BMP-2

BMP-2 Detail Laufwerk oder Turm, ohne Wappen oder Truppenkennzeichen im Bild
Foto: Alf van Beem, Lizenz CC0, via Wikimedia Commons

Der BMP-2 ist ein Schützenpanzer aus sowjetischer Produktion. Hersteller ist das Kurganmaschinenbauwerk (Kurganmashzavod). Er entstand als Weiterentwicklung des BMP-1 und übernahm dessen Grundkonzept eines leichten, schwimmfähigen Kettenfahrzeugs für motorisierte Schützentruppen, unterscheidet sich vom Vorgänger aber vor allem in Turm, Bewaffnung und Besatzung. Die Serienproduktion begann 1980. Bewaffnet ist der BMP-2 mit der 30-mm-Maschinenkanone 2A42 in einem neu konstruierten Turm. In Deutschland lässt sich der BMP-2 aktuell nicht selbst fahren, welche Alternativen der Fahrzeugkatalog bietet, erklärt der Abschnitt weiter unten.

Technische Daten

Merkmal Wert
Typ Schützenpanzer
Herkunftsland Sowjetunion
Hersteller Kurganmaschinenbauwerk (Kurganmashzavod)
Bauzeit keine Angabe (Angaben widersprüchlich, siehe Text)
Stückzahl keine Angabe (Angaben widersprüchlich, siehe Text)
Gefechtsgewicht 14 t
Länge 6,735 m
Breite 3,15 m
Höhe 2,45 m
Motor UTD-20S1, Sechszylinder-Dieselmotor
Leistung 300 PS
Höchstgeschwindigkeit 65 km/h
Reichweite 550 bis 600 km
Besatzung 3
Hauptbewaffnung 30-mm-Maschinenkanone 2A42
Panzerung keine Angabe (Angaben widersprüchlich, siehe Text)
Watfähigkeit entfällt (vollständig schwimmfähig)

Entwicklungsgeschichte

Die Entwicklung des BMP-2 begann Anfang der 1970er-Jahre als Reaktion auf Schwächen des BMP-1. Der Vorgänger zeigte im Betrieb, dass seine Bewaffnung nicht stabilisiert war, was die Zielgenauigkeit beim Schießen aus der Bewegung einschränkte. Westliche Schützenpanzer wie der deutsche Marder oder der französische AMX-10P, beide mit schnellfeuernden 20-mm-Kanonen ausgerüstet, galten den sowjetischen Planern als überlegen. Diese Einschätzung stieß Entwicklungsarbeiten an mehreren Konstruktionsbüros an.

Ab 1972 begannen im Kurganmaschinenbauwerk erste Entwicklungsarbeiten für einen Nachfolger des BMP-1. Das daraus entstandene Fahrzeug wurde 1980 in die Bewaffnung der sowjetischen Armee aufgenommen, ab April desselben Jahres lief die Serienproduktion an.

Kernstück der Überarbeitung war ein neu konstruierter, größerer Turm für die 30-mm-Maschinenkanone 2A42. Gegenüber dem BMP-1 veränderten sich dadurch Turmgröße, Bewaffnung und die Aufgabenteilung der dreiköpfigen Besatzung, das ist der wichtigste Unterschied zwischen den beiden Modellen. Die Fertigung übernahm das Kurganmaschinenbauwerk als Hauptwerk. Details zu möglichen Lizenzfertigungen in weiteren Staaten sind Teil der schwankenden Stückzahlangaben, siehe Abschnitt Einsatz und Verbreitung.

Technik im Detail

Der BMP-2 wird von einem UTD-20S1 angetrieben, einem Sechszylinder-Dieselmotor mit 300 PS. Damit erreicht das 14 Tonnen schwere Fahrzeug eine Höchstgeschwindigkeit von 65 km/h auf der Straße. Der Motor liegt vorne im Fahrzeug, was dem restlichen Rumpf Platz für den Truppenraum lässt.

Das Kettenlaufwerk besteht je Seite aus mehreren Laufrollen, die über eine Drehstabfederung mit dem Wannenboden verbunden sind. Diese Bauweise federt Stöße einzeln pro Rad ab und ist bei sowjetischen Kettenfahrzeugen dieser Generation verbreitet. Das Treibrad sitzt vorne und zieht die Gleiskette, womit die Motorleistung in Vortrieb umgesetzt wird. Anders als bei manchen sowjetischen Fahrzeugen mit sogenanntem Vielstoffmotor handelt es sich beim UTD-20S1 um einen klassischen Diesel.

