Hummer H1

Hummer H1 Gesamtansicht seitlich, ohne Wappen oder Truppenkennzeichen im Bild
Foto: Greg Gjerdingen, Lizenz CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Der Hummer H1 ist die zivile Variante des HMMWV, den AM General ursprünglich für das US-Militär entwickelte. Von 1992 bis 2006 baute das Unternehmen 11.818 Exemplare für den freien Markt, technisch eng verwandt mit dem Militärfahrzeug, aber ein eigenständiges Modell ohne Bewaffnung und ohne Panzerung. Der 6,5-Liter-V8-Turbodiesel leistet 197 PS und bringt den bis zu 2,19 Meter breiten Geländewagen auf 134 km/h Spitze. In Deutschland gehört der H1 bei mehreren Anbietern militärhistorischer Fahrerlebnisse zum festen Programm, häufig im selben Termin wie Fahrten mit Kettenfahrzeugen. Wo genau, zeigt die Fahrzeugübersicht von panzerfahren.de.

Technische Daten

Merkmal Wert
Typ Geländewagen
Herkunftsland USA
Hersteller AM General
Bauzeit 1992-2006
Stückzahl 11.818
Gefechtsgewicht keine Angabe
Länge 4,69 m
Breite 2,19 m
Höhe 1,96 m
Motor 6,5-Liter-V8-Turbodiesel
Leistung 197 PS
Höchstgeschwindigkeit 134 km/h
Reichweite keine Angabe
Besatzung 4
Hauptbewaffnung keine Angabe
Panzerung keine Angabe
Watfähigkeit 0,76 m

Die Angaben zum Gefechtsgewicht schwanken je nach Quelle zwischen 3,09 und 3,56 Tonnen, ein Unterschied von rund 470 Kilogramm. Das ist keine Rundungsdifferenz. Denkbar ist, dass die niedrigere Zahl das Leergewicht ohne Betriebsstoffe und Zuladung meint und die höhere das fahrbereite Gewicht, belegen lässt sich das aus den vorliegenden Quellen aber nicht eindeutig. Die Tabelle führt deshalb keinen Wert, um keine falsche Genauigkeit vorzutäuschen. Bewaffnung und Panzerung entfallen in der Tabelle grundsätzlich, der H1 ist ein ziviles Serienfahrzeug ohne beides.

Entwicklungsgeschichte

Der H1 geht auf den HMMWV zurück, den AM General ab Ende der 1970er Jahre für das US-Militär als Nachfolger des Jeep entwickelte. Die zivile Vermarktung entstand erst später und eher beiläufig. Bilder der Fahrzeuge aus dem Golfkrieg 1991 weckten in den USA öffentliches Interesse an dem robusten Geländewagen, und der Schauspieler Arnold Schwarzenegger setzte sich nach mehreren Quellen persönlich bei AM General für eine straßenzugelassene Version ein. Die ersten beiden ausgelieferten H1 gingen an ihn.

1992 begann die Serienproduktion der zivilen Variante. Gegenüber dem Militärfahrzeug erhielt der H1 unter anderem eine lackierte Karosserie, Klimaanlage, Geräuschdämmung und eine hochwertigere Innenausstattung. Technisch blieb er dem HMMWV eng verwandt: gleiche Grundkonstruktion, gleiches Fahrgestell, andere Ausstattungspakete.

Ab 1999 übernahm General Motors die Vermarktung der Marke Hummer und stellte mit dem H2 ein zweites Modell vor, das auf einem Personenwagen-Fahrgestell des Konzerns aufbaute und mit dem ursprünglichen HMMWV-Fahrzeug technisch nichts mehr gemeinsam hatte. In diesem Zusammenhang erhielt das ursprüngliche Modell rückwirkend die Bezeichnung H1, um es vom neuen H2 zu unterscheiden. Der spätere H3 folgte demselben Prinzip: eigenständige Technik unter gemeinsamem Markennamen.

Die Serienproduktion des H1 endete 2006. Grund war eine neue US-Abgasnorm für Dieselfahrzeuge, die ab 2007 galt und die der verbaute Turbodieselmotor nicht mehr erfüllte. Eine Nachfolgeversion mit neuem Motor legte AM General nicht auf, das Unternehmen konzentrierte sich stattdessen auf die weiterlaufende militärische HMMWV-Fertigung.

Technik im Detail

Der H1 ist ein reines Radfahrzeug. Anders als die Kettenfahrzeuge, mit denen er bei deutschen Anbietern oft im gleichen Fahrprogramm steht, besitzt er kein Kettenlaufwerk und keine Gleiskette: Er rollt auf vier großen Rädern mit Portalachsen, die die Bodenfreiheit gegenüber einer klassischen Starrachse deutlich erhöhen. Ohne Laufrolle und Treibrad kommt er ebenso aus wie ohne die für Kettenfahrzeuge typische Drehstabfederung. Die Radaufhängung arbeitet stattdessen mit Schraubenfedern und Stoßdämpfern an jedem Rad einzeln.

