
Der T-72 ist ein Kampfpanzer aus sowjetischer Entwicklung und einer der meistgebauten Kampfpanzer der Welt. Entwickelt wurde er ab Anfang der 1970er-Jahre bei Uralvagonzavod im Werk Nischni Tagil, als produktionsfreundlichere Ergänzung neben dem technisch aufwendigeren T-64. Mit einem Gefechtsgewicht von 41,5 Tonnen, einem Zwölfzylinder-Mehrstoffdieselmotor mit 780 PS und einer 125-mm-Glattrohrkanone gehört er zur Generation sowjetischer Kampfpanzer des Kalten Krieges, die in mehreren Staaten in Lizenz gefertigt und breit exportiert wurden. Die Werte auf dieser Seite gelten für die sowjetische Grundversion. Die zahlreichen späteren Exportvarianten weichen davon teils deutlich ab und sind stellenweise erheblich schwerer.
Technische Daten
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Typ | Kampfpanzer |
| Herkunftsland | Sowjetunion |
| Hersteller | Uralvagonzavod |
| Bauzeit | keine Angabe |
| Stückzahl | keine Angabe |
| Gefechtsgewicht | 41,5 t |
| Länge | keine Angabe |
| Breite | keine Angabe |
| Höhe | 2,19 m |
| Motor | V-46, Zwölfzylinder-V-Mehrstoffdieselmotor |
| Leistung | 780 PS |
| Höchstgeschwindigkeit | 60 km/h |
| Reichweite | 500 km |
| Besatzung | 3 |
| Hauptbewaffnung | 125-mm-Glattrohrkanone D-81TM |
| Panzerung | keine Angabe |
| Watfähigkeit | 1,2 m |
Fünf Zeilen bleiben bewusst offen. Zur Bauzeit nennt eine Quelle die Jahre 1974 bis 1979 für die Serienfertigung der Grundversion „Ural“ (Objekt 172M), mit Dienstannahme bereits 1973, jedoch ohne Enddatum der ersten Serie. Die Stückzahl schwankt stark je nach Zählweise: Eine Quelle nennt über 20.000 Fahrzeuge allein aus der Fertigung bei Uralvagonzavod zwischen 1974 und 1990 über alle Modifikationen, eine andere rund 50.000, eine dritte über 25.000. Bei Länge und Breite liegt die Abweichung vermutlich am Messpunkt: Eine Quelle nennt 6,86 m Länge (bezogen auf die Wanne) und 3,46 m Breite (über die Schmutzfänger gemessen), eine andere 6,91 m und 3,58 m ohne nähere Angabe des Messpunkts. Zur Panzerung liegt keine belastbare Einzelangabe vor.
Entwicklungsgeschichte
Die sowjetische Kampfpanzerentwicklung der 1960er-Jahre verlief in mehreren parallelen Linien. Am Werk in Charkow entstand mit dem T-64 ein technisch anspruchsvoller Kampfpanzer mit neuartigem automatischem Ladesystem und aufwendiger Laufwerkskonstruktion. Seine Fertigung war komplex und im Wesentlichen auf ein einzelnes Werk konzentriert.
Das Konstruktionsbüro OKB-520 unter Leitung von Leonid Kartsev bei Uralvagonzavod in Nischni Tagil entwickelte parallel dazu ein Fahrzeug, das auf bewährten, einfacher zu fertigenden Baugruppen aufbaute und sich leichter in mehreren Werken gleichzeitig herstellen ließ. Ziel war ein Kampfpanzer, der sich als robustere, wartungsärmere und in großer Stückzahl leichter fertigbare Ergänzung zum aufwendigeren T-64 eignete, auch unter Mobilisierungsbedingungen. Diese Auslegung als produktionsfreundliche Ergänzung zum technisch komplexeren T-64 beschreiben sowohl eine US-amerikanische Fachpublikation als auch eine russische Museumsdarstellung übereinstimmend.
Aus dieser Arbeit ging das intern als Objekt 172M geführte Projekt hervor, das später als T-72 in Dienst gestellt wurde. Die Erprobung der frühen Baumuster und der anschließende Serienanlauf fielen in die erste Hälfte der 1970er-Jahre. Zu den genauen Jahreszahlen von Dienstannahme und Serienbeginn liegt nur eine Quelle vor, weshalb sie im Datenblatt oben als offen geführt werden und nicht als gesicherte Zahl erscheinen.
Der T-72 blieb dabei kein starres Serienmodell. Schon während der laufenden Fertigung flossen Verbesserungen an Optik, Turmpanzerung und Elektronik ein, die in mehreren Baulosen und in der späteren Bezeichnung T-72A mündeten. Diese schrittweise Weiterentwicklung während laufender Serienproduktion war für sowjetische Rüstungsprojekte dieser Zeit typisch und unterscheidet sich von einer klar abgegrenzten Modellfolge mit fest getrennten Baureihen.
