Wie ein Panzerfahrer etwas sieht

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Blick durch einen Winkelspiegel oder ein Periskop aus der Fahrerposition eines Panzers, ohne Wappen oder Truppenkennzeichen im Bild
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Ein Panzerfahrer sitzt tief im Fahrzeug, meist unterhalb der Kanone, mit einer schmalen Luke über dem Kopf. Ist die Luke offen, blickt er direkt nach vorne wie in jedem anderen Fahrzeug. Ist die Luke geschlossen, sieht er nur noch das, was ein Periskop oder ein Winkelspiegel ihm zeigt. Nach hinten sieht er in beiden Fällen fast nichts. Deshalb braucht jeder Panzer eine zweite Person, die den Fahrer einweist, sobald es rückwärts geht.

Blick durch die offene Luke

Bei Übungsfahrten, auf Straßen und bei den meisten kommerziellen Panzerfahrten bleibt die Fahrerluke offen. Der Fahrer sitzt mit Kopf und Schultern über der Wanne, sieht direkt nach vorne und zu den Seiten, so wie er es aus einem offenen Fahrzeug kennt. Sein Sichtfeld ist dabei kaum eingeschränkt. Die Sitzposition, oft nur wenige Zentimeter über der Fahrbahn und deutlich weiter vorn als in einem Pkw, verändert trotzdem die Einschätzung von Entfernungen und Geländekanten.

Der Nachteil der offenen Luke ist der fehlende Schutz. Im Gefecht bleibt sie deshalb geschlossen. Bei zivilen Fahrveranstaltungen ist die offene Luke dagegen die Regel, weil sie die Orientierung erleichtert und dem Fahrer die beste Sicht gibt.

Dafür ist der Fahrer der Witterung direkt ausgesetzt. Wind, Kälte und der Fahrtstaub der Kette treffen ihn ungefiltert. Schutzbrille und angemessene Kleidung gehören deshalb bei offener Luke zur Grundausstattung, unabhängig von der Jahreszeit.

Sicht bei geschlossener Luke: Winkelspiegel und Periskope

Ist die Luke geschlossen, sieht der Fahrer nur noch durch optische Hilfsmittel. Das älteste und bis heute verbreitete Prinzip ist der Winkelspiegel: zwei Spiegel in festem Winkel zueinander, ähnlich dem Periskop eines U-Boots. Das obere Fenster liegt über der Panzerung, das untere vor dem Auge des Fahrers, dazwischen der gepanzerte Körper des Spiegels. So kann der Fahrer nach vorne sehen, ohne selbst eine Lücke in der Panzerung zu öffnen.

Ein frühes und einflussreiches Modell dieses Prinzips war der MK.IV, entwickelt vom polnischen Ingenieur Rudolf Gundlach in der Zwischenkriegszeit. Er wurde ab dem Zweiten Weltkrieg in zahlreichen Panzern verbaut und blieb danach über Jahrzehnte fester Bestandteil von Kampffahrzeugen.

Moderne Fahrzeuge setzen mehrere Winkelspiegel nebeneinander. Beim Wiesel sind laut Bundeswehr drei Winkelspiegel vor der Fahrerluke angebracht, sodass der Fahrer das Fahrzeug auch mit geschlossener Luke sicher führen kann. Der mittlere Spiegel lässt sich gegen ein bildverstärkendes Fahrgerät für die Nachtfahrt austauschen.

In vielen Kampf- und Schützenpanzern sind mehrere Periskope fächerförmig nebeneinander angeordnet, ähnlich wie beim genannten Beispiel des Wiesel. Jedes deckt nur einen schmalen Ausschnitt ab, erst die Summe der Ausschnitte ergibt ein einigermaßen zusammenhängendes Bild nach vorne. Nach hinten oder schräg nach hinten ist in dieser Anordnung grundsätzlich keine Optik vorgesehen.

So nützlich diese Optik ist, sie bleibt ein Kompromiss. Der Fahrer sieht durch einen schmalen Ausschnitt nach vorne, ohne die periphere Wahrnehmung, die ein offenes Auge oder eine Fensterscheibe bietet. Die Einschätzung von Entfernungen fällt schwerer, Regen, Staub und Dunkelheit verschlechtern das Bild zusätzlich. Wer zum ersten Mal mit geschlossener Luke fährt, braucht deshalb Zeit, um sich an das reduzierte Sichtfeld zu gewöhnen.

Tote Winkel am Panzer

Ein Panzer hat keinen Rückspiegel und keine Heckscheibe. Der Fahrer sieht nach vorne und, je nach Fahrzeug, eingeschränkt zu den Seiten. Der Bereich hinter dem Heck liegt vollständig außerhalb seines Blickfelds, unabhängig davon, ob die Luke offen oder geschlossen ist. Das gilt für Kettenfahrzeuge grundsätzlich, nicht nur für gepanzerte. Für Baumaschinen und andere große Arbeitsmittel weisen die Berufsgenossenschaften ausdrücklich darauf hin, dass der rückwärtige Bereich häufig nicht vollständig einsehbar ist und deshalb technische oder personelle Hilfsmittel nötig sind, siehe DGUV Vorschrift 70, § 46 Rückwärtsfahren und Einweisen.

Bei einem mehrere Zehntonnen schweren Kampf- oder Schützenpanzer kommt hinzu, dass Wanne und Kette Personen oder Hindernisse hinter dem Fahrzeug nicht nur verdecken, sondern im Ernstfall auch nicht rechtzeitig zum Stehen kommen. Der tote Winkel ist deshalb keine Randnotiz, sondern der Grund, warum Rückwärtsfahren an einem Panzer nie allein Sache des Fahrers ist.

