ZIL-131

ZIL-131 Gesamtansicht seitlich, ohne Wappen oder Truppenkennzeichen im Bild
Foto: kitmasterbloke, Lizenz CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Der ZIL-131 ist ein dreiachsiger Allrad-Lastkraftwagen (6×6) aus sowjetischer Produktion. Das Moskauer Werk Sawod imeni Lichatschowa baute ihn zwischen 1967 und 2010, in insgesamt rund 998.429 Exemplaren. Er löste den ZIL-157 als Standard-Lkw der sowjetischen Armee ab und diente als Basis für zahlreiche Aufbauten, von der Werkstatt bis zur Funkstation. Ein Kampffahrzeug ist der ZIL-131 nicht: Er trägt weder Bewaffnung noch Panzerung, sondern transportiert Personal, Material und Anhänger. Alle technischen Werte dieser Seite stammen aus unserer Fahrzeugdatenbank, die weiteren Modelle im Katalog finden Sie unter Fahrzeuge im Überblick.

Technische Daten

Merkmal Wert
Typ Allrad-Lastkraftwagen (6×6)
Herkunftsland Sowjetunion
Hersteller Sawod imeni Lichatschowa (ZIL), Moskau
Bauzeit 1967 bis 2010
Stückzahl 998.429
Gefechtsgewicht keine Angabe, siehe Text
Länge 7,04 m
Breite 2,50 m
Höhe 2,48 m
Motor V8-Ottomotor mit Vergaser, wassergekühlt
Leistung 150 PS
Höchstgeschwindigkeit 85 km/h
Reichweite 600 bis 630 km
Besatzung 3
Hauptbewaffnung keine Angabe (unbewaffneter Lastwagen)
Panzerung keine Angabe (ungepanzertes Fahrzeug)
Watfähigkeit 1,4 m

Zum Gefechtsgewicht gibt es keinen einzelnen Wert in der Tabelle, weil hier kein Streit zwischen Quellen vorliegt, sondern ein Unterschied zwischen zwei Ausführungen. Die frühe Bauserie mit Seilwinde wog 6,7 Tonnen, die spätere Serie ab 1985 ohne diese Zusatzausrüstung 6,135 Tonnen. Beide Zahlen sind korrekt, sie beschreiben nur unterschiedliche Versionen desselben Fahrzeugs.

Entwicklungsgeschichte

Der ZIL-131 entstand als militärische Weiterentwicklung des zivilen ZIL-130. Die sowjetische Armee brauchte einen robusteren Nachfolger für den ZIL-157, der zu diesem Zeitpunkt bereits seit Jahren im Dienst stand und an seine Grenzen kam. Anders als der ZIL-130, der ohne Allradantrieb auskam, erhielt der neue Typ eine dritte Achse und einen zuschaltbaren Vorderradantrieb, den der Fahrer über einen Schalter im Führerhaus aktivieren konnte. Damit war das Fahrzeug für den Einsatz abseits befestigter Straßen ausgelegt, ein Anforderungspunkt, der in der sowjetischen Logistik seit jeher hohe Priorität hatte.

Hauptabnehmer war die sowjetische Armee, die den ZIL-131 als universellen Trägerwagen für Transportaufgaben aller Art einsetzte. Daneben kam das Fahrzeug in der zivilen Wirtschaft der Sowjetunion zum Einsatz, etwa in der Forstwirtschaft und im Straßenbau. Die Produktion lief zwischen 1967 und 2010 im Moskauer Stammwerk und, in späteren Jahren, an einem weiteren Standort im Ural, wo die Fertigung nach dem Ende der Moskauer Linie fortgesetzt wurde. Nachfolger im eigentlichen Sinn war der ZIL-4334, der die Konstruktionsgrundsätze des ZIL-131 übernahm, aber Aufbau und Antrieb technisch modernisierte.

Der ZIL-131 blieb über Jahrzehnte nahezu unverändert im Grundkonzept, was auf ein robustes und leicht zu wartendes Fahrgestell zurückgeht. Änderungen betrafen vor allem den Motor und einzelne Ausrüstungsdetails, nicht die grundlegende Architektur des Fahrzeugs.

Technik im Detail

Der Antrieb erfolgt über einen wassergekühlten V8-Ottomotor mit Vergaser und 150 PS Leistung. Diese Motorisierung war im Vergleich zum Vorgänger ZIL-157 deutlich stärker ausgelegt und ermöglichte die Höchstgeschwindigkeit von 85 km/h auf befestigter Straße. Für ein Fahrzeug dieser Gewichtsklasse und mit drei angetriebenen Achsen war das für die damalige Zeit ein ordentlicher Wert.

