KrAZ-255B

KrAZ-255B Gesamtansicht seitlich, ohne Wappen oder Truppenkennzeichen im Bild
Foto: Rainerhaufe, Lizenz CC0, via Wikimedia Commons

Der KrAZ-255B ist ein schwerer Allrad-Lastkraftwagen mit 6×6-Antrieb aus sowjetischer Fertigung. Hergestellt wurde er im Kremenchuker Automobilwerk in der heutigen Ukraine, die Serienproduktion begann 1967 als Nachfolger des Modells KrAZ-214. Angetrieben wird der Lastwagen von einem V8-Dieselmotor mit 240 PS, der ihn auch abseits befestigter Straßen einsatzfähig macht. Bei der Nationalen Volksarmee der DDR stand der KrAZ-255 ab 1970 im Dienst, unter anderem für den Transport von Personal und Material sowie als Zugfahrzeug für Anhänger.

Die Angaben in diesem Beitrag gelten für die Grundausführung 255B. Für die Sonderaufbauten 255L als Holztransporter und 255V als Sattelzugmaschine liegen keine eigenen technischen Daten vor, da sich Fahrgestell und Aufbau gegenüber dem Pritschenfahrzeug unterscheiden.

Technische Daten

Merkmal Wert
Typ Schwerer Allrad-Lastkraftwagen (6×6)
Herkunftsland Sowjetunion (heute Ukraine)
Hersteller KrAZ (Kremenchuker Automobilwerk)
Bauzeit keine Angabe
Stückzahl keine Angabe
Gewicht 11,95 t
Länge 8,645 m
Breite 2,75 m
Höhe 3,17 m (mit Plane)
Motor JaMZ-238 (V8-Diesel, 14,86 l Hubraum)
Leistung 240 PS
Höchstgeschwindigkeit 71 km/h
Reichweite keine Angabe
Besatzung keine Angabe
Hauptbewaffnung keine Angabe
Panzerung keine Angabe
Watfähigkeit keine Angabe

Entwicklungsgeschichte

Vorläufer des KrAZ-255 war der KrAZ-214, der im selben Werk in Kremenchuk gefertigt wurde und noch mit Benzinmotor lief. Für die Streitkräfte war das ein Nachteil: hoher Verbrauch und begrenzte Reichweite bei den geforderten Einsatzradien im Gelände. Mit dem KrAZ-255 stellte das Kremenchuker Automobilwerk deshalb einen Nachfolger vor, der auf einen V8-Dieselmotor umstieg. Der Serienbeginn wird von den Quellen übereinstimmend auf das Jahr 1967 datiert, das genaue Produktionsende schwankt dagegen je nach Quelle zwischen 1989 und 1994.

Ausgelegt war der neue Lastwagen für den Einsatz abseits befestigter Straßen. Drei angetriebene Achsen im 6×6-Format, ein verstärktes Fahrgestell und eine Anhängerkupplung für schwere Lasten machten ihn zum Zugmittel für Geschütze und Anhänger ebenso wie zum Transportfahrzeug für Personal und Material. Diese Doppelrolle bestimmte die Konstruktion: eine robuste, mit Plane abgedeckte Ladefläche, kombiniert mit einer für Zugbetrieb ausgelegten Hinterachse.

Bei der Nationalen Volksarmee der DDR stand der KrAZ-255 ab 1970 im Dienst. Dort übernahm er, ähnlich wie bei der sowjetischen Armee, Aufgaben im Nachschub und beim Ziehen von Geschütz- und Geräteanhängern. Der Spitzname Sibirisches Eisenschwein, unter dem das Fahrzeug in Teilen der NVA bekannt war, verweist auf die als robust, aber wenig komfortabel empfundene Bauweise.

1979 folgte mit dem 255B1 eine überarbeitete Version der Grundausführung. Zu den genauen technischen Änderungen liegen für dieses Datenblatt keine ausreichend geprüften Angaben vor, weshalb hier nur der Umstand der Überarbeitung selbst genannt wird.

Technik im Detail

Der JaMZ-238 ist ein wassergekühlter V8-Dieselmotor mit 14,86 Litern Hubraum. Er leistet 240 PS und treibt über ein Verteilergetriebe alle drei Achsen des 6×6-Fahrgestells an. Diese Bauweise verteilt die Antriebskraft auch auf losem Untergrund auf sechs Räder und senkt das Risiko, dass der Lastwagen im Gelände stecken bleibt.

