Der Boxer ist ein gepanzertes Transport-Kraftfahrzeug (GTK) auf Rädern, das seit 2009 gebaut wird. Entwickelt hat ihn die ARTEC GmbH, ein Gemeinschaftsunternehmen von Rheinmetall Landsysteme und KNDS Deutschland (vormals Krauss-Maffei Wegmann), im Auftrag von Deutschland und den Niederlanden. Sein Kennzeichen ist ein Baukastenprinzip: Ein gemeinsames Fahrmodul lässt sich mit unterschiedlichen Missionsmodulen kombinieren, sodass aus derselben Basis ein Truppentransporter, ein Führungsfahrzeug oder ein Sanitätsfahrzeug wird. Bei der Bundeswehr hat der Boxer die älteren Fahrzeuge Transportpanzer Fuchs und Mannschaftstransportwagen M113 in Teilen abgelöst.
Technische Daten
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Typ | Gepanzertes Transport-Kraftfahrzeug (Radpanzer) |
| Herkunftsland | Deutschland/Niederlande |
| Hersteller | ARTEC GmbH (Gemeinschaftsunternehmen von Rheinmetall Landsysteme und KNDS Deutschland) |
| Bauzeit | seit 2009 |
| Stückzahl | keine Angabe (Werte schwanken, siehe Text) |
| Gefechtsgewicht | 36,5 t (Konfiguration Gruppentransportfahrzeug, Baustand A2) |
| Länge | keine Angabe (Werte schwanken, siehe Text) |
| Breite | keine Angabe (Werte schwanken, siehe Text) |
| Höhe | keine Angabe (Werte schwanken, siehe Text) |
| Motor | Turbodieselmotor MTU 8V199 TE20 (V8) |
| Leistung | 720 PS |
| Höchstgeschwindigkeit | 103 km/h |
| Reichweite | keine Angabe (nur eine Quelle) |
| Besatzung | keine Angabe (Werte schwanken, siehe Text) |
| Hauptbewaffnung | Fernbedienbare Leichte Waffenstation FLW 200 (7,62 mm MG, 12,7 mm MG oder 40 mm Granatmaschinenwaffe als Bauartvarianten) |
| Panzerung | Selbsttragende Stahlwanne, nachrüstbar mit modularer Zusatzpanzerung (AMAP) |
| Watfähigkeit | keine Angabe (nur eine Quelle) |
Entwicklungsgeschichte
Der Boxer geht auf ein deutsch-niederländisches Programm zurück, mit dem die Streitkräfte ein geschütztes Radfahrzeug für den Truppentransport erhalten sollten, das mehr Schutz bietet als die bisherigen Fahrzeuge Fuchs und M113, ohne die Beweglichkeit eines Radfahrzeugs aufzugeben. Entwickelt und gebaut wird der Boxer von ARTEC, dem gemeinsamen Unternehmen von Rheinmetall Landsysteme und KNDS Deutschland.
Namensgebend für das Konzept ist die Trennung von Fahrmodul und Missionsmodul. Das Fahrmodul enthält Motor, Antrieb und den Arbeitsplatz des Fahrers und bleibt bei allen Varianten gleich. Das Missionsmodul lässt sich austauschen, ohne das Fahrmodul zu verändern. Dieses Prinzip war zum Zeitpunkt der Entwicklung ungewöhnlich und ist bis heute das technische Alleinstellungsmerkmal des Fahrzeugs.
Die Beschaffung für die Bundeswehr erfolgte in mehreren Losen. Nach einem Bundestagsbeschluss aus dem Jahr 2006 lief das erste Los an, ein zweites Los folgte 2015 über die europäische Beschaffungsorganisation OCCAR. Neben Deutschland und den Niederlanden als ursprünglichen Programmpartnern beschafften später auch Litauen, Großbritannien und Australien den Boxer, teils in exportspezifisch angepassten Versionen, wie die Fachpublikation esut.de berichtet. Zur genauen Stückzahl der deutschen Beschaffung gehen die Quellen auseinander, siehe Abschnitt Einsatz und Verbreitung.
