Wiesel 1

Wiesel 1 Detail Laufwerk oder Turm, ohne Wappen oder Truppenkennzeichen im Bild
Foto: Banznerfahrer, Lizenz CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Der Wiesel 1 ist ein leicht gepanzertes, lufttransportfähiges Waffenträger-Kettenfahrzeug der Bundeswehr. Rheinmetall Landsysteme (vormals Krupp und MaK) baute ihn zwischen 1990 und 1992 nach einem Entwurf von Porsche als Generalunternehmer. Das Fahrzeug ersetzte den offenen Waffenträger Kraka bei den Luftlandetruppen und ist bis heute das kleinste Kettenfahrzeug im Bestand der Bundeswehr. Diese geringe Größe ist sein Alleinstellungsmerkmal: Der Wiesel lässt sich mit Transportflugzeugen und Hubschraubern verlegen und so schnell dorthin bringen, wo Fallschirmjäger ihn brauchen. Zum Selbstfahren steht der Wiesel 1 in Deutschland derzeit nicht zur Verfügung.

Technische Daten

Merkmal Wert
Typ Leicht gepanzertes, lufttransportfähiges Waffenträger-Kettenfahrzeug
Herkunftsland Deutschland
Hersteller Rheinmetall Landsysteme (vormals Krupp und MaK), Entwicklung durch Porsche als Generalunternehmer
Bauzeit 1990-1992
Stückzahl keine Angabe
Gefechtsgewicht keine Angabe
Länge keine Angabe
Breite 1,8 m
Höhe keine Angabe
Motor Fünfzylinder-Viertakt-Diesel mit Turbolader (Audi-Typ 069.4/DE, 1.986 cm³ Hubraum)
Leistung 87 PS
Höchstgeschwindigkeit 80 km/h
Reichweite 286 km
Besatzung keine Angabe
Hauptbewaffnung Je nach Variante 20-mm-Maschinenkanone MK 20 (Rh 202) oder Lenkflugkörpersystem TOW (ausgemustert), inzwischen ersetzt durch MELLS
Panzerung Wanne aus Panzerstahl
Watfähigkeit 0,5 m

Vier Werte fehlen in der Tabelle bewusst, weil sich die Angaben nicht auf eine Zahl bringen lassen. Beim Gefechtsgewicht schwanken die Quellen zwischen rund 2,75 und 3,3 Tonnen, bei der Länge zwischen 3,3 und 3,6 Metern, bei der Höhe zwischen 1,7 und 2,1 Metern. Ein Teil der Spanne erklärt sich durch die Waffenvariante: Fahrzeuge mit der Maschinenkanone MK 20 fallen kompakter aus als die Version mit Lenkflugkörpersystem. Ein weiterer Teil liegt an der Quelle selbst: bundeswehr.de nennt auf drei verschiedenen Seiten, der allgemeinen Übersicht sowie den Seiten zur MK- und zur MELLS-Variante, jeweils andere Maße für dasselbe Fahrzeug. Auch die Besatzung hängt von der Waffenvariante ab: Die MK-Version fährt mit zwei Personen, Kommandant und Kraftfahrer. Die TOW- oder MELLS-Version braucht drei Personen, weil zusätzlich ein eigener Richtschütze an Bord ist. Alle Angaben auf dieser Seite beziehen sich auf den Wiesel 1, nicht auf den größeren Wiesel 2, der eine eigene, neuere Fahrzeugfamilie bildet.

Entwicklungsgeschichte

Die Bundeswehr suchte ab Ende der 1960er Jahre nach einem Ersatz für den Kraka, den offenen Kraftkarren der Luftlandetruppen. Die taktische Forderung entstand 1973: Gesucht war ein leichtes, kettenbewegliches Fahrzeug, das sich mit Transportflugzeugen und Hubschraubern verlegen lässt und wenigstens gegen Handwaffen und Splitter schützt. Mehrere Firmen reichten Entwürfe ein, darunter Porsche, Faun, die Gesellschaft für Systemtechnik, IBH und Rheinstahl. Das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung entschied sich 1974 für den Porsche-Entwurf und beauftragte das Unternehmen als Generalunternehmer.

Porsche baute in der Folge erste Prototypen, doch das Projekt kam 1979 aus Kostengründen zum Stillstand. Da ein Ersatz für den in die Jahre gekommenen Kraka weiterhin fehlte, nahm das Beschaffungsamt das Vorhaben Anfang der 1980er Jahre wieder auf. Nach weiteren Erprobungen und einem neuen Entwicklungsvertrag mit Porsche begann Mitte der 1980er Jahre die Vorbereitung der Serienfertigung. Rheinmetall Landsysteme, damals noch als Krupp und MaK am Bau beteiligt, fertigte die Serienfahrzeuge zwischen 1990 und 1992.