Die Allradkonstruktion mit sechs Rädern und drei Achsen sorgte für hohe Traktion im unwegsamen Gelände. Der Fahrer konnte den Antrieb der vorderen Achse gezielt zuschalten, wenn die Bodenverhältnisse es erforderten, und musste ihn nicht dauerhaft nutzen. Das schonte Verschleißteile und senkte den Kraftstoffverbrauch bei Fahrten auf Asphalt oder festen Wegen.

Die Watfähigkeit von 1,4 Metern erlaubte das Durchqueren flacherer Gewässer und Furten ohne zusätzliche Vorbereitung, ein Merkmal, das für militärische Logistikfahrzeuge dieser Epoche zum Standardanspruch gehörte. In Kombination mit einer Reichweite von 600 bis 630 Kilometern konnte der ZIL-131 auch auf längeren Versorgungsstrecken ohne häufiges Nachtanken eingesetzt werden.

Der Aufbau war grundsätzlich für den Austausch verschiedener Ladeflächen und Kabinen ausgelegt. Das machte den ZIL-131 zur technischen Basis für ein breites Spektrum an Spezialaufbauten, von der einfachen Pritsche bis zur ausgerüsteten Werkstatt oder Funkstation, ohne dass am Fahrgestell selbst grundlegend etwas geändert werden musste.

Varianten

Aus der Basisversion entstand über die Bauzeit eine ganze Reihe abgeleiteter Ausführungen:

  • ZIL-131A: vereinfachte Ausführung für zivile Anwendungen, mit weniger geschützter Elektrik als die Militärversion.
  • ZIL-131B: Ausführung mit Sattelkupplung für den Einsatz als Zugmaschine.
  • ZIL-131N: modernisierte Serie ab 1985 mit Dieselmotor anstelle des ursprünglichen Ottomotors.
  • ZIL-131D: Kipperversion für Transportaufgaben, bei denen die Ladung selbsttätig abgekippt werden musste.
  • ZIL-131S: weitere Sonderausführung innerhalb der Modellfamilie.
  • ZIL-137: eigenständige Sonderversion mit zusätzlichen Achsen für den Transport besonders schwerer Lasten.

Daneben bauten verschiedene Werke den ZIL-131 zu Werkstattwagen, mobilen Laboren, Funkstationen, Tankwagen und Feuerwehrfahrzeugen um. Diese Aufbauvarianten teilten sich das Fahrgestell und den Antrieb der Basisversion, unterschieden sich aber im Zweck und in der Kabinen- oder Ladeflächenausrüstung deutlich voneinander.

Einsatz und Verbreitung

Hauptnutzer des ZIL-131 war die sowjetische Armee, die das Fahrzeug in praktisch allen Truppengattungen als Transport- und Trägerfahrzeug führte. Über den Export gelangte der Lkw auch in mit der Sowjetunion verbündete Staaten des Warschauer Pakts.

Auch die Nationale Volksarmee der DDR setzte den ZIL-131 ein, unter anderem für Versorgungsfahrten und den Transport von Personal und Material. Wie in anderen Streitkräften des Warschauer Pakts diente das Fahrgestell dabei zugleich als Basis für spezialisierte Aufbauten, etwa Werkstatt- und Funkfahrzeuge. Die NVA nutzte den ZIL-131 damit nicht als eigenständiges Waffensystem, sondern als logistisches Trägerfahrzeug innerhalb der militärischen Infrastruktur der DDR.

Der ZIL-131 war während des Kalten Kriegs eines der am weitesten verbreiteten sowjetischen Militärfahrzeuge seiner Klasse. Die hohe Stückzahl von rund 998.429 gebauten Exemplaren spiegelt diese breite Verwendung wider, sowohl im militärischen als auch im zivilen Bereich der Sowjetunion und ihrer Nachfolgestaaten.

Verbleib heute

Einzelne Exemplare sind auch in Deutschland museal dokumentiert. Der Verein Historische Technik Culitzsch führt in seiner Sammlung einen ZIL-131, der ursprünglich aus tschechischen Staatsreserven stammt. Darüber hinaus tauchen ZIL-131 bei privaten Sammlern militärhistorischer Fahrzeuge auf, vor allem in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion und in weiteren ehemaligen Warschauer-Pakt-Ländern.

