AMX-10 RC

AMX-10 RC Gesamtansicht seitlich, ohne Wappen oder Truppenkennzeichen im Bild
Foto: Killyan.B13, Lizenz CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Der AMX-10 RC ist ein französisches Radaufklärungsfahrzeug mit einer Kanone, wie sie sonst bei Kampfpanzern verbaut wird. Er fährt auf sechs Rädern (6×6) statt auf Ketten und schließt damit die Lücke zwischen leichtem Spähwagen und schwerem Kampfpanzer. Entwickelt wurde er in Frankreich als Nachfolger des Panhard EBR, konstruiert bei AMX (Atelier de Construction d’Issy-les-Moulineaux) und in Serie gefertigt bei GIAT Industries, dem heutigen Nexter Systems (KNDS). Die Hauptbewaffnung ist eine 105-mm-Kanone F2, eine sogenannte Mitteldruckkanone. Bei einem Gefechtsgewicht von 15,8 Tonnen bleibt der AMX-10 RC deutlich leichter als ein klassischer Kampfpanzer, erreicht auf der Straße aber bis zu 85 km/h. In der französischen Armee wird er seit 2020 schrittweise durch den Nachfolger EBRC Jaguar ersetzt.

Technische Daten

Merkmal Wert
Typ Radaufklärungspanzer (6×6, kanonenbewaffnet)
Herkunftsland Frankreich
Hersteller AMX (Konstruktion), GIAT Industries (Serienfertigung), heute Nexter Systems (KNDS)
Bauzeit keine Angabe
Stückzahl keine Angabe
Gefechtsgewicht 15,8 t
Länge 9,15 m
Breite keine Angabe
Höhe keine Angabe
Motor Hispano-Suiza HS-115, ab 1985 Baudouin 6F11 SRX
Leistung 280 PS
Höchstgeschwindigkeit 85 km/h
Reichweite keine Angabe
Besatzung 4
Hauptbewaffnung 105-mm-Kanone F2 (Mitteldruckkanone)
Panzerung Aluminium-Wanne (Legierung 7020), nachrüstbare Stahl-Zusatzpanzerung
Watfähigkeit keine Angabe

Bauzeit, Stückzahl, Breite, Höhe und Reichweite fehlen bewusst, weil die vorliegenden Quellen sich widersprechen. Die Streuung wird im folgenden Text benannt, statt eine der Zahlen als gesichert auszugeben.

Entwicklungsgeschichte

Die französische Armee suchte in den 1960er-Jahren nach einem Nachfolger für den Panhard EBR, ein Radaufklärungsfahrzeug aus den 1950er-Jahren. Gefordert war ein schnelles, luftverladbares Fahrzeug, das trotz Radantrieb genug Feuerkraft mitbringt, um nicht nur aufzuklären, sondern auch gepanzerte Ziele zu bekämpfen. Diese Doppelrolle aus Aufklärung und Feuerunterstützung prägte die gesamte Auslegung.

Die Entwicklung begann 1970 bei AMX. 1971 liefen die ersten Prototypen, bis 1977 folgten Truppenversuche. Ab hier werden die Angaben uneinheitlich: Eine Quelle beschreibt anhand dieser Zeittafel eine Indienststellung im Oktober 1979. Das französische Verteidigungsministerium nennt dagegen 1981 als Jahr, seit dem der AMX-10 RC im Dienst steht, ein Bericht des französischen Senats spricht von 1982. Möglich ist, dass die früheste Angabe den Abschluss der Truppenerprobung als Stichtag nimmt, während die späteren Angaben den Zeitpunkt der vollständigen Einführung in die Truppe meinen. Aus den vorliegenden Quellen lässt sich das nicht abschließend klären, weshalb die Bauzeit im Datenblatt offen bleibt.

Die Serienfertigung übernahm GIAT Industries im Werk Roanne, während AMX für die Konstruktion verantwortlich blieb. Namensgebend war die Fahrzeugfamilie AMX-10, zu der auch das Kettenfahrzeug AMX-10 P zählt. Der AMX-10 RC blieb über Jahrzehnte das Aufklärungsfahrzeug der französischen Armee, bis ab 2020 die schrittweise Ablösung durch den Nachfolger EBRC Jaguar begann.

Technik im Detail

Der auffälligste Unterschied zu einem klassischen Kampfpanzer ist das Fahrwerk. Der AMX-10 RC hat keine Ketten, sondern sechs angetriebene und lenkbare Räder (6×6). Ein Kettenlaufwerk mit Laufrollen und Gleiskette fehlt vollständig, ebenso ein Treibrad zum Antrieb der Kette. Das spart Gewicht und erlaubt höhere Straßengeschwindigkeiten, kostet im Gegenzug aber Geländegängigkeit im Vergleich zu einem Kettenfahrzeug.

