Der Rohrrücklauf ist die kontrollierte Rückwärtsbewegung des Geschützrohrs beim Schuss, mit der eine Kanone den Rückstoß auffängt, statt ihn ungebremst auf Lafette oder Fahrzeug zu übertragen. Eine Rohrbremse verzögert das zurückgleitende Rohr, ein Vorholer schiebt es anschließend wieder in die Ausgangsstellung. Rohr und Wanne bewegen sich dabei mechanisch entkoppelt voneinander, sodass mehrere Schüsse aus stehender Position möglich sind, ohne das Fahrzeug oder die Lafette jedes Mal neu auszurichten.
Rohrrücklauf im Detail
Untergebracht ist das System in der Wiege, jenem Bauteil zwischen Rohr und Turm oder Lafette, das sowohl Rohrbremse als auch Vorholer trägt. Beim Schuss gleitet das Rohr in der Wiege nach hinten. Die Rohrbremse besteht aus einem mit Bremsflüssigkeit gefüllten Zylinder. Beim Rücklauf presst ein Kolben die Flüssigkeit durch eine Lochplatte, deren Öffnungen den Durchfluss und damit die Bremswirkung dosieren. Eine zweite, verschiebbare Lochplatte passt die Öffnungsweite an die jeweilige Rohrerhöhung an, damit der Rücklaufweg bei jedem Anstellwinkel innerhalb des im Turm verfügbaren Bauraums bleibt.
Für die Rückführung des Rohrs gibt es zwei Bauarten. Bei hydromechanischen Systemen spannen sich beim Rücklauf Federn, die das Rohr danach in die Ausgangslage zurückdrücken. Bei hydropneumatischen Systemen drückt der Bremskolben Bremsflüssigkeit in den Vorholer hinein, wodurch sich dort hinter einem weiteren Kolben Stickstoffgas verdichtet. Das anschließend expandierende Gas schiebt das Rohr zurück in Feuerstellung.
Vor der Erfindung des Rohrrücklaufs waren Geschützrohre starr mit der Lafette verbunden. Der gesamte Rückstoß wirkte direkt auf das Fahrgestell. 1898 stellte Rheinmetall unter Heinrich Ehrhardt laut der Unternehmensgeschichte des Herstellers eine erste feldtaugliche Ausführung mit variablem, hydropneumatischem Rücklauf vor. Die Neuerung machte das aufwendige Neuausrichten des Geschützes nach jedem Schuss überflüssig und setzte sich in der Folge bei Feldkanonen und später bei Panzerkanonen durch.
Bedeutung beim Panzerfahren
Am Fahrzeug erkennen Sie den Rohrrücklauf an der Wiege: dem zylindrischen Bauteil, das den vorderen Rohrabschnitt umschließt und sich optisch von der eigentlichen Kanone unterscheiden lässt. Bei historischen Fahrzeugen mit deaktivierter oder stillgelegter Bewaffnung lässt sich die Mechanik meist nur noch von außen betrachten, die Beweglichkeit des Rohrs in der Wiege bleibt aber erkennbar.
Der verfügbare Rücklaufweg hängt vom Platz im Turm ab. Je enger der Turminnenraum, desto kürzer muss der Rücklauf ausgelegt sein, was wiederum die Auslegung der Rohrbremse bestimmt. Bei Fragen zur Rohrerhöhung oder zum Kanonenrichtantrieb lohnt sich deshalb ein Blick auf die Wiege: Sie zeigt, wie viel Bewegungsspielraum die Konstruktion dem Rohr überhaupt einräumt.
Verwandte Begriffe
- Rohrbremse: das Bauteil, das den Rücklauf im Detail dämpft.
- Mündungsbremse: reduziert die Rückstoßkraft bereits an der Rohrmündung.
- Glattrohrkanone: heutiger Standard bei Panzerkanonen, mit eigenem Rohrrücklaufsystem.
- Gezogenes Rohr: ältere Bauform, ebenfalls auf Rohrrücklauf angewiesen.
- Kanonenrichtantrieb: muss den durch den Rücklauf bedingten Bauraum berücksichtigen.
Einen Überblick über alle Begriffe bietet das Lexikon von panzerfahren.de.