Die Steigfähigkeit gibt an, welche maximale Steigung ein Fahrzeug aus eigener Kraft überwinden kann. Sie wird in Prozent angegeben, bei sehr steilen Werten auch in Grad. Bei Kettenfahrzeugen hängt der tatsächlich erreichbare Wert stärker vom Untergrund ab als bei Radfahrzeugen, weil die Gleiskette ihre Zugkraft direkt aus der Bodenhaftung bezieht und nicht aus einzelnen Reifenaufstandsflächen.
Steigfähigkeit im Detail
Die Prozentangabe beschreibt das Verhältnis von Höhenunterschied zu horizontaler Distanz, multipliziert mit 100. Ein Meter Höhengewinn auf einem Meter waagerechter Strecke ergibt 100 Prozent. Das entspricht einem Winkel von 45 Grad. Der Zusammenhang zwischen Prozent und Grad verläuft dabei nicht linear: 35 Prozent Steigung, wie sie etwa die als besonders steil bekannte Baldwin Street aufweist, entsprechen rund 19 Grad, während sich die Kurve zu sehr hohen Prozentwerten hin immer steiler aufsteilt.
Der katalogisierte Höchstwert eines Fahrzeugs entsteht unter definierten Testbedingungen: fester, trockener Untergrund, ebene Anfahrt, volle Zuladung oder festgelegtes Testgewicht. Erreicht wird die Grenze entweder durch den Motor, wenn die Antriebskraft nicht mehr ausreicht, oder durch die Haftung, wenn die Kette trotz verfügbarer Kraft durchdreht. Welcher Faktor zuerst greift, unterscheidet sich von Fahrzeug zu Fahrzeug.
Auch in der militärischen Beschaffung ist die Prozentangabe ein fester Bestandteil des Lastenhefts. Die Bundeswehr nennt für den Geländewagen Wolf 2 eine geforderte Steigfähigkeit von 60 Prozent als Beschaffungsvorgabe. Solche Zielwerte zeigen, dass 60 Prozent in der Fahrzeugentwicklung als anspruchsvoller, aber praxisüblicher Bezugspunkt gilt, unabhängig davon, ob es sich um ein Rad- oder ein Kettenfahrzeug handelt.
Bedeutung beim Panzerfahren
Auf Erlebnisgeländen gehören Steilhänge zu den eindrucksvollsten Passagen einer Fahrstrecke. Man spürt den Winkel im Fahrersitz deutlich stärker, als es die reine Prozentzahl vermuten lässt, weil sich Motorgeräusch, Sitzposition und Blick auf die Hangkante gegenseitig verstärken.
Für den tatsächlich fahrbaren Winkel zählen vier Faktoren zusammen. Das Leistungsgewicht bestimmt, wie viel Kraft pro Tonne Fahrzeuggewicht am Hang noch zur Verfügung steht, gerade wenn die Drehzahl unter Last absinkt. Die Bodenhaftung der Kette hängt von der Stollengeometrie und vom Anpressdruck der Laufrollen ab, nicht allein vom Motor. Der Schwerpunkt begrenzt den praktisch sicheren Winkel oft schon, bevor der Antrieb an seine Grenze kommt, besonders bei Fahrzeugen mit hoch sitzendem Turm. Und der Untergrund entscheidet am Ende mehr als der Katalogwert: Nasses Gras, aufgeweichter Lehm oder loser Kies senken die real erreichbare Steigfähigkeit gegenüber dem Prospektwert spürbar, während trockener, verdichteter Boden nahe an den Testbedingungen liegt, unter denen der Katalogwert ermittelt wurde. Ein Steilhang, der am Vormittag trocken und griffig war, kann am Nachmittag nach Regen einen deutlich flacheren Kurs verlangen.
Verwandte Begriffe
Grundlagen zur Gleiskette selbst und zum Bodendruck als verwandter Kenngröße finden Sie im Lexikon, etwa unter Gleiskette und Bodendruck.