Technik im Detail
Der Boxer ist als Radfahrzeug ausgelegt und besitzt damit kein Kettenlaufwerk, wie es bei Kettenfahrzeugen üblich ist. Kettenfahrzeuge stützen sich auf Laufrollen, ein Treibrad und eine Gleiskette, oft ergänzt um eine Drehstabfederung der Laufrollen. Beim Boxer entfallen diese Bauteile, das Fahrzeug bewegt sich stattdessen auf einem Radlaufwerk. Diese Bauweise ist leiser im Straßenbetrieb und benötigt weniger Wartung als ein Kettenlaufwerk, verzichtet dafür aber auf dessen Geländeeigenschaften bei sehr weichem oder unwegsamem Untergrund.
Den Antrieb übernimmt ein Turbodieselmotor des Typs MTU 8V199 TE20 mit acht Zylindern in V-Anordnung und 720 PS Leistung. Damit erreicht der Boxer eine Höchstgeschwindigkeit von 103 Kilometern pro Stunde auf befestigter Straße.
Der Schutz der Besatzung beruht auf einer selbsttragenden Stahlwanne. Wo die Bedrohungslage es erfordert, lässt sich eine modulare Zusatzpanzerung nachrüsten, im Datenblatt unter der Bauartbezeichnung AMAP geführt. Auf dem Dach kann eine fernbedienbare Leichte Waffenstation vom Typ FLW 200 montiert werden. Die Besatzung bedient sie über ein Sichtsystem von innen, ohne die geschützte Wanne verlassen zu müssen.
Der eigentliche technische Kern bleibt aber das Baukastenprinzip. Weil das Fahrmodul bei jeder Variante identisch ist, lassen sich Ersatzteile, Ausbildung und Instandsetzung über alle Missionsmodul-Varianten hinweg standardisieren. Das senkt den logistischen Aufwand gegenüber einer Flotte aus mehreren völlig unterschiedlichen Fahrzeugtypen.
Varianten
Bei der Bundeswehr sind vier Missionsmodule eingeführt:
- Gruppentransportfahrzeug: die Standardausführung für den Transport einer Infanteriegruppe.
- Führungsfahrzeug: ausgestattet mit zusätzlicher Kommunikations- und Führungstechnik für Stäbe.
- Schweres geschütztes Sanitätskraftfahrzeug: für den geschützten Transport von Verwundeten.
- Fahrschulfahrzeug: für die Ausbildung von Fahrpersonal an der Basisplattform.
Daneben gibt es beim Fahrmodul selbst Weiterentwicklungsstufen, die als Baustand A1 und A2 bezeichnet werden. Solche Nachrüststufen nennt man eine Kampfwertsteigerung: Vorhandene Fahrzeuge erhalten verbesserten Schutz oder modernere Sensorik im laufenden Betrieb, statt komplett neu beschafft zu werden. Der im Datenblatt genannte Gewichtswert von 36,5 Tonnen gilt für das Gruppentransportfahrzeug im Baustand A2.
International existieren weitere Module und Exportversionen, etwa mit Kanonenturm oder als Artillerieträger. Diese Varianten sind nicht Teil der Bundeswehr-Beschaffung und werden hier nicht mit Kennwerten geführt, weil dafür keine geprüften Daten vorliegen.
Einsatz und Verbreitung
Hauptnutzer des Boxers ist die Bundeswehr, daneben die niederländischen Streitkräfte als zweiter Programmpartner von Beginn an. Zur genauen Stückzahl der deutschen Beschaffung schwanken die Angaben zwischen 403 und 405 Fahrzeugen. Wikipedia kommt rechnerisch aus 272 Fahrzeugen des ersten Loses und 131 Fahrzeugen des zweiten Loses auf 403. Eine Pressemitteilung von KNDS nennt für Juni 2021 405 ausgelieferte Fahrzeuge aus beiden Losen. Nachbestellungen ab 2025 sind in beiden Zahlen nicht enthalten.
Auch bei der Besatzungsstärke gehen die Quellen auseinander. Bundeswehr.de nennt für das Gruppentransportfahrzeug maximal zehn Personen, drei Besatzungsmitglieder im Fahrmodul und sieben Sitzplätze für Infanterie im Missionsmodul. Wikipedia und der Hersteller ARTEC geben elf an, drei Besatzung plus acht Infanteristen. Die Differenz von einer Person dürfte auf eine unterschiedliche Zählweise der Sitzplätze im Missionsmodul zurückgehen.
