Tatra 813

Tatra 813 Gesamtansicht seitlich, ohne Wappen oder Truppenkennzeichen im Bild
Foto: Wistula, Lizenz CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Der Tatra 813 ist ein Allrad-Lastkraftwagen aus tschechoslowakischer Produktion. Der Hersteller Tatra baute ihn zwischen 1967 und 1982 in 11.751 Exemplaren, vom leichteren 4×4-Zugfahrzeug bis zur schweren 8×8-Ausführung mit dem Beinamen „Kolos“. Kennzeichnend sind ein luftgekühlter V12-Dieselmotor und das Tatra-typische Zentralrohrfahrgestell mit Pendelachsen, eine Konstruktion, die den Wagen auch abseits befestigter Straßen beweglich hielt. Ein bestätigter Standort zum Selbstfahren ist in unserem Verzeichnis aktuell nicht hinterlegt, Details dazu weiter unten.

Technische Daten

Merkmal Wert
Typ Allrad-Lastkraftwagen
Herkunftsland Tschechoslowakei
Hersteller Tatra
Bauzeit 1967 bis 1982
Stückzahl 11.751
Gefechtsgewicht 22 t
Länge 8,8 m
Breite 2,5 m
Höhe keine Angabe
Motor Tatra T 930-31 E, luftgekühlter V12-Diesel
Leistung keine Angabe
Höchstgeschwindigkeit 80 km/h
Reichweite 650 km
Besatzung 5
Hauptbewaffnung keine Angabe
Panzerung keine Angabe
Watfähigkeit 1,4 m

Die Werte in dieser Tabelle beziehen sich, soweit nicht anders trennbar, auf die schwere 8×8-Grundausführung. Die leichteren 4×4- und 6×6-Varianten weichen bei Gewicht, Länge und Höchstgeschwindigkeit spürbar ab. Eine Quelle nennt für eine nicht näher bestimmte leichtere Ausführung rund 7,76 m Länge, 11,93 t Leergewicht und 70 km/h, Werte, die hier bewusst nicht in die Tabelle übernommen wurden, weil sie sich keiner der drei Antriebsvarianten eindeutig zuordnen lassen.

Zwei Angaben werden in den Quellen uneinheitlich genannt und tauchen deshalb nicht in der Tabelle auf. Die Motorleistung schwankt zwischen rund 250 PS und rund 270 PS, je nachdem, welche Quelle herangezogen wird. Bei der Höhe reicht die Spanne von 2,78 m bis 3,285 m, was auf die unterschiedlichen Aufbau- und Fahrgestellvarianten zurückgehen könnte, auch wenn keine der Quellen das ausdrücklich begründet.

Entwicklungsgeschichte

Tatra baut seit dem frühen 20. Jahrhundert Lastkraftwagen und gehört zu den ältesten Automobilherstellern überhaupt. Der Tatra 813 sollte den älteren Tatra 138 als schweres Allradfahrzeug ablösen. Ein erster Prototyp entstand um 1960 im Werk Bánovce nad Bebravou, wurde aber zunächst nicht weiterentwickelt. 1964 nahm Tatra die Arbeit für eine echte Serienfertigung wieder auf.

Bei den Erprobungen stand die Geländegängigkeit im Vordergrund. Der überarbeitete Prototyp bewältigte laut einer Quelle einen 1,5 Meter breiten Graben, ein 60 Zentimeter hohes Hindernis und eine 30-Grad-Steigung. Diese Anforderungen erklären, warum das Fahrzeug später sowohl als militärisches Zugfahrzeug als auch für den zivilen Baustelleneinsatz gefragt war. 1967 begann die Serienproduktion, die bis 1982 andauerte.

Wer als Vorgänger des Tatra 813 gilt, wird in den Quellen nicht einheitlich beantwortet. Eine Quelle nennt den Tatra 138, eine andere den Tatra 141. Beide Modelle stammen aus derselben Werksreihe schwerer Tatra-Lastwagen, sodass sich der Widerspruch nicht klar auflösen lässt. Als Nachfolger gilt der Tatra 815, der die Baureihe ab den 1980er-Jahren fortführte.