Der Allradantrieb verteilt die Kraft des 6,5-Liter-V8-Turbodiesels permanent auf alle vier Räder, ergänzt um ein Untersetzungsgetriebe und sperrbare Differenziale für den Geländeeinsatz. Die Portalachsen stammen aus der militärischen Grundkonstruktion: Die Achswellen liegen oberhalb der Radmitte, dadurch bleibt unter der Fahrzeugmitte mehr Bodenfreiheit, auch wenn der Unterboden selbst flach gebaut ist.

Die Watfähigkeit von 0,76 Metern ergibt sich aus der hohen Anordnung von Ansaugung und elektrischen Bauteilen, ein Erbe der militärischen Auslegung auf Geländetauglichkeit unter widrigen Bedingungen. Für ein ziviles Serienfahrzeug ist das ein ungewöhnlich hoher Wert, die meisten Serien-Geländewagen liegen deutlich darunter.

Karosserie und Rahmen sind eigenständige Baugruppen. Ein Leiterrahmen trägt die aufgesetzte, austauschbare Karosserie. Das erlaubte AM General die parallele Fertigung mehrerer Aufbauvarianten auf derselben technischen Basis, ohne für jede Karosserieform ein eigenes Fahrgestell zu konstruieren.

Varianten

Der H1 wurde in mehreren Karosserieformen gebaut. Neben dem offenen Softtop mit vier Türen gab es einen geschlossenen Hardtop, eine fünftürige Kombiversion (Wagon), die sogenannte Slantback-Ausführung mit schräg abfallender Heckscheibe sowie eine Pick-up-Variante mit offener Ladefläche. Alle Karosserien saßen auf demselben Leiterrahmen, was die parallele Fertigung erleichterte.

Für die letzten beiden Baujahre 2005 und 2006 legte AM General die Sonderversion H1 Alpha auf. Sie erhielt einen größeren 6,6-Liter-Duramax-Turbodiesel sowie überarbeitete Technik gegenüber den früheren Modelljahren. Von dieser Ausführung entstanden 729 Einheiten, bevor die neue US-Abgasnorm 2006 die gesamte Baureihe beendete. Damit bildet die Alpha-Version das letzte und zugleich seltenste Kapitel der H1-Geschichte.

Einsatz und Verbreitung

Der H1 war von Beginn an ein ziviles Verkaufsfahrzeug und stand nie im truppendienstlichen Einsatz. Er darf nicht mit dem HMMWV verwechselt werden, der als Militärfahrzeug bei zahlreichen Streitkräften weltweit im Dienst steht und bis heute von AM General gebaut wird. Beide Fahrzeuge teilen sich Grundkonstruktion und Fertigungslinie, laufen aber als getrennte Produkte vom Band.

Käufer des H1 waren in den 1990er und 2000er Jahren vor allem vermögende Privatpersonen in den USA, dazu einzelne Unternehmen und Behörden, die das Fahrzeug für zivile Aufgaben abseits befestigter Straßen nutzten. Der Bekanntheitsgrad stieg maßgeblich durch prominente Käufer wie Arnold Schwarzenegger, dessen Fürsprache erst zur zivilen Serienfertigung geführt hatte.

In Deutschland und Europa blieb der H1 wegen seiner Breite von 2,19 Metern und des hohen Anschaffungspreises ein Nischenfahrzeug. Zulassungen konzentrierten sich auf Liebhaber und Sammler, ein Massenmarkt wie in den USA entstand hier nie. Bei deutschen Anbietern militärhistorischer Fahrerlebnisse ist der H1 heute vor allem als Kontrastprogramm zu Kettenfahrzeugen gefragt: Besucher erleben im selben Termin ein leichtes Radfahrzeug und ein schweres Kettenfahrzeug und bekommen so ein Gefühl für den technischen Unterschied zwischen beiden Antriebsprinzipien.

Verbleib heute

Erhaltene H1 gelten heute als gesuchte Sammlerfahrzeuge. Die vergleichsweise geringe Stückzahl von 11.818 Exemplaren über die gesamte Bauzeit und das Produktionsende 2006 halten das Angebot auf dem Gebrauchtmarkt klein. Ersatzteile sind über auf Militär- und Geländefahrzeuge spezialisierte Händler weiterhin erhältlich, auch weil viele Komponenten mit dem noch produzierten HMMWV geteilt werden.

In Deutschland stehen einzelne H1 bei Fahrerlebnis-Anbietern im Fuhrpark, oft neben restaurierten Kettenfahrzeugen aus derselben Epoche. Militärhistorische Sammlungen zeigen in der Regel den militärischen HMMWV, nicht den zivilen H1, da dieser als ziviles Serienfahrzeug außerhalb des klassischen Sammlungsfokus liegt.

