Rohrbremse

Die Rohrbremse ist die hydraulische Bremsvorrichtung am Geschützrohr einer Panzerkanone. Beim Schuss gleitet das Rohr nach hinten, und die Rohrbremse fängt diese Bewegung kontrolliert ab, bevor der Rohrvorholer das Rohr wieder in die Ausgangsstellung zurückbringt. Zusammen bilden beide Bauteile den sogenannten Rohrrücklauf.

Rohrbremse im Detail

Die Rohrbremse sitzt zusammen mit dem Rohrvorholer auf der Wiege, jener Baugruppe, die das Rohr trägt und in der Lafette beziehungsweise im Turm gelagert ist. Zum Kern ihrer technischen Ausrüstung gehören ein Bremszylinder, eine Kolbenstange, ein Ventil und eine Rücklaufreglerstange.

Das Funktionsprinzip ist hydraulisch. Beim Rücklauf drückt der Kolben Bremsflüssigkeit durch eine Lochplatte. Der Widerstand, den die Flüssigkeit beim Durchströmen der Öffnungen überwindet, wandelt die Bewegungsenergie des Rohres in Wärme um und bremst es ab. Wie groß die Durchlassöffnungen dabei ausfallen, regelt eine zweite, verschiebbare Lochplatte in Abhängigkeit von der Rohrerhöhung. Dadurch bleibt der Rücklaufweg unabhängig vom Schusswinkel weitgehend konstant, ob das Rohr waagerecht steht oder stark angehoben ist.

Bei der Kopplung von Bremse und Vorholer unterscheidet man zwei Bauarten. Bei hydropneumatischen Systemen drückt der Bremskolben der Rohrbremse Bremsflüssigkeit in den Vorholer, wo dahinter komprimiertes Stickstoffgas gestaucht wird. Die anschließende Ausdehnung des Gases führt das Rohr wieder nach vorn. Bei hydromechanischen Systemen übernehmen stattdessen Federn diese Rückführung.

Die Bauart geht auf die Ablösung starrer Lafetten zurück, bei denen sich beim Schuss die gesamte Waffe samt Untergestell bewegte und nach jedem Schuss neu ausgerichtet werden musste. Rheinmetall führt in der eigenen Unternehmensgeschichte den Ingenieur Konrad Haußner als Miterfinder des sogenannten Rohrrücklaufgeschützes, bei dem allein das Rohr zurückläuft, während Lafette oder Turm in Position bleiben. Dieses Prinzip liegt bis heute jeder modernen Panzerkanone zugrunde.

Bedeutung beim Panzerfahren

Am Fahrzeug ist die Rohrbremse als schlanker Zylinder erkennbar, der parallel zum Geschützrohr verläuft, meist über oder seitlich davon. Bei einem Rundgang vor der Fahrt lässt sich dieses zweite, dünnere Rohr gut vom eigentlichen Geschützrohr unterscheiden. Guides weisen häufig genau darauf hin, wenn sie den vorderen Turmbereich erklären, weil die Rohrbremse neben der Wärmeschutzhülle das auffälligste Bauteil am Rohr ist. Wer beide Rohre nebeneinander sieht, erkennt damit auf einen Blick, dass die Panzerkanone beweglich in der Wiege gelagert ist und nicht starr mit dem Turm verbunden ist.

Verwandte Begriffe

  • Rohrrücklauf: die Bewegung des Rohres beim Schuss, an die Rohrbremse gekoppelt.
  • Glattrohrkanone: heutiger Standardtyp bei westlichen Kampfpanzern, mit eigener Rohrbremse ausgestattet.
  • Gezogenes Rohr: ältere Bauart, die ebenfalls eine Rohrbremse benötigt.
  • Mündungsbremse: sitzt am vorderen Rohrende und wirkt anders als die Rohrbremse bereits während des Geschossdurchlaufs.
  • Kanonenrichtantrieb: richtet das Rohr aus, unabhängig von dessen Rücklaufmechanik.

Weitere Begriffe rund um Fahrwerk, Turm und Bewaffnung sammelt das Lexikon.