Wegen der langen Bauzeit bis 2010 und der hohen Stückzahl gilt der ZIL-131 unter Sammlern und Fahrzeughaltern als vergleichsweise gut verfügbar, auch wenn die Fahrzeuge in Deutschland selten öffentlich zu sehen sind.

Kann man einen ZIL-131 selbst fahren?

Nein, der ZIL-131 steht in Deutschland nach aktuellem Datenstand nicht zum Selbstfahren zur Verfügung. Wer das Fahrgefühl eines vergleichbaren sowjetischen Allrad-Lastwagens sucht, findet auf unserer Seite zum Ural-375D Informationen zu einem Fahrzeug gleichen Typs und gleicher Herkunft: ebenfalls ein dreiachsiger Allrad-Lkw aus sowjetischer Militärproduktion derselben Epoche, mit ähnlichem Einsatzprofil in der Logistik der Warschauer-Pakt-Staaten.

Verwandte Fahrzeuge

Der ZIL-131 löste den ZIL-157 ab und wurde später vom ZIL-4334 abgelöst. Für beide Modelle gibt es im Fahrzeugkatalog aktuell noch keinen eigenen Eintrag. Technisch und historisch vergleichbar ist der Ural-375D, ein weiterer sowjetischer Allrad-Lastwagen gleicher Bauart. Die vollständige Liste aller erfassten Fahrzeuge finden Sie im Fahrzeugkatalog.

Häufige Fragen

Wie schwer ist ein ZIL-131?

Dazu gibt es keinen einzelnen Wert, weil zwei Ausführungen unterschiedlich schwer sind. Die frühe Bauserie mit Seilwinde brachte 6,7 Tonnen auf die Waage, die spätere Serie ab 1985 ohne Seilwinde 6,135 Tonnen. Beide Angaben sind korrekt, sie betreffen nur verschiedene Baujahre.

Wie schnell fährt ein ZIL-131?

Der ZIL-131 erreicht laut Datenblatt eine Höchstgeschwindigkeit von 85 km/h auf befestigter Straße. Möglich macht das der wassergekühlte V8-Ottomotor mit 150 PS in Kombination mit dem für einen dreiachsigen Allrad-Lkw vergleichsweise geringen Gewicht. Im Gelände oder mit voller Beladung liegt die tatsächlich erreichbare Geschwindigkeit naturgemäß deutlich darunter.

Wie viele ZIL-131 wurden gebaut?

Insgesamt entstanden rund 998.429 Exemplare des ZIL-131 über die gesamte Bauzeit von 1967 bis 2010. Das macht ihn zu einem der meistgebauten sowjetischen Militär-Lkw seiner Klasse, vergleichbar mit anderen weit verbreiteten Nutzfahrzeugen des Warschauer Pakts aus derselben Epoche und Gewichtsklasse.

Wie lange wurde der ZIL-131 gebaut?

Die Produktion lief laut Datenblatt von 1967 bis 2010, also über mehr als vier Jahrzehnte. In dieser Zeit blieb das Grundkonzept mit Allradantrieb und wassergekühltem Motor weitgehend unverändert, während einzelne Serien wie der ZIL-131N ab 1985 auf Dieselantrieb umgestellt wurden.

Wie viele Personen gehörten zur Besatzung?

Die Besatzung eines ZIL-131 bestand aus 3 Personen. Das umfasste den Fahrer sowie Platz für zwei weitere Insassen im Führerhaus, etwa für Beifahrer oder Ladungsbegleiter. Zusätzliches Personal auf der Ladefläche zählt dabei nicht zur eigentlichen Fahrzeugbesatzung im Sinne des Datenblatts dieser Seite.

Welchen Motor hat der ZIL-131?

Verbaut ist ein wassergekühlter V8-Ottomotor mit Vergaser und einer Leistung von 150 PS. Diese Motorisierung war deutlich stärker ausgelegt als beim Vorgänger ZIL-157. Spätere Fahrzeuge der Serie ZIL-131N erhielten stattdessen einen Dieselmotor, der im Datenblatt dieser Seite nicht separat aufgeführt ist.

Kann man einen ZIL-131 in Deutschland selbst fahren?

Nein, für den ZIL-131 gibt es aktuell keinen bekannten Anbieter in Deutschland. Vergleichbar im Typ und in der Herkunft ist der Ural-375D, ein weiterer sowjetischer Allrad-Lastwagen derselben Epoche, zu dem auf dieser Website eine eigene Fahrzeugseite mit weiteren Informationen vorliegt.