Wo kann ich einen Hummer H1 selbst fahren?

In Landsberg bei Halle führt der Betreiber den H1 in seiner Fahrzeugliste, dort im selben Veranstaltungsformat wie Fahrten mit Kettenfahrzeugen. In Meppen nennt der Betreiber den H1 ebenfalls, dort allerdings ohne Kettenfahrzeuge im Programm. Preisspannen und Termine wechseln je nach Anbieter und Saison. Eine aktuelle Übersicht aller fahrbaren Modelle und Standorte finden Sie in der Fahrzeugübersicht von panzerfahren.de.

Aus Fahrersicht unterscheidet sich der H1 von den meisten anderen Fahrzeugen im Programm deutlich. Lenkung, Schaltung und Sitzposition ähneln eher einem großen Geländewagen als einem Kettenfahrzeug, während die Portalachsen die Karosserie auf unebenem Gelände spürbar wanken lassen. Für Einsteiger im Bereich Geländefahrzeuge gilt der H1 wegen seiner automatischen Kraftübertragung als vergleichsweise zugänglich.

Verwandte Fahrzeuge

Der H1 ist eng mit dem militärischen HMMWV verwandt, mit dem er Rahmen und Antriebsstrang teilt. Die späteren Modelle H2 und H3 tragen zwar denselben Markennamen, beruhen technisch aber auf vollständig anderen Fahrzeugplattformen aus dem Programm von General Motors und sind mit dem ursprünglichen H1 nicht direkt vergleichbar. Wer sich für weitere geländegängige Fahrzeuge unterschiedlicher Epochen interessiert, findet die komplette Übersicht in der Fahrzeugdatenbank von panzerfahren.de.

Häufige Fragen

Wie viel wiegt ein Hummer H1?

Zum Gefechtsgewicht liegen widersprüchliche Angaben vor: Je nach Quelle werden 3,09 oder 3,56 Tonnen genannt, ein Unterschied von rund 470 Kilogramm. Vermutlich liegt der Unterschied an unterschiedlichen Messgrundlagen, etwa Leergewicht gegenüber fahrbereitem Gewicht. Eine gesicherte Einzelzahl lässt sich aus den vorliegenden Quellen nicht ableiten.

Wie schnell fährt ein Hummer H1?

Der Hummer H1 erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 134 km/h. Angetrieben wird er von einem 6,5-Liter-V8-Turbodiesel mit 197 PS, der die Kraft permanent auf alle vier Räder überträgt. Für ein Fahrzeug mit hoher Bodenfreiheit und Portalachsen ist das ein vergleichsweise hoher Wert.

Wie viele Hummer H1 wurden gebaut?

AM General fertigte zwischen 1992 und 2006 insgesamt 11.818 Exemplare des Hummer H1. Darin enthalten sind auch die 729 Einheiten der Sondervariante H1 Alpha aus den letzten beiden Baujahren 2005 und 2006 mit größerem Dieselmotor. Verglichen mit dem militärischen HMMWV, der in weit höheren Stückzahlen entstand, ist das eine kleine Serie.

Kann man einen Hummer H1 selbst fahren?

Ja. Zwei Standorte führen den H1 in ihrer Fahrzeugliste: Landsberg bei Halle, dort kombiniert mit Fahrten auf Kettenfahrzeugen, und Meppen, dort ohne Kettenfahrzeuge. Preise wechseln je nach Anbieter und Saison, eine aktuelle Übersicht bietet die Fahrzeugübersicht von panzerfahren.de.

Ist der Hummer H1 ein Militärfahrzeug?

Nein. Der H1 ist die zivile Variante des HMMWV und stand nie im truppendienstlichen Einsatz. Er trägt keine Bewaffnung und keine Panzerung. Technisch beruht er auf derselben Grundkonstruktion wie der militärische HMMWV, der bis heute bei Streitkräften weltweit im Dienst steht.

Was unterscheidet den Hummer H1 vom H2 und H3?

Nur der Markenname ist identisch. Der H1 basiert auf dem HMMWV-Fahrgestell, während H2 und H3 auf vollständig anderen Plattformen aus dem Programm von General Motors aufbauen. Die Bezeichnung H1 wurde dem ursprünglichen Modell erst nachträglich gegeben, um es von den neuen Modellen zu unterscheiden.

Wie tief kann ein Hummer H1 durch Wasser fahren?

Die Watfähigkeit des Hummer H1 liegt bei 0,76 Metern. Dieser Wert ergibt sich aus der militärischen Grundkonstruktion, bei der Ansaugung und elektrische Bauteile hoch im Fahrzeug angeordnet sind. Für ein ziviles Serienfahrzeug ist das ein ungewöhnlich hoher Wert.