Kolonnenweg

Der Kolonnenweg ist der befestigte Fahrweg der Grenztruppen der DDR entlang der innerdeutschen Grenze, angelegt aus zwei parallelen Spuren genormter Betonplatten. Er diente dazu, jeden Punkt der rund 1.400 Kilometer langen Grenze mit Fahrzeugen schnell zu erreichen, unabhängig von Wetter und Bodenverhältnissen. Große Abschnitte sind erhalten geblieben und heute als Rad- und Wanderweg entlang des Grünen Bands ausgeschildert.

Kolonnenweg im Detail

Gebaut wurde der Kolonnenweg als sogenannte Betonspurbahn: zwei parallele Fahrspuren aus genormten, durchlöcherten Betonplatten, im Abstand der üblichen Fahrzeugspurbreite verlegt. Die Löcher sparten Material und Gewicht, ließen Regenwasser abfließen und verringerten das Risiko, dass Frost die Platten anhob. Auf ungebundenem Untergrund verlegt, blieb die Spurbahn auch bei Nässe befahrbar, während das übrige Grenzgebiet als vegetationsfreier Kontrollstreifen gehalten wurde. Zwischen dem Kolonnenweg und der eigentlichen Grenzlinie lagen Kontrollstreifen und Grenzzaun.

Die Bauweise war bewusst einfach gehalten: vorgefertigte Platten, kein aufwendiger Unterbau, schnell verlegt und ebenso schnell ersetzt, wenn Frost oder Wurzeln einzelne Platten anhoben. Genau diese Einfachheit erklärt die gute Erhaltung bis heute. Nach 1990 wurden Zaunanlagen, Wachtürme und Signaltechnik weitgehend zurückgebaut, die Betonspurbahn dagegen an vielen Stellen liegen gelassen. Der Rückbau hätte Aufwand gekostet, den niemand tragen wollte, und die Platten waren als Wegebefestigung weiterhin brauchbar.

Heute ist der Kolonnenweg vielerorts Teil ausgeschilderter Routen entlang des Grünen Bands, jenes rund 1.400 Kilometer langen, länderübergreifenden Streifens, der sich aus dem ehemaligen Grenzgebiet entwickelt hat. Der internationale Radfernweg Eiserner Vorhang (EuroVelo 13) folgt auf langen Abschnitten den alten Betonspurplatten, ergänzt durch regionale Wanderrouten wie den Harzer Grenzweg. Die Initiative dazu geht auf ein Treffen von Naturschützern aus Ost und West Ende 1989 in Hof zurück, aus dem der Name Grünes Band entstand und an dem der BUND als Koordinator beteiligt war.

Bedeutung beim Panzerfahren

Wer sich mit dem Fahrwerk gepanzerter Fahrzeuge beschäftigt, erkennt im Kolonnenweg ein verwandtes technisches Problem: Last so über eine Fläche zu verteilen, dass ein Fahrzeug auch auf weichem Grund nicht einsinkt. Kettenfahrzeuge lösen das über eine breite Aufstandsfläche und niedrigen Bodendruck, der Kolonnenweg über eine feste, wasserdurchlässige Fahrbahn aus Betonplatten.

Wer im ehemaligen Grenzgebiet Thüringens, Sachsen-Anhalts oder Brandenburgs unterwegs ist, etwa auf einem früheren Truppenübungsplatz in der Nähe des Grünen Bands, trifft am Wegesrand häufig auf erhaltene Kolonnenwegabschnitte. Befahren werden dürfen sie deshalb nicht: Die Betonspurbahn steht in weiten Teilen unter Denkmal- oder Naturschutz und ist Teil des geschützten Biotopverbunds, kein Übungsgelände. Nach Angaben des BUND leben entlang des Grünen Bands heute mehr als 1.200 gefährdete Tier- und Pflanzenarten, von denen viele auf die jahrzehntelange Ruhe im ehemaligen Grenzstreifen angewiesen sind.

Verwandte Begriffe