Technik im Detail
Angetrieben wird der T-72 von einem V-46, einem Zwölfzylinder-V-Mehrstoffdieselmotor mit 780 PS. Dieser Motortyp kann neben Dieselkraftstoff auch andere Kraftstoffarten und Mischungen daraus verbrennen, was die Versorgung im Feld unabhängiger von einer einzelnen Kraftstoffsorte macht. Bei einem Gefechtsgewicht von 41,5 Tonnen ergibt sich daraus eine Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h auf der Straße und eine Reichweite von 500 Kilometern.
Das Kettenlaufwerk läuft über eine Drehstabfederung, die Bodenunebenheiten ausgleicht. Die Laufrollen führen die Gleisketten, angetrieben über das hinten liegende Treibrad. Diese Anordnung mit hinterem Antrieb war bei sowjetischen Kettenfahrzeugen dieser Generation Standard und erleichterte den Zugang zum Triebwerksraum für Wartungsarbeiten.
Die niedrige Silhouette des T-72 gegenüber westlichen Kampfpanzern derselben Zeit ergibt sich vor allem aus der liegenden Sitzposition der Besatzung und einem flachen Turm. Auf einen vierten Besatzungsangehörigen als Ladeschütze verzichtet die Konstruktion zugunsten eines automatischen Ladesystems im Turm, wodurch die Besatzung auf 3 Personen sinkt. Das beschreibt das Konstruktionsprinzip, keine Angabe zur Wirkung der Bewaffnung.
Bewaffnet ist der T-72 mit der 125-mm-Glattrohrkanone D-81TM. Sie ist hier ausschließlich als Typbezeichnung zu verstehen, Angaben zu Munitionswirkung oder Zielverfahren sind auf dieser Seite bewusst ausgespart.
Zur genauen Panzerung liegt für den T-72 keine belastbare Einzelangabe vor. Bekannt ist allgemein, dass Kampfpanzer dieser Generation, anders als der ältere T-55, teilweise bereits Verbundpanzerung einsetzten. Für den T-72 selbst lässt sich das anhand der vorliegenden Daten nicht beziffern. Die Watfähigkeit von 1,2 Metern gibt an, bis zu welcher Wassertiefe der T-72 ohne vorbereitende Abdichtung ein Gewässer durchqueren kann.
Varianten
Zu den Varianten des T-72 liegt nur eine Quelle vor, die Angabe gilt deshalb nicht als gesichert. Diese Quelle nennt T-72A, T-72B und T-72M1 als spätere Baureihen sowie eine größere Zahl von Exportmodellen.
Der T-72A gilt in dieser Quelle als erste größere Kampfwertsteigerung der Grundversion, mit überarbeiteter Turmpanzerung und verbesserter Optik. Der T-72B baute darauf auf. Das T-72M1 firmiert als Exportausführung, die vor allem an Staaten des ehemaligen Warschauer Pakts sowie weitere Abnehmer ging und teils in Lizenz gefertigt wurde, unter anderem in der damaligen Tschechoslowakei und in Polen.
Über die genannten Baureihen hinaus verweisen die Quellen auf eine größere Zahl weiterer Exportvarianten mit angepasster Ausstattung, deren genaue technische Abweichungen sich anhand der vorliegenden Daten nicht einheitlich beziffern lassen. Wichtig für die Einordnung: Die Datenwerte auf dieser Seite beziehen sich ausschließlich auf die sowjetische Grundversion. Viele Exportvarianten unterscheiden sich davon deutlich, etwa durch zusätzliche Panzerungspakete, die das Gefechtsgewicht gegenüber der Grundversion spürbar erhöhen.
Einsatz und Verbreitung
Der T-72 wurde zur Standardausstattung der sowjetischen Panzertruppen und blieb bis zum Ende der Sowjetunion 1991 in großer Zahl im aktiven Dienst. Über die Sowjetunion hinaus liefen Lizenzfertigungen in mehreren Staaten des Warschauer Pakts an, unter anderem in der Tschechoslowakei und in Polen, sowie im ehemaligen Jugoslawien unter der eigenständigen Bezeichnung M-84. Diese Lizenzproduktion machte den T-72 zu einem der am weitesten verbreiteten Kampfpanzer des Kalten Krieges außerhalb der NATO-Staaten.
Nach Angabe einer Quelle setzen oder setzten mehr als 30 Streitkräfte weltweit den T-72 oder direkte Ableitungen wie den M-84 ein, von osteuropäischen NATO-Mitgliedern über den Nahen Osten bis nach Nordafrika und Südasien. Die genaue Zahl schwankt je nach Quelle und danach, ob Lizenzbauten mitgezählt werden. Beschrieben wird hier bewusst nur die organisatorische Seite dieser Verbreitung, nicht einzelne Kampfhandlungen.
