
Die 2S1 Gwosdika ist eine Panzerhaubitze aus sowjetischer Produktion, ein Artilleriefahrzeug auf Kettenlaufwerk mit drehbarem Turm. Entwickelt wurde sie als organische Selbstfahrlafette für motorisierte Schützendivisionen, die mit den gepanzerten Verbänden mithalten konnte. In der Nationalen Volksarmee der DDR führte das Fahrzeug die Bezeichnung Haubitze 122 mm SFL. Hersteller war das Charkower Traktorenwerk, gebaut wurde die 2S1 zwischen 1971 und 1991 in einer Stückzahl von über 10.000 Exemplaren, hinzu kam Lizenzproduktion in Polen und Bulgarien.
Technische Daten
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Typ | Panzerhaubitze (Selbstfahrlafette) |
| Herkunftsland | Sowjetunion |
| Hersteller | Charkower Traktorenwerk |
| Bauzeit | 1971 bis 1991 |
| Stückzahl | über 10.000 (sowjetische Fertigung plus Lizenzproduktion in Polen und Bulgarien) |
| Gefechtsgewicht | 15,7 t |
| Länge | 7,26 m |
| Breite | 2,85 m |
| Höhe | 2,73 m |
| Motor | JaMZ-238N, 8-Zylinder-Turbodiesel |
| Leistung | 300 PS |
| Höchstgeschwindigkeit | 60 km/h |
| Reichweite | 500 km (Fahrstrecke auf Straße, keine Schussweite) |
| Besatzung | 4 |
| Hauptbewaffnung | 122-mm-Haubitze 2A31 (Typangabe) |
| Panzerung | bis 20 mm (Stahl) |
| Watfähigkeit | keine Angabe |
Entwicklungsgeschichte
In den 1960er-Jahren verfügten sowjetische Schützendivisionen zwar über gepanzerte Schützenpanzer und Kampfpanzer, ihre Artillerie war jedoch weiterhin überwiegend gezogen. Bei schnellen Vorstößen fiel diese Artillerie zurück oder musste erst in Stellung gebracht werden, während die gepanzerten Verbände bereits weiter vorrückten. Gesucht wurde deshalb ein Artilleriefahrzeug, das dieselbe Geländegängigkeit und Geschwindigkeit besaß wie die begleitenden Kettenfahrzeuge.
Die Antwort war die 2S1, die erste in großer Stückzahl gefertigte sowjetische Panzerhaubitze. Als Basis diente eine Fahrgestellkonstruktion, die technische Komponenten mit dem Schützenpanzer MT-LB teilte, darauf wurde ein drehbarer Turm mit der 122-mm-Haubitze 2A31 aufgesetzt. Gefertigt wurde das Fahrzeug beim Charkower Traktorenwerk, die Serienproduktion lief von 1971 bis 1991.
Mit der 2S1 stellte die sowjetische Rüstungsindustrie erstmals ein Artilleriefahrzeug bereit, das serienmäßig und in großer Zahl an motorisierte Schützendivisionen ausgegeben wurde, nicht nur als Erprobungsmuster für einzelne Verbände. Die Beschaffung folgte damit einer breiteren Umstellung der sowjetischen Streitkräfte auf gepanzerte, kettenbewegliche Ausrüstung über alle Waffengattungen hinweg, von Schützenpanzern über Kampfpanzer bis zur Divisionsartillerie.
Die Sowjetunion gab die Konstruktion nicht nur an eigene Verbände weiter, sondern auch an Partnerstaaten des Warschauer Pakts. Polen und Bulgarien erhielten Lizenzen zur eigenen Fertigung, wodurch die Gesamtstückzahl über die sowjetische Produktion hinaus auf mehr als 10.000 Fahrzeuge anwuchs. Die Nationale Volksarmee der DDR übernahm das Fahrzeug unter der eigenen Bezeichnung Haubitze 122 mm SFL und reihte es in die Divisionsartillerie ihrer motorisierten Schützen- und Panzerverbände ein.
