Winkelspiegel

Ein Winkelspiegel ist eine optische Vorrichtung aus zwei gegeneinander versetzten Spiegeln oder Prismen in einem gepanzerten Gehäuse. Sie lenkt den Lichtweg zweimal um 90 Grad um und stellt so eine Sichtverbindung vom geschützten Innenraum nach außen her, ohne dass die Panzerung dafür durchbrochen werden muss. Winkelspiegel sitzen in Reihen rund um die Fahrer- und die Kommandantenluke und sind die Voraussetzung dafür, dass ein Panzer bei geschlossener Luke überhaupt gefahren werden kann.

Winkelspiegel im Detail

Nach der Patentschrift EP0461367B1 besteht ein Winkelspiegel aus einem Ausblickteil außen und einem Einblickteil innen, verbunden durch einen Sichtkanal durch das Dach des gepanzerten Gehäuses. Ein erster Spiegel steht in einem Winkel von 45 Grad zur äußeren Horizontalen, ein zweiter in 135 Grad zur inneren Horizontalen. Zusammen lenken beide den Blick einmal nach unten und dann wieder in die Horizontale zurück. Der Sichtkanal selbst ist ganz oder teilweise mit optischem Glas gefüllt, häufig als Block aus mehreren übereinandergestapelten Platten. Das Glas schließt die Lücke in der Panzerung und bietet zugleich Schutz gegen Splitter, etwa aus Hohlladungswirkung. Moderne Ausführungen bestehen stattdessen aus Polymethylmethacrylat und sind splitterhemmend sowie gegen Laser geschützt.

Vom Periskop unterscheidet sich der Winkelspiegel durch die Bauweise: Ein Periskop überbrückt mit einem langen Rohr und mehreren Umlenkstufen eine größere Distanz, etwa vom Turminneren bis über das Turmdach hinaus, und lässt sich teils drehen oder ausfahren. Der Winkelspiegel überbrückt nur die Dicke der Panzerung an der Stelle, an der er sitzt. Er ist fest eingebaut, nicht schwenkbar und deckt jeweils nur einen schmalen Ausschnitt des Umfelds ab. Erst die Anordnung mehrerer Winkelspiegel nebeneinander ergibt ein zusammenhängendes, wenn auch lückenhaftes Sichtfeld. Bei Bedarf lässt sich einzelne Positionen austauschen: Bei der Bundeswehr betrifft das etwa den mittleren Winkelspiegel vor der Fahrerluke, der für Nachtfahrten gegen ein Bildverstärker-Fahrgerät getauscht wird.

Bedeutung beim Panzerfahren

Genau darüber sieht man beim Fahren mit geschlossener Luke: Mehrere Winkelspiegel liegen nebeneinander vor der Fahrerluke, zusammen ergeben sie das gesamte Sichtfeld nach vorn. Jeder einzelne Spiegel zeigt nur einen schmalen Ausschnitt, vergleichbar mit dem Blick durch ein kleines Fenster. Wer geradeaus fährt, muss den Kopf zwischen den Spiegeln bewegen, um Hindernisse seitlich der Fahrspur zu erfassen. Tiefenschärfe und räumliches Sehen leiden gegenüber dem Blick mit offener Luke spürbar, unmittelbar neben und hinter dem Fahrzeug bleiben tote Winkel. Verschmutzung, Kratzer oder Beschlag auf dem Glas verstärken diesen Effekt zusätzlich. Wer zum ersten Mal mit geschlossener Luke fährt, bemerkt deshalb vor allem eines: Das Fahrzeug lässt sich sicher steuern, aber die Rundumsicht eines offenen Fahrerplatzes erreicht kein Winkelspiegel.

Verwandte Begriffe

  • Kommandantenkuppel: trägt meist einen eigenen Kranz aus Winkelspiegeln für die Rundumsicht des Kommandanten.
  • Luke: die Öffnung, um die herum Winkelspiegel angeordnet sind.
  • Turmkorb: dort, wo am Turmdach zusätzliche Winkelspiegel für die Ladeschützenluke sitzen können.
  • Verbundpanzerung: folgt demselben Prinzip aus mehreren gestapelten Schichten wie der Schutzblock im Sichtkanal.

Übersicht aller Begriffe: Lexikon