Der Name Wiesel beschreibt das Konzept treffend: klein, wendig, aber bewaffnet. Anders als ein klassischer Kampfpanzer war das Fahrzeug nie für den direkten Duellkampf gegen andere gepanzerte Fahrzeuge gedacht. Es sollte Fallschirmjäger nach dem Absprung oder der Luftverladung schnell mit einer beweglichen Waffenplattform versorgen, dort, wo schwerere Kettenfahrzeuge zu groß oder zu langsam ankommen. Diese Rolle als leichter Waffenträger der Luftlandetruppen hat der Wiesel bis heute behalten, auch wenn die Bundeswehr ihn inzwischen schrittweise durch den Schweren Waffenträger Infanterie auf Basis des GTK Boxer ersetzt.

Technik im Detail

Alle Werte in diesem Abschnitt gelten für den Wiesel 1, nicht für den größeren Wiesel 2 mit eigener Fahrzeugfamilie. Der Wiesel 1 bewegt sich auf einem klassischen Kettenlaufwerk: Ein Treibrad überträgt die Motorkraft auf die Gleiskette, mehrere Laufrollen je Seite verteilen das Gewicht auf die Auflagefläche und halten den Bodendruck niedrig. Das ist mit ein Grund, warum das kleine Fahrzeug auch in weichem Gelände nicht so leicht einsinkt wie ein gleich schweres Rad-Fahrzeug.

Angetrieben wird der Wiesel von einem Fünfzylinder-Viertakt-Dieselmotor mit Turbolader aus dem Typenprogramm von Audi, mit rund 1.986 Kubikzentimetern Hubraum und 87 PS Leistung. Für ein Fahrzeug dieser Größe ist das ein kräftiger Antrieb: Er erlaubt eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h auf der Straße und eine Reichweite von 286 Kilometern, bevor nachgetankt werden muss.

Die Wanne besteht aus Panzerstahl und bietet begrenzten Schutz gegen Handwaffen und Splitter, mehr nicht. Das war beim Entwurf so gewollt: Jedes zusätzliche Kilogramm Panzerung hätte gegen das Ziel der Lufttransportfähigkeit gearbeitet. Watfähig ist der Wiesel bis 0,5 Meter Wassertiefe ohne Vorbereitung, was für das Überqueren von Gräben und flachen Gewässern im Gelände reicht.

Die durchgängige Konstruktionsidee ist ein Kompromiss aus drei Zielen, die sich normalerweise gegenseitig einschränken: Beweglichkeit im Gelände, Transportfähigkeit im Flugzeug und ausreichend Nutzlast für eine Waffenanlage. Der Wiesel löst diesen Kompromiss über sein geringes Gewicht statt über zusätzliche Panzerung. Genau das unterscheidet ihn von jedem anderen Kettenfahrzeug der Bundeswehr und macht ihn zu einem Sonderfall in der Fahrzeugfamilie.

Varianten

Der Wiesel 1 existiert in mehreren Ausführungen, die sich vor allem in der Bewaffnung unterscheiden:

  • MK 20: mit der 20-mm-Maschinenkanone MK 20 (Rh 202) bestückt, die aktive Hauptversion für die direkte Feuerunterstützung.
  • TOW / MELLS: ursprünglich mit dem Panzerabwehrlenkflugkörpersystem TOW ausgerüstet, inzwischen ausgemustert. An seine Stelle trat im Rahmen einer Kampfwertsteigerung das Mehrrollenfähige Leichte Lenkflugkörpersystem MELLS.
  • Aufklärer: ausgerüstet mit dem Autonomen Optronischen Zielsystem AOZ 2000, seit 2005 im Dienst, für Beobachtung statt Bewaffnung.
  • Fahrschulpanzer: unbewaffnete Ausbildungsversion zum Erlernen des Fahrens.

Die genannte Kampfwertsteigerung betraf nicht nur die Bewaffnung. Die Bundeswehr ließ ältere Fahrzeuge nach rund drei Jahrzehnten Nutzung modernisieren: leisere und vibrationsärmere Laufwerke, verbesserter ballistischer Schutz und Minenschutz sowie ergonomische Anpassungen an den Arbeitsplätzen der Besatzung. Ziel war, den Wiesel 1 bis zur Einführung eines Nachfolgers einsatzfähig zu halten, statt ihn komplett neu zu beschaffen.

Einsatz und Verbreitung

Der Wiesel 1 ist ausschließlich bei der Bundeswehr im Dienst, dort bei den Fallschirmjägertruppen und vergleichbaren schnellen Einsatzkräften. Eine Quelle beziffert die insgesamt gebaute Stückzahl auf 343 Fahrzeuge: 210 mit dem TOW-System, darunter 24 als Fahrschulpanzer, sowie 133 mit der Maschinenkanone MK 20. Dieselbe Quelle nennt zusätzlich sieben weitere Fahrzeuge, die für die Vereinigten Staaten gebaut wurden.

