
Der T-55 ist ein sowjetischer Kampfpanzer aus der Zeit des Kalten Krieges und gilt als das meistgebaute Kampffahrzeug der Geschichte. Er entstand Ende der 1950er-Jahre als Weiterentwicklung des T-54 und bildete über Jahrzehnte das Rückgrat der Panzertruppen des Warschauer Pakts. Mit 36 Tonnen Gefechtsgewicht, einer 100-mm-Kanone und einer Besatzung von vier Soldaten war er robust gebaut und auf einfache Wartung ausgelegt. In Deutschland können Sie einen T-55 in Benneckenstein im Harz selbst fahren.
Technische Daten
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Typ | Kampfpanzer |
| Herkunftsland | Sowjetunion |
| Hersteller | keine Angabe |
| Bauzeit | keine Angabe |
| Stückzahl | keine Angabe |
| Gefechtsgewicht | 36 t |
| Länge | 9,00 m |
| Breite | 3,27 m |
| Höhe | 2,35 m |
| Motor | V-55, Zwölfzylinder-V-Dieselmotor |
| Leistung | 580 PS |
| Höchstgeschwindigkeit | 50 km/h |
| Reichweite | keine Angabe |
| Besatzung | 4 |
| Hauptbewaffnung | 100-mm-Zugrohrkanone D-10T2S |
| Panzerung | keine Angabe |
| Watfähigkeit | 1,4 m |
Bei fünf Merkmalen weichen die verfügbaren Quellen so stark voneinander ab, dass keine einzelne Zahl im Datenblatt vertretbar ist. Beim Hersteller nennt eine Quelle das Werk Nr. 183 (Uralvagonzavod) in Nischni Tagil, eine andere das Panzer- und Traktorenwerk Tscheljabinsk, eine dritte das Werk Nr. 174 (Omsktransmash) in Omsk. Tatsächlich lief die Fertigung zeitgleich in mehreren sowjetischen Werken, was die unterschiedlichen Zuschreibungen erklärt. Bei der Bauzeit reichen die Angaben von 1958 bis 1962 über 1958 bis 1965 bis Juni 1958 bis in die 1970er-Jahre, je nachdem ob nur die sowjetische Serienfertigung oder auch spätere Lizenzproduktion in anderen Staaten mitgezählt wird. Die Stückzahl schwankt zwischen 8.462 (nur UdSSR), 27.500 (alle T-55-Varianten, 1955 bis 1981) und 50.000 weltweit einschließlich Lizenzfertigung, je nach Zählweise. Die Reichweite wird mit Werten zwischen 325 und 610 Kilometern angegeben, abhängig davon, ob Zusatztanks mitgezählt und Straße oder Gelände zugrunde gelegt werden. Bei der Panzerung liegen die Angaben zur Turmfront zwischen rund 30 und 205 Millimetern. Ein möglicher Grund: Manche Quellen nennen die reale Materialstärke, andere die durch die schräge Anstellung des Panzerstahls wirksam höhere Dicke.
Entwicklungsgeschichte
Der T-55 ging aus dem T-54 hervor und sollte den sowjetischen Panzertruppen ein Fahrzeug geben, das auch unter den erwarteten Bedingungen eines Gefechts mit Massenvernichtungswaffen in Europa einsatzfähig blieb. Der Kampfraum wurde hermetisch abdichtbar gestaltet, um die Besatzung gegen radioaktiven Staub und chemische Kampfstoffe zu schützen. Gegenüber dem T-54 stiegen Motorleistung und Reichweite, ebenso der Munitionsvorrat für die 100-mm-Kanone D-10T2S. Diese wurde erstmals mit einer Stabilisierungsanlage ausgerüstet, was das Zielen aus der Bewegung erleichterte.
Turm und Wanne erhielten eine überarbeitete, geschossabweisende Form. Beim Laufwerk setzten die Konstrukteure weiter auf die bewährte Drehstabfederung, weil sie einfach zu bauen und im Feld leicht zu reparieren war. Diese Priorität auf Einfachheit statt technischer Raffinesse zog sich durch die gesamte Entwicklung: Der T-55 sollte in großer Zahl produzierbar sein und von wenig geschultem Personal unter Feldbedingungen gewartet werden können.
Die Beschaffung folgte dem sowjetischen Muster der Massenfertigung in mehreren Werken parallel. Das erklärt auch, warum sich Quellen bis heute nicht auf einen einzelnen Hersteller oder einen exakten Produktionszeitraum festlegen, wie im Abschnitt zu den technischen Daten beschrieben. Über die Bauzeit hinweg entwickelte sich der T-55 kontinuierlich weiter, ohne dass sich die Grundkonstruktion änderte. Die Serienfertigung begann 1958 als direkte Fortsetzung der T-54-Linie.