Die Entwicklung fiel in eine Zeit, in der die Tschechoslowakei ihre Rüstungsindustrie eng mit den Bedürfnissen des Warschauer Pakts abstimmte. Ein schweres, geländegängiges Zugfahrzeug für Artillerie und schwere Anhänger war entsprechend gefragt, was die spätere breite Verwendung in mehreren Armeen des Ostblocks miterklärt.

Technik im Detail

Der Tatra 813 wird von einem luftgekühlten V12-Dieselmotor des Typs T 930-31 E angetrieben. Die Luftkühlung machte den Motor unabhängig von einem Kühlwasserkreislauf, was Wartung und Einsatz unter extremen Temperaturen und bei Beschädigungen im Gelände vereinfachte. Anders als bei manchen anderen Militärfahrzeugen der Epoche handelt es sich nicht um einen Vielstoffmotor, der verschiedene Kraftstoffarten verarbeiten kann, sondern um einen reinen Dieselantrieb.

Die technische Besonderheit des Tatra 813 liegt im Fahrgestell. Statt eines herkömmlichen Leiterrahmens verwendet Tatra ein Zentralrohrfahrgestell: ein durchgehendes Rohr in der Fahrzeugmitte überträgt Kräfte und dient zugleich als Träger für die Antriebswelle. Von diesem Rohr gehen an jeder Achse einzeln aufgehängte Pendelhalbachsen ab. Jedes Rad kann sich dadurch unabhängig von den anderen bewegen, ähnlich einer Einzelradaufhängung, nur konsequenter umgesetzt als bei den meisten Radfahrzeugen dieser Zeit. Das Ergebnis war eine hohe Verschränkung im Gelände und eine bessere Lastverteilung auf unebenem Untergrund.

Diese Lösung unterscheidet sich grundlegend von der Technik gleisgebundener Fahrzeuge. Dort sorgt ein Kettenlaufwerk für die Bodenhaftung, häufig kombiniert mit einer Drehstabfederung zur Dämpfung der einzelnen Laufrollen. Der Tatra 813 erreicht seine Geländegängigkeit dagegen rein über Räder, Allradantrieb und die pendelnde Achsaufhängung am Zentralrohr, ohne Kette und ohne Torsionsstäbe.

Varianten

Der Tatra 813 wurde in drei Antriebskonfigurationen gebaut, die sich in Achszahl und Einsatzzweck unterschieden:

  • 4×4: zweiachsige Ausführung, vor allem als Zugmaschine genutzt
  • 6×6: dreiachsige Ausführung mit größerer Zuladung
  • 8×8 „Kolos“: die schwerste Variante mit maximaler Geländemobilität, oft als Basis für Militärversionen

Die Bezeichnung „Kolos“ (tschechisch für Koloss) bezieht sich auf die 8×8-Version und wird in mehreren Quellen synonym für das schwere Grundmodell verwendet. Eine Quelle nennt zusätzlich zivile Aufbauvarianten wie Kipper, Kranaufbauten und Flugfeld-Schlepper, die auf demselben Fahrgestell realisiert wurden. Diese Angabe stammt aus nur einer Quelle und wird hier deshalb mit dieser Einschränkung genannt.

Einsatz und Verbreitung

Hauptnutzer des Tatra 813 waren die Streitkräfte des Warschauer Pakts. Sowohl eine unabhängige Fachpublikation als auch die Angaben des Herstellers Tatra selbst nennen die Tschechoslowakei und die DDR als Nutzerstaaten. Die Nationale Volksarmee der DDR setzte das Fahrzeug unter anderem als Zugmaschine für schwere Feldkanonen ein.

Eine Quelle nennt darüber hinaus den Export in den Iran, wo der Tatra 813 im Krieg zwischen Iran und Irak in den 1980er-Jahren zum Einsatz gekommen sein soll. Diese Angabe ließ sich mit einer zweiten unabhängigen Quelle nicht bestätigen und wird deshalb als Einzelangabe eingeordnet.

