Ein Kettenfahrzeug mit hoher Kletterfähigkeit überwindet eine senkrechte Mauer, eine Stufe oder einen Bordstein aus dem Stand, ohne dass die Kette den Bodenkontakt verliert. Die Kletterfähigkeit wird als maximale Hindernishöhe angegeben und unterscheidet sich von der Steigfähigkeit, die eine durchgehende schräge Neigung beschreibt, kein abruptes senkrechtes Hindernis.
Kletterfähigkeit im Detail
Beim Klettern trifft die Fahrzeugfront zuerst auf die Kante des Hindernisses. Die Kette greift an der senkrechten Fläche, das Fahrzeug richtet sich nach vorn auf und schiebt sich über die Kante, bis der Schwerpunkt sie überschritten hat und das Heck nachfolgt. Anders als beim Radfahrzeug, das ein Hindernis nur bis etwa zur Höhe des Radradius überrollen kann, nutzt das Kettenfahrzeug die gesamte Aufstandslänge der Kette als Hebel.
Zwei geometrische Größen setzen die Grenze. Die Höhe des Leitrads über dem Boden bestimmt, wie weit oben an der Hindernisfläche die Kette überhaupt Grip findet, bevor die Wanne selbst aufsetzt. Die Bugform wirkt in dieselbe Richtung: Ein steiler, kurzer Bug lässt die Kette nah an das Hindernis heranfahren, ein flacher, langgezogener Bug, wie er aus Gründen des ballistischen Schutzes oft gewählt wird, verringert den nutzbaren Anlaufwinkel und damit die erreichbare Kletterhöhe. Fahrwerkskonstrukteure müssen deshalb zwischen Panzerungsgeometrie und Geländeleistung abwägen. Fachliteratur zur Fahrwerkstechnik von Kettenfahrzeugen nennt die Überwindung kritischer Hindernisse ausdrücklich als eine der zentralen Konstruktionsaufgaben des Laufwerks (esut.de).
Nachträglich lässt sich die Kletterfähigkeit kaum steigern. Leitradposition und Bugform legen Konstrukteure früh in der Fahrzeugauslegung fest, gemeinsam mit Panzerung, Wattiefe und Gewichtsverteilung. Zusätzliche Stützrollen oder ein verändertes Bugblech verschieben die Geometrie nur geringfügig, ein grundlegend anderer Wert verlangt ein neues Kettenlaufwerk mit anderer Laufrollenanordnung.
Bedeutung beim Panzerfahren
Wer selbst am Steuer sitzt, spürt die Kletterfähigkeit körperlich. Beim Anfahren auf ein Kletterhindernis richtet sich die Fahrzeugfront steil auf, die Sicht nach vorn verschwindet für einige Sekunden vollständig, und die Orientierung läuft über einen Einweiser oder markierte Anfahrpunkte. Genug Schwung ist nötig, um über die Kante zu kommen, zu wenig Schwung lässt das Fahrzeug an der Kante hängen. Sobald der Schwerpunkt die Kante überschreitet, kippt das Fahrzeug spürbar nach vorn ab und das Heck setzt mit einem Stoß auf. Kletterhindernisse aus Betonblöcken oder aufgeschütteten Wällen gehören deshalb zu den Streckenelementen, an denen Besucher die Geländefähigkeit eines Kettenfahrzeugs am deutlichsten erleben, anders als bei der reinen Steigfähigkeit auf einer durchgehenden Rampe. Streckenbetreiber richten die Höhe eines Kletterhindernisses nach dem schwächsten zugelassenen Fahrzeug im Fuhrpark aus, damit jedes gebuchte Modell es sicher bewältigt.
Verwandte Begriffe
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