Warum die Einweisung durch den Kommandanten nötig ist

Im Gefechtsfahrzeug sitzt der Kommandant erhöht, meist in der eigenen Luke oder auf dem Turm, und hat dadurch den besten Überblick über die Umgebung. Er gibt dem Fahrer Kommandos über die Bordsprechanlage, etwa beim Rangieren oder Rückwärtsfahren. Diese Aufgabenteilung ist notwendig, weil der Fahrer selbst gar nicht in der Lage ist, die Situation hinter dem Fahrzeug zu beurteilen.

Wie ernst diese Aufgabenteilung zu nehmen ist, zeigt ein Unfall aus dem Jahr 2013. Auf dem Truppenübungsplatz Colbitz-Letzlinger Heide kniete sich der Kommandant eines Schützenpanzers Marder rückwärtig zum Fahrzeug, um Ausrüstung abzulegen. Der Richtschütze, der die Führung übernommen hatte, gab dem Fahrer über die Bordsprechanlage den Befehl zur Rückwärtsfahrt. Als die Gefahr erkannt wurde, sollte der Fahrer sofort anhalten. Der Stopp-Befehl erreichte ihn jedoch nicht, weil an der Anlage seit mehreren Tagen ein Wackelkontakt bestand. Der Kommandant wurde überrollt und starb an den Unfallfolgen. Nach 16 Monaten Ermittlungen beantragte die Staatsanwaltschaft Stendal Strafbefehle wegen fahrlässiger Tötung gegen Fahrer und Richtschütze. Mehrere Dienstvorschriften waren verletzt worden.

Der Fall zeigt zweierlei. Erstens ersetzt die Einweisung durch den Kommandanten die fehlende Sicht des Fahrers vollständig, eine zweite Absicherung gibt es nicht. Zweitens hängt diese Absicherung an funktionierender Technik und eingehaltenen Abläufen. Fällt die Kommunikation aus oder wird die Reihenfolge der Kommandos nicht eingehalten, fehlt dem Fahrer jede Möglichkeit, die Gefahr selbst zu erkennen.

Rückwärtsfahren praktisch ohne Sicht

Für den Fahrer bedeutet das: Beim Rückwärtsfahren verlässt er sich vollständig auf fremde Augen, gleich ob das die des Kommandanten im Fahrzeug oder eines Einweisers außerhalb sind. Er selbst sieht nichts, was hinter ihm liegt, weder durch die offene Luke noch durch Periskop oder Winkelspiegel, die grundsätzlich nach vorne und zur Seite ausgerichtet sind.

Bei zivilen Panzerfahrten übernehmen geschulte Einweiser diese Rolle. Sie stehen außerhalb der Gefahrenzone, halten Blickkontakt zum Fahrer und geben Handzeichen oder Funkkommandos, nach demselben Grundprinzip, das die Berufsgenossenschaften für das Rückwärtsfahren mit großen Arbeitsmitteln allgemein vorschreiben. Ohne diese Einweisung wird an einem Panzer grundsätzlich nicht rückwärtsgefahren. Das gehört zu den festen Sicherheitsregeln jeder seriösen Veranstaltung.

Was das für Ihre Panzerfahrt bedeutet

Wer selbst hinter dem Steuer sitzt, merkt den Unterschied zwischen offener und geschlossener Luke sofort. Die meisten Anbieter lassen Einsteiger zunächst mit offener Luke fahren, weil die Orientierung dort am einfachsten ist. Wer erfahren möchte, wie sich die Fahrt mit geschlossener Luke und Periskop anfühlt, sollte das vor der Buchung direkt beim jeweiligen Standort erfragen. Das Angebot unterscheidet sich von Strecke zu Strecke, etwa in Steinhöfel oder Benneckenstein.

Wie die Ausbildung zum Panzerfahrer bei der Bundeswehr im Detail abläuft, beschreibt der Beitrag Wie man bei der Bundeswehr Panzerfahrer wird. Eine kurze Definition der Aufgabe selbst finden Sie im Lexikoneintrag Panzerfahrer. Wer die Fahrt verschenken möchte, findet unter Panzerfahren Gutschein die passende Übersicht.

Häufige Fragen

Sieht der Fahrer bei geschlossener Luke überhaupt etwas?

Ja, aber nur über Periskop oder Winkelspiegel und nur nach vorne beziehungsweise eingeschränkt zur Seite. Das Sichtfeld ist deutlich schmaler als bei offener Luke.

Kann der Fahrer selbst rückwärtsfahren, ohne eingewiesen zu werden?

Praktisch nicht. Der Bereich hinter dem Fahrzeug ist für den Fahrer weder mit offener noch mit geschlossener Luke einsehbar. Rückwärtsfahren erfolgt deshalb immer nach Ansage durch den Kommandanten oder einen Einweiser.

Warum hat ein Panzer keinen Rückspiegel wie ein Auto?

Ältere und die meisten militärischen Modelle sind dafür nicht ausgelegt. Ein außen angebrachter Spiegel wäre im Gelände und im Gefecht schnell beschädigt. Der tote Winkel wird deshalb durch Personal statt durch Optik ausgeglichen.

Was ist der Unterschied zwischen Periskop und Winkelspiegel?

In der Praxis werden beide Begriffe oft gleichbedeutend verwendet. Genau genommen ist der Winkelspiegel eine bestimmte Bauform des Periskops, die statt Prismen zwei Spiegel nutzt, wie sie seit dem Modell MK.IV in vielen Panzern verbaut wird.