Innerhalb der Streitkräfte des Ostblocks diente der Tatra 813 vor allem als schweres Zugfahrzeug und Transportfahrzeug abseits befestigter Straßen. Mit dem Ende des Warschauer Pakts ab 1989 und der folgenden Verkleinerung der Nachfolgearmeen ging die aktive militärische Nutzung schrittweise zurück. Die genaue Zahl noch aktiv genutzter Fahrzeuge lässt sich aus den vorliegenden Quellen nicht beziffern.

Verbleib heute

Erhaltene Tatra 813 stehen heute vor allem in Sammlungen für Militär- und Nutzfahrzeugtechnik. Eine Quelle beschreibt ein Exemplar der 8×8-Ausführung in einer Sammlung für Zivil- und Wehrtechnik in Bayern, dort in gutem Erhaltungszustand und mit Räumschild ausgestattet. Wie viele Fahrzeuge insgesamt erhalten sind, lässt sich aus den verfügbaren Quellen nicht verlässlich beziffern.

Kann man einen Tatra 813 selbst fahren?

Nein, für den Tatra 813 ist in unserem Verzeichnis aktuell kein Standort mit Selbstfahrangebot hinterlegt. Wer generell historische Lastkraftwagen oder andere Fahrzeuge aus dem Bestand selbst fahren möchte, findet die aktuell buchbaren Modelle in der Fahrzeugübersicht.

Verwandte Fahrzeuge

Als Vorgänger des Tatra 813 werden je nach Quelle der Tatra 138 oder der Tatra 141 genannt, als Nachfolger der Tatra 815. Für diese Modelle gibt es im Verzeichnis derzeit keinen eigenen Eintrag, weshalb hier auf eine Verlinkung verzichtet wird. Einen Überblick über bereits erfasste Fahrzeuge bietet die Fahrzeugübersicht.

Häufige Fragen

Wie schwer ist ein Tatra 813?

Das Gefechtsgewicht der schweren 8×8-Ausführung liegt bei 22 Tonnen. Die leichteren 4×4- und 6×6-Varianten wiegen weniger, konkrete Werte dazu liegen für diese Ausführungen nicht vor. Eine Quelle nennt für eine nicht näher bestimmte leichtere Ausführung ein Leergewicht von 11,93 Tonnen.

Wie schnell fährt ein Tatra 813?

Die 8×8-Ausführung erreicht laut Datenblatt eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h. Für eine leichtere Ausführung nennt eine Quelle abweichend 70 km/h.

Wie viele Tatra 813 wurden gebaut?

Zwischen 1967 und 1982 entstanden insgesamt 11.751 Exemplare des Tatra 813, verteilt auf die Varianten 4×4, 6×6 und 8×8.

Welchen Motor hat der Tatra 813?

Verbaut ist ein luftgekühlter V12-Dieselmotor des Typs Tatra T 930-31 E. Die Leistungsangaben schwanken je nach Quelle zwischen rund 250 PS und rund 270 PS, eine einheitliche Zahl lässt sich daraus nicht ableiten.

Welche Varianten des Tatra 813 gibt es?

Das Fahrzeug wurde als 4×4, 6×6 und 8×8 gebaut. Die 8×8-Version trägt den Beinamen „Kolos“ und bildete die schwerste und geländegängigste Ausführung, oft als Basis für Militärversionen.

Kann man einen Tatra 813 selbst fahren?

In unserem Verzeichnis ist aktuell kein Standort hinterlegt, der eine Selbstfahrt mit einem Tatra 813 anbietet. Eine Übersicht der aktuell buchbaren historischen Fahrzeuge findet sich in der Fahrzeugübersicht.

Wo steht ein Tatra 813 heute?

Erhaltene Exemplare befinden sich in Sammlungen für Militär- und Nutzfahrzeugtechnik. Eine Quelle nennt konkret ein Fahrzeug in einer Sammlung für Zivil- und Wehrtechnik in Bayern, in gutem Zustand und mit angebautem Räumschild.