Technik im Detail
Angetrieben wird die 2S1 von einem JaMZ-238N, einem 8-Zylinder-Turbodiesel mit 300 PS. Bei einem Gefechtsgewicht von 15,7 Tonnen reicht diese Leistung für eine Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h auf befestigter Straße. Die angegebene Reichweite von 500 km bezeichnet ausschließlich die Fahrstrecke mit einer Tankfüllung, keine Angabe zu Schussweite oder Wirkung der Bewaffnung.
Das Kettenlaufwerk der 2S1 besteht je Seite aus mehreren gummibereiften Laufrollen, die über eine Drehstabfederung am Wannenboden aufgehängt sind. Drehstäbe liegen quer im Wanneninneren und federn Bodenunebenheiten durch Verdrehung ab, ohne wie eine Blattfeder schnell zu ermüden. Angetrieben wird die Gleiskette über ein hinten liegendes Treibrad je Seite.
Die Wanne ist geschweißt und bringt es auf eine Panzerung von bis zu 20 mm Stahl. Dieser Wert schützt die Besatzung gegen Splitter und Beschuss aus Handfeuerwaffen, mehr nicht. Eine Verbundpanzerung, wie sie bei Kampfpanzern verbaut wird, besitzt die 2S1 nicht, was angesichts ihrer Rolle als Artilleriefahrzeug im zweiten Treffen so vorgesehen war. Der drehbare Turm trägt die 122-mm-Haubitze 2A31 als Hauptbewaffnung, im Datenblatt ausschließlich als Typangabe geführt.
Die Besatzung besteht aus vier Personen, verteilt auf Fahrerplatz in der Wanne und Turmbesatzung. Der Motor sitzt vorn in der Wanne, der drehbare Turm dahinter, eine Anordnung, die dem Grundlayout des MT-LB-Fahrgestells entspricht. Diese Bauweise erlaubte es, weitgehend bewährte Fahrgestellkomponenten zu übernehmen und die Entwicklungszeit für das neue Artilleriefahrzeug kurz zu halten.
Varianten
Die polnische Rüstungsindustrie erhielt Anfang der 1980er-Jahre eine Lizenz zur eigenen Fertigung. Bei Huta Stalowa Wola entstand von 1984 bis 1994 die Ausführung 2S1M Goździk. Der Zusatz M steht für eine Kampfwertsteigerung gegenüber der sowjetischen Ausgangsversion, die polnische Streitkräfte an eigene Anforderungen anpassten.
Über diese polnische Lizenzversion hinaus weist die vorliegende Datenlage keine weiteren gesicherten Bauserien der 2S1 aus. Weitergehende Modernisierungsprogramme einzelner Nutzerstaaten lassen sich anhand der geprüften Quellen nicht belastbar benennen und werden deshalb hier nicht aufgeführt.
Einsatz und Verbreitung
Die 2S1 stand ab den 1970er-Jahren bei der sowjetischen Armee sowie bei mehreren Streitkräften des Warschauer Pakts im Dienst. In der Nationalen Volksarmee der DDR trug sie die Bezeichnung Haubitze 122 mm SFL und war Teil der Divisionsartillerie motorisierter Schützen- und Panzerverbände. Mit der Auflösung der NVA nach 1990 endete auch deren Nutzung des Fahrzeugs, die Bundeswehr übernahm sowjetisches Gerät dieser Art nicht in den aktiven Bestand.
Über die Lizenzproduktion in Polen und Bulgarien hinaus wurde die 2S1 an zahlreiche weitere Staaten geliefert, die sowjetisches beziehungsweise russisches Wehrmaterial bezogen. Insgesamt entstanden über 10.000 Fahrzeuge, was die 2S1 zu einer der meistgebauten Panzerhaubitzen weltweit macht. Eine sachliche Einordnung dieser Verbreitung erfordert, sie als reguläres Divisionsgerät des Kalten Krieges zu betrachten, nicht als Gegenstand militärischer Erfolgsgeschichten.
