Der Höhenrichtbereich ist der Winkelbereich, in dem sich das Rohr eines Fahrzeuggeschützes senkrecht gegenüber der Wannenebene schwenken lässt, angegeben als Spanne zwischen größter Senkung und größter Erhöhung in Grad. Er ist eine feste Bauartgrenze. Wie weit sich das Rohr nach oben oder unten bewegen lässt, legt die Konstruktion von Turm, Wanne und Richtantrieb endgültig fest und lässt sich im laufenden Betrieb nicht verändern.
Höhenrichtbereich im Detail
Bewegt wird das Rohr über den Kanonenrichtantrieb, der die Höhenrichtung elektrisch oder hydraulisch steuert und bei modernen Kampfpanzern zusätzlich stabilisiert, damit die Ausrichtung auch während der Fahrt erhalten bleibt. Die Grenzen dieses Bewegungsspielraums setzt aber nicht der Antrieb, sondern der Raum, der um die Waffe herum tatsächlich zur Verfügung steht.
Nach oben ist der Ausschlag durch das Turmdach begrenzt und durch den Platz, den der Verschlussblock beim Absenken des Rohrhecks nach hinten unten benötigt. In einem klassischen drehbaren Turm mit rundem Turmkorb wandert der Verschluss beim Erhöhen des Rohrs weit in den Innenraum hinein, deshalb braucht der Turmdrehkranz dort einen entsprechend großen Durchmesser. Bei oszillierenden Türmen, deren oberer Teil samt Waffe gegenüber dem feststehenden Unterbau kippt, bleibt der Verschluss dagegen stets oberhalb des Drehkranzes. Der Kranz kann dadurch kleiner ausfallen, dafür begrenzt der Abstand zwischen Turmheck und Wannendeck die maximal mögliche Erhöhung.
Bei der Senkung entscheiden die Höhe der Wanne und die Lage der Turmschwenkwerk-Achse über der Wannenoberkante. Eine hoch bauende Wanne verschafft der Rohrmündung mehr Abstand zur eigenen Fahrzeugfront, bevor sie auf die Wanne träfe, eine niedrige und flache Wanne schränkt die Senkung entsprechend stärker ein. Einen Sonderweg ging der schwedische Kampfpanzer Strv 103: Die Kanone war fest mit der Wanne verbunden, ohne eigenen Turm. Die Höhenrichtung entstand ausschließlich durch Neigen der gesamten Wanne über die hydropneumatische Federung, für die Seitenrichtung musste das gesamte Fahrzeug gedreht werden. Turmbauform und Wannenbauform sind damit kein Randthema, sondern bestimmen den Höhenrichtbereich stärker als jede Antriebstechnik.
Bedeutung beim Panzerfahren
Auf einem Geländeparcours mit Steigungen und Gefällen wird der Höhenrichtbereich als reine Geometrie sichtbar, unabhängig von jeder Frage der Waffenwirkung. Steht ein Fahrzeug mit dem Bug hangabwärts, addiert sich die Neigung der Wanne zur ohnehin vorhandenen Senkung des Rohrs. Bei einer Steigung addiert sie sich zur Erhöhung. Der nutzbare Schwenkbereich relativ zur horizontalen Ebene verändert sich dadurch mit jeder Hangneigung, allein aus dem Zusammenspiel von Wannenwinkel und Rohrwinkel heraus. Wenn Sie selbst fahren, erklärt der Fahrlehrer an solchen Stellen oft, warum bestimmte Steilhänge im Parcours nicht mit jedem Fahrzeugtyp gleich befahrbar sind: Ein kleiner Höhenrichtbereich schränkt die nutzbaren Hangwinkel stärker ein als ein großer, ganz unabhängig von Motorleistung oder Kettenlaufwerk. Im Deutschen Panzermuseum Munster lassen sich unterschiedliche Turmbauformen und ihre jeweiligen Höhenrichtbereiche im direkten Vergleich besichtigen.
Verwandte Begriffe
- Kanonenrichtantrieb: der Antrieb, der Höhen- und Seitenrichtung des Rohrs bewegt
- Turmkorb: der Innenraum des Turms, der den Bewegungsspielraum des Verschlusses begrenzt
- Turmschwenkwerk: treibt die Seitenrichtung des Turms an
- Turmdrehkranz: verbindet Turm und Wanne und bestimmt mit seinem Durchmesser den nutzbaren Turmraum
- Rohrrücklauf: der Weg, den das Rohr beim Schuss nach hinten zurücklegt und der ebenfalls Platz im Turm beansprucht
Weitere Begriffe rund um Turm, Wanne und Fahrwerk versammelt das Lexikon.