Der Kanonenrichtantrieb ist die Antriebstechnik, mit der die Kanone eines Panzers in der Höhe und der Turm in der Seite bewegt werden. Er umfasst den Höhenrichtantrieb für die Rohrbewegung und den Seitenrichtantrieb für die Turmdrehung, ausgeführt als elektrischer, hydraulischer oder elektro-hydraulischer Antrieb. Bei modernen Kampfpanzern ist der Kanonenrichtantrieb mit einer Stabilisierung gekoppelt, die die Ausrichtung von Rohr und Turm unabhängig von der Fahrbewegung hält.
Kanonenrichtantrieb im Detail
In frühen Panzerkonstruktionen genügte reine Handkraft: Der Richtschütze drehte den Turm über ein Handrad und stellte die Rohrhöhe mit einer Kurbel oder Schulterstütze ein. Mit wachsendem Kaliber und steigendem Turmgewicht ab den 1930er und 1940er Jahren reichte diese Muskelkraft nicht mehr aus. Konstrukteure ergänzten die Handantriebe zunächst um elektrische Unterstützung, etwa beim Panzerkampfwagen IV, und später um elektro-hydraulische Systeme, bei denen ein Elektromotor eine Hydraulikpumpe antreibt, die wiederum Zylinder oder Hydraulikmotoren für Turm und Rohr versorgt.
Ein Kanonenrichtantrieb muss zwei gegensätzliche Anforderungen gleichzeitig erfüllen: ein gleichmäßiges, ruckfreies Nachführen bei kleinen Winkeln und ein schnelles Umsetzen bei größeren Winkeln. Die Fachliteratur bezeichnet das als Feinrichten und Schnellrichten. Beide Betriebsarten stellen unterschiedliche Anforderungen an Regelung und Dosierung des Antriebs, weshalb viele Systeme mehrstufige Getriebe oder stufenlos regelbare Hydraulik verwenden.
Die Drehung des Turms läuft über den Turmdrehkranz, eine Kraft- und Verzahnungsübertragung zwischen dem feststehenden Wannenteil und dem drehbaren Turmkorb. Ein Ritzel des Seitenrichtantriebs greift in die Verzahnung dieses Kranzes ein. Bei der Rohrbewegung wirkt der Höhenrichtantrieb meist auf eine Verzahnung am Rohrwiegenlager.
Konstruktiv setzt sich seit einigen Jahren ein Trend zum rein elektrischen Antrieb durch. Laut dem Fachmagazin des österreichischen Bundesheeres erhält der Leopard 2 im Zuge aktueller Modernisierungsprogramme einen Turmantrieb, der von Hydraulik auf Elektrik umgestellt wird. Dabei kommen Ultrakondensatoren zum Einsatz, die beim elektrischen Betrieb des Turms auftretende Stromspitzen aufnehmen und anschließend an die Batterien zurückgeben.
Bedeutung beim Panzerfahren
Wer auf einem Fahrzeug mit funktionsfähigem Kanonenrichtantrieb mitfährt, merkt den Unterschied zwischen Handantrieb und Kraftunterstützung sofort: Ein hydraulischer Antrieb ist am charakteristischen Pumpengeräusch hörbar, ein elektrischer Antrieb eher am gleichmäßigen Motorsummen. Bei zivil fahrbaren Panzern in Deutschland ist die Waffenanlage in aller Regel deaktiviert oder komplett ausgebaut. Der Kanonenrichtantrieb ist dort, wenn überhaupt vorhanden, ohne Funktion. Sichtbar bleibt trotzdem die Mechanik: der Turmdrehkranz am Übergang zwischen Wanne und Turm, die massive Verzahnung und bei älteren Museumsfahrzeugen oft noch die Handkurbel als Rückfallebene für den Fall eines Antriebsausfalls.
Verwandte Begriffe
Die Turmdrehung selbst beschreibt das Turmschwenkwerk. Die mechanische Lagerung dafür liefert der Turmdrehkranz, der den Turmkorb trägt. Wie weit sich das Rohr nach oben und unten bewegen lässt, legt der Höhenrichtbereich fest. Für die Sicht des Kommandanten beim Richten relevant ist die Kommandantenkuppel. Weitere Fachbegriffe rund um Panzertechnik erklärt das Lexikon.