Im Auslandseinsatz war der Wiesel bei mehreren Missionen der Bundeswehr dabei, unter anderem bei UNOSOM II in Somalia, bei den Balkan-Einsätzen IFOR, SFOR und KFOR sowie beim Afghanistan-Einsatz ISAF. In diesen Einsätzen diente er den Luftlandekräften als schneller, kleiner Waffenträger, nicht als Ersatz für schwer gepanzerte Fahrzeuge.

Einen Export in größerem Umfang an andere Streitkräfte gab es nicht. Der Wiesel blieb im Kern ein Fahrzeug für die spezielle Anforderung der deutschen Luftlandetruppen, kleine Kettenfahrzeuge im Flugzeug mitzuführen. Diese enge Zielgruppe erklärt auch, warum die Stückzahl im Vergleich zu Kampfpanzern oder Schützenpanzern gering blieb.

Verbleib heute

Der Wiesel 1 steht weiterhin im aktiven Bestand der Bundeswehr. Nach der Kampfwertsteigerung soll er nach Angaben aus der Fachpresse mindestens bis 2030 im Dienst bleiben, bevor er schrittweise durch den Schweren Waffenträger Infanterie auf Basis des GTK Boxer abgelöst wird. Rheinmetall stellte dazu 2024 ein erstes Nachweismuster vor.

Ausgemusterte und historische Fahrzeuge sind in Sammlungen zu sehen. Das Deutsche Panzermuseum in Munster zeigt einen Waffenträger Wiesel 1 in der Ausführung MK 20 als Teil seiner ständigen Ausstellung zur Fahrzeugtechnik der Bundeswehr seit 1990.

Kann man einen Wiesel 1 selbst fahren?

Nein, der Wiesel 1 steht in Deutschland derzeit nicht zum Selbstfahren zur Verfügung. Als aktives Wehrmaterial der Bundeswehr ist er nicht Teil der öffentlichen Fahrangebote. Eine Übersicht aller Kettenfahrzeuge, die sich bei Anbietern in Deutschland selbst fahren lassen, finden Sie auf der Fahrzeugübersicht.

Verwandte Fahrzeuge

Der Wiesel 1 löste den Kraka ab, einen offenen Kraftkarren auf Basis eines 0,75-Tonnen-Lastwagens; das nennt eine Quelle als seinen Vorgänger. Sein technischer Nachfolger ist der Schwere Waffenträger Infanterie auf Basis des GTK Boxer, der die Aufgaben der Luftlandekräfte künftig übernehmen soll. Weitere Modelle aus der Fahrzeugdatenbank finden Sie auf der Übersichtsseite Panzer.

Häufige Fragen

Wie schwer ist ein Wiesel 1?

Für das Gefechtsgewicht gibt es keine einheitliche Angabe. Je nach Quelle liegen die Werte zwischen rund 2,75 und 3,3 Tonnen, teilweise abhängig von der Waffenvariante. Die Version mit Maschinenkanone MK 20 wird meist leichter angegeben als die Version mit Lenkflugkörpersystem TOW oder MELLS.

Wie schnell fährt ein Wiesel 1?

Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 80 km/h auf der Straße. Die Reichweite beträgt 286 Kilometer. Damit ist der Wiesel 1 für ein gepanzertes Kettenfahrzeug vergleichsweise schnell, was auch an seinem geringen Gewicht liegt.

Wie viele Wiesel 1 wurden gebaut?

Eine Quelle nennt insgesamt 343 gebaute Fahrzeuge: 210 mit dem TOW-System, darunter 24 als Fahrschulpanzer, und 133 mit der Maschinenkanone MK 20. Zusätzlich entstanden laut derselben Quelle sieben weitere Fahrzeuge für die USA.

Kann man einen Wiesel 1 selbst fahren?

Nein. Der Wiesel 1 ist aktives Wehrmaterial der Bundeswehr und steht in Deutschland nicht für kommerzielle Fahrangebote zur Verfügung. Eine Übersicht fahrbarer Kettenfahrzeuge finden Sie auf der Fahrzeugübersicht.

Wo steht ein Wiesel 1 heute?

Das Deutsche Panzermuseum in Munster zeigt einen Wiesel 1 in der Ausführung MK 20. Darüber hinaus ist der Wiesel 1 weiterhin bei der Bundeswehr im aktiven Dienst, vor allem bei den Fallschirmjägertruppen.

Wie groß ist die Besatzung eines Wiesel 1?

Das hängt von der Waffenvariante ab. Die Version mit Maschinenkanone MK 20 fährt mit zwei Personen, Kommandant und Kraftfahrer. Die Version mit Lenkflugkörpersystem TOW oder MELLS braucht drei Personen, weil zusätzlich ein eigener Richtschütze an Bord ist.

Welchen Motor hat der Wiesel 1?

Der Wiesel 1 hat einen Fünfzylinder-Viertakt-Dieselmotor mit Turbolader aus dem Typenprogramm von Audi, mit rund 1.986 Kubikzentimetern Hubraum. Die Leistung liegt bei 87 PS.