Zur Besatzung des KrAZ-255B liegen unterschiedliche Angaben vor. Eine Quelle beschreibt ein zweiköpfiges Fahrerhaus, ergänzt um 14 Sitzplätze auf der Ladefläche für den Mannschaftstransport. Eine andere Quelle nennt eine dreiplätzige Kabine. Beide Angaben lassen sich nicht ohne Weiteres in Einklang bringen, möglicherweise unterscheiden sie zwischen der reinen Fahrerhausbesetzung und der Gesamtbesatzung inklusive Ladefläche, oder zwischen unterschiedlichen Aufbauvarianten. Im Datenblatt bleibt das Feld deshalb offen.

Die Ladefläche ist mit einer Plane abgedeckt und für den Transport von Material oder Personal ausgelegt. Eine Anhängerkupplung an der Hinterachse erlaubt das Ziehen von Geschützen oder Geräteanhängern. Eine Quelle nennt für den KrAZ-255B eine Wattiefe von einem Meter, ein für ein Fahrzeug dieser Gewichtsklasse ohne Schnorchel plausibler, aber nicht doppelt bestätigter Wert.

Die Höhe von 3,17 Metern gilt mit aufgesetzter Plane, ohne sie fällt das Fahrzeug entsprechend niedriger aus. Bei einer Länge von 8,645 Metern und einer Breite von 2,75 Metern zählt der KrAZ-255B zu den größeren Lastkraftwagen seiner Zeit, eine unmittelbare Folge des 6×6-Fahrgestells mit drei Achsen.

Anders als die meisten Kettenfahrzeuge auf diesem Portal bewegt sich der KrAZ-255B nicht auf einem Kettenlaufwerk mit Laufrollen und Gleiskette, sondern auf sechs Rädern mit klassischer Blattfederung an den Achsen. Das Radfahrwerk ist einfacher aufgebaut und wartungsärmer als ein Kettenlaufwerk, dafür bleibt die Geländegängigkeit auf sehr weichem oder stark zerklüftetem Untergrund geringer.

Varianten

Die Datenlage zu den Varianten des KrAZ-255 stammt aus einer einzelnen Quelle und wird deshalb mit dieser Einschränkung wiedergegeben.

Der 255B1 löste ab 1979 die ursprüngliche Ausführung ab. Als Holztransporter diente die Variante 255L, auch als Lesowos bezeichnet, mit einer für den Stammholztransport angepassten Ladefläche. Als 255V lief eine Sattelzugmaschine vom Band, die anstelle der Pritsche eine Sattelkupplung für Auflieger trug.

Wichtig für dieses Datenblatt: Die technischen Werte in der Tabelle oben gelten ausschließlich für die Grundausführung 255B. Für 255L und 255V liegen keine eigenen geprüften Kennwerte vor, insbesondere nicht zu Gewicht, Abmessungen oder Ladekapazität, da sich Aufbau und Fahrgestellauslegung gegenüber dem Pritschenfahrzeug unterscheiden.

Auf Basis des 255B-Fahrgestells entstanden zudem Sonderaufbauten für einzelne Aufgaben. Eine Quelle nennt beispielhaft ein Fahrzeug mit der Bezeichnung PRW-16, vermutlich ein Kommunikations- oder Funkfahrzeug auf dem 255B-Chassis. Für weitere Sonderaufbauten liegen keine belastbaren Angaben vor.

Einsatz und Verbreitung

Der KrAZ-255 stand ab 1967 bei der sowjetischen Armee im Dienst und wurde von dort an mehrere Staaten des Warschauer Pakts weitergegeben. Bei der Nationalen Volksarmee der DDR war er ab 1970 eingeführt, dokumentiert unter anderem im Bestand von Nachschub- und Transportverbänden.

Zur Gesamtstückzahl schwanken die Angaben deutlich. Die deutsche Wikipedia nennt 197.155 Fahrzeuge für den Zeitraum 1967 bis 1993 und bezieht dabei alle Bauversionen der 255-Reihe ein. Die russische Wikipedia kommt für die engere B- und B1-Familie einschließlich Fahrgestellen und Sonderaufbauten auf 160.732 Einheiten bis 1994. Die Differenz erklärt sich vermutlich aus dem unterschiedlichen Zuschnitt: einmal die gesamte Modellfamilie, einmal nur die B- und B1-Ausführung, dazu ein um ein Jahr abweichendes Enddatum. Eine gesicherte Gesamtzahl lässt sich daraus nicht ableiten.

