Der Turmdrehkranz ist die drehbare Verbindung zwischen der Wanne und dem Turm eines Kettenfahrzeugs. Er besteht aus einem großen Wälzlager mit Innen- und Außenring, das den kompletten Turm trägt und ihm eine Drehung um 360 Grad erlaubt. Gleichzeitig nimmt er das Turmgewicht sowie die Kipp- und Stoßkräfte auf, die beim Schuss und bei Geländefahrt entstehen.
Turmdrehkranz im Detail
Konstruktiv ist der Turmdrehkranz eine Kugeldrehverbindung aus zwei konzentrischen Ringen. Zwischen ihnen bewegen sich Kugeln oder Rollen auf Laufbahnen, die schräg zueinander stehen. Diese Bauform kann nicht nur Radialkräfte, sondern auch axiale Lasten und Kippmomente aufnehmen, also genau die Belastungen, die ein schwerer, drehender Turm auf einem sich bewegenden Kettenfahrzeug erzeugt. Bei sehr hohen Lasten setzen Hersteller statt Kugeln auch Rollen ein, dann spricht man von einer Rollendrehverbindung oder einem Kreuzrollenlager.
An einem der beiden Ringe sitzt meist eine Verzahnung. Dort greift das Ritzel des Turmschwenkwerks ein und dreht den Turm gezielt in die gewünschte Richtung. Der Drehkranz selbst liefert nur die Lagerung, nicht den Antrieb. Er ist mit einer Vielzahl von Schrauben rundum am Wannendach befestigt, damit sich die Last gleichmäßig in die Fahrzeugstruktur verteilt. Weil das Lager im Gelände Staub, Nässe und Vibration ausgesetzt ist, sind die Laufbahnen gedichtet und regelmäßig abzuschmieren, sonst setzt vorzeitiger Verschleiß und Spiel im Turm ein.
Bei aktuellen Kampfpanzern wie dem Leopard 2, gebaut von KNDS, gehört ein solcher Drehkranz zur serienmäßigen Turmkonstruktion. Das gleiche Grundprinzip findet sich, in anderen Dimensionen, auch bei Baggern, Kranen und Windkraftanlagen: überall dort, wo ein schwerer Aufbau spielfrei und dauerhaft drehbar gelagert werden muss.
Bedeutung beim Panzerfahren
Sitzen Sie im Kommandanten- oder Richtschützensitz, merken Sie die Wirkung des Turmdrehkranzes unmittelbar. Trotz des hohen Turmgewichts dreht der Turm ruhig und ohne Ruckeln, sobald das Turmschwenkwerk anläuft. Von außen erkennen Sie den Drehkranz am schmalen Spalt, der zwischen Wanne und Turm rundum umläuft.
Fällt der elektrische Antrieb aus, lässt sich der Turm bei vielen historischen Fahrzeugen von Hand über eine Notkurbel drehen. Das gelingt überhaupt nur, weil das Wälzlager die Reibung gering hält. Bei einer Panzerfahrt spüren Sie außerdem, warum der Drehkranz robust ausgelegt sein muss: Jede Bodenwelle, jede Kurvenfahrt und jeder Schuss belastet ihn zusätzlich zur reinen Drehbewegung.
Verwandte Begriffe
Weitere Fachbegriffe rund um Fahrzeugaufbau und Turm finden Sie im Panzer-Lexikon.
- Turmschwenkwerk: der Antrieb, der den Turm über den Drehkranz bewegt
- Turmkorb: die mitdrehende Plattform im Inneren des Turms
- Kommandantenkuppel: sitzt oberhalb des Turms und dreht mit ihm mit
- Kanonenrichtantrieb: richtet die Kanone unabhängig vom Turmschwenkwerk in der Höhe
- Luke: Zugang zum Turm, dessen Lage sich mit jeder Turmdrehung ändert