Die Hauptbewaffnung, die 30-mm-Maschinenkanone 2A42, sitzt in einem Zweimannturm. Es handelt sich um eine automatische Kanone, keine Glattrohrkanone, wie sie bei Kampfpanzern üblich ist.

Bei der Panzerstärke schwanken die Angaben je nach Quelle: Eine Quelle nennt 6 bis 26 Millimeter gewalzten Panzerstahl, eine andere 5 bis 19 Millimeter, mit bis zu 23 Millimetern bei zusätzlich montierter Panzerung. Die unterschiedlichen Werte lassen sich am ehesten damit erklären, dass die zweite Angabe zwischen Grundpanzerung und Zusatzpanzerung unterscheidet, während die erste eine Gesamtspanne nennt. Unabhängig von der genauen Zahl handelt es sich um gewalzten Stahl, nicht um geschichtete Verbundpanzerung, wie sie erst bei späteren Konstruktionen verbaut wurde.

Vollständig schwimmfähig ist der BMP-2 ohne Vorbereitung: Er durchquert Gewässer im Schwimmbetrieb. Eine Watfähigkeit in Metern, wie sie bei nicht schwimmfähigen Kettenfahrzeugen angegeben wird, gibt es deshalb nicht, denn das gesamte Fahrzeug schwimmt statt nur zu waten.

Varianten

Das Datenblatt nennt drei Hauptvarianten: BMP-2D, BMP-2K und BMP-2M.

  • BMP-2D: Ausführung mit verstärktem Schutz, eingeführt in den frühen 1980er-Jahren.
  • BMP-2K: Führungsfahrzeug mit erweiterter Kommunikationstechnik für Kommandostäbe.
  • BMP-2M: Modernisierung aus den späten 1990er- und frühen 2000er-Jahren mit überarbeitetem Turm und erweiterter Bewaffnung.

Weitere Ausführungen leiten sich vom BMP-2-Fahrgestell ab, etwa Aufklärungs- und Pioniervarianten, die im Datenblatt dieser Seite nicht gesondert erfasst sind. Die BMP-2M gilt in der Fachliteratur als Kampfwertsteigerung der Grundversion, nicht als eigenständige Neuentwicklung, da Fahrgestell und Antrieb unverändert blieben.

Einsatz und Verbreitung

Die Angaben zur Stückzahl schwanken erheblich, je nachdem wie gezählt wird. Eine Quelle nennt mehr als 8.000 gefertigte Fahrzeuge, eine andere spricht von mehr als 20.000 in sowjetischer beziehungsweise russischer Produktion und 26.000 bis 35.000, wenn Lizenzbauten in anderen Staaten mitgezählt werden. Eine dritte Quelle nennt über 11.000 Fahrzeuge weltweit im Bestand, allerdings als aktuelle Bestandsangabe und nicht ausdrücklich als Gesamtproduktion. Die Spannbreite erklärt sich vor allem daraus, ob nur die Kernproduktion oder auch Lizenzfertigung und spätere Bestandszahlen mitgerechnet werden.

Auch bei der Bauzeit gehen die Angaben auseinander. Die Serienproduktion begann übereinstimmend 1979 oder 1980. Ein Ende der Produktion nennt nur eine Quelle, das Jahr 2008, andere Quellen machen dazu keine Angabe.

Der BMP-2 wurde in großem Umfang von den Streitkräften des Warschauer Pakts und späteren GUS-Staaten übernommen und zusätzlich an zahlreiche weitere Staaten exportiert oder in Lizenz gefertigt. Zu den Nutzerstaaten zählen unter anderem Indien, Finnland, der Iran sowie mehrere Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Eine Quelle ordnet den BMP-2 der Epoche Kalter Krieg und Gegenwart zu, da er bei zahlreichen Streitkräften bis heute im Bestand geführt wird.

In der Nationalen Volksarmee (NVA) der DDR war der BMP-2 nur in geringer Stückzahl vertreten: 23 Fahrzeuge der Grundversion und ein BMP-2K kamen 1983 beziehungsweise 1985 in den Bestand, kurz bevor die deutsche Wiedervereinigung die NVA auflöste. 1990 gingen diese Fahrzeuge in den Bestand der Bundeswehr über.