Technik im Detail
Der Antrieb des T-55 ist ein Zwölfzylinder-Dieselmotor der Baureihe V-55 mit 580 PS, der über ein mechanisches Getriebe die Treibräder am Fahrzeugheck antreibt. Diese ziehen die Gleisketten um das gesamte Kettenlaufwerk, das auf jeder Seite aus mehreren Laufrollenpaaren besteht.
Die Laufrollen des T-55 sind gegenüber dem Vorgängermodell im Abstand verändert angeordnet, um die Gewichtsverteilung zu verbessern. Gefedert werden sie über eine Drehstabfederung: Stahlstäbe, die sich bei Einfederung verdrehen und die Bewegung dämpfen. Dieses Prinzip kommt ohne hydraulische Bauteile aus, ist mechanisch robust und lässt sich im Feld mit einfachen Mitteln reparieren, ein Grund, warum sowjetische Konstrukteure es über Jahrzehnte beibehielten.
Turm und Wanne sind aus Stahl gefertigt und in ihrer Form so gestaltet, dass Geschosse möglichst abgleitet werden, statt senkrecht aufzutreffen. Die genaue Materialstärke lässt sich aus den vorliegenden Quellen nicht einheitlich bestimmen, siehe die Erläuterung im Abschnitt zu den technischen Daten.
Mit einer Watfähigkeit von 1,4 Metern kann der T-55 ohne Vorbereitung durch Gewässer mittlerer Tiefe fahren. Für tiefere Furten war eine Schnorchelausrüstung vorgesehen, die den Motor beim Unterwasserbetrieb mit Luft versorgte. Die Hauptbewaffnung, die 100-mm-Zugrohrkanone D-10T2S, ist im Turm drehbar gelagert und wird über eine Zweiachsen-Stabilisierung geführt.
Varianten
Vom T-55 entstanden mehrere Baureihen, die den Grundtyp über die Jahre an neue Anforderungen anpassten:
- T-55A: Überarbeitete Innenausstattung mit größeren Kraftstofftanks, IR-Ausrüstung für Nachtsicht bei Richtschütze und Kommandant, neuer Funktechnik und erhöhtem Munitionsvorrat für die Sekundärbewaffnung.
- T-55K: Kommandantenversion des Basismodells. Wie bei anderen K-Varianten üblich, ersetzt zusätzliche Funkausstattung einen Teil der mitgeführten Munition.
- T-55AM: Umfassendes Modernisierungspaket, unter anderem mit verstärktem Fahrwerk, einer automatischen Feuerleitanlage samt Laserentfernungsmesser und ballistischem Rechner. Ein Teil der Fahrzeuge erhielt zusätzlich Reaktivpanzerung am Turm. Diese Art der Kampfwertsteigerung wurde vor allem bei Fahrzeugen des Warschauer Pakts nachgerüstet.
- T-55AK: Kommandoversion des T-55AM mit zusätzlichen Funkgeräten anstelle eines Teils der Munition.
Die Bezeichnungen K und AK stehen durchgängig für Kommandofahrzeuge, während das A für die erste größere Überarbeitungsstufe und AM für die weitergehende Modernisierung stehen.
Einsatz und Verbreitung
Der T-55 wurde über den Warschauer Pakt hinaus an zahlreiche mit der Sowjetunion verbündete oder belieferte Staaten exportiert und in mehreren Ländern in Lizenz gefertigt. Diese breite Verbreitung über viele Jahrzehnte und Werke hinweg ist auch der Grund, warum sich Gesamtstückzahl und Produktionszeitraum in den Quellen so deutlich unterscheiden, wie oben beschrieben.
In der DDR setzte die Nationale Volksarmee den T-55 ab Mitte der 1960er-Jahre in großer Zahl als Rückgrat ihrer Panzerverbände ein. Ab 1977 kam mit dem T-72 ein moderneres Modell hinzu, ohne den T-55 vollständig zu verdrängen. Nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 musterte die Bundeswehr die aus DDR-Beständen übernommenen Fahrzeuge aus. Ein Teil ging in den Verkauf an andere Staaten, ein weiterer Teil wurde verschrottet.
Auch außerhalb des ehemaligen Warschauer Pakts blieb der T-55 über Jahrzehnte im Bestand zahlreicher Streitkräfte, oft in modernisierten Fassungen. Die technische Einfachheit der Konstruktion, die schon bei der Entwicklung im Vordergrund stand, machte ihn auch für Staaten mit begrenzten Wartungskapazitäten praktikabel.
