Zielfernrohr

Ein Zielfernrohr ist ein optisches Instrument aus Objektiv, Umkehrsystem und Okular, das ein vergrößertes, aufrechtes Bild liefert. Am Kampfpanzer ist es fest im Turm verbaut, druckdicht gekapselt und über eine Optikdurchführung mit einer Öffnung in der Turmpanzerung verbunden. Damit unterscheidet es sich von einem freistehenden Fernglas, das keine feste Einbaulage kennt.

Zielfernrohr im Detail

Der Aufbau folgt bei jedem Zielfernrohr demselben Prinzip. Das Objektiv sammelt das Licht und erzeugt ein erstes, auf dem Kopf stehendes Zwischenbild. Ein Umkehrsystem aus Linsen oder Prismen richtet dieses Bild auf und projiziert es in die zweite Bildebene. Das Okular macht dieses aufrechte Bild für das Auge sichtbar und erlaubt den Ausgleich von Fehlsichtigkeit über eine Dioptrieneinstellung. Zwischen Objektiv und Okular liegt ein Rohr, der Tubus, der alle optischen Elemente gegen Erschütterung und Verschmutzung schützt.

Die Vergrößerung ist bei Panzeroptiken ein Gerätemerkmal, keine feste Konstante. Es gibt Ausführungen mit einer festen Stufe und solche mit umschaltbarer oder stufenlos verstellbarer Vergrößerung, die einen weiten Überblick mit einem engeren, detailreicheren Bildausschnitt kombinieren. Je höher die Vergrößerung, desto kleiner das Sichtfeld, das ist eine rein optische Gesetzmäßigkeit, keine gerätespezifische Besonderheit.

Der Einbau im Turm stellt eigene Anforderungen an die Konstruktion. Der Kopf des Geräts sitzt in einer gepanzerten Öffnung, meist mit einem Schutzglas oder einer Panzerklappe versehen. Das Gehäuse ist gegen Staub, Feuchtigkeit und Druckschwankungen abgedichtet, damit sich im Inneren kein Beschlag bildet. Diese Kapselung unterscheidet ein fest eingebautes Zielfernrohr von einem tragbaren Beobachtungsgerät.

Vom Periskop unterscheidet sich das Zielfernrohr in Aufbau und Zweck. Ein Periskop, wie es die Besatzung zur Rundumsicht nutzt, verschiebt die Blickrichtung über zwei versetzte Spiegel oder Prismen nach oben, ohne notwendigerweise zu vergrößern. Der Winkelspiegel, entwickelt vom polnischen Ingenieur Rudolf Gundlach, ist eine solche Periskopbauform: Er erlaubt der Besatzung Rundumsicht aus gedeckter Stellung und wurde im weiteren Verlauf des Zweiten Weltkriegs zum verbreiteten Bauteil an Panzertürmen. Das Zielfernrohr dagegen ist optisch enger ausgelegt, meist auf eine feste Blickrichtung beschränkt und mechanisch mit der Waffenanlage gekoppelt.

Die Optikgenerationen an Panzern haben sich seither mehrfach gewandelt. Der Peri R12 für den Kampfpanzer Leopard 1 gilt laut Unternehmensgeschichte von Carl Zeiss als erstes stabilisiertes Rundblickperiskop, das der Hersteller für gepanzerte Fahrzeuge vorstellte. Es folgten Wärmebildgeräte, zunächst mit gekühlten, später mit ungekühlten Detektoren, die reine Tageslichtoptiken bei Dunkelheit und schlechter Sicht ergänzten.

Bedeutung beim Panzerfahren

Auf Erlebnisgeländen sind die Fahrzeuge entmilitarisiert. Die ursprüngliche Optik ist in vielen Fällen ausgebaut oder dauerhaft blind gemacht, aus rechtlichen und sicherheitstechnischen Gründen. Wer selbst fährt, blickt in aller Regel durch die offene Fahrerluke oder durch ein einfaches Fahrersehgerät, nicht durch das historische Zielfernrohr des Turms. Das ist keine Einschränkung, sondern der Unterschied zwischen einem musealen Originalzustand und einem für den Fahrbetrieb hergerichteten Fahrzeug.

Verwandte Begriffe

  • Kommandantenkuppel: trägt bei vielen Fahrzeugen ein eigenes Rundblickperiskop, unabhängig vom Zielfernrohr des Richtschützen.
  • Turmkorb: nimmt die Optikdurchführungen und die Halterung der Zielfernrohre auf.
  • Luke: bildet zusammen mit den Optiköffnungen die Sichtverbindung der Besatzung nach außen.
  • Turmschwenkwerk: bewegt den Turm und mit ihm die fest eingebaute Optik.

Quelle zur Entwicklungsgeschichte: ZEISS Unternehmensgeschichte, Verteidigungssysteme.