
Der Ural-375D ist ein sowjetischer Allrad-Lastkraftwagen mit drei angetriebenen Achsen (6×6), gebaut vom Uralski Awtomobilny Sawod in Miass. Das Fahrzeug entstand während des Kalten Krieges als geländegängiger Transporter für die sowjetische Armee und wurde in mehreren Staaten des Warschauer Pakts eingesetzt, darunter die Nationale Volksarmee der DDR. Kennzeichnend sind das komplett aus Metall gefertigte Fahrerhaus, der V8-Ottomotor ZIL-375 mit 180 PS und eine Wattiefe von bis zu 1,5 Metern. Anders als gepanzerte Kettenfahrzeuge trägt der 375D keine Bewaffnung und keine Panzerung. Er ist technisch ein Nutzfahrzeug, ausgelegt auf Zuladung und Geländegängigkeit, nicht auf Gefechtseinsatz.
Technische Daten
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Typ | Allrad-Lastkraftwagen (6×6) |
| Herkunftsland | Sowjetunion |
| Hersteller | Uralski Awtomobilny Sawod |
| Bauzeit | keine Angabe (siehe Abschnitt Entwicklungsgeschichte) |
| Stückzahl | keine Angabe |
| Gefechtsgewicht | 8,4 t |
| Länge | 7,35 m |
| Breite | 2,69 m |
| Höhe | 2,98 m |
| Motor | ZIL-375 (V8-Viertakt-Ottomotor) |
| Leistung | 180 PS |
| Höchstgeschwindigkeit | 75 km/h |
| Reichweite | 500 bis 550 km |
| Besatzung | 3 |
| Hauptbewaffnung | keine Angabe |
| Panzerung | keine Angabe |
| Watfähigkeit | 1,5 m |
Entwicklungsgeschichte
Die Entwicklung des Ural-375D geht auf den Bedarf der sowjetischen Armee an einem geländegängigen Lastkraftwagen mit hoher Tragfähigkeit zurück, der auch abseits befestigter Straßen zuverlässig Personal und Material transportieren konnte. Beim Hersteller Uralski Awtomobilny Sawod (UralAZ) in Miass war zuvor der UralZIS-355M gefertigt worden. Eine Quelle nennt dieses Modell als unmittelbaren Vorgänger.
Die unbezeichnete Grundversion Ural-375 ging Anfang der 1960er Jahre in Serie. Ab 1964 folgte die überarbeitete Ausführung 375D mit einem komplett aus Metall gefertigten Fahrerhaus, das die ursprüngliche Kabine ablöste und in der Folge zum prägenden Merkmal der Baureihe wurde.
Die Angaben zur Bauzeit schwanken je nach Quelle. Ein Teil der Literatur nennt den Zeitraum 1964 bis 1982, andere Quellen setzen das Ende der Fertigung bereits 1981 an. Übereinstimmend ist lediglich der Beginn im Jahr 1964, deshalb bleibt das Feld im Datenblatt oben leer.
Beschafft wurde der Ural-375D zunächst für die sowjetischen Streitkräfte, kurz darauf auch für Armeen anderer Staaten des Warschauer Pakts. Die Nationale Volksarmee der DDR nahm das Fahrzeug ab 1964 in ihren Bestand auf, der offizielle Import in die DDR begann 1969. Dort übernahm der Ural-375D nach dem Auslaufen der Produktion des einheimischen IFA G5 in weiten Teilen dessen Rolle als Mehrzwecklastwagen für Transport-, Werkstatt- und Sonderaufbauten.
Technik im Detail
Angetrieben wird der Ural-375D von einem V8-Ottomotor des Typs ZIL-375 im Viertaktverfahren mit 180 PS. Diese Motorisierung unterscheidet ihn deutlich von seinem Nachfolger Ural-4320, der mit einem Dieselmotor ausgerüstet wurde. Für dessen Antrieb wird teils der Begriff Vielstoffmotor verwendet, der auf mehrere Kraftstoffarten ausgelegte Motoren bezeichnet. Der 375D selbst fällt nicht in diese Kategorie, er läuft ausschließlich mit Ottokraftstoff. Das ist ein technischer Bruch innerhalb der Baureihe, den man beim Vergleich beider Modelle nicht übersehen sollte.
