Ein Truppenübungsplatz ist eine militärisch genutzte Freifläche, auf der Streitkräfte Gefechts-, Schieß- und Fahrübungen durchführen, meist mit eigenen Unterkünften und Schießbahnen. Er gilt als militärischer Sicherheitsbereich mit festgelegten Zonen, die wegen möglicher Munitionsreste dauerhaft oder zeitweise gesperrt sind. Viele Plätze in Deutschland gehen auf frühere Wehrmachts- oder NVA-Standorte zurück und werden nach dem Ende der militärischen Nutzung für Naturschutz, Solarparks oder Freizeitgelände umgenutzt.
Truppenübungsplatz im Detail
Ein Truppenübungsplatz unterscheidet sich von einem Standortübungsplatz vor allem durch Größe und Zweck. Standortübungsplätze liegen nahe an Kasernen und dienen der Ausbildung einzelner Einheiten im Alltagsbetrieb. Truppenübungsplätze sind für überregionale, verbandsweite Gefechtsübungen mit scharfem Schuss ausgelegt und deutlich größer angelegt. Der Truppenübungsplatz Altmark in Sachsen-Anhalt umfasst rund 23.000 Hektar, vergleichbare Größenordnungen erreichen nur wenige weitere Standorte in Deutschland.
Die Fläche gliedert sich in mehrere Zonen: einen Kernbereich mit Schießbahnen, Feuerstellungen und Übungsdörfern für die Gefechtsausbildung, umgebende Sicherheitszonen, die während des Übungsbetriebs zusätzlich gesperrt werden, sowie Randbereiche, die teils forstwirtschaftlich genutzt werden. Der Zutritt zum Kernbereich ist aus Sicherheitsgründen grundsätzlich untersagt, weil auch nach Übungsende Blindgänger und Munitionsreste im Boden liegen können. Diese Kampfmittelbelastung bleibt über Jahrzehnte bestehen und ist der Hauptgrund, warum ehemalige Übungsflächen erst nach aufwendiger Munitionsräumung für zivile Zwecke freigegeben werden.
Historisch reichen deutsche Truppenübungsplätze bis in die Kaiserzeit zurück. Nach 1945 nutzten in der DDR die NVA und sowjetische Streitkräfte zahlreiche Standorte, während im Westen Bundeswehr und NATO-Partner eigene Plätze unterhielten. Nach 1990 gab die Bundeswehr etliche Liegenschaften auf, insbesondere ehemalige sowjetische Standorte in Ostdeutschland. Ein Teil dieser Flächen ging in die zivile Konversion: Der frühere Truppenübungsplatz Vogelsang in der Eifel ist heute Kern des Nationalparks Eifel, aus dem Übungsgelände bei Hainich in Thüringen entstand 1997 ein weiterer Nationalpark. Auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Lieberose in der Lieberoser Heide bei Cottbus, einst dem größten Übungsgelände der sowjetischen Streitkräfte auf DDR-Gebiet, entstand 2009 auf rund 162 Hektar der Solarpark Lieberose, bei Fertigstellung das größte Solarkraftwerk Deutschlands. Nach Angaben der Bundeswehr profitiert der Naturschutz dabei auch auf weiterhin militärisch genutzten Plätzen: Großflächigkeit und geringe Störung schaffen Rückzugsräume, die auf landwirtschaftlich intensiv genutzten Flächen fehlen. Auch Naturschutzverbände bestätigen, dass ehemalige Militärflächen zu den bedeutendsten Rückzugsräumen für seltene Offenland-Arten in Deutschland zählen.
Bedeutung beim Panzerfahren
Für kommerzielle Panzerfahranlagen sind ehemalige Truppenübungsplätze häufig der Ausgangspunkt. Wo Boden und Gelände jahrzehntelang für Kettenfahrzeuge vorbereitet waren, lässt sich eine Fahrstrecke mit vertretbarem Aufwand herrichten. Betreiber übernehmen dabei in der Regel randständige, bereits geräumte Teilflächen ehemaliger NVA- oder sowjetischer Standorte, nicht den ungeräumten Kernbereich.
Genau deshalb ist die Kampfmittelbelastung auch für Sie als Fahrgast relevant, ohne dass sie den eigentlichen Fahrbetrieb betrifft: Auf einer kommerziellen Panzerfahrstrecke bewegen Sie sich ausschließlich auf freigegebenen, geprüften Wegen. Nicht geräumte Randflächen desselben Geländes bleiben aus genau dem Grund dauerhaft gesperrt, aus dem historische Truppenübungsplätze überhaupt entstanden sind: Militärische Nutzung hinterlässt Rückstände im Boden, die erst durch systematische Räumung entfernt werden. Wer beim Panzerfahren auf einem ehemaligen Übungsplatz unterwegs ist, fährt damit auf einem Gelände mit doppelter Geschichte, militärisch geprägt und zivil neu genutzt.
Verwandte Begriffe
Weitere Fachbegriffe finden Sie im Lexikon.