Nebelmittelwurfanlage

Die Nebelmittelwurfanlage ist eine am Turm montierte Selbstschutzeinrichtung, die aus mehreren Wurfbechern besteht. Beim Auslösen verschießt sie Nebelwurfkörper, die innerhalb weniger Sekunden eine dichte Sichtsperre um das Fahrzeug erzeugen. Sie zählt zu den sogenannten weichen Schutzmaßnahmen, die ohne zusätzliche Panzerung wirken.

Nebelmittelwurfanlage im Detail

Die Wurfbecher sind meist in mehreren Gruppen am Turm angebracht, winkelfächernd ausgerichtet, damit sich die Nebelwolke gleichmäßig um das Fahrzeug verteilt. Beim Schützenpanzer Puma verbaut die Bundeswehr nach eigenen Angaben auf jeder Seite des Turmhecks eine richtbare Nebelmittelwurfanlage. Als Kaliber hat sich bei deutschen Fahrzeugen ein Format von 76 Millimetern durchgesetzt, das der Hersteller KNDS unter dem Namen der Wegmann-Schutzsysteme auch als eigene Produktlinie führt.

Ausgelöst wird die Anlage entweder manuell durch die Besatzung über einen Schalter im Innenraum oder automatisch. Bei der automatischen Variante übernimmt ein Laserwarngerät die Auslösung, sobald es Laserstrahlung im Umfeld des Fahrzeugs registriert. Beide Auslösewege lassen sich unabhängig voneinander nutzen, einzelne Becher oder ganze Gruppen können separat abgefeuert werden. Bei neueren Fahrzeugen ist die Nebelmittelwurfanlage häufig Teil eines größeren Selbstschutzverbunds, in dem mehrere Sensoren und Gegenmaßnahmen über eine gemeinsame Steuerung zusammenarbeiten.

Bei der Bundeswehr kommen für die Anlage Schnellnebelwurfkörper der Typen DM55A und DM35 zum Einsatz. Es handelt sich um pyrotechnische Ladungen, die beim Ausstoß aus dem Becher zünden und rasch eine große Menge Nebel freisetzen. Der Becher selbst ist ein einfaches Rohr mit Zündmechanismus, kein Geschützrohr im eigentlichen Sinn. Als weiche Schutzmaßnahme unterscheidet sich die Anlage grundsätzlich von harten Maßnahmen wie Reaktivpanzerung oder Verbundpanzerung: Sie verändert nicht die Widerstandsfähigkeit des Panzerkörpers, sondern die Sichtbedingungen um das Fahrzeug.

Bedeutung beim Panzerfahren

Wer ein Fahrzeug mit Nebelmittelwurfanlage besichtigt oder fährt, erkennt sie sofort an den kleinen, meist quadratisch gruppierten Rohren an der Turmseite oder am Turmheck. Bei zivil genutzten und musealen Fahrzeugen sind diese Becher in der Regel funktionsunfähig gemacht oder ganz ausgebaut, weil der Umgang mit pyrotechnischer Nebelmunition in Deutschland dem Sprengstoffrecht unterliegt. Eine Zündung während einer Fahrveranstaltung findet daher nicht statt. Die leeren Halterungen bleiben trotzdem sichtbar und geben einen Hinweis auf die ursprüngliche Ausstattung des Fahrzeugs. An der Anordnung der Becher lässt sich oft auch erkennen, um welche Variante eines Fahrzeugs es sich handelt, da Hersteller die Gruppierung je nach Baureihe verändert haben. Moderne Kampf- und Schützenpanzer wie Leopard 2 oder Puma tragen die Anlage serienmäßig, bei historischen Fahrzeugen älterer Baujahre ist sie dagegen seltener oder in einfacherer Form ausgeführt.

Verwandte Begriffe

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