Über Deutschland und die Niederlande hinaus nennt die Fachpublikation esut.de Litauen, Großbritannien und Australien als weitere Nutzer, jeweils mit eigenen Beschaffungsverträgen und teils angepassten Versionen. Genaue Stückzahlen für diese Länder sind nicht bekannt.
Verbleib heute
Der Boxer steht bei der Bundeswehr und den Partnerstreitkräften weiterhin im aktiven Dienst, eine Ausmusterung ist nicht absehbar. Ein Exemplar ist als Museumsstück in der Wehrtechnischen Studiensammlung (WTS) in Koblenz zu sehen, wie die Sammlung auf ihrer eigenen Website ausweist.
Kann man einen Boxer selbst fahren?
Nein, dieses Modell steht in Deutschland nicht zum Selbstfahren zur Verfügung. Der Boxer befindet sich im aktiven Dienst der Bundeswehr, zivile Fahrangebote gibt es dafür nicht. Ein direkt vergleichbares fahrbares Radfahrzeug ist in der aktuellen Übersicht dieser Seite nicht ausgewiesen. Eine Übersicht aller Fahrzeuge, die sich in Deutschland tatsächlich selbst fahren lassen, finden Sie auf der Fahrzeugübersicht.
Verwandte Fahrzeuge
Als Vorgänger im Bestand der Bundeswehr gelten der Transportpanzer Fuchs und der Mannschaftstransportwagen M113, beide ebenfalls gepanzerte Transportfahrzeuge, aber ohne das Baukastenprinzip des Boxers. Weitere Radpanzer und Transportfahrzeuge finden Sie in der Fahrzeugübersicht.
Häufige Fragen
Wie schwer ist ein Boxer?
Ein einzelnes Gefechtsgewicht gibt es beim Boxer nicht, weil das Gewicht vom aufgesetzten Missionsmodul abhängt. Für die Konfiguration Gruppentransportfahrzeug im Baustand A2 nennt das Datenblatt 36,5 Tonnen. Andere Module oder Baustände können davon abweichen.
Wie schnell fährt der Boxer?
Der Boxer erreicht laut Datenblatt eine Höchstgeschwindigkeit von 103 Kilometern pro Stunde auf befestigter Straße. Werte für das Gelände liegen nicht vor.
Wie viele Boxer wurden für die Bundeswehr gebaut?
Die Angaben schwanken zwischen 403 und 405 Fahrzeugen aus dem ersten und zweiten Beschaffungslos. Die Differenz erklärt sich vermutlich aus unterschiedlichen Stichtagen und Zählweisen der Quellen. Nachbestellungen ab 2025 sind darin nicht enthalten.
Wie viele Personen fasst ein Boxer?
Auch hier weichen die Quellen voneinander ab: Bundeswehr.de nennt maximal zehn Personen für das Gruppentransportfahrzeug, Wikipedia und Hersteller ARTEC nennen elf. Beide Zahlen setzen sich aus drei Besatzungsmitgliedern im Fahrmodul plus Infanteriesitzen im Missionsmodul zusammen.
Was ist das Besondere am Baukastenprinzip des Boxers?
Der Boxer besteht aus einem einheitlichen Fahrmodul mit Motor und Antrieb sowie einem austauschbaren Missionsmodul. Je nach aufgesetztem Modul wird aus derselben Basis ein Truppentransporter, ein Führungsfahrzeug, ein Sanitätsfahrzeug oder ein Fahrschulfahrzeug. Deshalb lässt sich kein einzelnes Datenblatt für „den“ Boxer führen, sondern nur für eine bestimmte Konfiguration.
Kann man einen Boxer selbst fahren?
Nein. Der Boxer ist ein aktives Dienstfahrzeug der Bundeswehr und steht Privatpersonen in Deutschland nicht zum Selbstfahren zur Verfügung. Eine Übersicht fahrbarer Fahrzeuge führt die Fahrzeugübersicht.
Welchen Motor hat der Boxer?
Der Boxer wird von einem Turbodieselmotor des Typs MTU 8V199 TE20 mit acht Zylindern in V-Anordnung angetrieben. Die Leistung liegt laut Datenblatt bei 720 PS.