Sturmpanzer ist die deutsche Bezeichnung für schwer gepanzerte Kettenfahrzeuge des Zweiten Weltkriegs, die auf einem vorhandenen Panzerfahrgestell aufgebaut waren, aber keinen drehbaren Turm trugen. Ein großkalibriges Infanteriegeschütz oder eine Haubitze saß fest in einem gepanzerten Kastenaufbau und diente der unmittelbaren Feuerunterstützung der Infanterie, vor allem gegen befestigte Stellungen und Gebäude. Anders als Sturmgeschütz und Jagdpanzer wurde der Sturmpanzer nicht der Artillerie, sondern der Panzertruppe zugeteilt.
Sturmpanzer im Detail
Der Bautyp entstand aus der Erfahrung des Häuserkampfs um Stalingrad im Winter 1942/43. Leichte Feldgeschütze reichten dort gegen verbunkerte Gebäude nicht aus, deshalb wurde ein Fahrzeug mit deutlich größerem Kaliber auf einem bewährten Panzerfahrgestell gefordert. Bekanntestes Ergebnis ist der Sturmpanzer IV, im Volksmund „Brummbär“ genannt, mit einer 15-cm-Sturmhaubitze 43 auf dem Fahrgestell des Panzerkampfwagen IV. Später folgte der Sturmpanzer VI, auch als „Sturmtiger“ oder Sturmmörser bekannt, auf dem Fahrgestell des Tiger I. Frühe Fahrzeuge wie der sogenannte Sturmpanzer I und der Sturmpanzer II „Bison“ trugen die Bezeichnung nur inoffiziell und werden in der Literatur uneinheitlich zugeordnet.
Von Sturmgeschütz und Jagdpanzer unterscheidet sich der Sturmpanzer vor allem durch Zweck und Zugehörigkeit. Das Sturmgeschütz war ursprünglich ein reines Infanteriebegleitfahrzeug der Artillerie und wurde erst im Kriegsverlauf zunehmend zur Panzerabwehr eingesetzt. Der Jagdpanzer war von Anfang an gezielt für die Panzerabwehr konzipiert, mit flacher Silhouette und einem Geschütz mit stark eingeschränktem Seitenrichtbereich. Der Sturmpanzer dagegen blieb auf die Bekämpfung von Stellungen und Gebäuden ausgelegt und gehörte, anders als die beiden anderen Gattungen, organisatorisch zur Panzertruppe. Baulich ähneln sich alle drei Typen: ein fester Kastenaufbau ohne Turm auf einem Kettenfahrgestell, meist mit stärkerer Frontpanzerung als die Ausgangsversion des jeweiligen Fahrgestells.
Erhalten sind aus dieser Gattung nur wenige Fahrzeuge. Das Deutsche Panzermuseum in Munster zeigt eines von weltweit nur zwei erhaltenen Exemplaren des Sturmpanzer VI. Zum Einsatz kamen Sturmpanzer unter anderem bei Kursk und in der Normandie, außerdem bei der Niederschlagung des Warschauer Aufstands 1944, in deren Verlauf die deutsche Seite Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung beging.
Bedeutung beim Panzerfahren
Wer selbst einen Kettenpanzer fährt, kennt meist Fahrzeuge mit drehbarem Turm, bei denen Fahren und Zielen getrennte Aufgaben sind. Bei einem Sturmpanzer wäre das anders: Ohne Turm lässt sich das Geschütz nur wenig seitlich schwenken, die grobe Ausrichtung übernimmt die Fahrerin oder der Fahrer über die Lenkung des gesamten Fahrzeugs. Auf Museumsgeländen und bei manchen Veranstaltern stehen neben fahrbaren Turmfahrzeugen gelegentlich auch Kasemattenfahrzeuge dieser Bauart, an ihrem kastenförmigen Aufbau ohne Turmkorb sind sie auf den ersten Blick zu erkennen. Weitere Fachbegriffe rund um Panzerfahrzeuge erklärt das Lexikon.
Verwandte Begriffe
- Turmkorb: die drehbare Kampfraumeinheit, die dem Sturmpanzer fehlt
- Turmschwenkwerk: der Antrieb, den Sturmpanzer bauartbedingt nicht besitzen
- Turmdrehkranz: die Lagerung des Turms bei turmbewehrten Fahrzeugen
- Kanonenrichtantrieb: bei Sturmpanzern meist nur für den engen Seitenrichtbereich zuständig
- Kettenlaufwerk: die Fahrwerksbasis, auf der Sturmpanzer aufgebaut wurden