Wendekreis

Der Wendekreis ist der Durchmesser des kleinsten Kreises, den ein Fahrzeug bei vollem Lenkeinschlag beschreibt. Bei Kettenfahrzeugen reicht diese Spanne deutlich weiter als beim Auto: von großen Kurvenradien bis zum Wenden auf der Stelle, bei dem der Wendekreis auf den Fahrzeugumriss selbst schrumpft. Möglich wird das, weil die Kurve nicht über eingeschlagene Räder entsteht, sondern über die Geschwindigkeit der beiden Ketten zueinander.

Wendekreis im Detail

Beim Auto entsteht eine Kurve, weil die Vorderräder eingeschlagen werden. Ein Kettenfahrzeug hat keine lenkbaren Räder. Stattdessen läuft jede Kette mit einer eigenen Geschwindigkeit, gesteuert über das Lenkgetriebe. Je größer der Unterschied zwischen beiden Ketten, desto enger die Kurve.

Zwei Bauformen des Lenkgetriebes kommen zum Einsatz. Bei der Kupplungslenkung wird die kurveninnere Kette über eine Kupplung vom Antrieb getrennt und über eine Bremse verzögert, während die kurvenäußere Kette weiter mit Kraft versorgt wird. Ein Wenden um die eigene Achse ist mit dieser älteren Bauform in den meisten Fällen nicht möglich, weil die innere Kette bestenfalls stillsteht, aber nicht rückwärtsläuft. Es bleiben feste oder abgestufte Radien, je nach Anzahl der Kupplungsstufen.

Beim Überlagerungslenkgetriebe, wie es in Kampfpanzern verbaut ist, überlagert ein zweiter, meist hydrostatisch angetriebener Kraftfluss den Hauptantrieb über zwei gekoppelte Planetengetriebe. Eine Patentschrift des Getriebeherstellers ZF Friedrichshafen beschreibt diese Bauform als elektro-mechanisches Überlagerungslenkgetriebe für Kettenfahrzeuge. Halber Lenkeinschlag lässt eine Kette stillstehen, während die andere mit doppelter Geschwindigkeit läuft. Bei vollem Lenkeinschlag drehen beide Ketten mit gleicher Geschwindigkeit in entgegengesetzter Richtung. Das Fahrzeug dreht sich dann um die eigene Hochachse, der Wendekreis wird zum Punkt. Weil dabei keine Bremse Leistung vernichtet, sondern der Hydraulikkreis die Drehzahldifferenz liefert, arbeitet diese Bauform verlustärmer als die Kupplungslenkung.

Bedeutung beim Panzerfahren

Auf der Strecke merkt man den Unterschied sofort am Lenkverhalten. Der Fahrer bedient beim Kampfpanzer ein Lenkrad, Gas- und Bremspedal, ähnlich wie im Pkw. Die Mechanik dahinter hat mit einer Pkw-Lenkung trotzdem nichts gemein: Der Lenkeinschlag steuert nicht Räder, sondern die Drehzahldifferenz der beiden Ketten über das Lenkgetriebe. Bei engen Kurven im Gelände oder auf schmalen Wegen zeigt sich der Vorteil der Überlagerungslenkung deutlich, das Fahrzeug dreht ohne Rangieren auf der Stelle, wo ein Radfahrzeug mehrfach vor- und zurücksetzen müsste. Beim Wenden auf der Stelle steigt gleichzeitig die Belastung von Kette und Untergrund, weil sich die Kettenglieder quer zur Laufrichtung über den Boden schieben statt abzurollen. Deshalb sind Wendeübungen mit engstem Radius in der Praxis oft auf ebene, tragfähige Flächen beschränkt.

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