Schwimmfähigkeit bezeichnet die Fähigkeit eines gepanzerten Fahrzeugs, ein Gewässer aus eigener Kraft schwimmend zu überqueren, ohne dass die Wanne vorher abgedichtet oder das Fahrzeug von einer Fähre getragen werden muss. Voraussetzung sind ausreichender Auftrieb der Fahrzeugwanne und ein eigener Antrieb im Wasser, meist über die Ketten oder einen zuschaltbaren Wasserstrahlantrieb. Schwere Kampfpanzer besitzen diese Eigenschaft in aller Regel nicht.
Schwimmfähigkeit im Detail
Ein Fahrzeug schwimmt, wenn sein Gewicht kleiner ist als das Gewicht des von der Wanne verdrängten Wassers. Bei gepanzerten Fahrzeugen ist das eine enge Rechnung: Stahl und Verbundpanzerung sind deutlich dichter als Wasser, die Wanne muss also groß und vor allem luftdicht genug sein, um genug Auftrieb zu erzeugen. Konstrukteure formen sie deshalb bootsähnlich, mit hochgezogenem Bug und ohne offene Durchbrüche unterhalb der Wasserlinie.
Reicht das Wannenvolumen allein nicht aus, kommen zusätzliche Auftriebskörper zum Einsatz: Schwimmschürzen. Sie werden vor der Wasserfahrt hochgeklappt oder ausgefahren und vergrößern das Verdrängungsvolumen oberhalb der eigentlichen Wanne. Bekanntestes historisches Beispiel sind die Segeltuchschürzen der Duplex-Drive-Ausführung des M4 Sherman im Zweiten Weltkrieg, die zusammen mit zwei heckseitigen Schiffsschrauben den Einsatz über Wasser ermöglichten.
Beim Antrieb im Wasser gibt es zwei Lösungen. Die einfachere nutzt die vorhandenen Ketten als Paddel: Die Kettenglieder schieben beim Umlauf Wasser nach hinten, gelenkt wird wie an Land über unterschiedliches Abbremsen der Seiten. Das reicht für Fahrzeuge mit moderatem Gewicht, etwa klassische Schützenpanzer. Die zweite Lösung sind zuschaltbare Wasserstrahlantriebe oder Propeller. Sie liefern höhere Geschwindigkeiten, benötigen aber zusätzlichen Bauraum und ein eigenes Antriebssystem. Leichte Schwimmpanzer nutzen diese Variante ebenso wie moderne amphibische Radfahrzeuge: Das US-amerikanische Amphibious Combat Vehicle etwa setzt auf zwei Wasserstrahlantriebe für die Fahrt vom Schiff an Land (The Defense Post). Vor der eigentlichen Wasserfahrt wird bei kettenpaddelnden Fahrzeugen zusätzlich ein Wellenschild vor dem Bug hochgeklappt, das Wasser vom Übersteigen des Fahrzeugs abhält, und der Luftansaugstutzen für den Motor ausgefahren.
Bedeutung beim Panzerfahren
An schweren Kampfpanzern sieht man kein Wellenschild und keine Schwimmschürze. Ihr Gewicht liegt durch Panzerung und Bewaffnung so hoch, dass keine praktikable Wannenform genug Auftrieb erzeugen könnte. Derselbe Zielkonflikt zwischen Schutz und Schwimmfähigkeit zeigt sich auch bei modernen Schützenpanzern: Mit jeder zusätzlichen Panzerungsstufe steigt das Gewicht, bis die Verdrängung der Wanne nicht mehr reicht und die Schwimmfähigkeit als Konstruktionsziel aufgegeben wird.
Für Gewässerübergänge bleibt schweren Fahrzeugen die Watfähigkeit oder, bei größerer Tiefe, die Tauchfahrt mit Schnorchel: Das Fahrzeug fährt abgedichtet über den Gewässergrund, die Besatzung atmet über ein Rohr, das bis über die Wasseroberfläche reicht. Das ist technisch etwas anderes als Schwimmfähigkeit, weil das Fahrzeug dabei den Boden berührt, statt zu treiben. Schwimmfähig sind vor allem leichte, luftverladbare Fahrzeugklassen wie Aufklärungsfahrzeuge und klassische Schützenpanzer, deren Wannen von Beginn an auf Verdrängung statt auf maximale Panzerung ausgelegt wurden.
Wer selbst einen Kettenpanzer fährt, bekommt die Schwimmfähigkeit in der Praxis kaum zu spüren: Fahrangebote in Deutschland führen über Gelände- und Wasserlochstrecken, nicht über tiefe, fließende Gewässer, und die eingesetzten Fahrzeuge sind für Geländefahrt ausgelegt statt für Wasserüberquerungen. Am Fahrzeug selbst erkennt man schwimmfähige Konstruktionen an der bootsförmigen Wanne, dem Wellenschild am Bug und, bei älteren Modellen, an aufklappbaren Schürzen entlang der Seiten. Einen Überblick über weitere Bewegungsbegriffe bietet das Fahrzeug-Lexikon.