, nicht in Ausstellungen.

Für Besucher in Deutschland heißt das: Wer den Rosomak sehen möchte, findet ihn derzeit weder in einer deutschen Sammlung noch auf einem hiesigen Fahrgelände. Anders als bei ausgemusterten Modellen früherer Bauzeiten gibt es beim Rosomak auch keine Verkäufe an private Sammler oder Museen zu erwarten, solange das Fahrzeug im aktiven Truppendienst zweier Staaten steht und weiter produziert wird.

Kann man einen Rosomak selbst fahren?

Nein, der Rosomak steht in Deutschland derzeit nicht zum Selbstfahren zur Verfügung. Für diesen Radschützenpanzer gibt es aktuell keinen deutschen Anbieter mit Selbstfahr- oder Mitfahrangebot. Einen Überblick über die Modelle, die sich derzeit tatsächlich fahren lassen, bietet die Fahrzeugübersicht.

Verwandte Fahrzeuge

Der Rosomak gehört zur Familie der 8×8-Radschützenpanzer auf Basis des Patria AMV, ein Fahrzeugkonzept, das mehrere europäische Streitkräfte in eigenen Lizenzversionen nutzen. Innerhalb des eigenen Baukastens sind die Kampfversion Hitfist-30P, die Version ZSSW-30/Rosomak-L und der Mörserträger Rosomak Rak die engsten Verwandten, sie teilen sich Wanne, Fahrwerk und Antrieb. Einen Überblick über weitere Rad- und Kettenfahrzeuge im Programm bietet die Fahrzeugübersicht.

Häufige Fragen

Wie schwer ist ein Rosomak?

Das Gefechtsgewicht liegt bei 22 Tonnen, das gilt für die Kampfversion mit dem Hitfist-30P-Turm. Die unbewaffnete Basisversion ohne Turm ist leichter, dazu liegen im Datenblatt dieser Seite aber keine gesicherten Werte vor. Zum Vergleich: Das ist deutlich leichter als ein Kettenschützenpanzer wie der Marder oder Kampfpanzer wie der Leopard.

Wie schnell fährt ein Rosomak?

Auf befestigter Straße erreicht der Rosomak eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h. Möglich macht das der Scania-Turbodiesel mit 490 PS in Verbindung mit dem Radantrieb, der im Vergleich zu einem Kettenfahrzeug weniger Rollwiderstand erzeugt und die Fahrbahn schont. Im Gelände liegt das Tempo naturgemäß niedriger, dazu liegen im Datenblatt dieser Seite aber keine gesonderten Werte vor.

Welche Reichweite hat der Rosomak?

Die Reichweite liegt bei 800 Kilometern. Das erlaubt Verlegungen über größere Distanzen, ohne dass zwischendurch nachgetankt werden muss, ein praktischer Vorteil gegenüber vielen Kettenfahrzeugen mit deutlich geringerer Reichweite pro Tankfüllung. Der Wert gilt für die Fahrt auf befestigter Straße mit vollem Tank und normaler Zuladung.

Wie viele Personen fasst ein Rosomak?

Insgesamt bietet der Rosomak Platz für elf Personen: die Stammbesatzung aus Kommandant, Fahrer und Schütze sowie acht Infanteristen im rückwärtigen Missionsraum. Die Infanteristen steigen über eine Heckrampe ein und aus, was den Ein- und Ausstieg unter Schutz der Wanne erlaubt und im Vergleich zu Seitentüren schneller geht.

Ist der Rosomak ein Ketten- oder Radfahrzeug?

Der Rosomak ist ein reines Radfahrzeug im 8×8-Format, alle vier Achsen sind angetrieben. Er hat kein Kettenlaufwerk, keine Laufrollen und keine Gleisketten, sondern rollt auf großvolumigen Reifen mit Notlaufeigenschaften. Das unterscheidet ihn von den meisten Kampfpanzern und vielen Schützenpanzern, die klassisch auf Ketten unterwegs sind.

Kann man einen Rosomak in Deutschland selbst fahren?

Nein. Für den Rosomak gibt es in Deutschland derzeit kein Selbstfahr- oder Mitfahrangebot, weder in der Kampfversion noch in einer der Transportvarianten. Wer stattdessen ein Fahrzeug sucht, das sich tatsächlich fahren lässt, findet eine Übersicht der verfügbaren Modelle in der Fahrzeugübersicht.