Über die sowjetischen Streitkräfte und die NVA hinaus belieferte die UdSSR weitere Warschauer-Pakt-Staaten sowie Staaten außerhalb des Bündnisses mit dem KrAZ-255. Der Lastwagen war in seiner Bauzeit ein Standardfahrzeug der Nachschubtruppen und in dieser Rolle breit verbreitet, vergleichbar mit anderen schweren sowjetischen Militär-Lkw seiner Generation. Eine sachliche Einordnung dieser Verbreitung betrachtet ihn als reguläres Logistikgerät des Kalten Krieges, ohne Bezug zu einzelnen Gefechtseinsätzen.

Verbleib heute

Im Museum für Zivil- und Wehrtechnik in Uffenheim steht ein KrAZ-255B1 mit Doppelkabine, Bergekran und Seilwinde. Das Einzelstück war zuvor bei der NVA im Einsatz, bevor es zivil weitergenutzt wurde.

Weitere erhaltene Fahrzeuge befinden sich in Deutschland bei privaten Sammlern und Militärfahrzeug-Vereinen, die auf Oldtimer- und Militärfahrzeugtreffen zu sehen sind. Eine systematische Übersicht über den Erhaltungszustand oder die Gesamtzahl noch existierender KrAZ-255 liegt nicht vor.

Der Hersteller AutoKrAZ besteht als Unternehmen bis heute und fertigt am selben Standort in Kremenchuk weiterhin schwere Lastkraftwagen, wenn auch nicht mehr das Modell 255.

Kann man einen KrAZ-255B selbst fahren?

Nein, ein KrAZ-255B steht in Deutschland derzeit an keinem verzeichneten Standort zum Selbstfahren zur Verfügung. Einen Überblick über tatsächlich fahrbare Modelle liefert die Fahrzeugübersicht.

Verwandte Fahrzeuge

Vorgänger des KrAZ-255 war der KrAZ-214, Nachfolger der KrAZ-260, beide laut einer Quelle aus demselben Werk in Kremenchuk. Weitere Lastkraftwagen und andere Fahrzeugtypen aus der Datenbank des Portals finden sich in der Fahrzeugübersicht.

Häufige Fragen

Wie schwer ist ein KrAZ-255B?

Das Gewicht des KrAZ-255B liegt bei 11,95 Tonnen. Damit zählt er zu den schweren Lastkraftwagen seiner Zeit, was sich auch in den Abmessungen von 8,645 Metern Länge und 2,75 Metern Breite zeigt, eine unmittelbare Folge des dreiachsigen 6×6-Fahrgestells.

Wie schnell fährt ein KrAZ-255B?

Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 71 km/h. Erreicht wird dieser Wert durch den JaMZ-238-Dieselmotor mit 240 PS, der über ein Verteilergetriebe alle drei Achsen des 6×6-Fahrgestells antreibt.

Wie viele KrAZ-255 wurden gebaut?

Die Angaben schwanken deutlich. Die deutsche Wikipedia nennt 197.155 Fahrzeuge aller 255-Varianten für den Zeitraum 1967 bis 1993, die russische Wikipedia 160.732 Einheiten für die engere B- und B1-Familie bis 1994. Eine gesicherte Gesamtzahl lässt sich daraus nicht ableiten.

Kann man einen KrAZ-255B selbst fahren?

Nein. In Deutschland bietet derzeit kein verzeichneter Standort das Selbstfahren eines KrAZ-255B an. Einen Überblick über tatsächlich fahrbare Modelle liefert die Fahrzeugübersicht.

Welchen Motor hat der KrAZ-255B?

Verbaut ist der JaMZ-238, ein V8-Dieselmotor mit 14,86 Litern Hubraum und 240 PS. Er treibt das rund 12 Tonnen schwere Fahrzeug über alle drei Achsen des 6×6-Fahrgestells an.

Wo steht ein KrAZ-255B heute?

Ein Exemplar mit Doppelkabine, Bergekran und Seilwinde steht im Museum für Zivil- und Wehrtechnik in Uffenheim. Weitere erhaltene Fahrzeuge befinden sich bei privaten Sammlern und Militärfahrzeug-Vereinen in Deutschland.

Was unterscheidet den KrAZ-255B von den Varianten 255L und 255V?

Der 255B ist die Grundausführung mit Pritsche und Plane. Der 255L, auch Lesowos genannt, ist laut einer Quelle ein Holztransporter mit angepasster Ladefläche, der 255V eine Sattelzugmaschine mit Sattelkupplung anstelle der Pritsche. Die technischen Daten in diesem Beitrag gelten nur für den 255B.