Der Allradantrieb wirkt auf alle drei Achsen. Zusammen mit der Bauform als Frontlenker-Lkw sorgt das für hohe Geländegängigkeit auf unbefestigtem Untergrund. Die Watfähigkeit von 1,5 Metern erlaubt das Durchqueren tieferer Gewässer und aufgeweichter Böden ohne vorherige Erkundung einer Furt.
Das Fahrerhaus aus Ganzmetall, seit 1964 Standard der Baureihe, ersetzte die ursprüngliche Ausführung und verbesserte den Schutz der Besatzung gegenüber Witterung und leichten Belastungen im Geländeeinsatz. Es handelt sich dabei ausdrücklich nicht um eine Panzerung im militärischen Sinn, sondern um eine gewöhnliche Stahlkarosserie, wie sie auch zivile Lastkraftwagen der Zeit verwendeten.
Der robuste Rahmenaufbau erlaubte den Einsatz unterschiedlichster Aufbauten, von der einfachen Pritsche mit Plane über Tankaufbauten bis zu Werkstatt- und Sonderfahrzeugen. Diese Vielseitigkeit, verbunden mit einer Technik, die sich mit vergleichsweise einfachem Werkzeug instandsetzen ließ, machte den 375D zu einem der verbreitetsten Militärlastwagen des Warschauer Pakts.
Varianten
Innerhalb der Baureihe entstanden mehrere Aufbauvarianten auf demselben Fahrgestell:
- Ural-375S: Sattelzugmaschine ohne eigene Pritsche, zum Ziehen von Sattelaufliegern.
- Tankwagen-Ausführungen, unter anderem der Typ AC 5.5-375 für den Transport von Flüssigkeiten.
- Werkstattwagen und Fahrzeuge für Nachrichten- und Sondertechnik, jeweils auf dem 375D-Fahrgestell aufgebaut.
Diese Bandbreite entstand im laufenden Produktionsprogramm durch unterschiedliche Aufbauhersteller, nicht durch eine nachträgliche Kampfwertsteigerung, wie sie bei gepanzerten Fahrzeugen zur Verlängerung der Nutzungsdauer üblich ist. Beim 375D standen von Anfang an Vielseitigkeit der Basis und Austauschbarkeit der Aufbauten im Vordergrund.
Als Nachfolger in der Baureihe gilt der Ural-4320, der mit Dieselmotor eingeführt wurde und den Ottomotor-Antrieb des 375D ablöste.
Einsatz und Verbreitung
Der Ural-375D war Standardfahrzeug der sowjetischen Streitkräfte und fand darüber hinaus in mehreren Armeen des Warschauer Pakts Verwendung. Die Nationale Volksarmee der DDR beschaffte das Fahrzeug ab 1964, der offizielle Import begann 1969.
Die Angaben zum Umfang der NVA-Bestände schwanken deutlich. Eine Quelle nennt rund 3.700 Fahrzeuge unterschiedlicher Aufbauten, die zwischen 1965 und 1981 zur NVA gelangten. Eine andere Quelle beziffert den Bestand zum 3. Oktober 1990 auf über 12.600 Exemplare in verschiedenen Ausführungen. Der Unterschied lässt sich am ehesten damit erklären, dass die eine Zahl Lieferungen über einen Zeitraum beschreibt, die andere den Gesamtbestand zu einem Stichtag, in den auch länger zurückliegende Lieferungen weiterhin eingerechnet sind.
Bei der NVA übernahm der Ural-375D nach dem Ende der Fertigung des einheimischen IFA G5 einen Großteil von dessen Aufgaben als Mehrzwecklastwagen. Genutzt wurde er unter anderem für Personal- und Materialtransport, als Zugfahrzeug und mit Sonderaufbauten, etwa für Nachrichtentechnik. Auch die Grenztruppen der DDR setzten das Fahrzeug mit unterschiedlichen Aufbauten ein.
Außerhalb Europas fand der Ural-375D über Waffenexporte und Militärhilfe der Sowjetunion Verbreitung in Staaten Afrikas und Asiens. Zu genauen Stückzahlen in diesen Ländern liegen keine belastbaren, unabhängig bestätigten Angaben vor.
