Die Mündungsbremse ist eine Vorrichtung am vorderen Ende eines Geschützrohrs, die einen Teil der beim Schuss entstehenden Pulvergase seitlich oder schräg nach hinten umlenkt. Die umgelenkten Gase erzeugen eine Kraft in Schussrichtung, die dem Rückstoß des Rohrs entgegenwirkt und ihn spürbar mindert. Bei großkalibrigen Rohrwaffen auf Kettenfahrzeugen entlastet dieses Prinzip die Rohrbremse und die gesamte Lafette.
Mündungsbremse im Detail
Am Rohrende sitzt ein kurzes, meist geschlitztes oder gelochtes Bauteil mit schräg gestellten Prallflächen. Beim Schuss strömen die noch unter hohem Druck stehenden Pulvergase aus der Mündung. Ein Teil davon trifft auf diese Prallflächen und wird zur Seite und leicht nach hinten abgelenkt. Nach dem Rückstoßprinzip entsteht dabei eine Kraft, die nach vorn wirkt und der Rücklaufbewegung des Rohrs entgegensteht.
Die Bauformen unterscheiden sich in der Anzahl der Kammern und im Winkel der Prallflächen. Einkammerige Ausführungen sind einfacher und leichter, mehrkammerige Ausführungen wie an gezogenen Feldhaubitzen bremsen stärker, benötigen dafür aber mehr Bauraum am Rohrende. Ein Patent der Rheinmetall W&M GmbH aus den 1990er-Jahren beschreibt beispielhaft eine Konstruktion, bei der die Gasöffnungen nach vorn zunehmende Längen haben und die Innenbohrung dem Zugdurchmesser statt dem vollen Kaliber entspricht, um Druckverluste beim Geschossdurchgang zu vermeiden.
Nicht jede Rohrwaffe trägt eine Mündungsbremse. Auf Kampf- und Selbstfahrlafetten kommt stattdessen oder zusätzlich häufig ein Rauchabsauger zum Einsatz. Dieser hat eine andere Aufgabe: Er leitet die nach dem Schuss im Rohr verbliebenen Pulvergase kontrolliert zur Mündung ab und hält so Rauch und Schwaden vom Kampfraum fern. Die Bundeswehr beschreibt ein solches System für die Panzerhaubitze 2000. Mündungsbremse und Rohrbremse wirken dagegen zusammen: Die Rohrbremse dämpft die Rücklaufbewegung mechanisch ab, die Mündungsbremse reduziert vorher bereits die Energie, die dabei abgebremst werden muss.
Bedeutung beim Panzerfahren
Wer ein Fahrzeug mit Mündungsbremse besichtigt oder fährt, erkennt sie sofort. Am vorderen Rohrende sitzt ein deutlich verdicktes, meist geschlitztes oder gelochtes Bauteil, das sich klar vom glatten Rohr dahinter abhebt. Solange das Fahrzeug steht, lässt es sich anfassen und von allen Seiten betrachten. Es vermittelt einen direkten Eindruck davon, wie viel mechanischer Aufwand nötig ist, um die beim Schuss frei werdenden Kräfte zu beherrschen.
Auf vielen Strecken zum Panzerfahren steht das Rohr selbst nicht im Mittelpunkt der Fahrt. Beim Rundgang vor der Fahrt oder bei einer Fahrzeugvorstellung ist die Mündungsbremse aber eines der Details, an denen sich der technische Aufbau eines Fahrzeugs am einfachsten erklären lässt: sichtbar, anfassbar und funktional klar von Rohrbremse und Rohrrücklauf zu unterscheiden.
Verwandte Begriffe
Die Mündungsbremse steht in engem technischem Zusammenhang mit mehreren anderen Bauteilen der Rohrwaffe:
- Rohrbremse: dämpft die Rücklaufbewegung des Rohrs mechanisch ab.
- Rohrrücklauf: die Bewegung, die Rohrbremse und Mündungsbremse gemeinsam begrenzen.
- Glattrohrkanone: Rohrbauform ohne Züge, bei der die Mündung anders gestaltet sein kann als bei gezogenen Rohren.
- Gezogenes Rohr: Rohrtyp mit Zügen, an dessen Zugdurchmesser sich die Innenbohrung mancher Mündungsbremsen orientiert.
- Wärmeschutzhülle: sitzt am übrigen Rohr und schützt es vor ungleichmäßiger Erwärmung, unabhängig von der Mündungsbremse.
Ein Überblick über weitere Fachbegriffe steht im Lexikon.