Bodenfreiheit

Bodenfreiheit bezeichnet bei Kettenfahrzeugen den senkrechten Abstand zwischen dem tiefsten Punkt der Fahrzeugwanne, in der Regel dem Wannenboden, und der Fahrbahn oder dem Gelände. Sie legt fest, welche Hindernishöhe ein Fahrzeug überfahren kann, ohne dass die Wanne aufsetzt. Bestimmt wird sie von der Bauhöhe des Laufwerks und, sofern vorhanden, von der Einstellung der Federung.

Bodenfreiheit im Detail

Bei den meisten Kettenfahrzeugen ist die Bodenfreiheit werkseitig festgelegt. Sie ergibt sich aus dem Durchmesser der Laufrollen, der Höhe der Gleiskette über dem Boden und der Konstruktion des Wannenbodens. Panzer mit Drehstabfederung erreichen ihre Bodenfreiheit über die Grundeinspannung der Drehstäbe: Jeder Drehstab ist fest in der Wanne verankert, das gegenüberliegende Ende trägt den Schwinghebel mit der Laufrolle. Die Vorspannung dieser Einspannung legt fest, wie weit die Wanne über der Achse der Laufrolle liegt, und damit auch die Bodenfreiheit im unbelasteten Zustand.

Einige Fahrzeuge lösen sich von dieser festen Größe. Bei hydropneumatischer Federung ersetzt eine Kombination aus Hydraulikzylinder und gasgefüllter Druckkugel den starren Drehstab. Weil sich der Öldruck in jedem Zylinder einzeln steuern lässt, kann die Wanne gegenüber dem Laufwerk angehoben oder abgesenkt werden. Die Bodenfreiheit wird damit während der Fahrt verstellbar. Der deutsch-amerikanische Versuchskampfpanzer Kampfpanzer 70 aus den 1960er Jahren nutzte dieses Prinzip serienmäßig und konnte die Wanne zusätzlich neigen. Bei aktuellen Kampfpanzern mit Drehstabfederung bleibt die Bodenfreiheit dagegen konstruktiv fest. Anpassungen an das Gelände übernehmen stattdessen der lange Federweg und die Dämpfung der einzelnen Laufrollen. Das beschreibt auch die Fachliteratur zur Fahrwerkstechnik von Kettenfahrzeugen: Ein Kettenlaufwerk muss gleichzeitig Traktion, Geländegängigkeit und Hindernisüberwindung leisten und dabei Stöße von der Besatzung fernhalten.

Bedeutung beim Panzerfahren

Auf dem Erlebnisgelände zeigt sich Bodenfreiheit an jedem Wall, jeder Grabenkante und jedem liegenden Baumstamm. Ist die Kante höher, als die Bodenfreiheit erlaubt, setzt der Wannenboden auf, bevor die Kette wieder Zug bekommt, und das Fahrzeug bleibt hängen. Fahrlehrer auf solchen Strecken wählen die Route deshalb nicht nach der Motorleistung, sondern danach, welche Hindernishöhen die Bodenfreiheit des jeweiligen Fahrzeugtyps zulässt.

Beim eigentlichen Fahren ist Bodenfreiheit kaum sichtbar, spürbar wird sie erst, wenn die Wanne über einer Bodenwelle kurz aufsetzt und einen dumpfen Schlag durch die Sitzkonsole schickt. Das ist ein Zeichen, langsamer zu fahren oder eine flachere Linie über das Hindernis zu suchen, nicht die Federung an ihr Limit zu bringen. Wer vorher weiß, dass sein Fahrzeug fest gefederte Drehstäbe statt verstellbarer hydropneumatischer Federung hat, plant Hindernisse entsprechend vorsichtiger ein.

Verwandte Begriffe

Historische und moderne Federungssysteme im direkten Vergleich zeigt das Deutsche Panzermuseum Munster.