Verbleib heute
Erhaltene Fahrzeuge stehen heute vor allem in militärhistorischen Sammlungen und Museen der ehemaligen Nutzerstaaten. In Polen zeigt das Museum in Stalowa Wola ein Exemplar der dort gefertigten Ausführung 2S1M Goździk, verbunden mit der Fertigungsgeschichte des Werks Huta Stalowa Wola.
In mehreren Nachfolgestaaten des Warschauer Pakts befinden sich Fahrzeuge dieses Typs nach wie vor in Depotbeständen. Zur aktuellen Einsatzstärke einzelner Staaten liegen für dieses Datenblatt keine belastbaren, doppelt bestätigten Angaben vor, weshalb hier keine Zahl genannt wird.
Kann man eine Panzerhaubitze 2S1 selbst fahren?
Nein, eine Panzerhaubitze 2S1 steht in Deutschland derzeit an keinem verzeichneten Standort zum Selbstfahren zur Verfügung. Anders als bei Kampf- und Schützenpanzern gehören Selbstfahrlafetten dieser Bauart bislang nicht zum Angebot der deutschen Fahranbieter. Einen Überblick über tatsächlich fahrbare Modelle liefert die Fahrzeugübersicht.
Verwandte Fahrzeuge
Weitere Kettenfahrzeuge aus der Epoche des Kalten Krieges, darunter Schützenpanzer und Kampfpanzer mit vergleichbarem Kettenlaufwerk, finden sich in der Fahrzeugübersicht des Portals.
Häufige Fragen
Wie schwer ist eine Panzerhaubitze 2S1?
Das Gefechtsgewicht der 2S1 Gwosdika liegt bei 15,7 Tonnen. Damit zählt sie zu den leichteren gepanzerten Kettenfahrzeugen ihrer Zeit, was auch die vergleichsweise kompakten Abmessungen von 7,26 Metern Länge erklärt.
Wie schnell fährt eine Panzerhaubitze 2S1?
Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 60 km/h auf befestigter Straße. Erreicht wird dieser Wert durch den JaMZ-238N-Turbodiesel mit 300 PS bei einem Gefechtsgewicht von 15,7 Tonnen.
Wie weit kommt eine Panzerhaubitze 2S1 mit einer Tankfüllung?
Die angegebene Reichweite beträgt 500 km. Dieser Wert bezeichnet ausschließlich die Fahrstrecke auf der Straße, keine Schussweite der 122-mm-Haubitze 2A31.
Wie viele Panzerhaubitzen 2S1 wurden gebaut?
Insgesamt entstanden über 10.000 Fahrzeuge. Diese Zahl umfasst die sowjetische Fertigung beim Charkower Traktorenwerk sowie die Lizenzproduktion in Polen und Bulgarien.
Kann man eine Panzerhaubitze 2S1 selbst fahren?
Nein. In Deutschland bietet derzeit kein verzeichneter Standort das Selbstfahren einer 2S1 an. Einen Überblick über tatsächlich fahrbare Modelle liefert die Fahrzeugübersicht.
Welchen Motor hat die Panzerhaubitze 2S1?
Verbaut ist ein JaMZ-238N, ein 8-Zylinder-Turbodiesel mit 300 PS. Er treibt das 15,7 Tonnen schwere Fahrzeug über das Kettenlaufwerk auf eine Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h.
Wo steht eine Panzerhaubitze 2S1 heute?
Erhaltene Fahrzeuge stehen in militärhistorischen Museen der ehemaligen Nutzerstaaten, darunter ein Exemplar der polnischen Ausführung 2S1M Goździk im Museum in Stalowa Wola. Zu weiteren Standorten liegen keine belastbaren, doppelt bestätigten Angaben vor.