Das Turmschwenkwerk ist die Antriebseinheit, mit der der Turm eines Kampfpanzers um die senkrechte Achse gedreht wird. Ein Elektro- oder Hydraulikmotor treibt über ein Ritzel den Turmdrehkranz an und stellt so die Seitenrichtung der Kanone unabhängig von der Fahrtrichtung des Fahrzeugs ein. Fällt der motorische Antrieb aus, lässt sich der Turm bei den meisten Fahrzeugen zusätzlich von Hand drehen.
Turmschwenkwerk im Detail
Das Turmschwenkwerk übernimmt ausschließlich die Seitenrichtung, also die Drehung des Turms in der Waagerechten. Die Höhenrichtung der Kanone erfolgt getrennt darüber hinaus über den Kanonenrichtantrieb. Beide Systeme arbeiten zusammen, sind aber technisch eigenständige Baugruppen mit eigenem Motor und eigener Steuerung.
Zwei Bauweisen haben sich über die Zeit durchgesetzt. Bei hydraulischen Systemen fördert eine motorgetriebene Pumpe Öl zu einem Hydraulikmotor, der über ein Getriebe den Turmdrehkranz dreht. Die Geschwindigkeit steuert die Besatzung über ein Steuerventil, meist per Steuerknüppel oder Handrad. Bei elektrischen Systemen übernimmt ein Elektromotor mit digitaler Regelung diese Aufgabe. Der Vorteil liegt vor allem in geringerem Wartungsaufwand, weil keine Hydraulikleitungen im Innenraum verlegt werden müssen.
Im Rahmen der laufenden Kampfwertsteigerung rüstet die Bundeswehr den Turmantrieb des Kampfpanzers Leopard 2 von Hydraulik auf einen elektrischen Antrieb um. Die Umrüstung ist Teil eines umfangreichen Modernisierungspakets mit mehr als 1.100 Einzeländerungen am Fahrzeug. Die dafür nötige Leistung stellt die Energieerzeugungsanlage des Leopard 2 bereit, sodass Turm und Waffenanlage auch bei abgeschaltetem Hauptmotor ohne Einschränkung nutzbar bleiben.
Der Turmdrehkranz selbst ist eine große Verzahnung zwischen Turm und Wanne. Das Antriebsritzel des Turmschwenkwerks greift in diese Verzahnung ein und wandelt die Motordrehzahl über eine Getriebeuntersetzung in eine kontrollierte Turmdrehung um. Eine vollständige Umdrehung dauert je nach Fahrzeug einige Sekunden, die genaue Zeit hängt von Übersetzung, Motorleistung und Turmgewicht ab.
Bedeutung beim Panzerfahren
Wenn Sie selbst in einem Kettenfahrzeug mit drehbarem Turm sitzen, merken Sie den Unterschied zwischen Fahrwerk und Turmschwenkwerk sofort. Das Fahrwerk bewegt das gesamte Fahrzeug, das Turmschwenkwerk dreht nur den oberen Aufbau. Beide Bewegungen sind mechanisch entkoppelt und lassen sich gleichzeitig ausführen.
Beim Betätigen des Turmschwenkwerks hören Sie ein deutliches Getriebegeräusch, bei hydraulischen Systemen zusätzlich das Surren der Pumpe. Auf der Kommandanten- oder Richtschützenposition lässt sich die Drehbewegung über den Steuerknüppel fein dosieren, von sehr langsam für die Feinausrichtung bis zu einer schnellen Vollumdrehung. Aus Sicherheitsgründen begrenzen viele Betreiber bei Besucherfahrten die nutzbare Drehgeschwindigkeit oder sperren den Turmschwenkbereich vollständig.
Verwandte Begriffe
- Turmdrehkranz: die Verzahnung, in die das Turmschwenkwerk eingreift
- Turmkorb: die mitdrehende Plattform im Turminneren
- Kommandantenkuppel: drehbarer Aufbau mit eigenem, kleinerem Schwenkwerk
- Kanonenrichtantrieb: steuert gemeinsam mit dem Turmschwenkwerk die Zielausrichtung
- Höhenrichtbereich: die vertikale Ergänzung zur Seitenrichtung
Weitere Fachbegriffe finden Sie im Lexikon.