Verbleib heute
In Deutschland ist ein T-55 AM im Deutschen Panzermuseum Munster zu sehen, ausgestellt in Halle 2, Bereich 6, zusammen mit einem Exemplar des zugehörigen Motors W-55. Das Museum ist eine gemeinsame Einrichtung der Stadt Munster und der Panzertruppenschule der Bundeswehr.
Wer den T-55 nicht nur besichtigen, sondern selbst fahren möchte, findet dazu in Deutschland einen Standort, siehe den folgenden Abschnitt.
Wo kann ich einen T-55 selbst fahren?
| Standort | Bundesland | Selbst fahren | Mitfahren | Preisspanne |
|---|---|---|---|---|
| Benneckenstein | Sachsen-Anhalt | keine Angabe | keine Angabe | keine Angabe |
Andere Standorte führen den T-55 nicht in ihrer Fahrzeugliste. Für Steinhöfel nennen ältere Quellen und einzelne Buchungsportale zwar einen T-55, der Betreiber führt dort aber nur einen Schützenpanzer BMP und einen Bergepanzer auf Leopard-Fahrgestell. Wer eine Fahrt mit dem T-55 plant, sollte das vor der Buchung direkt beim Betreiber klären.
Genaue Preise, Termine und ob Selbst- oder Mitfahren angeboten wird, nennt jeweils die verlinkte Standortseite. Diese Angaben ändern sich saisonal und liegen in der Verantwortung des jeweiligen Betreibers.
Am Steuer eines T-55 fällt zunächst das Gewicht auf: Lenkbewegungen wirken über die Bremsung einer Kette, nicht über ein Lenkrad im gewohnten Sinn. Die Sicht ist über Winkelspiegel oder eine geöffnete Fahrerluke stark eingeschränkt, und jede Bodenwelle überträgt sich unmittelbar auf den Fahrersitz.
Verwandte Fahrzeuge
Direkter Nachfolger in der sowjetischen Kampfpanzer-Linie ist der T-72, der ab Ende der 1970er-Jahre in der NVA ergänzend zum T-55 eingeführt wurde. Der T-55 selbst ging aus dem T-54 hervor, weitere spätere Entwicklungen der sowjetischen Kampfpanzer-Generation waren der T-62 und der T-64. Einen Überblick über weitere Modelle bietet die Fahrzeugübersicht.
Häufige Fragen
Wie schwer ist ein T-55?
Das Gefechtsgewicht des T-55 liegt laut Datenblatt bei 36 Tonnen. Das ist deutlich weniger als bei modernen Kampfpanzern wie dem T-72 oder westlichen Modellen der gleichen Kategorie, was auch an der schwächeren Panzerung liegt.
Wie schnell fährt ein T-55?
Die Höchstgeschwindigkeit des T-55 beträgt laut Datenblatt 50 km/h. Diesen Wert erreicht der Panzer unter günstigen Bedingungen, etwa auf befestigter Straße.
Wie viele T-55 wurden gebaut?
Die Angaben schwanken je nach Quelle und Zählweise stark: von 8.462 Fahrzeugen allein für die UdSSR über 27.500 für alle T-55-Varianten zwischen 1955 und 1981 bis zu 50.000 weltweit einschließlich Lizenzfertigung. Eine gesicherte Einzelzahl lässt sich daraus nicht ableiten.
Kann man einen T-55 selbst fahren?
Ja, in Deutschland führt ein Standort den T-55 in seiner Fahrzeugliste: Benneckenstein im Harz. Die genauen Konditionen nennt die Standortseite.
Wo steht ein T-55 heute in Deutschland?
Ein T-55 AM ist als Museumsexponat im Deutschen Panzermuseum Munster ausgestellt, in Halle 2, Bereich 6. Ein fahrbares Exemplar steht zusätzlich am Fahrstandort Benneckenstein.
Wie viele Soldaten bilden die Besatzung eines T-55?
Die Besatzung besteht laut Datenblatt aus vier Personen: Fahrer, Richtschütze, Ladeschütze und Kommandant.
Welche Bewaffnung hat der T-55?
Die Hauptbewaffnung ist eine 100-mm-Zugrohrkanone des Typs D-10T2S, ab der T-55-Baureihe zusätzlich mit Stabilisierung für das Zielen aus der Bewegung. Angaben zur Munitionswirkung sind nicht Teil dieser Seite.