Verbleib heute
Erhaltene Fahrzeuge stehen heute vor allem in Museen und bei privaten Sammlern in den Staaten des ehemaligen Ostblocks sowie in Deutschland. Das Technik-Museum Pütnitz in Mecklenburg-Vorpommern zeigt unter anderem historische Fahrzeuge und Technik aus den früheren Ostblockstaaten und führt den Ural-375D in seinem Bestand.
Auf dem zivilen Gebrauchtmarkt tauchen einzelne Exemplare bei spezialisierten Anbietern für Militär- und Ostfahrzeuge auf, meist restauriert oder in unterschiedlichem Erhaltungszustand. Ein aktiver Nutzerstatus bei europäischen Streitkräften besteht nicht mehr. Das Fahrzeug ist vollständig aus dem aktiven Dienst der Nachfolgestaaten der DDR und der meisten früheren Warschauer-Pakt-Staaten ausgeschieden.
Kann man einen Ural-375D selbst fahren?
Nein, für den Ural-375D ist in unserem Verzeichnis aktuell kein Anbieter in Deutschland hinterlegt, bei dem sich das Fahrzeug selbst fahren lässt. Technisch und historisch eng verwandt ist der ZIL-131, ein weiterer sowjetischer Allrad-Lastkraftwagen mit vergleichbarer Bauzeit und gleicher Herkunft aus dem Warschauer Pakt. Die dortige Fahrzeugseite zeigt, ob und an welchen Standorten er sich derzeit fahren lässt.
Verwandte Fahrzeuge
- ZIL-131: sowjetischer Allrad-Lkw gleichen Typs und gleicher Herkunft, häufig im gleichen Einsatzumfeld genutzt.
- Ural-4320: Nachfolger in der Baureihe, mit Dieselmotor statt des Ottomotors ZIL-375.
- UralZIS-355M: nach einer Quelle unmittelbarer Vorgänger des 375D.
- Gesamtübersicht Fahrzeuge: alle in diesem Verzeichnis geführten Fahrzeuge.
Häufige Fragen
Wie schwer ist ein Ural-375D?
Der Ural-375D wiegt laut Datenblatt 8,4 Tonnen. Diese Angabe bezieht sich auf das betriebsbereite Fahrzeug. Einzelne Aufbauvarianten wie Tankwagen oder Sattelzugmaschine können davon abweichen, dazu liegen keine gesonderten Werte vor.
Wie schnell fährt ein Ural-375D?
Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 75 km/h. Dieser Wert gilt für die Straße. Im Gelände liegt das tatsächliche Tempo deutlich darunter, abhängig von Untergrund, Beladung und gewählter Achsuntersetzung.
Wie viele Ural-375D wurden gebaut?
Eine gesicherte Gesamtstückzahl liegt nicht vor. Zur Zahl der bei der Nationalen Volksarmee der DDR eingesetzten Fahrzeuge schwanken die Quellenangaben zwischen rund 3.700 und über 12.600 Exemplaren, je nachdem, ob Lieferungen über einen Zeitraum oder der Bestand zu einem Stichtag gezählt wurden.
Kann man einen Ural-375D selbst fahren?
In unserem Verzeichnis ist für den Ural-375D aktuell kein deutscher Anbieter mit Selbstfahrangebot hinterlegt. Der technisch verwandte ZIL-131 wird als vergleichbares Modell auf einer eigenen Fahrzeugseite geführt, dort finden sich aktuelle Angaben zur Fahrbarkeit.
Welcher Motor treibt den Ural-375D an?
Verbaut ist der V8-Ottomotor ZIL-375 im Viertaktverfahren mit 180 PS. Anders als der spätere Nachfolger Ural-4320 arbeitet der 375D mit Ottokraftstoff, nicht mit Diesel. Beide Antriebe sollte man nicht verwechseln.
Wann wurde der Ural-375D gebaut?
Die Quellen nennen übereinstimmend das Jahr 1964 als Beginn der Bauzeit der Ausführung 375D. Beim Ende der Fertigung weichen die Angaben voneinander ab: 1982 nach einer Quelle, 1981 nach einer anderen.
Wie tief kann ein Ural-375D durch Wasser fahren?
Die Watfähigkeit liegt laut Datenblatt bei 1,5 Metern. Der Wert gilt für das Durchqueren stehender oder langsam fließender Gewässer ohne zusätzliche Vorbereitung des Fahrzeugs, etwa durch Abdichten.