Verbleib heute
In Deutschland sind erhaltene T-72 vor allem auf früheren Bundeswehr- und NVA-Übungsgeländen zu finden, wo sie laut einer Quelle unter anderem als Ziel- oder Anschauungsobjekt an mehreren Standorten dienen und nicht museal aufbereitet sind.
Nach Angabe derselben Quelle steht zudem ein bei einem früheren Konflikt erbeutetes, sichtbar beschädigtes T-72 aus irakischen Beständen in einem US-amerikanischen Militärmuseum.
International bleibt der T-72 in modernisierten Ausführungen bei zahlreichen Streitkräften im aktiven Bestand. Die hier beschriebene unveränderte sowjetische Grundversion ist bei den meisten ehemaligen Nutzerstaaten inzwischen durch spätere Baureihen oder Nachfolgemodelle ersetzt.
Kann man einen T-72 selbst fahren?
Nein, der T-72 steht in Deutschland an keinem verzeichneten Standort zum Selbstfahren zur Verfügung. Am ehesten vergleichbar ist der T-55, ein ebenfalls sowjetischer Kampfpanzer mit Kettenlaufwerk, Drehstabfederung und ähnlicher Fahrzeugklasse, der in Benneckenstein im Harz selbst gefahren werden kann. Lenkverhalten, Schaltung und das grundsätzliche Fahrgefühl eines sowjetischen Kettenfahrzeugs dieser Generation lassen sich beim T-55 unmittelbar erleben, auch wenn Gewicht und Motorleistung der beiden Modelle nicht identisch sind: Der T-55 wiegt 36 Tonnen bei 580 PS, der T-72 41,5 Tonnen bei 780 PS.
Verwandte Fahrzeuge
Der T-72 zählt zur Generation sowjetischer Kampfpanzer des Kalten Krieges. Beim Vorgänger schwanken die Angaben: Eine Quelle nennt den älteren T-55, eine andere den T-64, der zeitlich parallel und nicht als direkte Vorstufe entwickelt wurde. Ähnlich uneinheitlich ist der Nachfolger: Eine Quelle nennt die eigene Kampfwertsteigerung T-72A, eine andere den später eingeführten T-90. Der T-55 ist hier als eigene Seite verfügbar, T-64 und T-90 aktuell nicht. Einen Überblick über alle erfassten Modelle bietet die Fahrzeugübersicht.
Häufige Fragen
Wie schwer ist ein T-72?
Das Gefechtsgewicht der sowjetischen Grundversion liegt bei 41,5 Tonnen. Dieser Wert gilt für das serienmäßige Ausgangsmodell. Viele spätere Exportvarianten mit zusätzlichen Panzerungspaketen wiegen deutlich mehr, lassen sich anhand der vorliegenden Daten aber nicht einzeln beziffern.
Wie schnell fährt ein T-72?
Die Höchstgeschwindigkeit auf der Straße liegt bei 60 km/h, ermöglicht durch den V-46-Mehrstoffdieselmotor mit 780 PS bei einem Gefechtsgewicht von 41,5 Tonnen. Die Reichweite gibt die Datenlage mit 500 Kilometern an, abhängig von Gelände und Fahrweise.
Wie viele T-72 wurden gebaut?
Die Angaben schwanken stark je nach Quelle und Zählweise: von über 20.000 Fahrzeugen allein aus der Fertigung bei Uralvagonzavod zwischen 1974 und 1990 über alle Modifikationen bis zu rund 50.000 weltweit einschließlich Lizenzfertigung. Eine dritte Quelle nennt über 25.000. Eine gesicherte Einzelzahl lässt sich daraus nicht ableiten.
Kann man einen T-72 selbst fahren?
Nein, der T-72 steht in Deutschland an keinem verzeichneten Standort zum Selbstfahren zur Verfügung. Vergleichbar ist der T-55, ein ebenfalls sowjetischer Kampfpanzer, der in Benneckenstein im Harz selbst gefahren werden kann.
Wer setzte den T-72 ein?
Neben der sowjetischen Armee führten Lizenzfertigungen unter anderem in der Tschechoslowakei, in Polen und im ehemaligen Jugoslawien zur weiten Verbreitung des Fahrzeugtyps. Nach Angabe einer Quelle setzen oder setzten mehr als 30 Streitkräfte weltweit den T-72 oder direkte Ableitungen ein.
Welchen Motor hat der T-72?
Verbaut ist ein V-46, ein Zwölfzylinder-V-Mehrstoffdieselmotor mit 780 PS. Er kann neben Diesel auch andere Kraftstoffarten verbrennen und treibt das 41,5 Tonnen schwere Fahrzeug auf eine Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h bei 500 Kilometern Reichweite.
Wie weit kommt ein T-72 mit einer Tankfüllung?
Die Datenlage nennt eine Reichweite von 500 Kilometern für die sowjetische Grundversion mit Standardausstattung. Zusatztanks, das Gelände und abweichende Ausführungen können diesen Wert im Einzelfall spürbar verändern.