Die Wanne besteht aus geschweißter Aluminiumlegierung (Legierung 7020), nicht aus Verbundpanzerung, wie sie bei schwereren Kampfpanzern verbaut wird. Zusätzlich lässt sich eine nachrüstbare Stahl-Zusatzpanzerung anbringen, die als eigene Ausführung unter der Bezeichnung AMX-10 RC surblindé geführt wird. Beide Angaben betreffen nur die Bauart, nicht die tatsächliche Schutzwirkung.

Angetrieben wurde die ursprüngliche Serie von einem Hispano-Suiza HS-115 beziehungsweise HS 115-2, einem wassergekühlten, aufgeladenen V8-Dieselmotor mit 280 PS. Ab 1985 ersetzte im Zuge der weiteren Serienfertigung und per Nachrüstung ein Moteurs-Baudouin-6F11-SRX-Motor das ursprüngliche Aggregat. Dieser Motorwechsel dürfte mit erklären, warum die Quellen zur Reichweite auseinandergehen: Eine Quelle nennt 800 Kilometer, eine andere eine Spanne von 500 bis 1.000 Kilometern je nach verbautem Motor, eine dritte gibt für die mit dem Baudouin-Motor ausgerüstete Serienausführung 987 Kilometer Straßenreichweite an.

Die Hauptbewaffnung, eine 105-mm-Kanone F2, ist als Mitteldruckkanone ausgelegt, anders als die Glattrohrkanone, die sich bei modernen Kampfpanzern durchgesetzt hat. Die Besatzung besteht aus vier Personen.

Varianten

Alle Angaben in diesem Datenblatt und im Text gelten für die Grundausführung AMX-10 RC. Für die modernisierte Version AMX-10 RCR gelten eigene, hier nicht erfasste Werte, sie wird deshalb als eigenständiges Fahrzeug behandelt.

Aus der AMX-10-RC-Familie sind mehrere Varianten hervorgegangen:

  • AMX-10 RC surblindé: Ausführung mit zusätzlicher Stahl-Panzerung
  • AMX-10 RCR: modernisierte Version, laut Angaben des französischen Verteidigungsministeriums unter anderem mit zusätzlichen Schutzmaßnahmen, ABC-Schutzausstattung und der Möglichkeit zum Lufttransport per C-130. Sie zählt zu den Kampfwertsteigerungen der Grundversion
  • AMX-10 RP/RTT: Ableitung als Truppentransporter
  • AMX-10 RAA: Version mit Flugabwehrturm und 30-mm-Zwillingskanone
  • AMX-10 RAC: Version mit TS-90-Turm und 90-mm-Kanone
  • AMX-10 C: Kettenversion der Baureihe
  • AMX-10 RC TML 105: ab 1992 eingeführte Ausführung mit NATO-kompatiblem 105-mm-Turm

Exportiert wurde der AMX-10 RC unter anderem nach Marokko, Katar und Kamerun.

Einsatz und Verbreitung

Zur genauen Stückzahl gibt es keine einheitliche Angabe. Die englische Wikipedia nennt 464 gebaute Fahrzeuge, die französische Wikipedia 457 (mit einer intern widersprüchlichen Aufschlüsselung nach Ländern, die sich rechnerisch auf 476 summiert), und eine Marktanalyse aus dem Jahr 2002 kommt auf 509 Fahrzeuge einschließlich dreier Prototypen, davon zu diesem Zeitpunkt 325 im Bestand der französischen Armee sowie 108 nach Marokko und 14 nach Katar exportiert. Die Differenzen dürften teils daran liegen, ob Prototypen mitgezählt werden und zu welchem Zeitpunkt die jeweilige Quelle die Zahl erhoben hat.

Hauptnutzer war und ist die französische Armee. Exportiert wurde der AMX-10 RC zusätzlich nach Marokko, Katar und Kamerun.

Im Januar 2023 kündigte Frankreich an, der Ukraine AMX-10 RC zu liefern. Die Verteidigungsminister beider Länder einigten sich am 12. Januar 2023 auf den Lieferzeitplan, nachdem die grundsätzliche Entscheidung acht Tage zuvor zwischen den Staatspräsidenten Macron und Selenskyj gefallen war. Laut Ankündigung des französischen Verteidigungsministeriums sollten die Fahrzeuge innerhalb von zwei Monaten geliefert werden. Frankreich bezeichnete den AMX-10 RC in diesem Zusammenhang selbst als leichten Kampfpanzer, was die Doppelrolle des Fahrzeugs zwischen Aufklärung und Kampfeinsatz unterstreicht.