Verbleib heute

Nach der Übernahme in den Bestand der Bundeswehr 1990 wurden die wenigen NVA-Fahrzeuge größtenteils weitergegeben oder ausgemustert. Ein Fahrzeug befindet sich heute im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden und ist dort im Außenbereich zu besichtigen. Das Deutsche Panzermuseum Munster zeigt in seiner Dauerausstellung dagegen den Vorgänger BMP-1, weil die NVA fast ausschließlich diesen einsetzte. Der BMP-2 blieb dort ein Randkapitel der Sammlung, nur 24 Fahrzeuge kamen überhaupt in NVA-Bestand.

International steht der BMP-2 bei zahlreichen Streitkräften weiterhin im aktiven Bestand, darunter Russland und mehrere Nachfolgestaaten der Sowjetunion sowie Staaten in Asien und dem Nahen Osten. Genaue aktuelle Bestandszahlen einzelner Länder werden in den verfügbaren Quellen unterschiedlich beziffert und sind auf dieser Seite deshalb nicht aufgeführt.

Kann man einen BMP-2 selbst fahren?

Nein, der BMP-2 steht in Deutschland aktuell nicht zum Selbstfahren zur Verfügung. Im Fahrzeugkatalog von panzerfahren.de findet sich derzeit kein Schützenpanzer, der als unmittelbar vergleichbare Alternative gelten würde. Einen Überblick über alle fahrbaren Modelle und Standorte bietet der Fahrzeugkatalog.

Verwandte Fahrzeuge

Der BMP-2 steht zwischen zwei eng verwandten Modellen: dem BMP-1 als direktem Vorgänger und dem BMP-3 als Nachfolger, der Fahrgestell und Turmkonzept nochmals grundlegend überarbeitete. Beide Modelle sind eigenständig dokumentiert, mit eigenen Datenblättern und ohne Übernahme der hier genannten Werte. Einen Überblick über weitere Schützenpanzer und Kettenfahrzeuge bietet der Fahrzeugkatalog.

Häufige Fragen

Wie schwer ist ein BMP-2?

Das Gefechtsgewicht liegt bei 14 Tonnen. Damit zählt der BMP-2 zu den leichteren Schützenpanzern seiner Generation, was zusammen mit der vollständigen Schwimmfähigkeit und dem 300-PS-Motor für hohe Beweglichkeit sorgt, auch abseits befestigter Straßen.

Wie schnell fährt ein BMP-2?

Die Höchstgeschwindigkeit auf der Straße beträgt 65 km/h. Erreicht wird dieser Wert durch den Sechszylinder-Diesel UTD-20S1 mit 300 PS bei einem Gefechtsgewicht von 14 Tonnen. Die Reichweite liegt laut Datenblatt zwischen 550 und 600 Kilometern.

Wie viele BMP-2 wurden gebaut?

Eine einheitliche Zahl gibt es nicht. Die Angaben schwanken zwischen über 8.000 Fahrzeugen und 26.000 bis 35.000 Stück, wenn Lizenzbauten mitgezählt werden. Der Unterschied liegt vor allem darin, ob nur die Kernproduktion oder auch Lizenzfertigung und spätere Bestandszahlen berücksichtigt werden.

Kann man einen BMP-2 selbst fahren?

Nein. In Deutschland steht aktuell kein BMP-2 zum Selbstfahren zur Verfügung, und auch kein unmittelbar vergleichbares Modell ist im Fahrzeugkatalog von panzerfahren.de gelistet. Eine Übersicht der tatsächlich fahrbaren Fahrzeuge und Standorte finden Sie im Fahrzeugkatalog.

Wo steht ein BMP-2 in Deutschland?

Ein ehemaliges NVA-Fahrzeug befindet sich im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden und ist im Außenbereich zu besichtigen. Das Deutsche Panzermuseum Munster zeigt in der Dauerausstellung dagegen den Vorgänger BMP-1, da die NVA überwiegend diesen einsetzte.

Ist der BMP-2 schwimmfähig?

Ja, der BMP-2 ist vollständig schwimmfähig und durchquert Gewässer ohne Vorbereitung. Deshalb gibt es für ihn, anders als bei nicht schwimmfähigen Kettenfahrzeugen, keine gesonderte Watfähigkeit in Metern im Datenblatt.

Was unterscheidet den BMP-2 vom BMP-1?

Der wichtigste Unterschied liegt in Turm, Bewaffnung und Besatzung. Der BMP-2 erhielt einen neu konstruierten, größeren Turm mit der 30-mm-Maschinenkanone 2A42 anstelle der Bewaffnung des Vorgängers. Details zum BMP-1 finden Sie auf dessen eigener Datenblattseite. </content>