Periskop

Ein Periskop lenkt Lichtstrahlen über Spiegel oder Prismen um eine Ecke, sodass ein Beobachter etwas sehen kann, ohne selbst an der beobachteten Stelle zu stehen. Im Panzer sitzt dieser Umlenkblock in Fahrer- und Kommandantenluke sowie im Kuppelring des Turms: Er reicht durch die Panzerung, ohne dort eine offene, verwundbare Sichtöffnung zu hinterlassen. Die im Fahrzeugbau gebräuchliche einfache Bauform aus zwei Spiegeln wird auch als Winkelspiegel bezeichnet.

Periskop im Detail

Das Grundprinzip ist bei jedem Periskop gleich: An beiden Enden eines Rohrs oder Blocks sitzt je eine Umlenkfläche im 45-Grad-Winkel zum Lichtstrahl. Licht fällt oben senkrecht ein, wird nach innen abgelenkt, läuft parallel versetzt durch das Bauteil und tritt unten wieder im ursprünglichen Winkel aus. Für die Umlenkung kommen zwei Bauarten infrage: verspiegelte Flächen oder Glasprismen mit Totalreflexion. Prismen halten ihren Reflexionsgrad länger, während metallisierte Spiegelflächen mit der Zeit nachdunkeln. In gepanzerten Fahrzeugen setzt sich dennoch häufig die einfachere Spiegelbauform durch, weil sie leichter zu fertigen und zu ersetzen ist als ein Prismenblock.

Für die Verwendung in Landfahrzeugen gilt der polnische Ingenieur Rudolf Gundlach als Wegbereiter: 1936 ließ er sich dieses System patentieren. Der Kommandant gewann dadurch die Rundumsicht, ohne dass sich seine Sitzposition ändern musste. Die US-Patentschrift zum Verfahren wurde 1938 veröffentlicht. Seitdem gehört ein Kranz aus mehreren Periskopen zur Standardausstattung von Kommandantenkuppeln.

Weil ein Periskop als einzelner, austauschbarer Block verbaut ist, lässt sich ein durch Beschuss, Splitter oder groben Schmutz beschädigtes Bauteil ersetzen, ohne die gesamte Kuppel oder Luke zu tauschen. Diese Modularität ist einer der Gründe, warum sich die einfache Spiegelbauform gegenüber empfindlicheren optischen Lösungen im Feld behauptet hat.

Bedeutung beim Panzerfahren

Bei geschlossener Luke ist das Periskop die einzige Verbindung nach draußen. Das prägt jede Fahrt mit Deckel zu deutlich stärker als jede technische Beschreibung: Der Fahrer sieht nur den schmalen Bildausschnitt, den der jeweilige Winkelspiegel liefert, ohne peripheres Sehen und ohne die Möglichkeit, den Kopf einfach zur Seite zu drehen. Entfernungen und Geländekanten wirken anders als im freien Blick, und Kurven werden vorsichtiger genommen, weil sich der Bildausschnitt nicht mit dem Blickwechsel verschiebt. Beim Leopard 2 der Bundeswehr etwa stehen dem Fahrer bei geschlossener Luke drei Winkelspiegel zur Verfügung, über die er das Gelände im Blick behält. Wer bei einer Panzerfahrt einmal mit geschlossenem Deckel fährt, merkt sofort, warum Besatzungen die Luke offen lassen, sobald die Lage es zulässt.

Verwandte Begriffe

Das Periskop sitzt konstruktiv an mehreren Stellen des Fahrzeugs. Direkt betroffen sind die Kommandantenkuppel, in deren Ring die Periskope kranzförmig angeordnet sind, die Luke, durch die der Block in die Panzerung eingelassen ist, und der Turmkorb als Innenraum, von dem aus die Optik erreichbar ist. Wer die Rundumsicht des Kommandanten verstehen will, findet ergänzend Hintergrund beim Turmschwenkwerk, das den Turm unabhängig vom Periskop-Kranz dreht. Einen Überblick über weitere Begriffe bietet das Panzer-Lexikon.