Verbleib heute

In der französischen Armee wird der AMX-10 RC seit 2020 schrittweise durch den Nachfolger EBRC Jaguar ersetzt, ein Radfahrzeug mit ähnlichem Konzept, aber neuerer Technik. Parallel dazu wurde ein Teil der verbliebenen Flotte auf den modernisierten Stand AMX-10 RCR gebracht.

Ein Teil der aus dem aktiven Bestand ausgemusterten Fahrzeuge ging als Militärhilfe an die Ukraine. Zu Museumsbeständen oder zivilen Sammlungen liegen keine Angaben vor, die durch zwei unabhängige Quellen gestützt sind, deshalb bleibt dieser Punkt hier offen.

Kann man einen AMX-10 RC selbst fahren?

Nein, dieses Modell steht in Deutschland nicht zum Selbstfahren zur Verfügung. Der AMX-10 RC steht in Frankreich noch im aktiven oder erst kürzlich beendeten Militärdienst, ein ziviler Fahrbetrieb ist entsprechend nicht vorgesehen. In unserer Datenbank ist aktuell kein direkt vergleichbares Radfahrzeug mit Kanone als fahrbares Modell verzeichnet. Einen Überblick über alle Fahrzeuge, die sich in Deutschland tatsächlich selbst fahren lassen, bietet die Fahrzeugübersicht.

Verwandte Fahrzeuge

Vorgänger in der französischen Armee war der Panhard EBR, ein Radaufklärungsfahrzeug aus den 1950er-Jahren. Als Nachfolger dient seit 2020 der EBRC Jaguar, der das Konzept eines kanonenbewaffneten Radfahrzeugs fortführt. Innerhalb der eigenen Fahrzeugfamilie sind die modernisierte Ausführung AMX-10 RCR und die Kettenversion AMX-10 C am engsten verwandt. Eine Übersicht aller in dieser Datenbank geführten Fahrzeuge finden Sie unter Panzer und Militärfahrzeuge.

Häufige Fragen

Wie schwer ist ein AMX-10 RC?

Das Gefechtsgewicht des AMX-10 RC liegt bei 15,8 Tonnen. Damit ist er deutlich leichter als ein klassischer Kampfpanzer, aber schwerer als ein reiner Spähwagen, was zu seiner Rolle als kanonenbewaffnetes Radfahrzeug passt.

Wie schnell fährt ein AMX-10 RC?

Auf der Straße erreicht der AMX-10 RC eine Höchstgeschwindigkeit von 85 km/h. Diesen Wert erreicht er dank des Radantriebs (6×6) leichter als ein vergleichbar bewaffnetes Kettenfahrzeug, das im Gegenzug geländegängiger ist.

Wie viele AMX-10 RC wurden gebaut?

Dazu gibt es keine einheitliche Zahl. Je nach Quelle liegen die Angaben zwischen 457 und 509 gebauten Fahrzeugen, abhängig davon, ob Prototypen mitgezählt werden und zu welchem Zeitpunkt gezählt wurde. Eine gesicherte Gesamtzahl lässt sich daraus nicht ableiten.

Wann wurde der AMX-10 RC in Dienst gestellt?

Auch hier weichen die Quellen voneinander ab: Die Angaben reichen von 1979 bis 1982. Entwickelt wurde das Fahrzeug ab 1970, die ersten Prototypen entstanden 1971, die Truppenversuche liefen bis 1977.

Welche Bewaffnung hat der AMX-10 RC?

Der AMX-10 RC trägt eine 105-mm-Kanone F2, eine sogenannte Mitteldruckkanone. Angaben zu Munitionswirkung, Zielverfahren oder taktischer Nutzung sind nicht Gegenstand dieser Seite.

Kann man einen AMX-10 RC in Deutschland selbst fahren?

Nein. Der AMX-10 RC steht in Deutschland aktuell nicht als fahrbares Modell zur Verfügung. Eine Übersicht der tatsächlich fahrbaren Fahrzeuge bietet die Fahrzeugdatenbank unter /panzer/.

Was unterscheidet den AMX-10 RC von einem Kampfpanzer?

Der wichtigste Unterschied ist das Fahrwerk: Der AMX-10 RC fährt auf sechs Rädern statt auf Ketten und ist mit 15,8 Tonnen deutlich leichter. Die Kanone im Kaliber 105 mm entspricht dagegen eher der eines Kampfpanzers, was ihn zu einem Zwischending zweier Fahrzeugklassen macht.