Der Turmkorb ist der fest mit dem Geschützturm verbundene Kabinenboden, der sich mit dem Turm mitdreht. Er hängt vom Turmboden in die Wanne hinein und nimmt Richtschütze, Ladeschütze und Kommandant auf. Der Fahrer sitzt getrennt davon in der Wanne und dreht sich nicht mit.
Turmkorb im Detail
Ein Kampfpanzer besteht im Wesentlichen aus zwei getrennt beweglichen Teilen: der Wanne mit Fahrer und Antrieb sowie dem Turm mit Bewaffnung und übriger Besatzung. Damit Richtschütze, Ladeschütze und Kommandant bei jeder Turmstellung an derselben Stelle relativ zur Kanone sitzen, ist ihr Standboden nicht in der Wanne verschraubt, sondern hängt am Turm selbst. Dieser mitdrehende Boden ist der Turmkorb. Er ruht über den Turmdrehkranz auf der Wanne und dreht exakt im gleichen Winkel wie der Turm.
Ohne diese Lösung müsste sich die Turmbesatzung bei jeder Drehung neu orientieren oder umsetzen. Genau das war bei frühen Konstruktionen der Fall: Beim sowjetischen T-54 fehlte in den ersten Baureihen ein durchgehend mitdrehender Boden, sodass die Besatzungsmitglieder im Turm sich bei einer Turmdrehung selbst mitbewegen mussten.
Beim Übergang zum Ladeautomaten haben sich zwei unterschiedliche Bauweisen durchgesetzt. Bei T-64 und T-80 ist der Autolader Teil des Turmkorbs und dreht mit dem Turm mit. Beim T-72 sitzt der Autolader dagegen als Karussell unterhalb des Turmbodens in der Wanne und ist von dieser gelöst. Beide Lösungen ersparen den Ladeschützen, unterscheiden sich aber deutlich darin, wie viel Turmkorb-Raum sie beanspruchen.
Neuere Entwicklungen gehen noch einen Schritt weiter und verzichten auf einen bemannten Turm insgesamt. Bei unbemannten Turmsystemen sitzt die gesamte Besatzung in der Wanne, der Turm selbst wird ferngesteuert bedient. Ein Turmkorb im klassischen Sinn entfällt dann vollständig.
Bedeutung beim Panzerfahren
Wer in einem Fahrzeug mit Turmkorb im Turm mitfährt, spürt den Unterschied zur Wanne sofort. Dreht sich der Turm, dreht sich der eigene Sitzplatz mit, während die Blickrichtung zur Fahrtrichtung der Wanne beliebig abweichen kann. Der Fahrer dagegen bleibt immer in Fahrtrichtung ausgerichtet.
Zwischen Turmkorb und Wannenboden bleibt ein schmaler, umlaufender Spalt, damit sich der Korb frei drehen kann. Dort gilt bei jeder Turmdrehung erhöhte Aufmerksamkeit: Füße und Ausrüstung gehören während der Drehung nicht in diesen Zwischenraum. Bei Vorführungen mit drehendem Turm weisen Betreiber deshalb vorab in die richtige Sitz- und Standposition ein.
Im Deutschen Panzermuseum Munster lassen sich Turmkorb und Ladeautomat verschiedener Fahrzeuggenerationen im Schnittmodell nebeneinander betrachten.
Verwandte Begriffe
Weitere Begriffe rund um Turm und Besatzung im Lexikon: